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Die Relevanz des Klimawandels für die Versicherungswirtschaft

Betrachtung ausgewählter Elementarrisiken sowie potenzieller Handlungsoptionen für Erstversicherungsunternehmen

Die Relevanz des Klimawandels für die Versicherungswirtschaft
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Judith Pusch
  • Abgabedatum: Oktober 2008
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz Deutschland
  • Bibliografie: ca. 136
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3841-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pusch, Judith Oktober 2008: Die Relevanz des Klimawandels für die Versicherungswirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Klimawandel, Versicherungswirtschaft, Risikohandhabung, Elementarrisiken, Risikotransfersysteme

Diplomarbeit von Judith Pusch

Einleitung:

‘Der Klimawandel findet statt und kann nicht mehr gestoppt werden’. Die Versicherungswirtschaft macht sich seit etwa zwei Jahrzehnten verstärkt Sorgen, angesichts der Erderwärmung und der folgenden signifikant zunehmenden Schadensbelastung aus Naturkatastrophen. Eine Vielzahl von Versicherungsunternehmen warnt seit Jahren vor den unterschätzten Folgen des Klimawandels, da dieser mit seinen Auswirkungen für die Versicherungswirtschaft eines der eklatantesten Risiken darstellt.

Ein Großteil der Schäden wird von Extremereignissen wie Stürmen, Überschwemmungen sowie Hagelunwettern verursacht. Solche Elementarrisiken können, mit lediglich einem Schadenereignis, gleichzeitig bei sämtlichen Versicherungsnehmern Schäden verursachen. Dieses so genannte Kumulrisiko stellt die Versicherer folglich vor schwierige Aufgaben.

Schäden, welche infolge von Elementarrisiken entstehen, dominieren zunehmend die Katastrophenstatistiken der Versicherungsunternehmen. Die erste Jahreshälfte 2008 war, ebenso wie die Vorjahre, von einer enormen Zahl von Naturkatastrophen geprägt. ‘Damit passt das Jahr bislang zu dem langfristigen Trend einer steigenden Zahl von Wetterkatastrophen, der durch den Klimawandel beeinflusst wird.’ Bis Ende Juni 2008 ereigneten sich bereits weltweit 400 Naturkatastrophen. Im Rekordjahr 2007 waren es insgesamt 960 Ereignisse.

Anlässlich dieser ungünstigen Schadentrends müssen sich die Versicherer anpassen und verändern, um langfristig erfolgreich zu sein. ‘Durch Anpassung an die Folgen des Klimawandels lassen sich viele Schäden begrenzen.’ Versicherungsgesellschaften sollten sich auf die wachsenden Herausforderungen einstellen sowie bereits heute richtig positionieren. Der Klimawandel muss demnach adäquat in die Geschäftsstrategie integriert werden.

Gang der Untersuchung:

Im Vordergrund der Betrachtung dieser Arbeit stehen Handlungsoptionen der Versicherer (VR), die ergriffen werden können, um auf steigende Schäden, infolge von Elementarrisiken, zu reagieren. Sind diese Schäden künftig versicherbar oder stellt der Klimawandel für die Versicherungswirtschaft eine Existenzbedrohung dar? Zudem stellt sich die Frage, ob die Versicherungsunternehmen (VU) mittels Strategien den Klimawandel zukünftig sinnvoll in den Entscheidungsprozessen berücksichtigen können. Zur Erarbeitung dieser Fragestellungen werden einerseits Anpassungsstrategien, mit welchen den unvermeidbaren Folgen des Klimawandels sinnvoll und effektiv entgegnet werden sollen, dargestellt, andererseits existieren Vorsorgestrategien, welche die Ausmaße des Klimawandels einschränken.

Eine weitere Möglichkeit sind Maßnahmen der alternativen Risikotransfersysteme, um steigende Schadensbelastungen zu minimieren. Zu klären ist, ob die unterschiedlichen Formen die Folgen eklatanter Schäden effizient verteilen können. Besteht ferner die Aussicht, dass die innovativen Kapitalmarktinstrumente die traditionelle Rückversicherung ersetzen?

Ziel dieser Arbeit ist, die zuvor erwähnten Fragen aufzugreifen, diese zu erarbeiten und abschließend zu erläutern.

Nach der Definition der Ziele wird im folgenden der Gang der Untersuchung dargestellt. Die vorliegende Arbeit ist in sechs Kapitel unterteilt.

Das Kapitel 2.1 beschreibt die Elementarrisiken und grenzt die klimaabhängigen von den klimaunabhängigen Ereignissen ab. Im Anschluss hieran werden die beiden Elementargefahren Sturm und Überschwemmung intensiver betrachtet. Weitere Elementarrisiken werden im Kapitel 2.1.3 kurz dargestellt und erläutert. Im darauf folgenden Kapitel erfolgt eine Definition des Katastrophenbegriffs.

Anschließend werden der Klimawandel und seine Folgen dargestellt. Daraufhin erfolgt im nächsten Kapitel eine Erklärung der potenziellen Ursachen des Klimawandels, wobei die menschlichen Aktivitäten, wie z.B. der Ausstoß von CO2, näher betrachtet werden. Das Kapitel 3.3 stellt zunächst die Schäden aus klimaabhängigen Elementarrisiken dar, um im Anschluss die Risikowirkung des Klimawandels auf die Erstversicherungsunternehmen vorzunehmen.

