Die Realisierung sozialen Lernens im Sportunterricht unter besonderer Berücksichtigung des Lernbereichs "Fairness, Kooperation"
Aufgezeigt anhand ausgewählter Spiele und Übungsformen in einer 5. Jahrgangsstufe
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Udo Kroack
- Abgabedatum: Januar 2002
- Umfang: 54 Seiten
- Dateigröße: 1,7 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7909-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7909-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7909-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kroack, Udo Januar 2002: Die Realisierung sozialen Lernens im Sportunterricht unter besonderer Berücksichtigung des Lernbereichs "Fairness, Kooperation", Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sport, sozial, Lernen, Schulunterricht, Spiel
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Staatsexamensarbeit von Udo Kroack
Problemstellung:
Kindern und Jugendlichen scheint es auf den ersten Blick noch nie so gut wie heute gegangen zu sein: In den westlichen Industrienationen genießen sie ein hohes Maß an sozialer Selbständigkeit, eine liberale Erziehung mit partnerschaftlich-demokratischen Eltern und breit gefächertem und selbst bestimmbaren Medien- und Freizeitangebot. Die jetzige Generation ist materiell hervorragend versorgt und früher lebensgefährliche Kinderkrankheiten sind weitestgehend besiegt bzw. relativ problemlos zu kurieren.
Sieht man allerdings genauer hin, so fällt auf, dass die Probleme der Kinder und Jugendlichen heute eher im zwischenmenschlichen Bereich liegen, in der Unsicherheit von Kontakten und Beziehungen. Zwar können sie die angenehmen Seiten der Wohlstandsgesellschaft für sich nutzen, sie bekommen aber auch die Nachteile zu spüren. Selbständigkeit und die Möglichkeit zur Selbstentfaltung stehen sozialer Unsicherheit und den damit verbundenen psychischen Irritationen gegenüber.
Gewalt und Aggression sind allgegenwärtig. Neben den in den Medien erscheinenden offensichtlichen Erscheinungsformen wie Krieg, Kriminalität, ausländerfeindliche Aktionen, sexueller Missbrauch etc. gibt es im Alltag unzählige weniger auffällige: Aggressionen im Straßenverkehr, in der Familie, in der Berufswelt (Mobbing), in der Schule, im Sport und subtilere Formen der psychischen Aggression (z.B. Schikanieren von Untergebenen oder von Dienstleistungspersonal). Viele dieser Verhaltensweisen werden in unserer modernen „Ellbogengesellschaft“ akzeptiert und von den meisten Erwachsenen sogar vorgelebt.
Fast täglich berichten die Medien von Gewalttaten und aggressiven Übergriffen junger Menschen. Hierbei lässt sich feststellen, dass nicht nur deren Anzahl steigt, sondern dass sich vor allem die Qualität der Aggressionen verändert hat. Die immer jünger werdenden „Täter“ haben immer geringere Hemmschwellen. Nach HURRELMANN (in: VALTIN/ PORTMANN 1995) zeigen aktuelle Studien, „dass 10 -12% der Kinder im Schulalter an psychischen Störungen vor allem in den Bereichen Leistung, Emotion und Sozialkontakt leiden. Dazu gehören auch aggressive und gewalthaltige Verhaltensweisen. Immer häufiger ist von körperlichen und psychischen Belästigungen die Rede. Viele Lehrerinnen und Lehrer berichten, die Kinder seien heute schon in der Grundschule, vor allem aber auch in der Mittelstufe nicht nur zappeliger, unruhiger und nervöser als die aus früheren Jahrgängen, sondern es nehme auch die Minderheit der ruppigen, aggressiven, gewalttätigen und sogar brutalen Schülerinnen und Schüler zu. Auch von Übergriffen auf Lehrerinnen und Lehrer wird berichtet, wobei offenbar an Hauptschule und Berufsschulen die meisten Probleme wahrgenommen werden, die oft mit der multiethnischen und kulturellen Zusammensetzung dieser Schülerschaften zu tun haben“.
