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Regionalökonomische Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland

Eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Stadt Köln

Regionalökonomische Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katrin Ehlert
  • Abgabedatum: Oktober 2003
  • Umfang: 116 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9089-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9089-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9089-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ehlert, Katrin Oktober 2003: Regionalökonomische Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: WM-Stadion, Nettogegenwartswert, tangible, Kosten und Nutzen, Multiplikatioreffekt

Diplomarbeit von Katrin Ehlert

Einleitung:

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde am 06. Juli 2000 durch das Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes (FIFA) an Deutschland vergeben. Köln wird einer von zwölf Austragungsorten der WM sein. Die Euphorie darüber, Gastgeber eines solchen Mega-Events zu sein, erklärt sich zum einen aus der Beliebtheit der Fußball-Weltmeisterschaft und zum anderen aus erhofften positiven Effekten wie z.B. Erhöhung des Bekanntheitsgrades, Förderung des Sports und Tourismus.

Vor dem Hintergrund, dass die quantitativen Dimensionen von Sportgroßveranstaltungen in den letzten Jahren stark zugenommen haben, stellt sich sehr schnell die Frage nach der Finanzierbarkeit. Es ist wichtig zu prüfen, „ob die Durchführung im Einzelfall für die Gesellschaft als Ganzes unter Berücksichtigung von Zielen und Restriktionen von Vorteil ist oder nicht“. Aufgrund des knappen öffentlichen Budgets stehen die für die WM eingesetzten Mittel nicht mehr für andere Zwecke zur Verfügung und bedingen Opportunitätskosten. Eine optimale Allokation der Ressourcen würde zu einer größtmöglichen Steigerung des Nutzens für die Gesellschaft führen. Ob Kosten durch Nutzen kompensiert werden können, soll mit Hilfe einer ökonomischen Bewertungsmethode, der Kosten-Nutzen-Analyse (KNA) beantwortet werden. Ziel der Studie ist es zu klären, woher die Mittel zur Ausrichtung der WM kommen und welche Kosten und Nutzen für die Bevölkerung entstehen.

Die Arbeit ist in neun Kapitel gegliedert. Einleitend (Kapitel 1) werden die Dimensionen der Fußball-Weltmeisterschaft dargestellt und Problemstellung und Vorgehensweise einer regionalökonomischen Analyse erläutert. Ergänzend wird im zweiten Kapitel der Austragungsort Köln vorgestellt: Welche Ziele die Stadt mit der Durchführung von WM-Spielen verfolgt und welche Anstrengungen notwendig sind, um den Anforderungen der FIFA und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gerecht zu werden.

Kapitel drei erläutert die methodischen Grundlagen der KNA. In diesem Zusammenhang wird auf Erfassungs- und Bewertungsprobleme der Kosten und Nutzen hingewiesen und zur Reduzierung der Unsicherheit bei der Datenerfassung eine Einteilung in drei Szenarien vorgenommen. Vom „worst case“ bis zum „best case“ können so Ergebnisse bei unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen wiedergegeben werden.

Im vierten Kapitel werden die Ziele unter Beachtung der Restriktionen festgelegt. Die konkrete Berechnung der Kosten und Nutzen erfolgt in den Kapiteln fünf und sechs. Kapitel sieben spiegelt qualitative Effekte wider, die in Kapitel acht den quantitativen Ergebnissen gegenübergestellt werden. Abschließend wird die Arbeit im neunten Kapitel zusammengefasst und die Frage „Lohnt sich die Ausrichtung von Fußballweltmeisterschaftsspielen für Köln?“ beantwortet.

Seit der ersten Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 1930 hat sich diese zu einem weltweit bekannten und beliebten Mega-Event entwickelt. Alle vier Jahre steht das Turnier im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses, was durch kontinuierlich steigende Zuschauerzahlen belegt werden kann. 13,5 Mrd. Menschen verfolgten die WM-Spiele 1986 in Mexiko am Fernsehen. 1998 stieg die Zuschauerquote auf 33,4 Mrd. Damit liegen die TV-Einschaltquoten bei WM-Spielen sogar weit vor den Einschaltquoten bei Olympischen Spielen. Dementsprechend haben sich durch Vergabe von TV-Rechten die Einnahmen der FIFA erhöht.

Ein Vergleich der Einnahmen für 2006 (1,5 Mrd. Schweizer Franken) mit den Einnahmen von 1990 (95 Mio. Schweizer Franken) zeigt eine Steigerung um mehr als das 15fache. Gleichzeitig sind Organisations- und Durchführungskosten der WM enorm gestiegen. Die Investitionskosten für Stadionneubauten lagen in den 70er Jahren bei ca. 273 Mio. DM. Zum heutigen Zeitpunkt wird diese Summe für den Neubau eines einzigen Stadions benötigt.

