Reformoptionen in der gesetzlichen Rentenversicherung
Eine quantitative Analyse
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Michael Baumeister
- Abgabedatum: April 2003
- Umfang: 76 Seiten
- Dateigröße: 560,9 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6947-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6947-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6947-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Baumeister, Michael April 2003: Reformoptionen in der gesetzlichen Rentenversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rente, Riester-Rente, Grundrente, Soziale Sicherung, Altersvorsorge
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Diplomarbeit von Michael Baumeister
Zusammenfassung:
Die Alterssicherungssysteme kommen weiterhin nicht aus der öffentlichen Diskussion heraus. Das zahlenmäßige Verhältnis von Erwerbstätigen zu Personen im Ruhestand verschiebt sich kontinuierlich zu Lasten ersterer. Zudem schwindet der Anteil dauerhaft Vollzeitbeschäftigter, statt dessen wird versucht, das System durch die Flucht in geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, Schwarzarbeit etc. zu umgehen. Dies gefährdet die Grundlage jedes umlagefinanzierten Alterssicherungssystems, da ein solches nur dann funktioniert, wenn vergleichsweise viele Erwerbstätige wenige Rentner versorgen müssen.
Die Politik hat diese Entwicklung lange verdrängt. Trotzdem mehren sich speziell in den letzten Jahren die Anzeichen, dass die meisten Industrieländer die Zeichen der Zeit erkannt und die Herausforderungen angenommen haben. Im internationalen Vergleich zeichnet sich bei allen Verschiedenheiten dabei vor allem eine Grundtendenz ab: verschiedene Formen der privaten Vorsorge treten vermehrt an die Stelle der traditionell bedeutenden staatlichen Altersvorsorge.
Insbesondere Deutschland hat bei der Reform seines Alterssicherungssystems bereits viel Zeit verloren und lässt auch momentan wichtige Zeit ungenutzt verstreichen. Während in vielen OECD-Ländern bereits zukunftsweisende Reformschritte eingeleitet wurden, beschränkt sich die deutsche Politik bislang auf die Behandlung von Symptomen. Diese Tatsache ist gerade deshalb alarmierend, da die demographischen Verschiebungen in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten ein Ausmaß erreichen werden, das weit über das Niveau der Vergleichsländer hinausgehen wird. Auch der deutsche Arbeitsmarkt sieht sich überdurchschnittlich mit Problemen konfrontiert, sodass er ohne grundlegende Reformen nicht ausreichend in der Lage sein wird, die zusätzlichen Lasten der Alterssicherung tragen zu können.
Die Bewältigung der Problematik, die die zunehmende Überalterung der Bevölkerung auslöst, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Ferner beschäftigt sie sich mit der Riester-Rente und stellt mögliche Alternativen vor. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Resultaten mehrerer Simulationen, die die Auswirkungen der möglichen Rentenreformmaßnahmen auf Wachstum und Beschäftigung, sowie auf Effizienz- und Verteilungskriterien untersuchen. Anhand dieser Daten werden Aussagen über die Vorteilhaftigkeit der verschiedenen Alterssicherungskonzepte getroffen.
Letztlich liefern die Untersuchungen starke Argumente für bzw. gegen etwaige Reformmaßnahmen. Der Fokus dieser Arbeit wird primär auf der Frage nach einer effizienten, finanzierbaren und sozial ausgewogenen Rentenreform für Deutschland liegen. Stets wird diese Fragestellung jedoch in einen internationalen Kontext eingebettet. Kann man zwar kein noch so erfolgreiches ausländisches Konzept eins-zu-eins importieren, so ist es doch ratsam, von den Erfahrungen anderer zu lernen.
Am Ende dieser Arbeit wird die Forderung nach einem raschen und im Umfang bedeutsamen Ausbau der kapitalgedeckten Komponente im deutschen Rentenmodell stehen. Das umlagefinanzierte deutsche Rentenversicherungssystem wird in seiner bisherigen Form schon auf mittlere Sicht nicht mehr finanzierbar sein, was eine grundlegende Wende in der Sozialpolitik unausweichlich macht.
