Renaturierung der südlichen Drewitzer Nuthewiesen (Landeshauptstadt Potsdam)
Naturschutzfachliche Kontrolle und neue Empfehlungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christine Arndt
- Abgabedatum: Dezember 2009
- Umfang: 90 Seiten
- Dateigröße: 4,5 MB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
- Bibliografie: ca. 56
- ISBN (eBook): 978-3-8428-0863-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Arndt, Christine Dezember 2009: Renaturierung der südlichen Drewitzer Nuthewiesen (Landeshauptstadt Potsdam), Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Renaturierung, Biotopkartierung, Erfolgskontrolle, Naturschutz, Kontrolle
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Diplomarbeit von Christine Arndt
Einleitung:
1.1, Veranlassung:
Die Nuthe ist ein brandenburgischer Fluss, der bei Niedergörsdorf im Fläming entspringt. Sie gehört zum Einzugsgebiet der Havel, in welche sie nach etwa 65 km Fließstrecke inmitten der Landeshauptstadt Potsdam mündet. Ihr eigenes Einzugsgebiet nimmt eine Fläche von ca. 1.900 km² ein. Zwischen 1772 und 1934 wurde vor allem der Unterlauf der Nuthe in drei großen Meliorationsperioden zunächst begradigt, anschließend die noch vorhandenen Altarme abgetrennt und letztlich vertieft sowie deichähnlich verwallt. Dadurch hat sie heutzutage den Charakter eines Kanals. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden ihre Ufer zudem mit Pappelreihen bepflanzt, die größtenteils bis heute erhalten sind. Hinzu kommt, dass der mittlere Abfluss der Nuthe in den letzten zwei Jahrzehnten nochmals deutlich gesunken ist. Die Ursachen hierfür liegen vermutlich im fehlenden Abfluss aus den Rieselfeldern und in geringeren Niederschlägen.
Die Grundwasserstände in der Umgebung der Nuthe sind wiederum direkt von deren Wasserstand abhängig. Daher sind die Grundwasserflurabstände in den letzten Jahrzehnten deutlich größer geworden, was zu einer Austrocknung der Wiesen geführt hat. Da dies negative Folgen in vielen Bereichen nach sich zog, wurde beschlossen, einen Teil des Alten Nuthelaufes im Potsdamer Ortsteil Drewitz zu renaturieren. Unter einer Renaturierung versteht man hierbei die Überführung von ge- oder zerstörten Ökosystemen in einen naturnäheren Zustand. Die Hauptziele dieser Renaturierung waren die Wiederherstellung eines naturnahen Fließgewässers parallel zur kanalisierten Nuthe, die Anhebung der Grundwasserstände innerhalb der Wiesen und die Förderung der Nass- und Feuchtwiesen. Die Planungen zur Renaturierung wurden von der Euromedien Babelsberg GmbH in Auftrag gegeben, welche aufgrund von Eingriffen in der Medienstadt Babelsberg zu kompensierenden Ersatzmaßnahmen verpflichtet war. Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte in den Jahren 2003 bis 2005.
In der vorliegenden Diplomarbeit soll eine Einschätzung des Erfolges der Renaturierung vorgenommen werden. Dazu wird der Zustand der Drewitzer Nuthewiesen vor der Renaturierung, welcher vor allem durch das Ingenieurbüro Linder umfangreich erfasst wurde, mit der heutigen Situation verglichen. In Übereinstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde der Landeshauptstadt Potsdam (UNB) und dem Ingenieurbüro Linder wird das Untersuchungsgebiet weitgehend identisch mit dem Renaturierungsgebiet sein.
1.2, Aufgabenstellung:
Aus den oben genannten Zielen der Renaturierung lassen sich im Rahmen dieser Diplomarbeit zwei Aufgabenstellungen ableiten:
Erfolgskontrolle der Nuthe-Renaturierung:
Anhand eines Vergleiches der Biotopkartierungen von 1999 und 2009 wird der Erfolg der Maßnahmen zur Renaturierung der Nuthe und ihren Wiesen im Bereich von Drewitz eingeschätzt. Dazu werden im methodischen Teil zunächst die Begriffe ‘Erfolgskontrolle’ und ‘Biotopkartierung’ erklärt. Im Anschluss werden die Ergebnisse der floristischen Untersuchungen des Ingenieurbüros Linder aus der Zeit vor der Renaturierung und die eigenen Daten vorgestellt, um diese danach vergleichen zu können. Der Vergleich findet in erster Linie anhand der Biotoptypen statt. Darauf aufbauend werden in der Bewertung, für die auch die Ergebnisse des Monitorings durch das Ingenieurbüro Linder herangezogen werden, Aussagen zum Erfolg der Renaturierung getroffen.
