Zur Reformnotwendigkeit öffentlicher Unternehmen
Eine Untersuchung am Beispiel der Deutschen Bahnen DB/DR
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thomas Lewicki
- Abgabedatum: Februar 1994
- Umfang: 121 Seiten
- Dateigröße: 6,3 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6272-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6272-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6272-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lewicki, Thomas Februar 1994: Zur Reformnotwendigkeit öffentlicher Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Privatisierung, Monopol, Konkurrenzwirtschaft, Marktversagen, Staatsversagen
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Diplomarbeit von Thomas Lewicki
Einleitung:
Die Diskussion um die Reform der Deutschen Bundesbahn (DB) war während der letzten 20 Jahre in der deutschen Verkehrspolitik immer aktuell. Ausschlaggebend war die ständig zunehmende Verschuldung der Bundeseisenbahn. In einer Stellungnahme des BMV aus dem Jahre 1973 zur Situation der DB ging es vorrangig darum, das Unternehmen finanziell zu sanieren, entsprechende Verkehrskonzepte wurden nachrangig behandelt. 1981 forderte der damalige Finanzminister Matthöfer die Bahn auf, die Kosten zu senken, was mit der Straffung und Rationalisierung des Verkehrsangebotes verbunden war. Nach dem Regierungswechsel im Jahre 1983 legte der neue BMV noch im selben Jahr die neuen Leitlinien zur Konsolidierung der DB vor, welche eine Produktivitätssteigerung um 40%, eine Verringerung der Personalaufwendungen um 30% sowie eine reale Reduzierung der Gesamtaufwendungen um 25% bis zum Jahre 1990 zum Ziel hatten.
Durch die deutsche Wiedervereinigung und die Übernahme der Staatsbetriebe der ehemaligen DDR in bundesdeutsches Recht wurde die Problematik der defizitären Bundeseisenbahn um den Bereich der Deutschen Reichsbahn (DR) erweitert. Neben der ursprünglichen Analyse der DB wurde die öffentliche Diskussion sowie die Arbeit der zum 01.02.1989 gegründeten Regierungskommission Bundesbahn (RKB) um die DR ausgeweitet. Die Reformanstrengungen galten fortan für beide Unternehmen gleichermaßen. Die politische Öffnung Europas sowie das damit verbundene Ansteigen des Transitverkehrs in Deutschland machten es möglich, daß neben einer finanziellen Sanierung auch erstmals ernsthaft über eine Neuorganisation des gesamten Verkehrsmarktes, insbesondere über' eine Änderung des Eisenbahnwesens, nachgedacht wurde. 1992 wurden fünf Reformmodelle im Bundestag vorgestellt, von denen drei die Privatisierung der Bundeseisenbahnen anstrebten. In einem Strategiepapier der Arbeitsgruppe „Unternehmensstruktur einer künftigen Deutschen Bahn“ wurde gefordert, daß sich auf einem reformierten Verkehrsmarkt die Verkehrsträger Auto, Bahn, Flugzeug und Schiff frei von allen Wettbewerbsverzerrungen ergänzen sollten. Bei einer möglichen und unvermeidlichen Bahnreform ist nicht nur eine Sanierung im kaufmännischen Sinne anzustreben, es müssen vielmehr Veränderungen im gesamten Eisenbahnwesen vorgenommen werden.
Am 15.07.1992 entschied sich die Bundesregierung als Abschluß eines langandauernden Entscheidungsprozesses zu einer Privatisierung der Deutschen Bahnen DB/DR zum 01.01.1994.
Die Reformdiskussionen beschränkten sich in der Vergangenheit in der Regel darauf, wie die Deutschen Bahnen saniert, d. h. finanziell entlastet werden konnten. Erst seit einigen Jahren wird berücksichtigt, daß die gesamte Organisationsform des Bundeseisenbahnwesens fehlerhaft sein könnte und die finanziellen Schwierigkeiten von DB/DR lediglich Ergebnis dessen sind.
Das Ziel der Arbeit ist es, diese Organisationsform auf Schwachstellen hin zu untersuchen und ein mögliches Reformmodell herauszuarbeiten, welches eine effizientere Ausgestaltung des deutschen Eisenbahnmarktes zuläßt.