In Kapitel 2 folgt zunächst eine allgemeine Beschreibung der Probleme staatlicher Rentensysteme. Dazu werden die verschiedenen Systeme wichtiger OECD-Staaten verglichen und in einem historischen Kontext betrachtet.
Danach erfolgt im dritten Kapitel eine Präsentation und qualitative Analyse der meistdiskutierten Reformoptionen. Dabei lassen sich grundsätzlich drei eigenständige Strategien unterscheiden: eine Fortführung des beitragsfinanzierten Umlageverfahrens unter minimalen Reformmaßnahmen, ein Übergang zum Kapitaldeckungsverfahren und ein Wechsel zum Grundrentensystem.
Kapitel 4 bildet schließlich den Kern dieser Arbeit und stellt die potentiellen Reformen auf der Grundlage quantitativer Analysen gegenüber.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | EINLEITUNG | 3 |
| 2. | DIE AKTUELLEN SYSTEME DER GESETZLICHEN RENTENVERSICHERUNG | 5 |
| 2.1 | HISTORISCHE ENTWICKLUNG | 5 |
| 2.2 | HAUPTMERKMALE DER GESETZLICHEN RENTENVERSICHERUNG | 7 |
| 2.2.1 | Staatliche und private Altersvorsorge | 7 |
| 2.2.2 | Leistungsarten und Leistungen | 8 |
| 2.2.3 | Finanzierung | 11 |
| 2.3 | AKTUELLE UND KOMMENDE PROBLEME UMLAGEFINANZIERTER RENTENSYSTEME | 12 |
| 2.3.1 | Die demographische Entwicklung | 12 |
| 2.3.2 | Das Beschäftigungsproblem | 13 |
| 2.3.3 | Fehlanreize am Arbeitsmarkt | 14 |
| 2.3.4 | Fehlanreize beim Renteneintritt | 15 |
| 2.3.5 | Die Reifephase eines Umlagesystems | 16 |
| 2.3.6 | Die Verschuldungsproblematik | 17 |
| 3. | REFORMOPTIONEN UMLAGEFINANZIERTER RENTENSYSTEME | 19 |
| 3.1 | ALLGEMEINES | 19 |
| 3.2 | PARAMETRISCHE REFORM DES UMLAGEVERFAHRENS | 19 |
| 3.2.1 | Senkung des Rentenniveaus | 19 |
| 3.2.2 | Erhöhung des Beitragssatzes | 20 |
| 3.2.3 | Erhöhung der Bemessungsgrundlage | 21 |
| 3.2.4 | Anhebung des Renteneintrittsalters | 22 |
| 3.2.5 | Zuschuss aus dem allgemeinen Staatsbudget | 23 |
| 3.2.6 | Individuelle Rentenkonten | 23 |
| 3.3 | ÜBERGANG ZUM KAPITALDECKUNGSVERFAHREN | 24 |
| 3.3.1 | Grundlagen eines kapitalgedeckten Rentenmodells | 24 |
| 3.3.2 | Vorteile des Kapitaldeckungsverfahrens | 25 |
| 3.3.3 | Nachteile des Kapitaldeckungsverfahrens | 26 |
| 3.3.4 | Übergangsprobleme | 28 |
| 3.4 | DIE GRUNDRENTE | 29 |
| 3.4.1 | Die pauschale Minimumrente als Grundversorgung | 29 |
| 3.4.2 | Vorteile einer Grundrente | 30 |
| 3.4.3 | Nachteile einer Grundrente | 31 |
| 3.4.4 | Übergangsprobleme | 31 |
| 3.5 | ZUSAMMENFASSUNG | 32 |
| 3.6 | MEHRSÄULENSTRATEGIEN | 33 |
| 4. | REFORMOPTIONEN IN DER NUMERISCHEN ANALYSE | 35 |
| 4.1 | ANFORDERUNGEN AN EINE NUMERISCHE SIMULATION | 35 |
| 4.2 | PARAMETRISCHE REFORM DES UMLAGEVERFAHRENS | 36 |
| 4.2.1 | Wachstum und Beschäftigung | 36 |
| 4.2.2 | Wohlfahrt und Effizienz | 39 |
| 4.2.3 | Verteilung und Generationengerechtigkeit | 39 |
| 4.2.4 | Fazit | 42 |
