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Der Realoptionsansatz und seine Bedeutung im Kontext von Innovationsvorhaben

Der Realoptionsansatz und seine Bedeutung im Kontext von Innovationsvorhaben
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Markus Schimmer
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 103 Seiten
  • Dateigröße: 4,3 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9850-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9850-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9850-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schimmer, Markus August 2005: Der Realoptionsansatz und seine Bedeutung im Kontext von Innovationsvorhaben, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Forschung, Investitionsbeurteilung, Innovation, Produktentwicklung, Bewertungstechnik

Diplomarbeit von Markus Schimmer

Zusammenfassung:

Die Entscheidung zur Entwicklung neuer Produkte ist mit hohen Kosten und unsicheren Erträgen verbunden. Als Mittel zum Vergleich alternativer Entwicklungsmöglichkeiten wird meist eine Kombination verschiedener Bewertungsmodelle angewandt. Sie sollen zum einen die unmittelbaren monetären Konsequenzen eines Projekts erfassen und zum anderen strategische oder produktpolitische Absichten des Entwicklungsvorhabens berücksichtigen. Die getrennte Betrachtung dieser Größen resultiert aus den methodischen Beschränkungen der angewandten Modelle. In dieser Arbeit wird der Realoptionsansatz als eine Erweiterung des bestehenden Instrumentariums der Investitionsrechnung vorgestellt und hinsichtlich seines Beitrags zur Bewertung von Innovationsprojekten beurteilt.

Die Betrachtung nimmt ihren Ausgang im Zielsystem des Unternehmens und definiert die Aufgabe einer Bewertungstechnik im Rückschluss auf die Preisbildung an Kapitalmärkten. Es werden Merkmale von Investitionsprojekten herausgestellt, welche für eine marktorientierte Bewertung berücksichtigt werden müssen. Diese bilden die Kriterien zur Beurteilung der vorherrschenden Bewertungspraxis und den Anknüpfungspunkt des Realoptionsansatzes. Der als Realoptionsansatz bezeichnete Themenkomplex wird schrittweise dargestellt und auf die Bewertungsfrage zugeführt. Diese wird durch den Abgleich zweier Optionspreismodelle mit den Anforderungen einer Realoptionsbewertung beantwortet. Auf dem erarbeiteten konzeptionellen Verständnis aufbauend, werden Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Produktentwicklung aufgezeigt. Nachdem in die Bewertungstechnik eingeführt wurde, werden zwei der zuvor dargestellten Anwendungsmöglichkeiten wieder aufgegriffen und umgesetzt.

Ergebnisse der Arbeit sind: Mit dem Realoptionsansatz können zahlreiche Handlungsrechte in Analogie zu Finanzoptionen modelliert und bewertet werden. Einschränkungen erfährt die Methode in erster Linie durch die Qualität der vorliegenden, bewertungsrelevanten Daten und die höheren Anforderungen an den Anwender. Obwohl insbesondere bei der Bewertung neuartiger Projekte die erstgenannte Einschränkung besteht, erscheint das Bewertungsprinzip als überlegenes Konzept. Es ermöglicht eine differenzierte Berücksichtigung bekannter Projektrisiken und -flexibilitäten. Die empfohlene Bewertungstechnik vermag diese zu erfassen und in einem um Flexibilitätswerte erweiterten Kapitalwert zu verdichten.

Der Nutzen dieser Möglichkeit ergibt sich im Innovationskontext im Wesentlichen aus zwei Anwendungsformen:

- Das Methodenset zur Projektbeurteilung kann erweitert werden. Der unternehmenseigene Innovationsprozess als institutionalisiertes Flexibilitätsinstrument kann den Rahmen für ein Bewertungsmodell bilden.

- Es können Gestaltungsempfehlungen für diesen Innovationsprozess aus den spezifischen Unsicherheitsfaktoren einzelner Projektarten abgeleitet werden.

