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Die Relevanz des Körpers in Beratung und Therapie psychisch traumatisierter Menschen

Die Relevanz des Körpers in Beratung und Therapie psychisch traumatisierter Menschen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katrin Hensel-Schäfer
  • Abgabedatum: Juli 2003
  • Umfang: 103 Seiten
  • Dateigröße: 561,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Berlin (EFB) Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7856-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7856-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7856-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hensel-Schäfer, Katrin Juli 2003: Die Relevanz des Körpers in Beratung und Therapie psychisch traumatisierter Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Posttraumatische Belastungsstörung, Psychophysiologie, sexualisierte Gewalt, Traumatherapie, sekundäre Traumatisierungen

Diplomarbeit von Katrin Hensel-Schäfer

Zusammenfassung:

Mit dieser Diplomarbeit möchte ich die Relevanz des menschlichen Körpers in der beratenden und therapeutischen Praxis mit psychisch traumatisierten Menschen untersuchen und deutlich machen. In meiner persönlichen Ausbildung sowie in meinem Studium der Sozialpädagogik habe ich viele Theorien und Hintergründe verschiedener psychosozialer Beratungstechniken und psychotherapeutischer Ansätze kennen gelernt, die mir als sehr sinnvoll und in der Praxis als sehr relevant erscheinen.

In Selbsterfahrungsprozessen mit Tanz, körperorientierten Visualisierungstechniken und im Studium tanz- und bewegungstherapeutischer Methoden ist mir aufgefallen, wie sinnvoll auch diese Methoden in der Anwendung, sowohl in der psychosozialen Beratung als auch in der psychotherapeutischen Praxis sein können. Doch bisher finden körperlicher Prozesse und Bedürfnisse in diesen Bereichen immer noch mangelnde Beachtung. Deshalb ist es mir wichtig zu untersuchen, welche Auswirkungen der Körper mit seinen somatischen Symptomen auf seelische Prozesse hat und wie mit Hilfe körperorientierter Verfahren psychisches Leid geheilt werden kann.

Das Thema Trauma und seine Entstehung, und wie es möglich ist, oder ob es überhaupt möglich ist, ein Trauma zu heilen, beschäftigen mich schon seit vielen Jahren. Im persönlichen Leben, in Selbsterfahrungsgruppen und fortlaufenden Weiterbildungen in körpertherapeutischen Methoden bin ich immer wieder mit Traumatisierungen konfrontiert worden. Ich machte die Erfahrung, dass besonders die Themen sexueller Missbrauch und andere Formen sexualisierter Gewalt mit in die Auseinandersetzung von therapeutischen Methoden gehören, genauso wie sie die Dynamik der Gruppen, die sich für Ausbildungen und/oder Fort- und Weiterbildungen im therapeutischen und beratenden Bereich bilden, beeinflussen.

Die Komplexität der psychologischen, körperlichen und sozialen Zusammenhänge wurde immer deutlicher und veranlassten mich dazu, mir ein umfassendes Verständnis der verschiedenen Ebenen zu verschaffen. Besonders in meiner Arbeit als Masseurin mache ich die Erfahrung, dass sich durch die Körperarbeit auch psychische Blockaden lösen können, so dass für mich die Rolle des Körpers als Container für psychische, geistige und somatische Erlebnisse mit ihren Auswirkungen nur zu deutlich ist. Ich machte die Erfahrung, dass Menschen manchmal heftige kathartische Gefühlszustände in der Behandlung erlebten, ohne einen Zusammenhang zu ihrer Vergangenheit herstellen oder das Erleben verbalisieren zu können. Andererseits kam es auch vor, dass sie plötzlich nicht mehr präsent schienen, wie wenn sie sich von ihrem gefühlsmäßigen Erleben abgeschnitten hätten. Daher ist es für mich von besonderen Interesse, mich als Körpertherapeutin wie Sozialpädagogin, mit dem sehr komplexen Thema der Traumaarbeit und ihren Störungs- und Heilungskonzepten auseinander zusetzen und die Relevanz des Körpers für Heilungsprozesse zu untersuchen und darzustellen.

