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Regel- und Strategiespiele und Aspekte der Förderung des Selbstwertgefühls

Regel- und Strategiespiele und Aspekte der Förderung des Selbstwertgefühls
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Michael Heidel
  • Abgabedatum: April 2007
  • Umfang: 78 Seiten
  • Dateigröße: 514,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Dortmund Deutschland
  • Bibliografie: ca. 106
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1148-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Heidel, Michael April 2007: Regel- und Strategiespiele und Aspekte der Förderung des Selbstwertgefühls, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Selbstwertgefühl, Identität, Spieltheorie, Strategiespiele, soziale Anerkennung

Diplomarbeit von Michael Heidel

Einleitung:

Der grundlegende Gedanke dieser Diplomarbeit ist die These, dass das Selbstwertgefühl eines Menschen mittels Regel- und Strategiespielen gefördert werden kann.

Um diese These näher zu ergründen, wird auf das philosophische Grundkonzept, welches der Diplomarbeit zugrunde liegt, eingegangen. Der Leser wird erkennen, dass die soziale Anerkennung durch „signifikante Andere“ eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Des Weiteren wird auf die Theorie des Spiels verwiesen. Es muss an dieser Stelle auch vermerkt werden, dass es eine Vielzahl von spieltheoretischen Ansätzen gibt, so dass der Verfasser sich im Hauptteil bewusst auf die beiden Ansätze von Jean Piaget und Heinz Heckhausen beschränkt hat. Am Anfang werden einige klassische Spieltheorien bzw. Auffassungen über das Spiel vorgestellt und danach wird auf die oben erwähnten Spieltheorien von Jean Piaget und Heinz Heckhausen eingegangen. Bei Jean Piaget steht die Klassifizierung des Urphänomens Spiel im Vordergrund, während bei Heinz Heckhausen das Spiel eher aus motivationspsychologischer Sicht betrachtet wird. Am Ende der spieltheoretischen Betrachtungen steht der phänomenologische Ansatz, welcher versucht, das Spiel als „Ding an sich“ zu betrachten.

Da im Spiel viele pädagogische Aspekte ausgelebt und so auch trainiert werden können, hat sich der Verfasser auf die vier Grundkompetenzen Kooperationsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit, Auge-Hand-Koordination und Problemlösungskompetenz beschränkt. Es lässt sich festhalten, dass diese Kompetenzen das Überleben des Menschen als Subjekt erleichtert haben.

Die Förderung des Selbstwertgefühls setzt auch elementar voraus, dass der Mensch, der gefördert werden soll, eine Identität besitzt bzw. eine Identität im Prozess aufbaut. Der Mensch besitzt durch die Geburt noch keine Identität, sondern muss sich seine Identität erschaffen und dieses kann das Baby bzw. Kind im Spiel erreichen. Diese Möglichkeit der Identitätsbildung im Spiel ist aber kritisch zu betrachten, worauf die Arbeit auch eingeht.

Des Weiteren wird der praktische Bezug der These anhand einer Kulturinstitution in der Dortmunder Nordstadt exemplarisch vorgestellt. Es wird die Planungsphase, die Durchführungsphase und auch die Reflexionsphase erläutert bzw. es werden Spiele vorgestellt, welche der Verfasser speziell für das Training der oben genannten pädagogischen Aspekte entwickelt hat. Auch werden diese Spiele aus spieltheoretischer Sicht beleuchtet. Hierbei wird auf die Wichtigkeit der sozialen Anerkennung durch die Bezugspersonen hingewiesen.

Danach wird in einer kritischen Betrachtung des Themas auf die Pädagogisierung des Spiels bzw. auf die empirische Verifizierung der These, dass das Selbstwertgefühl eines Menschen mittels Regel- und Strategiespielen gefördert werden kann eingegangen.