Empfehlungen zur weiteren Gebietsbehandlung (Entwicklungskonzept):
Das Entwicklungskonzept baut direkt auf den Ergebnissen der Erfolgskontrolle auf. Es beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Gebiet der Renaturierung, sondern bezieht auch die Wiesen nördlich davon mit ein, welche daher zunächst beschrieben werden. Daraufhin werden vier verschiedene Szenarien für die weitere Gebietsentwicklung entworfen, wobei das Hauptaugenmerk auf der Intensität der Nutzung liegt. Abschließend kommt es zu Empfehlungen für die Gebietsbehandlung in der Zukunft.
Inhaltsverzeichnis:
| Verzeichnisse der Abbildungen und Tabellen | iii | |
| Abkürzungen | iv | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Veranlassung | 1 |
| 1.2 | Das Untersuchungsgebiet | 2 |
| 1.3 | Renaturierungsziele | 11 |
| 1.4 | Voruntersuchungen | 13 |
| 1.4.1 | Flora 1997 | 13 |
| 1.4.2 | Biotoptypen 1999 | 14 |
| 1.5 | Monitoring auf Dauerflächen 2005-2009 | 16 |
| 1.6 | Aufgabenstellung | 17 |
| 2. | Erfolgskontrolle der Nuthe-Renaturierung | 18 |
| 2.1 | Methodik | 18 |
| 2.1.1 | Naturschutzfachliche Erfolgskontrolle | 18 |
| 2.1.2 | Biotopkartierung in Brandenburg | 19 |
| 2.1.3 | Kartierung 2009 | 21 |
| 2.2 | Ergebnisse | 24 |
| 2.2.1 | Flora 2009 | 24 |
| 2.2.2 | Biotoptypen 2009 | 25 |
| 2.2.3 | Vergleich mit Voruntersuchungen und Monitoring | 28 |
| 2.3 | Bewertung | 32 |
| 2.4 | Teilzusammenfassung | 35 |
| 3. | Entwicklungskonzept | 36 |
| 3.1 | Methodik | 36 |
| 3.2 | Die nördlichen Drewitzer Nuthewiesen | 37 |
| 3.3 | Szenarien der Gebietsentwicklung | 39 |
| 3.3.1 | völlige Nutzungsaufgabe | 39 |
| 3.3.2 | Extensivierung der Nutzung | 41 |
| 3.3.3 | Beibehaltung der jetzigen Nutzung | 43 |
| 3.3.4 | Intensivierung der Nutzung | 43 |
| 3.4 | Empfehlungen zur weiteren Gebietsbehandlung | 45 |
| 3.4.1 | Leitbilder und Entwicklungsziele | 45 |
| 3.4.2 | Aktuelle Empfehlungen | 49 |
| 4. | Zusammenfassung | 57 |
| 5. | Danksagung und Erklärung | 58 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 59 |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Szenarien der Gebietsentwicklung:
3.3.1, völlige Nutzungsaufgabe:
Eine völlige Nutzungsaufgabe der Drewitzer Nuthewiesen ist unwahrscheinlich und in Bezug auf die gesetzlich geschützten Biotope sogar verboten. Sie soll hier aber trotzdem betrachtet werden, da auch die Entwicklung von kleineren, brachgefallenen Flächen auf diese Weise erklärt werden kann.
Dieses Szenario geht davon aus, dass einerseits die Grünlandflächen weder beweidet noch gemäht werden und andererseits kein Trinkwasser mehr gefördert wird. Letzteres hätte zwar einen Anstieg des Grundwassers zur Folge, der sich aber nur im Südosten auf das Untersuchungsgebiet auswirkt, da der Absenkungstrichter der dort angrenzenden Trinkwasserbrunnen von Osten her lediglich bis etwa zur Hälfte der Stichgräben des Dürrewiesen-Grabensystems reicht. Allerdings wäre ohne die aktuell bestehenden Trinkwasserschutzgebiete eine Wiedervernässung der Flächen möglich, um die Torfzersetzung nicht nur aufzuhalten, sondern Torfbildung anzuregen. Dazu wäre eine ganzjährige Überstauung nötig, damit keine Luft in den Boden gelangen kann. Zunächst würden dadurch vermutlich die jetzigen Grünlandbestände absterben. Außerdem ist zeitweilig mit einer Freisetzung von Nährstoffen oder gar Schadstoffen zu rechnen. Langfristig könnten sich aber stabile Ökosysteme ausbilden, die einer Vielzahl von Arten einen Lebensraum bieten und deren Böden die für Moore erwünschte Senkenfunktion aufweisen.