| 4.3 | ÜBERGANG ZUM KAPITALDECKUNGSVERFAHREN | 43 |
| 4.3.1 | Übergangsstrategien für das deutsche Rentensystem | 43 |
| 4.3.2 | Aspekte der Generationengerechtigkeit in Großbritannien und Deutschland | 48 |
| 4.3.3 | Fazit | 54 |
| 4.4 | DIE GRUNDRENTE | 55 |
| 4.4.1 | Die beitragsfinanzierte Grundrente | 55 |
| 4.4.2 | Die steuerfinanzierte Grundrente | 57 |
| 4.4.3 | Eine alternative Finanzierungsmethode | 61 |
| 4.4.4 | Fazit | 63 |
| 4.5 | SOZIALPOLITISCHE KONSEQUENZEN | 64 |
| 5. | SCHLUSSBEMERKUNGEN | 66 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 68 | |
| ANHANG A: MAKROÖKONOMISCHE IMPLIKATIONEN DER REFORMOPTIONEN | 71 | |
| ANHANG B: WOHLFAHRTSEFFEKTE BEI PARAMETRISCHER REFORM DES UV | 72 | |
| ANHANG C: WOHLFAHRTSEFFEKTE BEI TEILÜBERGANG BZW. GRUNDRENTE | 73 |
schrittweise auf 64 Prozent gesenkt wird. Dazu wird es in den Jahren 2008, 2018 und 2028 jeweils um zwei Prozentpunkte gekürzt. Da Arbeitseinkommen nun mit geringeren Rentenbeiträgen belastet werden, kommt es zu einer weiteren Zunahme der Beschäftigung gegenüber der ersten Simulation. Um die entstehende Lücke im Rentenniveau auszugleichen, erhöhen die Haushalte ihre private Ersparnis, wodurch der Kapitalstock signifikant wächst. Diese beiden Effekte führen zu einem beschleunigten Wachstum, wobei der langfristige Wachstumsvorteil mit +1,9 Prozent gegenüber der Basissimulation weiterhin kaum nennenswert ist. Auch der Gesamteffekt der Rentenniveaukürzung auf Wachstum und Beschäftigung ist positiv, aber gering. Er könnte signifikanter ausfallen, würde das Rentenniveau deutlicher als nur um sechs Prozentpunkte reduziert. Die Durchsetzbarkeit eines solchen radikaleren Schrittes ist jedoch äußerst fraglich. In der dritten Simulation wird zusätzlich zu den ersten beiden Maßnahmen der Bundeszuschuss von null auf ein Fünftel der Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung angehoben, um niedrigere Rentenbeiträge zu ermöglichen. Der Bundeszuschuss wird durch einen Anstieg der indirekten Steuern finanziert. Diese Maßnahme belastet vor allem die reicheren Haushalte, die als Reaktion ihr Arbeitsangebot reduzieren. In der Folge ist die Beschäftigung über die gesamte Dauer der Simulation geringer als in den vorhergehenden Simulationen. Junge Generationen profitieren dagegen von der veränderten Besteuerung und erhöhen ihre private Ersparnis. Das Anwachsen des Kapitalstocks wird dadurch nochmals beschleunigt. Der Wachstumseffekt ist insgesamt unklar. Bis zum Jahr 2030 verläuft das Wachstum knapp unter dem Niveau der zweiten Simulation, in der langen Frist liegt es knapp darüber. Angesichts des negativen Beschäftigungsverlaufs ist die Anhebung des Bundeszuschusses jedoch eine Maßnahme, die gemäß diesem Kriterium verworfen werden kann. [...]