Trotz der angespannten Haushaltslage werden solche Projekte zum Großteil durch die öffentliche Hand finanziert, das heißt durch Steuergelder und Einsparungen in anderen Bereichen. Legitimiert wird die Finanzierung durch positive sportliche, touristische, sozio-kulturelle, städtebauliche, umweltpolitische und wirtschaftliche Effekte, die mit einer Sportgroßveranstaltung verbunden sind. Ob die aufgeführten Erwartungen berechtigt sind, soll wenigstens teilweise mit der regionalökonomischen Analyse beantwortet werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. WM-Austragungsort Köln 4
2.1 Ziele der Stadt Köln 4
2.2 Anforderungen an Stadt und Stadion 6
2.3 Planungen und Umsetzungen der Stadt Köln 9
2.3.1 Neubau des Kölner Stadions 9
2.3.2 Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen 11
3. Methodische Grundlagen 14
3.1 Kosten-Nutzen-Analyse 14
3.2 Begriffserläuterung 15
3.3 Arten von Kosten und Nutzen 16
3.4 Erfassungsprobleme und Bewertungsprobleme 18
3.5 Unsicherheit und Risiko 18
3.6 Raum und Zeit 20
3.6.1 Betrachtungsraum 20
3.6.2 Betrachtungszeit 20
3.7 Multiplikatoreffekt 21
3.8 Diskontierung 22
4. Zielfestlegung und Restriktionen 24
4.1 Zielfestlegung 24
4.1.1 Wohlfahrtskriterium 24
4.2 Restriktionen 25
4.2.1 Physisch 26
4.2.2 Budgetär 27
4.2.3 Gesetzlich 27
4.2.4 Administrativ 28
4.2.5 Politisch 29
5. Bewertung der tangiblen direkten Kosten und Nutzen 31
5.1 Investitionsbezogene Effekte 31
5.1.1 Sportinfrastruktur 31
5.1.2 Verkehrsinfrastruktur 37
5.1.3 Planungskosten 41
5.2 Organisationsbezogene Effekte 42
5.2.1 Bewerbung 43
5.2.2 Marketing und Werbung 44
5.2.3 Sicherheit 45
5.2.4 Lotterie 47
5.2.5 Medizinische Betreuung 49
5.2.6 Münzen und Postwertzeichen 50
5.2.7 Nationale Förderer 53
5.2.8 Offizielle Partner 53
5.2.9 Tickets 54
5.2.10 Verpflegung 58
6. Bewertung der tangiblen indirekten Kosten und Nutzen 59
6.1 Tourismus- und Konsumausgaben in der Prä-Event-Phase 59
6.2 Tourismus- und Konsumausgaben in der Event-Phase 60
6.3 Tourismus- und Konsumausgaben in der Post-Event-Phase 69
Exkurs: Confederations-Cup und Länderspiel 71
7. Erfassung der intangiblen Kosten und Nutzen 73
7.1 Image und Bekanntheit 73
7.2 Erlebnis- und Freizeitwert 76
7.3 Soziale Belastungen 78
7.3 Ökologische Effekte 79
8. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse 81
8.1 Darstellung der quantitativen Ergebnisse 81
8.1.1 Ergebnis der investitionsbezogenen Effekte 83
8.1.2 Ergebnis der organisationsbezogenen Effekte 85
8.1.3 Ergebnis der Tourismus- und Konsumausgaben 86
8.2 Darstellung der qualitativen Ergebnisse 87
8.3 Interpretation der Ergebnisse 88
9. Zusammenfassung und Ausblick 90
Abkürzungsverzeichnis 93
Tabellenverzeichnis 94
Abbildungsverzeichnis 96
Literatur- und Quellenverzeichnis 97
Internetquellen aus dem World Wide Web 101
Interview- und Gesprächspartner 103
Anhangsverzeichnis 104
Anhang 105

Automatisiert erstellter Textauszug:

Anlässlich der Fußball-WM haben das OK und die Deutsche Zentrale für Tourismus (DTZ) im März 2003 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Ziel ist es, „Deutschland als Reiseland zu bewerben“ (www.fifaworldcup. yahoo.com/02/de/030310/1/6h.html, 2003). Mit 28 Repräsentanzen im Ausland und Tourismusorganisationen der Bundesländer und WM-Städte wird das Turnier begleitet. Beispielsweise sollen Reiseveranstalter schon im Vorfeld der WM Städtereisen in die zwölf Austragungsorte anbieten. Gleichzeitig soll der Standort Deutschland als Ziel von Geschäftsreisen attraktiver werden. Ob mit Hilfe der WM ein Anstieg der Touristen in Köln erreicht werden kann, ist schwer zu prognostizieren. Sicher ist, dass FIFA und OK Mitarbeiter, Sponsoren u.a. in der Prä-EventPhase zu Inspektionszwecken die Austragungsorte besuchen. Außerdem werden im Monat vor WM-Start ungefähr 2.000 bis 3.000 Personen zur Vorbereitung in Deutschland erwartet (GRITTNER 2003). Diese werden sich hauptsächlich in München aufhalten. Dort findet das Eröffnungsspiel statt und es entsteht das Hauptmedienzentrum. Durch kulturelle Veranstaltungen in den Jahren vor der WM ist mit einem Anstieg der Tagesbesucher zu rechen. Der „Fußball-Globus“50 wird 2004 oder 2005 für ungefähr sechs Wochen in Köln aufgestellt. Dieses und andere Events können ganz besonders [...]