Da nahezu sämtliche Grünlandflächen als sogenannte Halbkulturformationen durch den Einfluss der menschlichen Nutzung entstanden sind, hätte deren Nutzungsauflassung erhebliche Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Vegetation. Werden Feuchtwiesen nicht mehr genutzt, breiten sich schnell artenarme Hochstaudenfluren (z.B. Mädesüß-Hochstaudenflur), Großseggenriede (z.B. Dominanz der Schlank-Segge – Carex gracilis) oder Röhrichte aus. Auf ehemaligen Weiden gelangt hingegen eher die Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) und auf sehr nassen Standorten der Wasser-Schwaden (Glyceria maxima) zur Dominanz. Diese bilden sehr dichte Bestände, welche das Mikroklima in Bodennähe stark beeinflussen. Besonders schnell läuft diese Umwandlung auf nährstoffreichen Böden ab. Die in der Regel niedrigwüchsigen typischen Wiesenpflanzen können sich in erster Linie aufgrund der mangelhaften Lichtverhältnisse am Boden nicht mehr behaupten, es sei denn ihr Lebensrhythmus ist derart zeitlich versetzt, dass sie ausgereift sind, bevor die dominanten Arten austreiben. Auch Keimlinge von Gehölzen können sich hauptsächlich wegen der Lichtkonkurrenz nicht oder nur selten etablieren, wodurch eine Weiterentwicklung zum Wald verhindert wird. Einige Gehölze, wie z.B. die bereits im Gebiet vorhandenen Grau- und Korbweiden (Salix cinerea und S. viminalis), besitzen allerdings die Fähigkeit der vegetativen Vermehrung und können sich – wenn sie erst einmal fest etabliert sind – auch unter schwierigen Bedingungen weiter ausbreiten.
Eine Wiederherstellung der artenreichen Feuchtwiesengesellschaften ist vor allem nach längerer Brache problematisch. Das liegt zum einen an der schwierigen Verdrängung der dominanten Arten, welche sich oft nur durch mindestens dreimalige Mahd und gleichzeitige Rücknahme der Vernässung reduzieren lassen. Zum anderen bilden viele Arten der Feuchtwiesen nur kurzlebige Samen aus, wodurch eine Wiederbesiedlung dieser Arten aus der Samenbank im Boden kaum möglich ist.
Auch die jetzigen Frischwiesen und –weiden wären im Falle einer Nutzungsauflassung von wuchskräftigen Gräsern und Hochstauden geprägt. Auf nährstoffreichen Standorten, welche den Großteil des Untersuchungsgebietes ausmachen, würden sich Nährstoffzeiger wie Brennnessel (Urtica dioica) und Beifuß (Artemisia vulgaris) stark ausbreiten. Trotz allem wäre die Pflanzendecke dieser Bereiche jedoch nicht so dicht wie bei den feuchten und nassen Flächen, so dass sich hier schneller Gehölze behaupten könnten. Im Zuge der Sukzession würde sich demnach die potentielle natürliche Vegetation durchsetzen: der ‘Schwarzerlenniederungswald im Komplex mit Traubenkirschen-Eschenwald’.
Die noch höher gelegenen Sandkuppen sind in der Regel nicht nur trocken, sondern auch recht nährstoffarm, weshalb hier selbst bei Nutzungsauflassung Lücken in der Pflanzendecke verbleiben. Einige trockenresistente Gräser wie Quecke (Elytrigia repens) und Glatthafer (Arrhenatherum elatius) könnten aber unter diesen Bedingungen ausgedehnte Bestände bilden. Die Besiedlung der beiden vegetationsfreien Flächen auf den nördlichen Wiesen würde hingegen aufgrund der extremen Standortverhältnisse sehr lange dauern.
Bei all den genannten Vegetationsumwandlungen gilt das Prinzip der ‘Initial floristic composition’. Demnach können sich die charakteristischen Arten nur durchsetzten, wenn sie schon im Ausgangsbestand vorhanden waren.
Des Weiteren bedeutet eine Nutzungsaufgabe, dass keine Unterhaltung der neu angelegten Gewässer mehr erfolgt. Da aber die Beschattung der Gräben derzeit noch nicht ausreichend ist, würden sich die Wasserpflanzen stark ausbreiten. Dies beeinträchtigt wiederum die Fließgeschwindigkeit des Gewässers, weshalb mitgeführte Sedimente schneller abgelagert werden und sich der Wasserspiegel erhöht. Früher oder später würden diese Gewässer daher verlanden. Die Folgen für den Wasserhaushalt sind im Rahmen dieser Arbeit nicht bewertbar.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783842808638
Arbeit zitieren:
Arndt, Christine Dezember 2009: Renaturierung der südlichen Drewitzer Nuthewiesen (Landeshauptstadt Potsdam), Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Renaturierung, Biotopkartierung, Erfolgskontrolle, Naturschutz, Kontrolle