Vor dem Hintergrund, daß die Eisenbahnen in Deutschland durch die Bundeseisenbahnen DB/DR überwiegend staatlich, in anderen Ländern jedoch privat organisiert sind, werden zur Erarbeitung des Modells zunächst die Theorien des Markt- bzw. Staatsversagens vorgestellt, um Argumente für und gegen die jeweilige Organisationsform herauszufinden. Die Theorie des Föderalismus dient der Ableitung möglicher Lösungsansätze des Markt- bzw. Staatsversagens. Um Aussagen über das Gut Eisenbahn sowie die Organisationsform der Deutschen Bahnen treffen zu können, werden DB/DR in ihrer heutigen Form vorgestellt. Diese Vorgehensweise erlaubt es, Vergleiche mit den theoretischen Grundlagen zu ziehen, indem die einzelnen Fälle des Markt- bzw. Staatsversagens auf die Bundeseisenbahnen angewendet werden. Die Überprüfung der Deutschen Bahnen unter dem Aspekt meritorischer Güter erfolgt aufgrund der Tatsache, daß DB/DR entgegen der bis dahin gewonnenen Erkenntnisse als öffentliche Unternehmen geführt werden. Im anschließenden Lösungsvorschlag zur Neugestaltung des Eisenbahnmarktes werden insbesondere die Forderungen nach Privatisierung zur Überwindung des Staatsversagens, Konkurrenzwirtschaft zur Steigerung der Markteffizienz sowie Regionalisierung zur Erreichung verkehrs- und umweltpolitischer Ziele Berücksichtigung finden. Ein abschließender Vergleich dieses Modells mit dem Konzept der Bundesregierung sowie eines möglichen Alternativkonzeptes soll sowohl Unterschiede bzw. Übereinstimmungen als auch den aktuellen Stand der im Verlaufe dieser Arbeit begonnenen Privatisierung von DB/DR aufzeigen.
Untersuchungsgrundlage dieser Arbeit sind die öffentlichen Unternehmen DB/DR vor der zum 01.01.1994 beginnenden Privatisierung, der Untersuchungszeitraum endet am 31.12.1993.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| A. | Einleitung | 1 |
| 1. | Diskussionsgrundlage | 1 |
| 2. | Zielsetzung | 2 |
| B. | Marktversagen versus Staatsversagen | 4 |
| 1. | Theorie des vollkommenen Marktes | 4 |
| 2. | Theorie des Marktversagens | 4 |
| 2.1 | Öffentliche Güter | 5 |
| 2.2 | Externe Effekte | 6 |
| 2.3 | Monopole | 8 |
| 3. | Meritorische Güter | 9 |
| 3.1 | Beschreibung meritorischer Güter | 9 |
| 3.2 | Schwierigkeiten bei der Einordnung meritorischer Güter | 9 |
| 4. | Theorie des Staatsversagens | 10 |
| 4.1 | Ökonomische Theorie der Politik | 11 |
| 4.2 | Ökonomische Theorie der Bürokratie | 12 |
| 4.3 | Staatliche Monopolregulierung | 14 |
| 4.4 | Ineffizienzen in der Bereitstellung öffentlicher Güter | 15 |
| 5. | Theorie des Föderalismus | 16 |
| 5.1 | Territorialer Föderalismus | 16 |
| 5.2 | Funktionaler Föderalismus | 17 |
| 5.2.1 | Theorie der Parafiski | 17 |
| 5.2.2 | Theorie der öffentlichen Unternehmen | 19 |
| 5.2.3 | Einordnung der öffentlichen Unternehmen in die Theorie der Parafiski | 22 |
| 5.3 | Theorie des Föderalismus als Lösungsansatz zur Verringerung des Markt- bzw. Staatsversagens | 23 |
| C. | Darstellung der deutschen Eisenbahnen | 25 |
| 1. | Historische Entwicklung | 25 |
| 1.1 | 1835-1945 | 25 |
| 1.2 | 1945-1990 | 26 |
| 1.3 | 1990-31.12.1993 | |
| 2. | Deutsche Bahnen DB/DR | 27 |
| 2.1 | Rechtliche/verfassungsrechtliche Grundlagen | 27 |
| 2.1.1 | Grundgesetz | 27 |
| 2.1.2 | Allgemeines Eisenbahngesetz | 27 |
| 2.1.3 | Bundesbahngesetz | 28 |
| 2.2 | Formelle Organisationsstrukturen | 29 |
| 2.3 | Personalstrukturen | 30 |
| 2.4 | Finanzstrukturen | 31 |
| 2.4.1 | Tarifpolitik | 31 |
| 2.4.2 | Aufwendungen und Erträge | 32 |
| 2.4.3 | Finanzhilfen des Bundes | 33 |
| 2.4.4 | Verschuldung | 34 |
| 2.5 | Leistungs- und Beteiligungspolitik | 35 |
