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Rekonstruktion einer konstruierten Realität

Profifußball in einer elektronischen Tageszeitung - Bundesliga-Aufstieg und Spielzeit des SSV Ulm 1846 e.V. in der Berichterstattung der Südwest Presse Online - eine qualitative Inhaltsanalyse

Rekonstruktion einer konstruierten Realität
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sabine Dettling
  • Abgabedatum: November 2000
  • Umfang: 143 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Stuttgart Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5838-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5838-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5838-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dettling, Sabine November 2000: Rekonstruktion einer konstruierten Realität, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sportjournalismus, Fußball, Sportpublizistik, Online-Medien, Sportberichterstattung

Diplomarbeit von Sabine Dettling

Einleitung:

Sportveranstaltungen in Deutschland sind wahre Magneten für ein Massenpublikum, und kein anderes Ereignis ist in der Lage, so hohe Einschaltquoten zu erzielen wie eine Fußball-Weltmeisterschaft. Der Sportteil der Zeitungen erfreut sich einer solchen Beliebtheit, dass die Bild-Zeitung als auflagenstärkstes Blatt Deutschlands in erheblichem Umfang über die Sportseiten verkauft wird. Die Diplomarbeit basiert auf einer Seminararbeit mit dem Titel „Die Bedeutung des Sports in den Medien“. Bei der Bearbeitung der Seminararbeit, die einen allgemeinen Überblick über die Forschungslage des Sports in den Massenmedien liefern sollte, ist deutlich geworden, dass innerhalb der Sportberichterstattung vor allen Dingen die Berichterstattung über Fußball dominiert. Den Medien wird vor diesem Hintergrund immer wieder einseitige „Leistungssportberichterstattung“ vorgeworfen. Zahlreiche Arbeiten existieren hierzu, und sie alle können die Vormachtstellung des Fußballs anhand von Zahlen belegen. Die Vorwürfe gehen alle in die selbe Richtung. Viel zu viel Fußball würde gesendet, immer nur Fußball sei auch Thema der Sportpresse. Selbst die neuen Online-Medien scheinen hier keine Ausnahme darzustellen.

So deutlich die Vormachtstellung des Fußballs in den Medien auch herausgestellt wird – nicht eine einzige Studie hat sich jemals damit befasst, w i e der „Herrgott Fußball“ aussieht, welches Bild vom Fußballsport zum Beispiel ein Printmedium (und hierzu zählt sowohl die traditionelle papierene Form als auch die online publizierte neuere Form in Gestalt von virtuellen Zeichen) an seine Leser weitervermittelt. Es konnte trotz intensivster Literaturrecherche keine einzige Arbeit gefunden werden, die genau dies zum Thema hat. Eine Abhandlung darüber, wie Fußball in der Presse dargestellt wird, fehlt. Diese Lücke soll die vorliegende Arbeit mit dem Charakter einer Pilotstudie zumindest ein Stück weit schließen.

Es ist vor diesem Hintergrund das Ziel der Diplomarbeit zu ergründen, welches Bild eine Online-Sportredaktion (die Südwest Presse online) von einem ortsansässigen Fußball-Bundesliga-Verein (dem SSV Ulm 1846 e. V.) skizziert.

Die aktuelle Diskussion um die Sportberichterstattung wird zuerst in einen wissenschaftstheoretisch begründeten Kontext gestellt; das inhaltliche Konzept der Arbeit basiert auf der neueren soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns. Auf der Folie dieses Konzepts wird die im Online-Medium abgebildete Wirklichkeit mit Hilfe der computergestützten qualitativen Inhaltsanalyse erfasst und rekonstruiert. Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass eine Rekonstruktion der von der Südwest Presse konstruierten Realität nicht die konstruierte Realität der Südwest Presse schlechthin abbildet, sondern wiederum eine individuelle Konstruktion dessen ist, was die Südwest Presse über den SSV Ulm geschrieben hat.