Das Resümee beschäftigt sich nochmals kritisch mit der Grundthese der Diplomarbeit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Das philosophische Grundkonzept 2
3. Zur Theorie des Spiels 4
3.1 Klassische Theorien des Spiels 5
3.2 Die Spieltheorie von Jean Piaget 7
3.2.1 Das Übungsspiel 9
3.2.2 Das Symbolspiel 11
3.2.2.1 Verarbeitung von Ängsten im Symbolspiel 13
3.2.2.2 Veränderungen des Symbolspiels 14
3.2.3 Das Regelspiel 15
3.3 Die Spieltheorie von Heinz Heckhausen 17
3.3.1 Merkmale des Spiels nach Heinz Heckhausen 18
3.3.2 Der Aktivierungszirkel als Hauptmerkmal 20
3.3.3 Beeinflussung des Aktivierungszirkels 23
3.3.4 Mittlerer Aktivierungspegel 26
3.4 Phänomenologische Betrachtung des Spiels 26
4. Ausgewählte pädagogische Aspekte des Spiels 30
4.1 Kooperationsbereitschaft 31
4.2 Kommunikationsfähigkeit 33
4.3 Auge-Hand-Koordination 36
4.4 Problemlösungskompetenzen 38
5. Identität und Spiel 40
5.1 Das Spiel als Ansatz zur Identitätsbildung 42
5.2 Probleme bei der Identitätsbildung im Spiel 44
5.3 Kritische Betrachtung der Identitätsbildung im Spiel 45
6. Praktischer Umgang im Arbeitsfeld der Kinderarbeit 45
6.1 Die vorgefundene Situation in einer kommunalen Kulturinstitution 46
6.2 Planungsphase 47
6.2.1 Erstellung eines didaktischen Konzeptes 48
6.2.2 Planung der einzelnen Termine 50
6.2.3 Entwicklung eigener Spiele 52
6.2.3.1 Spiel für die Kooperationsbereitschaft 53
6.2.3.2 Spiel für die Kommunikationsfähigkeit 55
6.2.3.3 Spiele für die Auge-Hand-Koordination 58
6.2.3.4 Spiel für die Problemlösungskompetenz (Kreativität) 63
6.3 Durchführungsphase der Spiele 64
6.4 Soziale Anerkennung während des Spiels 66
6.5 Reflexionsphase nach dem Spiel 69
7. Kritische Betrachtung des Themas 70
8. Resümee 73
Anhang 75
Literatur 76

Textprobe:

Kapitel 6.4, Soziale Anerkennung während des Spiels:

Jedes Erfolgserlebnis (soziale Anerkennung durch die Gruppe oder durch Einzelpersonen) wird von den Spielern aufgenommen und in ihr Selbstwertgefühl eingebaut, denn das Selbstbild und das Selbstwertgefühl kann als ein „Mosaik“ verstanden werden, welches durch die vielen einzelnen Interaktionen mit der Gruppe oder mit signifikanten Anderen aufgebaut wird. Aus diesem Grund ist es so elementar wichtig, dass der Pädagoge im Spiel bzw. dass die Mitspieler im Spiel soziale Anerkennung vermitteln.

Deswegen sollte an „geeigneten Stellen“ im Spiel der Spieler gelobt werden, aber dabei ist auch wichtig, dass das Lob als solches nicht inflationär benutzt wird.

Konkret kann der Spieler für folgende Gedanken und Leistungen eine soziale Anerkennung (Lob der Mitspieler bzw. des betreuenden Pädagogen) bekommen: (1) Vorschlag einer neuen Regel und die Akzeptanz durch die Mitspieler, (2) Lob für Leistung seitens des Spielleiters oder der Mitspieler, (3) Gewinn eines Spieles einzeln oder in der Spieleinheit, (4) Lob für Fairness und Geduld im Zusammenspiel, (5) Erlernen eines von der Gruppe insgesamt als schwierig eingestuften Spiels.

Als praktisches Beispiel für den Vorschlag einer neuen Spielregel kann hier der Junge erwähnt werden, welcher bei den „Hohen Hausnummern“ nicht nur Subtraktionen im Spiel durchführen wollte, sondern selbst vorgeschlagen hatte, dass die teilnehmenden Spieler auch andere Grundrechenarten durchführen könnten.

