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Der Rechtspopulist Jörg Haider

Eine Analyse seines politischen Erfolges in Österreich

Der Rechtspopulist Jörg Haider
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Wolfgang Haserer
  • Abgabedatum: April 2001
  • Umfang: 120 Seiten
  • Dateigröße: 820,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5491-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5491-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5491-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Haserer, Wolfgang April 2001: Der Rechtspopulist Jörg Haider, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Neue rechte, FPÖ, Populismus

Diplomarbeit von Wolfgang Haserer

Einleitung:

Viele Jahre lang besuchte Jörg Haider keine Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nationalsozialismus, dafür nahm er an Veteranentreffen der Waffen-SS teil und lobte im Kärntner Landtag die „ordentliche Beschäftigungspolitik“ des Dritten Reichs. Seine rassistischen und rechtsextremen Äußerungen machten ihn zwar zu einem der umstrittensten Akteure der aktuellen politischen Welt, taten seiner Karriere allerdings keinen Abbruch.

Am 3. Februar 2000 erreichte Jörg Haider auf seinem angestrebten Weg ins Kanzleramt seinen vorläufigen Höhepunkt: Der Vorsitzende der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) unterzeichnete zusammen mit dem Chef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und späteren Bundeskanzler Wolfgang Schüssel den gemeinsamen Koalitionsvertrag. Damit hatte Haider in 15 Jahren als Parteivorsitzender die FPÖ aus der Existenzkrise bis in die Regierung geführt. Die Reaktionen des politischen Auslands auf die Regierungsbeteiligung der rechtspopulistischen FPÖ fielen unerwartet heftig aus: Während die Europäische Union (EU) unter Führung der portugiesischen Ratspräsidentschaft beschloss, die bilateralen Beziehungen zu der Alpenrepublik auf eine rein ‚technische Ebene‘ zu reduzieren, rief der israelische Präsident Weizmann die rund 8.000 in Österreich lebenden Juden auf, das Land zu verlassen. Daneben fanden in zahlreichen Ländern, unter anderem in Australien und Argentinien, Demonstrationen gegen die neu gebildete österreichische Regierung statt. Die spanische Zeitung ‚La Republica‘ stellte die Frage, mit der sich die politische Öffentlichkeit der ganzen Welt zu diesem Zeitpunkt beschäftigte: „Ein neuer Hitler in Österreich?“ Interesse und Kritik konzentrierten sich in diesen Tagen nicht auf die FPÖ und ihren rechts gerichteten Kurs, sondern lediglich auf den Namen ihres Vorsitzenden: Jörg Haider.

Aus diesem Grund steht die Person und der Politiker Jörg Haider im Mittelpunkt der vorliegenden Diplomarbeit, deren zentrale Fragestellung lautet: Welche Zusammenhänge und welche Umstände haben es Jörg Haider ermöglicht, mit seinem rechtspopulistischen Kurs in Österreich einen derartigen politischen Aufstieg zu feiern und die FPÖ in die Regierungsbeteiligung zu führen? Demnach konzentriert sich der temporäre Rahmen der Arbeit auf die Zeitspanne zwischen der Machtübernahme Haiders in der FPÖ (1986) und seiner momentanen Funktion als Kärntner Landeshauptmann.

Die Vorgehensweise basiert zunächst auf der These, dass sich Jörg Haider der Politikform des rechten Populismus bedient. Davon ausgehend, dass erfolgreich praktizierter Populismus theoretisch auf dem Zusammenwirken des so genannten ‚populistischen Moments‘ und dem Auftreten einer charismatischen Führungspersönlichkeit beruht, werden anschließend die politischen Verhältnisse in Österreich dahingehend untersucht, ob und in wie weit sich die aufgestellten Hypothesen auf die Alpenrepublik übertragen lassen.

