Mehr Rechte für Kinder?
Abriss über die Geschichte der Kinderrechte im europäischen Raum und deren Umsetzung in Österreich
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Ksenija Andelic
- Abgabedatum: Mai 2003
- Umfang: 111 Seiten
- Dateigröße: 762,4 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7095-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7095-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7095-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Andelic, Ksenija Mai 2003: Mehr Rechte für Kinder?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: postmoderne Gesellschaft, UN-Übereinkommen, Phänomen Kindheit
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Magisterarbeit von Ksenija Andelic
Zusammenfassung:
Zu Beginn dieser Arbeit steht das Phänomen Kindheit, und zwar unter der Prämisse von wissenschaftlicher Forschung. Es werden dazu eine Reihe von Forschungsansätzen genannt, insbesondere eine Darstellung, welchen Stand Kinder in der Gesellschaft grundsätzlich haben und in wie weit die postmoderne Gesellschaft dem Streben nach mehr Rechten für Kinder nachkommt.
Daran schließt sich ein kurzer historischer Überblick an. Hier werden Pioniere der professionellen Auseinandersetzung zwischen Kindern und Erwachsenen, wie Pestalozzi oder Montessori, aber auch an einer „Außenseiterin“ wie Liedloff, dargestellt. Der darauf folgende Abschnitt setzt sich einerseits mit der antipädagogischen Bewegung, und anderseits mit antiautoritären Konzepten, insbesondere Alexander Neills „Summerhill“, auseinander. Nach diesem pädagogischen Exkurs bleibt die Frage, ob Erziehung bzw. die Pädagogik schlechthin nicht mitverantwortlich für die Einengung der Kinder in ein politisches Korsett ist. Hat Erziehung überhaupt in der postmodernen Gesellschaft noch eine Chance oder ist dies bereits ein Auslaufmodell? Wie sieht es diesbezüglich in der sogenannten Ratgeberliteratur aus? Werden hier bereits erste Ansätze eines sich verändernden Pädagogikverständnisses sichtbar?
Anschließend wird das UN-Übereinkommen über die Rechte der Kinder kurz dargelegt und darauf untersucht welche Auswirkungen es auf Österreich hat. Im letzten Abschnitt wird noch einmal detailliert auf die Kinderrechtssituation in Österreich eingegangen. Ein kurzer Zusammenfluss der entstandenen Gedanken beendet diese Arbeit.
Abstract:
This thesis starts with an overview of the phenomenon of childhood from the perspective of scientific research. Several research approaches are presented, especially concerning the childrens‘ position in society, and the willingness of the postmodern society to enforce the rights of the Child.
In the following historical overview not only pioneers in the study of child education like Pestalozzi and Montessori are presented, but also less-known researchers like Liedloff are introduced. The next section deals with anti-pedagogics and anti-authoritarian concepts, especially with Alexander Neill’s „Summerhill“ school. Subsequently, the questions following are discussed. Does education or pedagogy support to confine children to a „political corset“? Is education still relevant in the postmodern society or is it „out-dated“? How do parenting guides address these issues? Do these guides already show a changed approach to pedagogy?
After this, the UN-Convention on the Rights of the Child is summarised and the impact of the Convention on the Austrian conditions is discussed. The current state of the children’s rights in Austria is presented in detail. At least, a summary centralises the major findings of this study.
Inhaltsverzeichnis:
| VORWORT | 4 | |
| EINLEITUNG | 5 | |
| PROBLEMSTELLUNG UND THEMATISCHE ABGRENZUNG | 12 | |
| VORGEHENSWEISE | 12 | |
| 1. | DER WANDLUNGSPROZESS DES PHÄNOMENS KINDHEIT | 14 |
| 1.1 | FORSCHUNGSANSÄTZE ZUM THEMA KINDHEIT | 16 |
| 1.2 | GESELLSCHAFTLICHER STAND VON KINDERN | 19 |
| 1.3 | POSTMODERNE GESELLSCHAFT UND KINDHEIT | 22 |
| 2. | ABRISS DER HISTORISCHEN ENTWICKLUNG | 27 |