In den ersten Kapiteln der Diplomarbeit werden neben der Geschichte der Psychotraumatologie relevante Konzepte der psychologischen Fachliteratur vorgestellt. Diese beleuchten die Ursachen, Folgen und häufig auftretende Symptome von psychischen Traumatisierungen, sowie den Stressorfaktoren, die zu einer Traumatisierung und einem posttraumatischen Belastungssyndrom führen. Dies wird ergänzt durch die neurobiologischen Zusammenhänge und psychophysiologischen Auswirkungen von Traumatisierungen. Im Folgenden werden Traumatisierungen durch sexualisierte Gewalt mit ihren Auswirkungen und möglichen Folgeerscheinungen ausführlich geschildert, um dann auch die psychosomatischen Folgen und das Körperbild der gewaltbetroffenen Frauen näher zu erklären.

Zusammen mit den Phasen der Traumatherapie werden verschiedene verhaltenstherapeutische und psychoanalytische Ansätze in der Behandlung psychischer Traumatisierungen beschrieben, sowie das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) und die imaginative traumazentrierte Psychotherapie vorgestellt.

In Kapitel 9 werden die Imagination und andere Stabilisierungsverfahren als ein wesentlicher Teil der Traumatherapie herausgearbeitet. Im folgenden Kapitel stelle ich einen weiteren körperorientierten Ansatz von Peter A. Levine vor, der die Fähigkeit beschreibt, traumatische Erfahrungen zu transformieren. Über die Transformierung von Traumata wird übergeleitet zur Spiritualität, die sich als ein wesentlicher und heilsamer Erfahrungsschatz in der Arbeit mit traumatisierten Menschen erweist. Anschließend wird die beratende und therapeutische Beziehung als ein grundlegender und wichtiger Aspekt in der Behandlung aufgezeigt. Auch hier wird die Relevanz des Körpers als Körperresonanz in der beratenden und therapeutischen Beziehung behandelt.

Aus diesen Untersuchungen ergeben sich neue Gedanken und Perspektiven für die sozialpädagogische Arbeit mit traumatisierten Menschen, die ich vor den Schlussbemerkungen ausführe.

Die folgende Arbeit konzentriert sich vor allem auf die Traumatisierungen durch sexualisierte Gewalt. Im Rahmen meines Studiums konnte ich durch meine Praktika berufliche und persönliche Erfahrungen in einer Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten, sowie in einer Beratungsstelle für vergewaltigte und sexuell belästigte Frauen und Mädchen in Berlin, sammeln.