Gang der Untersuchung:

Strukturell gliedert sich die Arbeit deshalb in drei Abschnitte: Zunächst rückt der biografische Hintergrund Haiders sowie der Verlauf seines Aufstiegs zum Parteiführer in den Mittelpunkt der Betrachtung, da im weiteren Verlauf wiederholt Bezug auf Haiders politischen Werdegang genommen wird. Anstelle einer rein chronologischen Darstellung wird dabei auf besonders prägende Ereignisse und Personen in Haiders Biografie eingegangen, um so unter anderem die Persönlichkeit Haiders, seinen Charakter sowie sein taktisches Geschick im politischen Umgang herauszustellen.

Der zweite Abschnitt beschäftigt sich eingehend mit dem aktuellen Stand der Populismus-Theorie. Für den weiteren Verlauf der Arbeit sind besonders die herausgearbeiteten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anwendung des Populismus in der politischen Praxis von entscheidender Bedeutung.

Im letzten Abschnitt werden die zuvor hypothetisch skizzierten Voraussetzungen auf die tatsächlichen Verhältnisse in Österreich übertragen, um so in der kombinierten Betrachtung des ‚populistischen Moments‘ und der Figur Jörg Haiders als charismatischer Führungspersönlichkeit den Erfolg des (ehemaligen) FPÖ-Chefs zu erklären. Dabei werden vor allem die gesellschaftlichen und sozialen Folgen aus über 50 Jahren praktizierter Konkordanzdemokratie und Zweiparteienherrschaft aus Sozialdemokratischer Partei Österreichs (SPÖ) und ÖVP aufgezeigt. Dass Haider aber nicht nur ein logisches Produkt der österreichischen Nachkriegsverhältnisse ist, zeigt die anschließende Darstellung des öffentlichkeitswirksamen Haider-Charismas, das sich aus seiner Persönlichkeit, der daraus resultierenden Medienwirkung und seiner Rhetorik ergibt. Als Beleg für seinen einfachen, aber wirksamen rhetorischen Stil enthält dieser Teil die exemplarische Analyse einer Wahlkampfrede des Kärntner Landeshauptmanns.

Das abschließende Fazit fasst zunächst die aus der vorliegenden Bearbeitung gewonnen Ergebnisse zusammen, bevor über die politische Zukunft Jörg Haiders (besonders nach seinem Rücktritt als FPÖ-Vorsitzender am 28. Februar 2000) und den richtigen Umgang mit ihm als zwangsläufiger Erscheinung der politischen Verhältnisse Österreichs spekuliert wird.

Die allgemeine Quellenlage darf spätestens seit dem Wahlerfolg der FPÖ bei den Nationalratswahlen am 3. Oktober 1999 als sehr umfangreich bezeichnet werden. So stützt sich ein Großteil dieser Arbeit sowohl auf Zeitungs- und Zeitschriftenartikel als auch auf wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften aus dem Zeitraum der Koalitionsverhandlungen und den anschließenden Protesten Ende 1999 und Anfang 2000. Allerdings leisten nur wenige Quellen die hier vorgenommene kombinierte Betrachtungsweise aus den besonderen politischen Verhältnissen in Österreich und dem rechtzeitigen Auftreten eines besonderen politischen Akteurs.

Zur Person Jörg Haiders wurden bereits mehrere Biografien sowie zahlreiche Porträts veröffentlicht. Ein geplantes Interview mit dem Kärntner Landeshauptmann kam trotz mehrfach wiederholter Anfragen nicht zustande. Für politikwissenschaftliche Zwecke gebe Herr Haider grundsätzlich keine Interviews mehr, hieß es auf Nachfrage in der FPÖ-Zentrale in Wien.

Die Suche nach Quellen zur Populismustheorie gestaltete sich ungleich schwieriger, da eine umfassende wissenschaftliche Diskussion um diese Politikform bisher nicht stattgefunden hat. Allein das erfolgreiche Aufkommen weiterer Parteien der so genannten ‚Neuen Rechten‘ in Europa, wie zum Beispiel in Belgien (‚Vlaams Block‘), in der Schweiz (‚Schweizerische Volkspartei‘) oder in Frankreich (‚Front National‘), zeigt die Notwendigkeit einer solchen Debatte, die zudem einige fundamentale Überlegungen zum populistischen Diskurs aller politischen Akteure in den Medien und der Öffentlichkeit enthalten müsste.