| 2.1 | DIE NATÜRLICHKEIT DES JEAN-JACQUES ROUSSEAU | 32 |
| 2.2 | DIE PRINZIPIEN DES JOHANN HEINRICH PESTALOZZI | 34 |
| 2.3 | DIE HOHEIT DES KINDES BEI ELLEN KEY | 37 |
| 2.4 | DAS PRINZIP HILF MIR, ES SELBST ZU TUN BEI MARIA MONTESSORI | 38 |
| 2.5 | DAS PRINZIP DES KONTINUUMS BEI LIEDLOFF | 40 |
| 3. | KINDERRECHTSBEWEGUNGEN IM 20. JAHRHUNDERT | 44 |
| 3.1 | GRUNDSÄTZLICHE ANTIPÄDAGOGISCHE ASPEKTE | 44 |
| 3.2 | SUMMERHILLS ANTIAUTORITÄRE ERZIEHUNG | 47 |
| 4. | ERZIEHUNG - NEIN DANKE? DIE ERZIEHUNGSPROBLEMATIK IN DER GEGENWÄRTIGEN ZEIT | 51 |
| 4.1 | DAS VERHALTENSGENETISCHE MODELL | 51 |
| 4.2 | UNTERSCHÄTZUNG DES FAMILIALEN EINFLUSSES | 53 |
| 4.3 | DAS MODELL DER SELBSTSOZIALISATION | 54 |
| 4.4 | BRAUCHEN KINDER MEHR ERZIEHUNG? | 58 |
| 5. | AUSWAHL VERSCHIEDENER ASPEKTE PRAXISNAHER ERZIEHUNGSANSÄTZE | 61 |
| 5.1 | MUT ZUR ERZIEHUNG | 61 |
| 5.2 | KINDER BRAUCHEN GRENZEN | 65 |
| 6. | DAS UN-ÜBEREINKOMMEN ÜBER DIE RECHTE DER KINDES | 70 |
| 6.1 | INHALT DAS ÜBEREINKOMMENS | 71 |
| 6.2 | UMSETZUNG DES ÜBEREINKOMMENS | 72 |
| 7. | DIE UMSETZUNG UND WAHRUNG DER KINDERRECHTE IN ÖSTERREICH | 80 |
| 7.1 | UMSETZUNG IN ÖSTERREICH | 80 |
| 7.2 | PROBLEMFELDER BEI DER INANSPRUCHNAHME VON | 87 |
| PSYCHOSOZIALER BERATUNG | 87 | |
| 7.3 | ART. 12 - DIE BERÜCKSICHTIGUNG DER MEINUNG DES KINDES | 90 |
| 7.4 | AKTIVITÄTEN ZUR UMSETZUNG DES ART. 12 DER KINDERRECHTSKONVENTION | 93 |
| FAZIT | 97 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 103 | |
| WEITERE QUELLEN | 108 |
gekommene individuelle Person zu einem ganzen Menschen gemacht haben. Ist es also verwunderlich, dass die Forderung nach mehr Rechten für Kindern eher Gelächter als Zustimmung hervorruft? Die Entmenschlichung und Pathologisierung der Kindheit verschärfte sich noch durch die im 19. Jahrhundert beginnende Koalition von Medizin und Pädagogik. Pädagogen strebten danach, den Eigen-Sinn zu ersticken und durch fremdbestimmte Ziele und Perspektiven zu ersetzen, die auf Disziplinierung, Anpassung und Zurichtung ausgerichtet sind. Auffällige Verhaltensweisen werden nicht mehr mit Schlägen und anderen direkten Bestrafungen geahndet. An ihre Stelle sind psychische Maßregelungen wie Liebesentzug, Ironie und Schuldzuweisung gerückt, die durch eine pharmakologische Disziplinierung in Form von psychoaktiven Drogen und anderen Medikamenten zur Bekämpfung des Eigen-Sinns ergänzt werden. Bezugspunkt ist eine fiktive Zukunft der Kinder als Erwachsene, um die sich die Pädagogik sorgt. Sieht man sich die neuere Literatur zur Kindheitsforschung an, dann werden wachsende Auflösungserscheinungen zwischen Erwachsenen- und Kinderwelt festzustellen sein. Der Status der Kinder in der Gesellschaft scheint sich zu ändern. Über eine Infantilisierung der Erwachsenen oder eine Liquidierung der Kindheit offenbaren sich Entwicklungen, die die Ausgrenzung von Kindern immer mehr als abstruse Konstruktion entlarven. Kindheit in der Postmoderne ist nicht mehr mit dem Kindsein zu Beginn dieses Jahrhunderts zu vergleichen. Trotz des Erhalts bzw. Ausbaus der altersspezifischen sozialen Orte (Kindergarten, Schule) lässt sich eine Angleichung an die Erfahrungsbereiche und Bedürfnisdispositionen aller Altersgruppen in vielen Bereichen feststellen. Der Medienkritiker Postman hat aus einer kulturpessimistischen Perspektive das Verschwinden der Kindheit beschrieben. Er macht die Zerstörung der Kindheit als entscheidende Ursache für den Verfall der gesellschaftlichen Moral aus. Ein Grund für das Verschwinden der Kindheit ist seiner Ansicht nach die Auflösung der Geheimnisse, die die Erwachsenenwelt deutlich von der Kinderwelt abgegrenzt haben. Was bei Postman zu pessimistischen Schlussfolgerungen führt, stellt aus anderer Perspektive eine notwendige Voraussetzung für eine bedeutende gesellschaftliche Veränderung dar: Kinder haben z.B. durch die elektronischen Medien Anteil am Bild, das diese Medien von den Ereignissen vermitteln. Postman wehrt sich dagegen, dass Kindern die [...]