Dass Kapitel 4.1 erläutert die passiven Handlungsoptionen der Versicherungsgesellschaften, welche aus der staatlichen Risikoübernahme sowie der Elementarschadenpflichtversicherung bestehen. Die aktiven Handlungsoptionen werden anschließend dargestellt. Diese setzten sich zum einen aus der Risikoabwehr der internen Sphäre und zum anderen aus der Risikoabwehr der externen Sphäre zusammen. Bestandspolitische, produktpolitische, prämienpolitische und schadenpolitische Maßnahmen sowie die Produktinnovationen zählen zur internen Sphäre, welche im Kapitel 4.2.1 analysiert werden. Anschließend untersucht das Kapitel 4.2.2 die Risikoabwehr der externen Sphäre. Hierzu offerieren sich die Öffentlichkeitsarbeit, die Betriebsökologie und die Produktökologie. Alternative Risikotransfersysteme bilden das Kapitel 4.2.3. In diesem Rahmen werden zunächst die traditionelle Rückversicherung sowie die unterschiedlichen Rückversicherungsformen behandelt. Daraufhin werden die wichtigsten Finanzmarktinstrumente analysiert. Diese setzen sich aus den Katastrophenanleihen und den Versicherungsderivaten zusammen. Die CATEX bildet den Abschluss dieses Kapitels.

Im Kapitel 5 erfolgt eine kritische Würdigung der aktiven Handlungsoptionen. Abschließend werden eine Zusammenfassung und der Ausblick dieser Arbeit dargestellt.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit 2
2. Grundlagen 4
2.1 Begriffsabgrenzung der Elementarrisiken 5
2.1.1 Das Elementarrisiko Sturm 6
2.1.2 Das Elementarrisiko Überschwemmung 9
2.1.3 Weitere Elementarrisiken 11
2.2 Abgrenzung des Begriffs Katastrophe 13
3. Auswirkungen der Klimaänderungen auf die Versicherungswirtschaft 15
3.1 Die Risikoursache Klimawandel 15
3.2 Ursachen des Klimawandels 17
3.3 Schäden aus klimaabhängigen Elementarrisiken 19
3.3.1 Weltweite Schäden 19
3.3.2 Schäden in Deutschland 23
3.4 Risikowirkungen des Klimawandels auf Erstversicherungsunternehmen 23
4. Risikohandhabung: Handlungsoptionen für Erstversicherungs-Unternehmen 26
4.1 Passive Handlungsoptionen 26
4.1.1 Staatliche Risikoübernahme 26
4.1.2 Elementarschadenpflichtversicherung 27
4.2 Aktive Handlungsoptionen 29
4.2.1 Risikoabwehr in der internen Sphäre 29
4.2.1.1 Bestandspolitische Maßnahmen 29
4.2.1.2 Produktpolitische Maßnahmen 31
4.2.1.3 Prämienpolitische Maßnahmen 35
4.2.1.4 Schadenpolitische Maßnahmen 38
4.2.1.5 Produktinnovationen 40
4.2.2 Risikoabwehr in der externen Sphäre 41
4.2.2.1 Öffentlichkeitsarbeit 41
4.2.2.2 Betriebsökologie 42
4.2.2.3 Produktökologie 43
4.2.3 Alternative Risikotransfersysteme 44
4.2.3.1 Rückversicherung 44
4.2.3.2 Katastrophenanleihen 50
4.2.3.3 Versicherungsderivate 55
4.2.3.4 Die CATEX 58
5. Kritische Würdigung 60
5.1 Bewertung der internen und externen Risikohandhabung 60
5.2 Bewertung der alternativen Risikohandhabung 62
6. Zusammenfassung und Ausblick 66
Quellenverzeichnis 68
Literaturverzeichnis 68
Internetverzeichnis 75
Anhang 78

Textprobe:

Kapitel 4, Risikohandhabung: Handlungsoptionen für Erstversicherungsunternehmen.

4.1, Passive Handlungsoptionen:

4.1.1, Staatliche Risikoübernahme:

Aus den Regelungen des Grundgesetzes ergibt sich kein direkter Anspruch privater Haushalte auf finanzielle Hilfen. Das Sozialstaatsgebot sieht jedoch eine grundsätzliche Verpflichtung von Trägern der öffentlichen Hand zur finanziellen Hilfeleistung der Bürger vor. Die Gewährung für Unterstützungen von Personen, welche von Naturkatastrophen betroffen sind, ist insofern Ausdruck des Sozialstaatsgebots.

Im Schadensfall bestehen direkte Finanzhilfen an private Haushalte aus steuerfinanzierten Transferzahlungen von Träger der öffentlichen Hand. Diese müssen i. d. R. nicht zurückgezahlt werden.