Inhaltsverzeichnis:

I. EINLEITUNG 4
II. BIOGRAFISCHER HINTERGRUND 7
1. DIE PERSON 7
1.1 Die Eltern 7
1.2 Kindheit und Jugend 8
1.3 Der Weg in die Politik 9
2. DER POLITIKER 10
2.1 Der Einzug in den Nationalrat 10
2.2 Der ‚Putsch' von Innsbruck 11
2.3 Haiders Reichtum: Das Kärntner Bärental 12
2.4 Die Wahl zum Kärntner Landeshauptmann 14
2.5 Das Lob der „ordentlichen Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich 14
3. DIE FPÖ UNTER HAIDER 15
3.1 Die Strukturen in der FPÖ 15
3.2 Der Umgang mit innerparteilichen politischen Gegnern 16
3.3 Kursänderung 18
4. DAS BESONDERE VERHÄLTNIS ZUM NATIONALSOZIALISMUS 19
4.1 Der ‚blinde Fleck' 19
4.2 Konzentrationslager als „Straflager“ 19
4.3 Die ‚Krumpendorf-Rede' 20
5. DIE POLITISCHE GEGENWART 21
5.1 Die Niederlagen bei den Volksbegehren gegen Euro und Ausländer 21
5.2 Die Rückkehr als Kärntner Landeshauptmann 21
5.3 Haiders Rolle in der Regierung Schüssel 22
5.3.1 Die Nationalrats-Wahlen 1999 22
5.3.2 Der Rücktritt als FPÖ-Chef 22
5.4 Die Verstrickung in die ‚Spitzelaffäre' 23
III. THEORETISCHE GRUNDLAGE: POPULISMUS 24
1. BEGRIFFSBESTIMMUNG 24
1.1 Historische Bedeutung des Begriffs 24
1.2 Definition 25
1.2.1 Wesen des Populismus 25
1.2.2 Merkmale 26
1.2.3 Typologie 27
1.2.4 Funktionsweise des Populismus 27
2. RECHTSPOPULISMUS 28
2.1 Der Begriff 28
2.2 Begriffsabgrenzungen 28
2.2.1 Rechtsradikalismus / Rechtsextremismus 29
2.2.2 Neue Rechte 29
2.2.3 Faschismus 30
2.3 Die Zielgruppe des Rechtspopulismus 30
2.4 Der Rechtspopulist Jörg Haider 31
3. DIE BASIS FÜR ERFOLGREICHEN RECHTSPOPULISMUS 33
3.1 Das populistische Moment 33
3.2 Die charismatische Führungspersönlichkeit 34
IV. DIE URSACHEN DES RECHTSPOPULISTISCHEN ERFOLGES IN ÖSTERREICH 36
1. DIE HAIDER-WÄHLER 36
1.1 Die systematische Ansprache verschiedener Wählerschichten 36
1.1.1 Erste Phase: 1986 - 1990 37
1.1.2 Zweite Phase: 1990 - 1994 38
1.1.3 Dritte Phase: 1995 - 1999 38
1.2 Die Wahlmotive der FPÖ-Wähler 39
1.3 Zwischenfazit: Gezielte Wähler-Ansprache statt rechtsradikaler Sprüche 40
2. EXTERNE FAKTOREN - DAS POPULISTISCHE MOMENT IN ÖSTERREICH 41
2.1 Verunsicherung und Angst 42
2.1.1 Gesellschaftliche Umbrüche und Wertewandel 42
2.1.2 Veränderung der geopolitischen Lage 42
2.1.3 Modernisierungs-Verlierer 43
2.2 Wunsch nach Veränderung 44
2.2.1 Fünfzig Jahre Konkordanzdemokratie und die Folgen 45
a) Historischer Ursprung 45
b) Rückzug des Parteien- und Verbändestaats 48
c) Haiders Profit aus der ‚Normalisierung' Österreichs 51
2.2.2 Legitimationskrise des Parteienstaats 53
a) Parteien- und Politikverdrossenheit 53
b) Die Mobilisierung neuer Wählerschichten 56
2.3 Zwischenfazit: Das ‚populistische Moment' als idealer Zeitpunkt für Haider 61
3. INTERNE FAKTOREN - AUFTRITT EINER CHARISMATISCHEN FÜHRUNGSFIGUR 62
3.1 Die Außenwirkung der Person Jörg Haider 62
3.1.1 Die Inszenierung des ‚Feschismus' 63
a) Haiders Profit aus der Erotisierung der Politik 63
b) Haiders öffentliche Auftritte 65
3.1.2 Popstar Haider: Das Image des jugendlichen Helden 65
3.2 Haider als Gegenstand der Massenmedien 67
3.2.1 Das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis 67
a) ‚Issue-Placement' 68
b) Die Bedeutung des Fernsehens in der politischen Meinungsbildung 69
3.2.2 Das ‚Haider-Krone-Kartell' 70
3.2.3 Haider als kalkulierter Nutzer der Medien 71
3.2.4 Jörg Haider - eine Bedrohung für die Pressefreiheit? 72
3.3 Die Rhetorik Jörg Haiders 74
3.3.1 Das Konzept der Sprecherstrategie in der politischen Rede 74
3.3.2 Untersuchungsleitende Fragestellung 75
a) Kontext der vorliegenden Wahlkampfrede 76
b) Ergebnisse 76
3.3.3 Besonderheit und Wirkung der Haider-Sprache 81
3.4 Zwischenfazit: Jörg Haider - die charismatische Führungsfigur 82
V. FAZIT UND AUSBLICK 84
1. ZUSAMMENFASSUNG 84
2. DER RICHTIGE UMGANG MIT JÖRG HAIDER? 86
3. DIE ZUKUNFT JÖRG HAIDERS 88
ANHANG 90
LITERATURVERZEICHNIS 105