Die Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse, die „Ulmer Fußballgeschichten“, werden entsprechend des Kategoriensystems und auf der Grundlage der Arbeitshypothesen vorgestellt und diskutiert. Abschließend folgt die kritische Reflexion der Methode und Vorgehensweise vor dem Hintergrund der wissenschaftstheoretischen Aussagen und des Methodenkonzepts sowie die Thesenüberprüfung im Stile einer Ergebniszusammenfassung.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis IV
TEIL I EINLEITUNG 1
1. Die Forschungsidee oder: Warum ausgerechnet Fußball? 1
2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 2
2.1 Philosophische und wahrnehmungspsychologische Grundlagen 2
2.2 und die daraus abzuleitenden Konsequenzen für Zielsetzung und Methodik 4
2.3 Zum Aufbau der Arbeit 5
TEIL II THEORIE 6
1. „Gott ist Rund“ – Faszination Fussball 6
1.1 Was ist dran am Fußballsport? 8
2. Fußball und Massenmedien – eine Symbiose 9
2.1 Aspekte des Medienkonsums 9
2.2 Die Mannschaftssportart Fußball - Magnet für ein Massenpublikum 10
2.2.1 Die Live-Produktion eines Dramas 10
2.2.2 und die Nachbereitung durch die Presse 11
3. Zum Wandel der Medienstruktur und die Bedeutung des (Fußball-) Sports 12
3.1 Sportübertragungen im Fernsehen 12
3.2 Sport in den Printmedien 13
3.3 Online-Zeitungen im Internet – eine neue Konkurrenz für die Sportpresse? 14
3.3.1 Der Internetauftritt des Deutschen Fußball-Bundes als Beispiel 15
3.3.2 für eine potentielle Existenzbedrohung der Pressebranche durch das Internet? 15
3.3.3 Eigenschaften, Vor- und Nachteile virtueller und „herkömmlicher“ Presseprodukte 17
3.4 Die Mediensituation heute und morgen – Fazit und Ausblick 18
4. Sportmedien und Mediensport – zum Stand der Forschung 20
4.1 Veröffentlichungen zum Thema im Überblick 20
4.2 Anmerkungen zum Stand der Forschung 23
4.2.1 Presseähnliche Inhalte im Internet sind bisher nicht Gegenstand sportwissenschaftlicher Forschung 23
4.2.2 Das quantitative Forschungsparadigma dominiert 24
5. Grundlagen für eine systemtheoretische Rahmenkonzeption 25
5.1 Vorüberlegungen: Zur Eignung quantifizierender Verfahren in der Sportwissenschaft 26
5.2 Positivismus und Konstruktivismus - erkenntnistheoretische Pole 27
5.3 Grundbegriffe der Systemtheorie 29
5.4 Massenmediale Konstruktion von Realität 31
5.4.1 Zur Theorie der Massenkommunikation 31
5.4.2 Die Beobachtung der Beobachter 32
5.4.3 Die Erzeugung gesellschaftlicher Hintergrundrealität, Nachrichtenwerttheorie und Agenda-Setting 35
5.5 Die Realität des Sports in den Medien 37
5.5.1 Verfälschte Wirklichkeit? 37
5.5.2 Mediensport ist gleich Hochleistungssport ist gleich Fussball 38
5.5.3 Zwischen Information und Unterhaltung: (Fußball-) Sport in der (Online-) Printberichterstattung 40
6. Zwischenfazit 41
TEIL III EMPIRIE 43
1. Thesen oder: Den „Ulmer Fußballgeschichten“ auf der Spur 43
1.1 Prämissen 43
1.1.1 Literarische Erzählformen und die Geschichten des Fußballs 44
1.1.2 Elemente, Akteure und Bezugsgruppen des Profifußballs 45
1.2 Thesen 47
2. Methodologische Implikationen und Datengrundlage 49
2.1 Qualitative Inhaltsanalyse mit Unterstützung von AQUAD 5® 49
2.2 Datengrundlage 51
2.3 Kategorien 53
3. Ergebnisse 56
3.1 Ulmer Fußballgeschichten 57
3.1.1 Märchenhaft, legendär, dramatisch - Erzählstrukturen 57
3.1.1.1 Das Märchen vom „Wunder von Ulm“ 57
3.1.1.2 Legendär 62
3.1.1.3 Fußball dramatisch 64
3.1.2 Siegertypen: Die Helden von Ulm 67
3.1.2.1 Von Torhütern, Torjägern und anderen Helden 68
3.1.2.2 Kollektive Einzigartigkeit 70
3.1.3 Der Held als Identifikationsobjekt 75
3.1.3.1 Menschen wie du und ich: Private Aspekte der Stars 76
3.1.3.2 „Körperspuren“ 77
3.2 Die Konstruktion der Sozialfigur „Trainer“ 79
3.2.1 Zur Trainerrolle 80
3.2.2 Die Konstruktion des Trainer-Images 83
3.3 „Sie finden nicht zu ihrem Spiel“ – Begründungen von Erfolg und Mißerfolg 86
3.3.1 Beanspruchungsannahmen 88
3.3.2 Pech und Glück 88
3.3.3 Fähigkeitsannahmen 89
3.4 Fußball der Superlative 91
3.5 Und die Moral von der Geschicht. - Werte, Normen und Klischees 92
TEIL IV FAZIT 97
1. Kritische Reflexion der Methode und Vorgehensweise 97
1.1 Zur Methode der qualitativen Inhaltsanalyse mit AQUAD 5® 97
1.1.1 Computerunterstützung 97
1.1.2 der qualitativen Inhaltsanalyse 98
1.2 Zur Wahl des Untersuchungszeitraums 99
2. Thesenprüfung und Zusammenfassung der Ergebnisse 100
2.1 Konstruktion einer Realität des Hochleistungsfußballs 100
2.2 vor dem Hintergrund eines konservativen Wertekosmos 103
2.3 erzählt mit Hilfe von Erzählformen der fiktionalen Literatur 104
TEIL V LITERATUR V
TEIL VI ANHANG XV