Eine Leistung kann zum Beispiel sein, dass der betreffende Spieler eine Subtraktion oder Addition als Teilaufgabe richtig durchgeführt hat. Es ist dem Verfasser aus pädagogischer Sicht immer wichtig, dass auch kleine Erfolge richtig bewertet und gelobt werden. Außerdem sollte nicht das falsche (oder negative) Ergebnis im Vordergrund stehen, sondern nur das richtige (oder positive) Ergebnis, denn eine ständige Fokussierung auf das falsche Ergebnis führt zu einer Verminderung des Selbstwertgefühls.

Als Paradebeispiel für das Erlernen eines von der Gruppe als schwierig eingestuften Spiels kann Schach genannt werden. Es ist auch nicht verwunderlich, dass Schach als Spiel in der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft eine herausragende Rolle spielt. Es gibt einige Zeitschriften, welche bekannte Schachpartien als Denkaufgaben für die Leser abbilden. Des Weiteren lässt sich die Wichtigkeit des Schachspiels auch an dem § 52 II Nr. 2 AO (Abgabenordnung) darstellen. Dort wird Schach als Sport definiert und dient nach dieser Gesetzesnorm der Förderung der Allgemeinheit. Schach dient aus dem Grund der Förderung der Allgemeinheit, weil beim Schach sehr stark das strategische und taktische Denken gefördert wird.

Wichtig ist, dass der Pädagoge den Spieler nur lobt, wenn die soziale Anerkennung innerhalb der Gruppe auch wirklich eine vernünftige Basis hat. Das gilt insbesondere bei: selbsterbrachten Leistungen und Gedanken (Spielregelvorschläge, erzielte Teilleistungen, Gewinnen eines Spieles, Zeigen von sozialen Kompetenzen oder das Erlernen eines schwierigen Spieles).

Auch wichtig ist, Lob tatsächlich ehrlich und angemessen einzusetzen, weil es sonst in den Augen der Adressaten an Wert verliert. Hier gilt es, das eigene Verhalten hinreichend zu reflektieren und authentisch zu bleiben.

Aber auch die Art und Weise, wie ein Lob ausgesprochen wird ist nicht unrelevant. Es gibt zwei Formen, wie sich das Lob darstellen kann: (1) verbales Lob (wird nur über das Ohr als Wahrnehmungskanal wahrgenommen); (2) verbales Lob, kombiniert mit einer ritualisierten Handlung (wird neben dem Ohr auch über die Haut bzw. das Auge als Wahrnehmungsorgan wahrgenommen).

Die rein verbale Handlung ist oftmals unzureichend und sollte deswegen auch mit einer ritualisierten Handlung verknüpft werden. Diese ritualisierte Handlung kann bei einem Händeschütteln oder einem Schulterklopfen beginnen und bis zu einer Preisverleihung mit Urkunde oder Pokal gehen. In allen Fällen sorgt die ritualisierte Handlung dafür, dass das Lob als viel prägnanter und bestimmender erlebt wird. Es ließ sich auch beobachten, dass das ritualisierte Verhalten des Händeschütteln oder des Schulterklopfens als Form der Lobkundgebung von einigen Kindern übernommen wurde und sich so innerhalb der Gruppe immer mehr ausbreitete.

Das Grundlegende dabei ist, dass mehrere Wahrnehmungskanäle mit einbezogen werden, sprich dass das Lob nicht nur hörbar ist, sondern für den betreffenden Spieler auch bewusst fühlbar bzw. sichtbar wird. Durch die Kopplung von verschiedenen Wahrnehmungskanälen wird der Lerneffekt verbessert. Mit den Worten von Wilma Klein-Jäger kann folgendes festgehalten werden: „Im Angebot von Sprache und Tätigkeit wird eine wirksame Einheit erreicht.“

Arbeit zitieren:
Heidel, Michael April 2007: Regel- und Strategiespiele und Aspekte der Förderung des Selbstwertgefühls, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Selbstwertgefühl, Identität, Spieltheorie, Strategiespiele, soziale Anerkennung

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