Automatisiert erstellter Textauszug:

Aufmerksamkeit213 auf sich bzw. sein Programm zu ziehen und so anderen Protestparteien, wie zum Beispiel den Grünalternativen, die damals ebenfalls einen Großteil ihrer Wählerschaft aus dem Potential der ‚Politikverdrossenen‘ bezogen214, kaum Spielraum für die Zukunft zu lassen. Nach Plasser und Ulram bestand 1998 über ein Viertel der FPÖ-Wählerschaft aus so genannten ‚Systemverdrossenen Rechten‘.215 • Nachlassende Organisationsstruktur der Parteien Charakteristisch für das konkordanzdemokratische System Österreichs war neben der hohen Parteienkonzentration und der stabil hohen Wahlbeteiligung der im Vergleich zu anderen demokratischen Industrieländern extrem hohe Organisationsgrad216 der Parteien. Der Grund für die hohe Parteibuch-Dichte in Österreich lag in der durch die beiden Großparteien durchdrungenen Gesellschaft mittels Patronage- und Protektionsmechanismen. Von der Vergabe geförderter Wohnungen in Wien bis hin zur Stellenbesetzung im Bildungsbereich war der Besitz eines Parteibuches stets von persönlichem oder beruflichem Vorteil. „Dieses System wurde zwar häufig benörgelt, jedoch, solange es etwas zu verteilen gab, von den breiten Massen im wesentlichen akzeptiert.“217 Die Legitimationskrise des Parteienstaates und die Zunahme von Parteien- und Politikverdrossenheit zeigt sich aktuell in der Negativentwicklung des Organisationsgrades der Sozialdemokraten. Zwischen 1970 (719.389)218 und 1999 (384.328)219 verlor die SPÖ beinahe die Hälfte aller (direkter220) Mitglieder. Demgegenüber konnte keine der übrigen Parteien einen entsprechenden Zulauf an Mitgliedern verzeichnen. Die Ursachen für diesen dramatischen Rückgang liegen zum einen in der Erosi- [...]