Die generelle Folge einer Anwendung des Optionskalküls ist, dass Flexibilitäten, Lernprozesse, modulare Konzepte sowie alle Mechanismen, die die Adaptionsfähigkeit des Unternehmens erhöhen, sowohl auf konzeptioneller als auch auf instrumentell-analytischer Ebene aufgewertet werden.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Kapitel wird das wissenschaftliche Forschungsgebiet dargestellt und die Motivation der Arbeit durch Forschungsfragen konkretisiert.

Daraufhin werden im zweiten Kapitel, ausgehend vom Unternehmenswert, Investitionsmerkmale herausgestellt, welche in einer dynamischen Welt zu beachten sind. Diese bilden die Kriterien einer sich anschließenden Beurteilung der vorherrschenden Bewertungspraxis.

Aufbauend auf den hierbei erarbeiteten Kritikpunkten erfolgt im dritten Kapitel die Darstellung der Realoptionstheorie. Dies umschließt neben dem Analogieschluss zu Finanzoptionen die Systematisierung und Modellierung möglicher Realoptionen sowie die Ausarbeitung von Besonderheiten, welche bei der Bewertung realer Handlungsmöglichkeiten zu beachten sind.

Letztere besitzen bereits einen bewertungstechnischen Bezug und definieren neben den Modellierungsformen die Anwendungsbedingungen möglicher Optionspreismodelle. Der Frage, welches Modell am besten zur Bepreisung von Realoptionen im Innovationsbereich geeignet ist, geht Kapitel vier nach. Es schließt mit der Empfehlung eines Bewertungsprinzips und gibt Aufschluss über die Grenzen der Methode sowie getroffenen Annahmen.

Kapitel fünf erläutert Faktoren, welche im Kontext von Entwicklungsprojekten für die Modellierung von Realoptionen wichtig sind. Aus diesen und der existierenden Literatur werden daraufhin Anwendungen in Form von Optionsmodellierungen abgeleitet und aufgezeigt.

Die Verbindung der erarbeiteten konzeptionellen und modelltheoretischen Erkenntnisse erfolgt im sechsten Kapitel. Es empfiehlt ein Vorgehensmodell der Bewertung, nennt Werkzeuge zur Umsetzung und leitet mit zwei Bewertungsfällen aus dem Bereich der Produktentwicklung zur instrumentellen Nutzung des Realoptionsansatzes an.

Inhaltsverzeichnis:

Zusammenfassung I
Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis VI
1. Einleitung 1
1.1 Motivation 1
1.2 Aufbau der Arbeit 2
2. Wert und Investition 3
2.1 Wertorientierung 3
2.2 Investition als Entscheidungsprozess 4
2.2.1 Merkmale von Investitionsobjekten 4
2.2.2 Investitionsbeurteilung 5
2.3 Verfahren der Investitionsrechnung 6
2.3.1 Kapitalwertverfahren 7
2.3.2 Dynamische Kapitalwertrechnung 10
2.3.3 Beurteilung 12
3. Grundlagen der Realoptionstheorie 14
3.1 Theoretisches Konzept der Realoption 14
3.1.1 Analogie zu Finanzoptionen 15
3.1.2 Bedeutung für die Investitionsrechnung 18
3.1.3 Einschränkungen 19
3.2 Taxonomie der Realoptionen 21
3.2.1 Wachstumsoptionen 21
3.2.2 Flexibilitätsoptionen 22
3.2.3 Motivationsorientierte Erweiterung 24
3.3 Wertabhängigkeiten 25
3.3.1 Wettbewerbseffekte 26
3.3.2 Interaktionseffekte 26
3.3.3 Stärke der Interaktionen 28
4. Zur Anwendung von Optionspreismodellen 31
4.1 Grundlagen der Optionspreistheorie 31
4.1.1 Optionspreiskomponenten 31
4.1.2 Determinanten des Optionspreises 31
4.1.3 Grundprinzip der Optionsbewertung 33
4.2 Standardmodelle der Optionsbewertung im Vergleich 33
4.2.1 Black-Scholes-Modell 34
4.2.2 Binomialmodell 37
4.2.3 Prinzip der risikoneutralen Bewertung 40
4.2.4 Empfehlung 41
4.3 Das Duplikationsproblem bei Realoptionen 41
4.3.1 Zwillingswerte 42
4.3.2 Tracking-Portfolio 43
4.3.3 Marktverzicht-Annahme 43
4.3.4 Empfehlung 44
5. Realoptionen der Innovationstätigkeit 45
5.1 Innovationstätigkeit 45
5.1.1 Zielsetzungen von Produktinnovationen 46
5.1.2 Unsicherheiten im Innovationsprozess 47
5.2 Identifikation typischer Realoptionen 48
5.2.1 Wachstumsoptionen 49
5.2.1.1 Entwicklungsprojekte als Optionen auf Markteinführung 49
5.2.1.2 Entwicklungsprojekte aus strategischer Sicht 50
5.2.1.3 Simultane Entwicklung substitutiver Technologien 51
5.2.2 Flexibilitätsoptionen 52
5.2.2.1 Bewertung der Flexibilität gestufter Entwicklungsprozesse 52
5.2.2.2 Erweiterungs- und Einschränkungsoptionen 53
5.2.2.3 Bewertung von Pilotprojekten 54
5.3 Zwischenfazit 55
6. Methodik und Anwendung auf Innovationsprojekte 56
6.1 Bewertungsmethodik 56
6.1.1 Prozessbestimmung 57
6.1.2 Volatilitätsbestimmung 58
6.1.3 Integration eines zweiten stochastischen Prozesses 59
6.2 Bewertung der strategischen Dimension eines Neuprodukts 61
6.2.1 Bestimmung des starren Kapitalwerts durch Cashflow-Prognosen 61
6.2.2 Bestimmung und Modellierung der Unsicherheiten 62
6.2.3 Identifizierung und Integration der Realoptionen 63
6.2.4 Ableitung der optimalen Ausübungsstrategie 63
6.2.5 Bewertung der Realoptionen 64
6.3 Bewertung eines gestuften Entwicklungsprojekts 66
6.3.1 Bestimmung des starren Kapitalwerts durch Simulation 66
6.3.2 Modellierung und Integration der Unsicherheiten 67
6.3.3 Bewertung der Verbundoption 68
6.4 Beurteilung der Bewertungsmethodik 70
7. Zusammenfassung und Ausblick 72
Anhang 73
Literaturverzeichnis 82

Automatisiert erstellter Textauszug:

Konzeptionell unterstellt es für die Basiswertentwicklung einen multiplikativen binomialen Prozesses, welcher sich in zeitgleichen Abständen mit konstanten Veränderungsfaktoren pro Zeitstufe entwickelt.170 Es zeichnet die Preisentwicklung des Basiswerts als Binomialbaum, d.h. auf jeder Zeitstufe werden zwei Entwicklungen für möglich gehalten: eine positive (u) sowie eine negative (d). Die Faktoren für diese Bewegungen des Basiswerts ergeben sich aus der unterstellten Volatilität171 und formen das 2σ-Intervall um den Erwartungswert der Wachstumsrate.172 Sie grenzen den wahrscheinlichen Entwicklungstrichter des Basiswerts ein. Ihre Berechnung erfolgt mit den Formeln: 1 d = = e −σ t u = eσ t und u Der durch die Faktoren aufgespannte Wertebaum des Basiswerts wird im Sinne eines „Random Walk“ durchschritten.173 Diese zufallsgesteuerte Preisentwicklung gleicht einer diskreten geometrisch Brown’schen Bewegung174 und zeichnet sich wie diese durch den kontinuierlichstochastischen Informationseingang in die Erwartungsbildung der Marktakteure aus.175 Aufgrund der expliziten Darstellung der Werte des Basisobjekts im Binomialbaum kann das Zahlungsprofil der Option ermittelt werden. Hierzu werden am Ende der Laufzeit für alle möglichen Zustände die Zahlungsflüsse mit den Entscheidungsregeln der Optionen bestimmt. CFCall (T ) = max(S − X ,0) bzw. CFPut (T ) = max( X − S ,0) [...]