Die oben genannten Einnahmen beziehen sich nur auf die „normalen“ Besucherplätze. Zusätzliches Einnahmepotenzial bietet der Kartenverkauf für Logen und Business-Seats. Bei der WM in Japan/Südkorea lagen die durchschnittlichen Preise48 für Business-Seats zwischen 590 Euro (Vorrundenspiel) und 980 Euro (Viertelfinale). Die Logen kosteten im Durchschnitt zwischen 11.000 Euro (Vorrunde) und 35.000 Euro (Viertelfinale). Im Kölner Stadion stehen 1.852 Business-Seats und 48 Logen zur Verfügung. Im „worst case“ wird angenommen, dass der VIP-Bereich nur zu 80% ausgelastet ist und der Durchschnittspreis bei 600 Euro pro Business-Seat und bei 10.000 Euro pro Loge liegt. Der „most likely case“ gibt einen Auslastungsgrad von 95% wieder und Durchschnittspreise in Höhe von 750 Euro und 12.500 Euro für Business-Seats bzw. Logen. Im „best case“ kommt es zu einer Viertelfinalbegegnung, wodurch die Preise auf 800 Euro für BusinessSeats bzw. 17.000 Euro für Logen ansteigen. Von diesen Einnahmen fließen wieder 15% an den Stadionbetreiber und stellen autonome Mittel für Köln dar. Tab. 19 zeigt die Einnahmen des Stadionbetreibers aus dem Verkauf der Business-Seats und Logen. Wie in Kapitel 4.2.3 erwähnt, sind die Tickets von der Mehrwertsteuer befreit und führen damit zu einem prognostizierten Mittelzufluss für Köln von rund 3,1 Mio. Euro („most likely case“). [...]

betreiber fließen, gilt auch hier. Auf die Preispolitik der FIFA wird später in diesem Kapitel eingegangen. Ausgehend von fünf ausverkauften Spielbegegnungen in Köln liegt die Gesamtzahl der zu verkaufenden Tickets46 bei 202.985 („best case“). Bei einer Auslastung des Stadions von 80% („worst case“) oder 95% („most likely case“) sind 162.385 bzw. 192.835 Tickets zu verkaufen. Die Durchschnittspreise der Eintrittskarten werden auf 70 Euro („worst case“), 75 Euro („most likely case“) und 130 Euro („best case“) festgelegt. Im Vergleich zu den Ticketpreisen der vergangen WM, liegt hier eine sehr konservative Schätzung vor. Dadurch entsteht ein Sicherheitspolster bei der Berechnung des Nettonutzens und ist begründet mit dem Ziel des OK günstige Tickets anzubieten. Aus der gesamten Anzahl der Tickets und den angenommen Preisen entstehen Einnahmen von 11,4 Mio. Euro bis 26,4 Mio. Euro. Der Stadionbetreiber erhält 15%. Daraus ergibt sich auf den ersten Blick für Köln ein Mittelzufluss in Höhe von 1,7 Mio. Euro („worst case“), 2,2 Mio. Euro („most likely case”) bzw. 4 Mio. Euro („best case”). Da die Analyse einer regionalen Betrachtung unterliegt, muss berücksichtigt werden, dass rund ein Drittel der inländischen Besucher (s. Kapitel 6.2) aus Köln kommen und deren Ausgaben für Tickets keine autonomen Mittelzuflüsse darstellen. Im Gegenteil: 85% der Ticketeinnahmen von Kölner Besuchern, die das OK in Frankfurt erhält, bedeuten für Köln einen Mittelabfluss. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit würden die Kölner diese Mittel für Konsumzwecke in Köln verwenden. Demnach müssen 85%, das heißt 350.000 Euro („worst case“), 450.000 Euro („most likely case”) bzw. 820.000 Euro („best case”) als Kosten in die Berechnung eingehen und 15% (= 62.000 Euro („worst case“), 79.000 Euro („most likely case”) bzw. 140.000 Euro („best case”) ) als Umverteilungen gewertet werden. Die [...]

Arbeit zitieren:
Ehlert, Katrin Oktober 2003: Regionalökonomische Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
WM-Stadion, Nettogegenwartswert, tangible, Kosten und Nutzen, Multiplikatioreffekt

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