Spektrum der ‚Politikverdrossenheit‘ „reicht dabei von politischer Verweigerung (Absinken der Wahlbeteiligung vor allem bei jüngeren Menschen und in den urbanen Zentren) über autoritäre Untertöne bis zu ‚negative voting‘ und der Suche nach politischen Alternativen, als deren augenscheinlichste Form neopopulistische Strömungen in Erscheinung treten [...].“208 • Nicht- oder Protestwahl Der Unmut der politikverdrossenen Wähler über die bestehenden Verhältnisse bündelt sich entweder in der Nicht- oder in der Protestwahl. Die Wahlbeteiligung bei den Nationalratswahlen betrug seit 1945 regelmäßig über 90 Prozent. 1990 lag sie immer noch bei beachtlichen 86 Prozent. 1999 erreichte sie mit 76 Prozent den tiefsten Stand der Zweiten Republik.209 Die ‚Partei der Nichtwähler‘ wächst; ebenso die ‚Partei der Protestwähler‘, was vor allem der FPÖ zu Gute kommt. Weder die Grünen noch das 1993 gegründete Liberale Forum (LIF) konnten die Funktion einer starken Oppositionspartei besetzen. Als mögliche Gründe nennt Reinhold Gärtner: [...]

2.2.2 Legitimationskrise des Parteienstaats Die historischen Ursprünge des Parteiensystems nach 1945 wurden bereits skizziert.202 Die außerordentlich starke Konzentration auf die beiden Volksparteien und die, in sieben von neun Bundesländern verfassungsmäßig vorgeschriebenen, Proporzregierungen hatte zunächst eine extreme Reduzierung oppositioneller parlamentarischer Kontrollmöglichkeiten zur Folge.203 So konnten ÖVP und SPÖ zusammen bei den Nationalrats-Wahlen meistens deutlich mehr als 90 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Seit Ende der 70er Jahre mehrten sich in Österreich allerdings die Anzeichen für eine zurückgehende Bindewirkung der politischen Kräfte. Das Vertrauen in die politisch-gesellschaftlichen Institutionen sowie in die Parteien nahm vor allem bei den jüngeren Wählern deutlich ab. Die Legitimationskrise besteht aus zwei grundlegenden Faktoren: Zum einen der abnehmenden Bereitschaft der Wähler, sich überhaupt für eine Partei mobilisieren zu lassen (Parteien- oder Politikverdrossenheit). Zum anderen der ‚Umschichtung‘ der Wählerschaft von den beiden etablierten Volksparteien SPÖ und ÖVP hin zu den politischen Alternativen FPÖ und Grüne (Mobilisierung neuer Wählerschichten).204 a) Parteien- und Politikverdrossenheit Der allgemein verwendete Terminus für die Entfremdung der Politik von der Bevölkerung lautet ‚Parteien- oder Politikverdrossenheit‘, besser trifft es der von Hans-Joachim Veen geprägte Ausdruck „Erosion des institutionellen Bewußtseins“205. Diese Entwicklung ist zwar kein spezifisch österreichisches Phänomen, muss aber in der Alpenrepublik Mitte der 80er Jahre vor allem als Folge mangelnder politischer Transparenz infolge sich häufender Skandale206 und ungenügender Konfliktbewältigung der beiden etablierten Volksparteien gesehen werden. Plasser und Ulram weisen 1991 auf einen im internationalen Vergleich hohen Anteil an parteiverdrossenen Wählern in Österreich hin.207 Das sich abzeichnende [...]

Arbeit zitieren:
Haserer, Wolfgang April 2001: Der Rechtspopulist Jörg Haider, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Neue rechte, FPÖ, Populismus

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