Nicht nur weil die Schule von der zunehmenden Aggressivität besonders betroffen ist, sondern vor allem wegen ihres großen Einflusses auf die Kinder ist es sinnvoll, hier besonderen Wert auf die Förderung der sozialen Kompetenzen zu legen. Die jetzigen und zukünftigen Lehrer werden besonders im pädagogischen Bereich gefordert sein, deshalb ist es notwendig, sich zum Thema Sozialerziehung Gedanken zu machen. Eine wichtige Rolle bei dieser Aufgabe spielen dabei die Sportlehrer, weil der Sportunterricht eine gute Möglichkeit bietet, die Schüler emotional geöffnet, leidenschaftlich und engagiert zu treffen und sie so positiv zu beeinflussen. Durch seine besonderen Interaktions- und Kommunikationsstrukturen, wie z.B. Situationen des Miteinander und Gegeneinander, des Wettkampfes, der Gestaltung, des Spiels u.v.m. im Gegensatz zu dem primär auf die Vermittlung von Sachwissen ausgerichteten Lernens in anderen Fächern, werden dem Sportunterricht besondere Möglichkeiten der Sozialerziehung zugeschrieben. Im Sportunterricht sind die Gelegenheiten, soziale Erfahrungen zu machen, besonders häufig, weshalb hier eine Einflussnahme zu Gunsten prosozialen Verhaltens besonders aussichtsreich erscheint. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass bereits seit den 70er Jahren eine intensive Diskussion in der Sportpädagogik geführt wird, inwieweit der Sportunterricht intentionale soziale Erziehungsziele beinhalten solle. Das Ergebnis dieser Überlegungen spiegelt sich im aktuellen Lehrplan für das Fach Sport wider (vgl. Abb. 3): Erziehung zur Fairness und Kooperation sind als wichtige Ziele aufgeführt und erstmals sollen diese beiden Verhaltensweisen auch in die Notengebung einfließen. Es wird also nicht länger nur auf Weiten, Zeiten und Technik, sondern auch auf die Sozialerziehung großer Wert gelegt. Um diese mit Erfolg durchzuführen benötigt man Formen des Sports, die diese gewünschten Verhaltensweisen (vgl. Abb. 3) fördern.
Die Thematik dieser Arbeit berührt viele Aspekte der Bezugswissenschaften der Sportpädagogik. Um die nötige Verständnisgrundlage der zentralen Begriffe zu gewährleisten, soll im ersten Kapitel eine Begriffsklärung vorangestellt werden, um danach den Bezug zur Schule mit Hilfe des amtlichen Lehrplan für die bayerische Hauptschule herstellen zu können. Erst dann kann die praktische Umsetzung, also die Realisierung des sozialen Lernens beschrieben und letztendlich auch ihre Ergebnisse geschildert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 0. | Problemstellung | 3 |
| I. | Theoretischer Teil | 6 |
| 1. | Begriffsklärung | 6 |
| 1.1 | Soziales Lernen | 6 |
| 1.2 | Fairness | 8 |
| 1.3 | Kooperation | 11 |
| 2. | Spiele im Sportunterricht | 12 |
| 2.1 | Gründe für den Einsatz von Spielen im Sportunterricht | 12 |
| 2.2 | Werteerziehung durch Spiele? | 13 |
| 2.3 | Probleme bei der Wertevermittlung im Sportunterricht | 14 |
| 2.4 | Die Rolle des Sportlehrers | 16 |
| II. | Bezug zum amtlichen Lehrplan | 17 |
| 1. | Fachbezogene Unterrichts- und Erziehungsaufgaben | 17 |
| 2. | Der Lernbereich „Fairness, Kooperation“ | 18 |
| III. | Praktischer Teil | 21 |
| 1. | Vorüberlegungen und Umsetzung | 21 |
| 1.1 | Methodische Vorüberlegungen | 21 |
| 1.2 | Werteerziehung durch Gespräche im Sportunterricht | 22 |
| 1.3 | Spiele und Übungsformen zur Realisierung sozialen Lernens | 28 |
| 2. | Abschließende Bewertung der Sequenz | 44 |
| IV. | Literatur | 47 |
| V. | Anhang | 49 |