sehen, sondern in jeder Lebensphase des Menschen eine eigenständige Phase erkennen, die einer entsprechenden gesellschaftlichen Würdigung bedarf. Eine weitere einschneidende Veränderung in der postmodernen Gesellschaft, ist die Isolierung der Familie. Familie und Schule spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung des modernen Kindheitsbegriffs. Die Isolierung von Kindern in Schule und Familie, die Entfremdung von der Gesellschaft und die Abspaltung der Erfahrungszyklen verstärkten die Integrationsschwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen. Diese Umstände dienen wiederum zur Rechtfertigung für Ausgrenzung, Pädagogisierung und Entpolitisierung. Die Rolle der Pädagogik ist sicherlich widersprüchlich. Fordert der zivilisationskritische Ansatz von Aries eine Öffnung des Ghettos der Liebe - der Familie - und des Kinderghettos Schule im Sinne einer Erweiterung ungefilterter Erfahrungen als Alternative zum Status quo der Kindheit, beobachtet der Psychohistoriker deMause eine veränderte Form der Interaktion und eine größere Einfühlsamkeit der Erwachsenen gegenüber den Kindern. Er beschreibt die Geschichte der Kindheit als eine Geschichte voller psychischer und körperlicher Misshandlungen. Die Gemeinsamkeit beider Sichtweisen lässt sich darin ausmachen, dass das Kind dem Erwachsenen als Mittel der Abwehr der dunklen Seite des Ichs dient. In dem Masse, in dem die Projektionen der Erziehenden im Laufe der Jahrhunderte zurückgingen, veränderte sich nach Einschätzung von deMause auch die Eltern-KindBeziehung. Viele Pädagogen treten auch heute noch als Vertreter einer Theorie auf, nach der Kinder als Naturwesen erscheinen, die der Kultivierung und der Disziplinierung bedürfen: „Erlaubt ist die Fremdbestimmung also, weil sie zur Freiheit führt, im Recht wie in der Erziehung. Man soll nicht kaschieren, dass sie Notwendigkeit ist. Es ist notwendig, die Kinder zu regieren, zu beherrschen, zu bevormunden in irgendeinem Maß.“180 Die Vorstellung von einer Erziehungsbedürftigkeit des Kindes in Verbindung mit der Konsequenz der Trennung von Kinder- und Erwachsenenwelt wird zur Schnittstelle für die Entmündigung der Kinder und schafft die Grundlagen für die Rechtfertigung einer entpolitisierten Kindheit. Kinder werden erst als ernsthafte Partner wahrgenommen, wenn die Zwänge der sozialen Tatsachen die durch die physische Geburt zur Welt [...]
Im öffentlichen Diskurs geht es hinsichtlich der Rechte von Kindern immer mehr um die Beteiligung von nicht wahlberechtigten Minderjährigen. Bisher beanspruchen die erwachsenen Mitglieder der Gesellschaft die politische Verantwortung für sich allein. Kindern und Jugendlichen wird in der Regel weder das Interesse an der Politik, noch die notwendige Kompetenz zugebilligt. Direkte Mitbestimmung wird nur in Ausnahmesituationen in Betracht gezogen. Die Zunahme von sogenannten Kinder- und Jugendparlamenten ist vielleicht ein Indiz für eine sich verändernde Einstellung gegenüber der Politik- und Mitbestimmungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Insbesondere Kinder, also die 6 - 14jährigen, sind von einer tatsächlichen Mitbestimmung in allen gesellschaftlichen Bereichen weitestgehend ausgeschlossen. Die Zuordnung in verschiedene Altersgruppen und Entwicklungsstufen ist offensichtlich ein wichtiges Kriterium bei der Zuweisung von politischen Rechten. Derjenige, von dem behauptet wird, dass er/sie (noch) nicht die Kompetenz und das Wissen besitzen, einen politischen Sachverhalt unter Würdigung aller Folgen abzuschätzen, bleibt im Sinne von direkter politischer Beteiligung unberücksichtigt. Kindheit an sich kann als ein Konstrukt der expandierenden Industriegesellschaft beschrieben werden, eng verbunden, wie sich gezeigt hat, mit der Pädagogisierung des Kinderlebens. Zum Ende des 20. Jahrhunderts deutet sich nun eine Entwicklung an, in der sich diese künstliche Beschaffenheit der Kindheit wieder auflöst. Von verschiedenen Ausgangspunkten wird auf diese Veränderungen aufmerksam gemacht. Kindheitsforscher gehen sogar so weit, von einem Verschwinden oder einer Liquidierung der Kindheit zu sprechen. Ein Wandel im Generationenverhältnis und damit eine veränderte Definition von Mündigkeit ist notwendige Voraussetzung für die Enthierarchisierung politischen Denkens und Handelns. Politische und gesellschaftliche Phantasie Kindern, und Kreativität ein von nicht Kindern, zu dies zeigen die Erfahrungen für in Zukunftswerkstätten, projektorientierten und offenen Partizipationsmodellen mit beinhalten unterschätzendes Moment einen gesellschaftspolitischen Wandel. Herrschafts- und Gewaltfreiheit haben in den Konfliktlösungsstrategien von Kindern einen besonders hohen Stellenwert. Tatsächlich gibt es heute zahlreiche wissenschaftliche Ansätze, die die verschiedenen Entwicklungsstufen nicht mehr als Stufen auf dem Weg zum vollwertigen Erwachsenen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832470951
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Andelic, Ksenija Mai 2003: Mehr Rechte für Kinder?, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
postmoderne Gesellschaft, UN-Übereinkommen, Phänomen Kindheit