Renteneintrittsalters, eine Senkung des Rentenniveaus und eine Erhöhung des Bundeszuschusses. Anhang A zeigt die makroökonomischen Effekte dieser Maßnahmen im Vergleich zur Basissimulation. Die Ergebnisse in der ersten Spalte beschreiben die Auswirkungen der Anhebung des Renteneintrittsalters. Dieses wird in der Simulation in den Jahren 1999 und 2009 jeweils um ein Jahr auf letztlich 63 Jahre angehoben. Sobald auf diese Weise ein Jahrgang am Ruhestand gehindert wird, steigt die Beschäftigung, so bereits im Jahre 2000 um 0,8 Prozent gegenüber der Basissimulation. Die höhere Beschäftigung induziert eine höhere Kapitalproduktivität, was wiederum den Kapitalstock moderat wachsen lässt. Auch das Wachstum wird positiv beeinflusst, wenngleich dieser Effekt mit +0,6 Prozent in der langen Frist (bis zum Jahr 2100) auch verschwindend gering ausfällt. Der geringe Einfluss dieser Reformmaßnahme auf das Wachstum mag überraschen. Eine Erklärung liefert die Arbeitsangebotsfunktion. Erwerbstätige wissen, dass sie nun länger arbeiten müssen und reduzieren bereits im mittleren Alter ihr Arbeitsangebot. Der gewünschte Effekt wird also zu einem Teil durch diese Verhaltensänderung wieder zunichte gemacht. Dieses Resultat spricht nicht für die Anhebung des Renteneintrittsalters. Der Einfluss auf Wachstum und Beschäftigung ist verhältnismäßig gering, der Widerstand gegen die Einführung dieser Maßnahme dürfte dagegen beträchtlich ausfallen. Als alleiniges Allheilmittel gegen die Altersstrukturverschiebung ist die Anhebung des Rentenalters zumindest nicht geeignet. Um die Überalterung vollständig zu kompensieren, müsste ein durchschnittliches Renteneintrittsalter von 69 Jahren erreicht werden (Börsch-Supan 1998, S.142). Dazu sind weder der Arbeitsmarkt noch die betroffenen Individuen bereit. Die zweite Spalte beschreibt das Simulationsergebnis, wenn zusätzlich zur Anhebung des Renteneintrittsalters das Rentenniveau von ursprünglich 70 Prozent [...]
Eine detaillierte Simulation der Fortführung des deutschen Umlagesystems liefert Fehr (2000). Sein Modell beruht auf bestehenden Modellen überlappender Generationen in der Tradition von Auerbach und Kotlikoff. Es gelingt, die Auswirkungen von Verhaltensänderungen und makroökonomischen Rückkopplungseffekten in ein allgemeines Gleichgewichtsmodell zu integrieren. Die Bevölkerung wird in insgesamt 320 Kohorten aufgegliedert, die sich durch ihr Lebenseinkommen und ihr Alter unterscheiden. Jede Kohorte tritt im Alter von 21 Jahren in den Arbeitsmarkt ein und pflanzt sich im selben Alter fort, wobei die Nachkommengeneration jeweils demselben Einkommensquintil angehört wie die Elterngeneration. Die Lebenserwartung erhöht sich von 78 Jahren im Basisjahr 1998 bis 2060 auf 84 Jahre und verharrt danach auf konstantem Niveau. Der Renteneintritt erfolgt im Alter von 61 Jahren. Die Haushalte maximieren ihr Lebensnutzenniveau, indem sie Konsum und Arbeitsangebot optimieren. Das Staatsbudget ist stets ausgeglichen. Damit ist das Modell in der Lage, ein numerisches Gleichgewichtsresultat zu berechnen. Die Basissimulation liefert als Ausgangspunkt der Analyse einen dynamischen Gleichgewichtspfad, der die Fortführung der Rentenpolitik (Stand 1998) ohne jegliche [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832469474
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Baumeister, Michael April 2003: Reformoptionen in der gesetzlichen Rentenversicherung, Hamburg: Diplomica Verlag
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Rente, Riester-Rente, Grundrente, Soziale Sicherung, Altersvorsorge