a) Gedanken zum Gehalt von Fair Play b) Dilemma-Situationen Diese externen Gesprächsanlässe können sehr wertvolle Diskussionen auslösen und Denkimpulse liefern, sind jedoch aufgrund ihres Zeitaufwands nicht leicht im Sportunterricht einzuarbeiten, ohne dass die Schüler demotiviert würden und man so eher das Gegenteil des eigentlichen Ziels erreichte (negative Assoziationen zu Fairness würden beim Schüler entstehen). Es bietet sich natürlich an, diese Gespräche fächerübergreifend durchzuführen. Zum einen sind ja Fairness bzw. Kooperation Verhaltensweisen, die nicht nur im Sport erwünscht sind, sondern als übergeordnete Bildungsziele gelten, zum anderen gibt es Verknüpfungspunkte zu weiteren Fächern (Deutsch; Religion; GSE), so dass sich ein Aufgreifen des Themas im fächerübergreifenden Unterricht geradezu aufdrängt. Das durchaus sinnvoll einzusetzende Material des Schweizerischen Olympischen Verbands und der Deutsche Olympischen Gesellschaft ist jedoch nicht schulartspezifisch und altersbezogen differenziert, weshalb nur ein Beispiel exemplarisch angefügt wird (siehe Anlage B). Sie sind auch vom Zeitaufwand kaum im Sportunterricht zu bewältigen und eignen sich eher fächerübergreifend für den Einsatz im Deutschunterricht. Auch der „gewöhnliche“ Sportunterricht bietet genügend Anlässe, das Thema Fairness und Kooperation aufzugreifen und zwar in den verschiedensten Aspekten dieser weitläufigen Begriffe, z.B.: Emotionen beim Verlieren Emotionen beim Antreten gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner [...]
Vorüberlegungen: Entscheidend für den Erfolg der Werteerziehung ist die Art und Weise, wie die Schüler über die gebotene bzw. mangelnde Fairness oder Kooperation ins Gespräch gebracht werden. Ging man früher davon aus, dass Sport an sich eine sozialisierende Funktion hat, weiß man heute, dass durch die stärkere Leistungsbetonung vor allem im Leistungssport immer mehr das „elfte Gebot“ zur herrschenden Maxime wurde. Dieses würde sich natürlich auch als Gesprächsanlass für eine Diskussion über den Fairnessgedanken anbieten. Die nationalen olympischen Verbände aus der Schweiz und aus Deutschland bieten eine Fülle an Material für Gesprächsanlässen, das sich vor allem in zwei Hauptkategorien teilen lassen: [...]
aber auch bzw. noch mehr positive Modelle aus der „peer-group“ besonders herausgehoben werden. So können einerseits die positiven Verhaltensweisen einiger Schüler verstärkt werden und andererseits die Handlungsweisen thematisiert werden, ohne dass der Lehrer weit hergeholte Beispiele oder gar selbst demonstriertes Verhalten bemühen muss. Die Situation ist somit viel „natürlicher“ und auch spielnäher, so dass der Unterricht weniger in Gefahr kommt, vom Lehrer „zerredet“ zu werden und Unterbrechungen weniger aufgezwungen wirken. Von außerordentlicher Bedeutung ist, dass nicht der Wert der Fairness vom Lehrer doziert wird, sondern dass die Erziehung nur über das eigene Wahrnehmen und erfahren geschehen kann. Sie führt vom praktischen Tun zum Erkennen und Verstehen. Abstrakte moralische Wertbegriffe können nach dem entwicklungspsychologischen Modell des Moralpsychologen KOHLBERG24 in dieser Altersstufe ohnehin noch nicht vermittelt werden. Vielmehr sollten positive Verhaltensweisen zur Gewohnheit werden, weshalb selbstverständlich die Werteerziehung nach dieser Sequenz nicht abgeschlossen sein kann. Wie kann aber die verbale Bewusstmachung der Bedeutung der Fairness erfolgen, ohne den Sportunterricht zu entfremden? Selbstverständlich kann die Werteerziehung nicht isoliert durch Gespräche oder durch Spiele und Übungsformen erfolgen. Dies muss und ist in der praktischen Umsetzung Hand in Hand geschehen, wird aber der Übersichtlichkeit halber in dieser Arbeit in zwei Teilen dargestellt. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832479091
Arbeit zitieren:
Kroack, Udo Januar 2002: Die Realisierung sozialen Lernens im Sportunterricht unter besonderer Berücksichtigung des Lernbereichs "Fairness, Kooperation", Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sport, sozial, Lernen, Schulunterricht, Spiel