| 2.5.1 | Schienenverkehrsgebundene Leistungen und Beteiligungen | 35 |
| 2.5.2 | Nicht schienenverkehrsgebundene Leistungen und Beteiligungen | 37 |
| 2.5.3 | Sonstige Leistungen und Beteiligungen | 39 |
| 3. | Nichtbundeseigene Eisenbahnen | 39 |
| D. | Einordnung und Bewertung der Deutschen Bahnen unter den Aspekten Marktversagen versus Staatsversagen | 41 |
| 1. | Marktversagen als Rechtfertigung der Staatlichkeit der Deutschen Bahnen | 41 |
| 1.1 | Feststellung des Gutscharakters der Staatlichkeit der Deutschen Bahn | 41 |
| 1.2 | Zur Existenz externen Effekte bei den Deutschen Bahn | 42 |
| 1.3 | Überprüfung der Monopolstellung der Deutschen Bahnen | 43 |
| 2. | Formen des Staatsversagens bei den Deutschen Bahnen | 46 |
| 2.1 | Ansätze der ökonomischen Theorie der Politik | 46 |
| 2.2 | Ansätze der ökonomischen Theorie der Bürokratie | 48 |
| 2.3 | Staatliche Monopolregulierung | 49 |
| 2.4 | Die Deutschen Bahnen als Fiktion eines öffentlichen Gutes | 51 |
| 3. | Ergebnis | 52 |
| E. | Rechtfertigung der Staatlichkeit der Deutschen bahnen unter dem Apsekt meritorischer Güter | 54 |
| 1. | Distributiver Erklärungsansatz | 54 |
| 2. | Mögliche Gründe für eine meritorische Behandlung | 54 |
| 2.1 | Gemeinwirtschaftliche Gründe | |
| 2.2 | Verkehrspolitische Gründe | |
| 2.3 | Umweltpolitische Gründe | |
| 3. | Ergebnis | 57 |
| F. | Lösungsvorschlag zur Neuorganisation des Eisenbahnwesens | 60 |
| 1. | Privatisierung von DB/DR zur Überwindung des Staatsversagens | 60 |
| 1.1 | Bisherige Privatisierungsansätze | 60 |
| 1.2 | Ziele der Privatisierung | 61 |
| 1.3 | Formen der Privatisierung | 62 |
| 1.3.1 | Wechsel vom staatlichen zum privaten Monopol | 62 |
| 1.3.2 | Modell eines privaten konkurrenzwirtschaftlichen Eisenbahnmarktes | 64 |
| 2. | Konkurrenzwirtschaft zur Steigerung der Markteffizienz | 66 |
| 2.1 | Voraussetzungen zur Erreichung eines privaten konkurrenzwirtschaftlichen Eisenbahnmarktes | 66 |
| 2.1.1 | Änderungen von Rechtsnormen | 66 |
| 2.1.2 | Regelungen über die Infrastruktur | 66 |
| 2.1.3 | Regelungen über das Anlagevermögen | 68 |
| 2.1.4 | Regelungen im Personalbereich | 70 |
| 2.2 | Aufteilung der Unternehmensbereiche im privaten konkurrenzwirtschaftlichen Eisenbahnmarkt | 71 |
| 2.3 | Möglichkeiten und Chancen eines privaten konkurrenzwirtschaftlichen Eisenbahnmarktes | 72 |
| 2.3.1 | Güterverkehr | 72 |
| 2.3.2 | Personenfernverkehr | 74 |
| 2.3.3 | Personennahverkehr | 75 |
| 2.4 | Probleme und Schwächen eines privaten konkurrenzwirtschaftlichen eisenbahnmarktes | 77 |
| 2.4.1 | Auswahl der privaten Eisenbahngesellschaften | 77 |
| 2.4.2 | Zeitlich befristetes Monopol | 77 |
| 2.4.3 | Fehlende Initiative im Personennahverkehr | 78 |
| 3. | Regionalisierung als Lösungsansatz zur Erreichung verkehrs- und umweltpolitischer Ziele | 79 |
| 3.1 | Beschreibung des Grundgedankens Regionalisierung | 79 |
| 3.2 | Voraussetzungen und Veränderungen | 80 |
| 3.3 | Praktische Ausgestaltung der Regionalisierung unter Einbeziehung föderativer Aspekte | 81 |
| 4. | Ergebnis | 83 |
| G. | Alternativkonzepte | 84 |
| 1. | Privatisierungskonzept der Bundesregierung | 84 |
| 2. | Interne Reform von DB/DR | 87 |
| 3. | Ergebnis | 88 |
| H. | Ausblick | 89 |
| Literaturverzeichnis | 91 | |
| Erklärung | 110 | |
| Lebenslauf | 111 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832462727
Arbeit zitieren:
Lewicki, Thomas Februar 1994: Zur Reformnotwendigkeit öffentlicher Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Privatisierung, Monopol, Konkurrenzwirtschaft, Marktversagen, Staatsversagen