Anzumerken ist hier, dass sich in der Fachliteratur der Begriff des „sexuellen Missbrauchs“ eingebürgert hat, der jedoch impliziert, dass es so etwas wie einen legitimen Gebrauch von Kindern oder Frauen gibt. Deutlicher ist deshalb der Begriff der „sexuellen Ausbeutung“, da er die Komponenten der Macht und den Moment der Unterdrückung beinhaltet. In dieser Arbeit werden beide Begriffe synonym benutzt. Genauso werde ich den Begriff des ´Opfers´ vermeiden, um einer Stigmatisierung entgegen zu wirken und statt dessen die Begriffe ´Betroffene´ bzw. ´Überlebende´ sexualisierter Gewalterfahrungen oder ´traumatisierte Menschen´ benutzen. Außerdem werde ich mich hauptsächlich auf Frauen beziehen, da sie durch sexualisierte Gewalt in stärkerem Maße betroffen sind und auch von Frauen beraten werden oder zu Frauen in Psychotherapie gehen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Geschichte der Psychotraumatologie 5
2. Was ist ein psychisches Trauma? 12
2.1 Ursachen für Traumata 14
3. Folgen und Symptome von psychischen Traumatisierungen 15
3.1 Häufig auftretende Symptome 16
3.2 Posttraumatische Belastungsstörungen im DSM-IV 23
4. Die Psychophysiologie von Traumatisierungen 26
4.1 Biopsychologische Zusammenhänge 29
4.2 Die wechselseitige Verbindung der einzelnen Gehirnteile 29
4.3 Das autonome Nervensystem 30
4.4 Die Amygdala und der Hippocampus 31
5. Stressorfaktoren, was lässt ein Ereignis zu einem Trauma werden? 33
5.1 Vulnerabilität und Widerstandfähigkeit 35
5.2 Präventive Maßnahmen zur Vermeidung von PTBS 38
6. Traumatisierung durch sexualisierte Gewalt 40
6.1 Auswirkungen und mögliche Folgeerscheinungen sexualisierter Gewalt 41
6.2 Sucht als Folge sexualisierter Gewalt 43
6.3 Psychosomatische Folgen und Körperbild 45
7. Phasen der Traumatherapie 48
7.1 Therapeutische Verfahren in der Behandlung psychischer Traumatisierungen 51
7.1.1 Verhaltenstherapeutischer Ansatz 54
7.1.2 Psychoanalytischer Ansatz 56
7.1.3 Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) 58
7.1.4 Imaginative traumazentrierte Psychotherapie 60
7.2 Unterschiedliche Ansätze in den verschiedenen Phasen der Behandlung 62
8. Stabilisierungsverfahren 63
8.1 Imagination als heilsame Kraft 66
8.2 Imagination in der Psychotherapie 67
8.3 Körpererinnerung und Selbstheilungskräfte 69
9. Der Körper als Ressource 70
9.1 Somatic Experiencing – ein körperorientierter Ansatz von Peter A. Levine 76
9.2 Traumatransformation 77
10. Spiritualität 79
11. Die therapeutische und beratende Beziehung 81
11.1 Sekundäre Traumatisierung 83
11.2 Körperresonanz in der therapeutischen/beratenden Beziehung 85
12. Perspektiven für die sozialpädagogische Arbeit mit traumatisierten Menschen 88
Schlussbemerkungen 93
Literaturverzeichnis 97

Automatisiert erstellter Textauszug:

Situation ausgelöst. Die Traumatisierungen werden so intensiv und lebensecht wiederholt, dass es sehr schwierig ist, sie in dem betreffenden Augenblick von der realen Situation zu unterscheiden. (Rothschild 2002 S.109) Intrusionen bestehen aus einer intensiven Dichte von fragmentierten Gefühlen und Bildern ohne Worte, die der traumatischen Erinnerung eine gesteigerte Realität verleiht. Aufgrund vielfältiger Untersuchungen wird vermutet, dass traumatische Ereignisse die linguistische Kodierung im Gehirn außer Kraft setzen und das Zentrale Nervensystem deshalb auf die sensorischen und bildhaften Formen des Gedächtnisses zurückgreift (Herman 1993, S.61). Zu den Intrusionen gehört, dass Menschen, die Traumatisierungen erfahren haben, diese Ereignisse in offener oder verschleierter Form zwanghaft wiederholen müssen. Manchmal setzten sie sich sogar der Gefahr einer weiteren Verletzung aus, nur im Versuch, diesen traumatischen Augenblick dann endgültig auszulöschen. Mal sind die Wiederholungen bewusst gewählt, doch auch wenn sie bewusst sind, wirken sie doch oft unfreiwillig und zwanghaft. Neuere Theorien, wie die von Mardi Horowitz erklären die Intrusionen als »Vervollständigungsprinzip«. Durch ein Trauma werden innere Selbstbilder und Weltvorstellungen vollkommen erschüttert, wenn nicht sogar zerstört. „Horowitz vermutet, dass nicht assimilierte traumatische Erfahrungen in einem besonderen »aktiven Gedächtnis« gespeichert werden, das dazu neigt, die »Darstellung der Inhalte zu wiederholen«. Das Trauma kann erst dann überwunden werden, wenn das Opfer ein neues geistiges »Muster« entwirft, um das Geschehene zu verstehen.“ (Herman 1993, S.64) Weil die Intrusion viele schmerzliche und starke Gefühle wecken kann, vermeiden Betroffene oft diese Trigger-Situationen oder auch die Situationen des Wiedererlebens, soweit es in ihrer Macht steht. Dies dient dem eigenen Schutz, doch verschlimmert es gleichzeitig die posttraumatische Störung, die zu einer Einengung des Bewusstseins, zum 20 [...]