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Nennung von völlig alltäglichen „Wehwehchen“ dient der Steigerung des Gefühlsgehalts gegenüber dem Helden. Der Leser empfindet Mitleid, da er die Probleme mit seinem Erfahrungshorizont in Einklang bringen kann. Er erfährt, daß auch ein Profisportler vom Schlage eines Ulmer Bundesligaspielers nicht davor gefeit ist, krank zu werden, und daß es bei weitem nicht nur die kranken Beine sind, die einen Fußballspieler an der Berufsausübung hindern können. Janos Radoki zum Beispiel „kam mit einer dicken Backe an. Nur aber, weil vorher noch ein dreistündiger Zahnarztbesuch auf dem Programm stand.“ 140 Uwe Grauer ist „wegen einer Magen- und Darmerkrankung aus der vergangenen Woche körperlich noch etwas geschwächt“ [...]

„Zwischendurch muß auch der belastbarste Trainer abschalten.“ 129 Der ansonsten belastbare Ulmer Trainer ist auch nur ein Mensch und macht deshalb „Kurzurlaub in der Schweizer Heimat.“ 130 Er wählt dazu die „beschauliche Landschaft rund um den Vierwaldstätter See.“ 131 Der Trainer ist also nicht „abgehoben“, er wählt eine „beschauliche Landschaft“ in den Bergen seiner Heimat und nicht etwa einen mondänen, noblen Luxusort, wie man es von einem Sportheroen vielleicht erwarten würdeI . Und irgendwann hat sogar Torwart-Held Laux, der tags zuvor noch „auf dem Vordach der Haupttribüne“ 132 mit einer „Banane in der Hand“133 seiner Freude freien Lauf gelassen hatte, genug vom Trubel und von Aufstiegsfeierlichkeiten. „‚Ab sofort mache ich aber Urlaub bei meinen Eltern in Gaggenau, um einfach mal einige Tage nicht an Fußball zu denken’, freut sich Laux, der im Badischen nun seine Seele pflegen und baumeln lassen will.“ 134 Der Mythos von dörflicher Idylle, von Abgeschiedenheit und Provinzialität steht in scharfem Gegensatz zur hektischen Atmosphäre einer Bundesliga-Saison und dem Trubel der Feierlichkeiten. Die Beschreibung des Helden mit seinem menschlichen Bedürfnis, zu Hause bei [...]

Das große öffentliche Int eresse seitens der Medien und auch der Zuschauer sowie die grenzenlos anmutende Begeisterung der Fans sind weitere Aspekte, die die SWP anführt, um die Extraklasse der Fußball-Helden des SSV Ulm zu unterstreichen. Medieninteresse Für das letzte Saisonspiel in der 2. Liga, als der Aufstieg in Liga Eins perfekt gemacht wurde, hätte der SSV Ulm beispielsweise „locker und leicht (...) 50.000 Karten verkaufen können“100. Und auch die Medien wollten teilhaben an dem Unglaublichen, doch als sich die Spieler kurz nach dem Spiel in der Kabine unter Ausschluß der Öffentlichkeit zusammensetzten, zogen sie sich den „Unmut unzähliger Fernsehteams“ zu, „die auf Bilder hofften, die doch eigentlich so alltäglich sind, wenn ein Team den Aufstieg feiert. Die TV-Kameras mußten jedenfalls draußen bleiben.“101 Das unerfüllte Hoffen der Fernsehanstalten kann sich also nicht darauf bezogen haben, daß sie keine Bilder von einem frischgebackenen Bundesliga-Aufsteiger liefern konnten - solche Bilder sind „doch so alltäglich“, also nichts Besonderes. Das große Medieninteresse an Alltäglichem muß darauf zurückzuführen sein, daß es der SSV Ulm ist, der da Unmögliches möglich gemacht hat und von der Regionalliga in die 1. Liga durchmarschiert ist. Das Fernsehen jedenfalls reißt sich darum, auch noch die „letzten Geheimnisse“ 102 des Aufsteigers zu erfahren. Aus diesem Grunde ist „Spatzen-Tag auf dem Mainzer Lerchenberg. Trainer Martin Andermatt, Spielleiter Erich Steer und Kapitän Philipp Laux werden Moderator Rudi Cerne am Donnerstag im Donaustadion Rede und Antwort stehen (...). Damit aber [...]

Arbeit zitieren:
Dettling, Sabine November 2000: Rekonstruktion einer konstruierten Realität, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sportjournalismus, Fußball, Sportpublizistik, Online-Medien, Sportberichterstattung

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