Staatliche Finanzhilfen werden dann gewährt, wenn sich die Schadenbetroffenen mit eigenen finanziellen Mitteln oder sonstigen Hilfen (z.B. Versicherungen) nicht selbständig aus ihrer akuten Notlage befreien können. Bezüglich der versicherten Schäden besteht folglich das Problem, dass der Staat diejenigen Haushalte, welche private Vorsorge getroffen haben, von staatlicher Hilfe ausschließt. Damit werden VN einerseits mit der Finanzierung der Versicherungsprämien belastet, andererseits müssen sie über das steuerfinanzierte Finanzhilfesystem der öffentlichen Hand ebenso die staatlichen Mittel an nicht versicherte Haushalte mitfinanzieren. Insbesondere einkommensschwachen Individuen erscheint es rational auf Eigenvorsorge zu verzichten und auf das soziale Fürsorgenetz zu vertrauen.

Folglich belasten Finanzierungshilfen den Staatshaushalt. Zudem gehen die Anreize der Personen, sich auf dem privaten Versicherungsmarkt gegen Elementarschäden abzusichern, verloren. Ein solches System bestraft diejenigen Haushalte, welche Versicherungsschutz erworben haben.

Eine Studie des ‘Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung’ hält beispielsweise den Rückzug des Staates aus seiner Rolle im Risikotransfer für sinnvoll. Die öffentliche Hand könnte folglich Einsparungen durch mögliche Subventionierung von Prämien und Senkung der Steuerlast an die VN weiterreichen.

Zusammenfassend wird festgehalten, dass dieses sozialpolitische Motiv der Hilfen einerseits einen Vorteil bietet, andererseits generiert es unerwünschte Konsequenzen. Beispielsweise wurde zur Finanzierung der Wiederaufbau-Hilfen im Fall des Sommerhochwasser 2002 in Deutschland die erwarteten Steuerreformen verschoben und teilweise umgehend einige Steuern erhöht (z.B. Körperschaftssteuer von 25 Prozent auf 26,5 Prozent).

Ein Modell, welches für alle Beteiligten Vorteile bringt, kann bei bisherigem Kenntnisstand vermutlich nicht hervorgebracht werden.

4.1.2, Elementarschadenpflichtversicherung:

Im Jahre 1994 wurden in Deutschland die Versicherungsmonopole und die damit verbundenen Versicherungsobligatorien für Elementarrisiken von Wohngebäuden abgeschafft. Seit dem erfolgt die Deckung von Elementargefahren auf freiwilliger privatwirtschaftlicher Basis ohne Zwang seitens des Staates.

Die Verbreitung einer erweiterten Elementarschadenversicherung ist gering. Wie bereits erwähnt, beträgt die Versicherungsdichte in Deutschland zurzeit ca. 20 Prozent. Insbesondere bei Schäden infolge von Hochwasser sind die Betroffenen häufig auf staatliche Hilfen angewiesen.

Als potenzielle Lösung wurde in Deutschland bereits vermehrt die Einführung einer Elementarschadenpflichtversicherung diskutiert. Eine Ausweitung der Versicherbarkeit durch Zwang hätte zur Folge, dass die privaten Haushalte bzw. die VU hinsichtlich ihrer Versicherungsentscheidung nicht autonom wären.

Die VU kritisieren, dass bei einer zwangsweisen Anbindung der erweiterten Elementarschadenversicherung an die Hausrat- und Wohngebäudeversicherung ebenfalls VN mit erhöhten Prämien für die erweiterte Deckung belastet werden, welche den Elementargefahren nicht oder kaum ausgesetzt sind. Ferner existieren sämtliche Kritikpunkte sowohl auf Versichererseite als auch auf staatlicher Ebene. Nachfolgend werden die Probleme auf der Versichererseite erläutert: Ein enormer Verwaltungsaufwand, hohe Betriebskosten bei relativ niedriger Prämie, die mangelnde Akzeptanz der Gebäudeeigentümer und ein hoher Eigenkapitalbedarf der VR aufgrund der enormen Volatilität von Elementarrisiken. Probleme auf staatlicher Ebene sind hauptsächlich Europa- und verfassungsrechtliche Probleme, Eingriffe in den Markt und insbesondere die Notwendigkeit von Staatsgarantien i. H. von ca. 22 Mrd. Euro pro Jahr.

Folglich beschlossen die Finanzminister der Länder im Februar 2004, dass aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen sowie im Hinblick auf die notwendigen Staatsgarantien kein vernünftiges und funktionsfähiges Pflichtversicherungsmodell gefunden werden könne.

Kritisch hierbei ist, dass die Politik ohne ein konsistentes Konzept nachhaltige Ad-hoc-Maßnahmen wie Überbückungshilfen, Steuerstundungen, Soforthilfen und nicht rückzahlbare Zuschüsse in Millionenhöhe gewährt. Demzufolge ist es fraglich, ob eine Elementarschadenpflichtversicherung evtl. die ‘bessere’ und ‘vernünftigere’ Variante darstellt.

Arbeit zitieren:
Pusch, Judith Oktober 2008: Die Relevanz des Klimawandels für die Versicherungswirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Klimawandel, Versicherungswirtschaft, Risikohandhabung, Elementarrisiken, Risikotransfersysteme

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