außerhalb ihres Körpers wahrgenommen zu haben und Mitleid für `die Frau´ empfunden zu haben, der das zu passieren schien ( Classen, Koopman& Spiegel, 1993, in Butollo, 1999,46). Die Dissoziation tritt folglich in verschiedenen Formen auf, bei denen es immer zu einer grundlegenden Trennung von Aspekten der Person kommt: entweder in Form einer Spaltung von Bewusstsein und Körper, einem Teil des Körpers und dem restlichen Körper, dem Ich und den Emotionen, Empfindungen und Gedanken oder in der Spaltung des Ich von der Erinnerung an einen Teil des Ereignisses oder ein Ereignis als Ganzes. Dabei bleibt ungeklärt ob Körper und Psyche durch die Dissoziation versuchen, die Wirkung des Traumas zu mildern oder ob sich die Dissoziation als sekundäre Folge des Traumas zeigt. Nach Bessel van der Kolk (1996 in Butollo 1999, S.46) ist die Dissoziation einer der Mechanismen, welcher bei selbstverletzendem Verhalten mit eine Rolle spielt. Gefühle des Abgespaltenseins von eigenen Empfindungen, Gefühle der Entfremdung gehen der Selbstverletzung meist voraus und befähigen den Betroffenen, den Schmerz vermindert wahrzunehmen. Trotzdem stellt sich das Gefühl ein, »auf den Boden zurückzukommen« und sich wieder lebendig zu fühlen. 3. Intrusion ( Flashbacks und Wiedererleben ) Lange nachdem die Gefahr vorüber ist, erleben Traumatisierte das Ereignis immer wieder so, als ob es gerade geschähe. Gegen ihren Willen und oft unvermittelt drängen sich die Erinnerungen an das traumatische Ereignis und die überwältigenden Gefühle in ihren Alltag. Die traumatisierende Situation reaktualisiert sich und wird noch einmal voll durchlebt. Diese Zustände laufen mit allen begleitenden Affekten, Emotionen und Körpergefühlen ab. Sie können im Wachzustand genauso wie im Schlaf als Alpträume erscheinen, bei denen die Betroffenen aus dem Schlaf gerissen werden. Eine Form von Intrusionen sind Flashbacks. Diese werden durch »Trigger« wie z.B. durch ein Bild, einen Geruch, einen Film, eine 19 [...]

beziehungsweise zur übrigen Person verlieren, sich abspalten und mehr oder minder unabhängig funktionieren. So können logisch unvereinbarte Gedanken, Gefühle und Einstellungen nebeneinander beibehalten und ein Konflikt zwischen diesen beiden vermieden werden.“ Eine dissoziative Amnesie sind Erinnerungslücken in Bezug auf bestimmte Ereignisse, Teilaspekte davon oder andere wichtige Informationen, die durch medizinische Faktoren nicht zu erklären sind. Zwei Unterformen von Dissoziationen kommen zur Bewältigung einer traumatisierenden Erfahrung häufig vor: Die Derealisation – der Betroffene verlässt geistig die unerträgliche Situation, und versetzt sich in eine andere Realität. Bei der Depersonalisation steigen Betroffene aus ihrem Körpererleben aus, stehen wie neben sich oder betrachten sich die Szene von oben herab, um so wenig wie möglich selber zu durchleben. Diese Formen der Dissoziation können als Schutz-, und [...]

Arbeit zitieren:
Hensel-Schäfer, Katrin Juli 2003: Die Relevanz des Körpers in Beratung und Therapie psychisch traumatisierter Menschen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Posttraumatische Belastungsstörung, Psychophysiologie, sexualisierte Gewalt, Traumatherapie, sekundäre Traumatisierungen

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