Zur Berechnung der Optionspreise bedarf es der fünf Eingangsgrößen: S, X, T-t, r und σ. Die Anwendung auf eine Realoption sei durch folgendes Beispiel dargestellt. Ein Unternehmen hat die Option, eine Übertragungsfrequenz zu ersteigern und in drei Jahren (T-t) eine Dienstleistung zu Markteinführungskosten (X) von 110 GE anzubieten. Es schätzt den Wert des Markteinstiegs (S) gegenwärtig auf 100 GE. Da es sich um einen dynamischen Markt handelt, hält das Unternehmen innerhalb der nächsten drei Jahre eine jährliche Volatilität (σ) des Projektwerts von 20% für möglich und erwägt demnach den Kauf der Nutzungsrechte. Der risikolose dreijährige Zinssatz (r) beträgt 3%. Wenn man die Modellannahmen als erfüllt unterstellt, dann lässt sich mit den Black-ScholesFormlen der Wert der Wachstumsoption und somit die Obergrenze des Gebots bestimmen. Er beträgt 13,523 GE und ergibt sich aus drei Rechenschritten: [...]

risikoneutral. Da Arbitragemöglichkeiten ausgeschlossen werden, muss seine Rendite dem risikoneutralen Zins entsprechen. Bei der dynamischen Betrachtung dieser als Hedge-Portfolio bezeichneten Anlagekombination müssen die Portfoliogewichte nach jeder Kursänderung des Basiswerts angepasst werden.158 Black und Scholes stellten – unter Zuhilfenahme eines spezifischen Basiswertprozesses und eines mathematischen Lemmas – eine Differenzialgleichung auf, welche diese Dynamik der Replikation innerhalb der risikoneutralen Position abbildete. Sie beinhaltet die Wertfunktion des Derivats. Mit Hilfe der mathematischen Randbedingungen europäischer Optionen konnten sie die Funktion lösen und Wertgleichungen für europäische Kauf- und Verkaufsoptionen aufstellen.159 Um diese Bewertungsgleichungen mathematisch ableiten zu können, mussten Black und Scholes neben den Annahmen des Duplikationsprinzips weitere treffen. Sie sind für die Betrachtungen dieser Arbeit insofern relevant, als dass sie eine Menge potenzieller Differenzierungsmerkmale gegenüber anderen Duplikationsmodellen darstellen. Die Annahmen sind:160 o Der risikolose Zinssatz ist konstant. o Das Basisobjekt zahlt keine Dividenden. o Die zu bewertende Option ist europäischen Typs. o Die Wertentwicklung des Basisobjekts entspricht einer geometrisch Brown’schen Bewegung. Anwendungsprinzip Aus Sicht der Anwendung, erschöpft sich das Black-Scholes-Modell in der Bestimmung und dem Einsetzen der Parameter in die Bewertungsgleichungen. Um letzteren, losgelöst von der komplexen Herleitung eine Bedeutung zu geben, sollen sie durch eine Interpretation eingeführt werden, welche dem allgemeinen Bewertungsprinzip an effizienten Märkten entspricht.161 Nach diesem Prinzip kann der Marktpreis eines jeden gehandelten Objekts als diskontierter Erwartungswert seiner Zahlungsflüsse verstanden werden.162 Bei europäischen Optionen werden diese durch die Auszahlungen zum Laufzeitende bestimmt. Sie ergeben sich aus dem inneren Wert der Option und haben demnach folgende Ausprägungen: CFCall (T ) = max(S − X ,0) bzw. CFPut (T ) = max( X − S ,0) Die risikoneutrale Wahrscheinlichkeit,163 dass sich die Call-Option zum Laufzeitende im Geld, bzw. die Put-Option aus dem Geld befinden wird, ergibt sich aus dem aktuellen Kurs des Basisobjekts, dessen Volatilität, dem Ausübungspreis der Option, deren Restlaufzeit sowie der risikoneutralen Rendite. Die Wahrscheinlichkeit ist Ergebnis einer Verteilungsfunktion mit einem Argument, welches die Beziehungen zu den genannten Bestimmungsgrößen enthält.164 [...]

Arbeit zitieren:
Schimmer, Markus August 2005: Der Realoptionsansatz und seine Bedeutung im Kontext von Innovationsvorhaben, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Forschung, Investitionsbeurteilung, Innovation, Produktentwicklung, Bewertungstechnik

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