Reaktionen von Führungskräften in Restrukturierungsprozessen
Phänomenerschließung sowie Konzept zum Umgang mit Widerständen am Beispiel der Einführung von Team-Strukturen bei den VGH Versicherungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Holger Ladenthin
- Abgabedatum: Februar 2006
- Umfang: 110 Seiten
- Dateigröße: 497,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Leibniz Universität Hannover Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9517-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9517-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9517-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ladenthin, Holger Februar 2006: Reaktionen von Führungskräften in Restrukturierungsprozessen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Veränderung, Unterstützung, Promotor, Opponent, Teamarbeit
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Diplomarbeit von Holger Ladenthin
Problemstellung:
Unternehmungen arbeiten heutzutage in einem zunehmend dynamischen und komplexen Umfeld, in dem sich die Wettbewerbsbedingungen permanent verändern und verschärfen. Schlagwörter wie steigende Kundenanforderungen, Marktsättigungstendenzen, stetige Konzentrationsprozesse, zunehmender Preis- und Kostendruck sowie verkürzte Technologielebenszyklen charakterisieren hierbei die gegenwärtige Wettbewerbssituation. Die voranschreitende Internationalisierung, eine verstärkte Öffnung, Privatisierung und Deregulierung vieler Märkte sowie eine erhöhte Transparenz auf Grund moderner Informations- und Kommunikationstechnologien führen zu einer Globalisierung des Angebotes und verstärken den Konkurrenzdruck zusätzlich.
Vor diesem Hintergrund ist es für den wirtschaftlichen Erfolg und das langfristige Überleben vieler Unternehmungen von entscheidender Bedeutung, möglichst schnell, flexibel und effizient auf die sich verändernden Erfolgs- und Rahmenbedingungen reagieren zu können, da bisherige Schlüsselfaktoren für ein erfolgreiches Bestehen im Wettbewerb an Bedeutung verlieren und der durch unternehmerische Planungsaktivitäten gestaltbare Zeitraum stetig abnimmt.
Der zunehmende Wettbewerb führt auch zu neuen Anforderungen und Ansprüchen an die Strukturen, Prozesse, Systeme und das Management einer Unternehmung. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden und sich an die Komplexität und Dynamik des wirtschaftlichen Geschehens anzupassen, ist es notwendig, die internen Strukturen und Prozesse nachhaltig zu verändern, da im Wettbewerb um zukünftige Kunden und Märkte Unternehmungen mit veralteten Organisationsstrukturen nicht bestehen können. Auf diese Weise wird die organisatorische Wandlungsfähigkeit zu einem Schlüsselfaktor für ein erfolgreiches Bestehen im zunehmenden Wettbewerb.
Allerdings zeigt eine Reihe von empirischen Untersuchungen, dass viele Restrukturierungsvorhaben komplett scheitern oder zumindest die geplanten Ziele nicht vollständig erreichen. Ein wesentlicher Grund hierfür ergibt sich aus der Tatsache, dass viele der von den Restrukturierungsmaßnahmen betroffenen Organisationsmitglieder auf die Veränderung mit Widerstand reagieren. Die erfolgreiche Umsetzung beschlossener Struktur- und Prozessveränderungen in einer Unternehmung hängt somit stark von den Reaktionen der beteiligten Organisationsmitglieder ab.
Das mittlere Management als unternehmungsinterne Schnittstelle zwischen dem Topmanagement als Richtungsweiser organisatorischen Wandels auf der einen und der ausführenden Ebene auf der anderen Seite, die die Restrukturierung operativ umzusetzen hat, verfügt hierbei über eine zentrale Position in der Unternehmung. Vor diesem Hintergrund haben die mittlere Führungsebene und ihre Unterstützung bzw. ihr Widerstand als zentrale Reaktionsweisen in Restrukturierungssituationen eine herausragende Bedeutung für eine erfolgreiche Durchführung von Struktur- und Prozessveränderungen.
In der Managementforschung, die dazu neigt, sich auf das Topmanagement zu konzentrieren, wurde den mittleren Managern sowie ihren Reaktionen in Restrukturierungsprozessen trotz ihrer großen Bedeutung für den Erfolg solcher Maßnahmen bisher jedoch nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
Die vorliegende Arbeit soll sowohl einen theoriebezogenen als auch einen praxisorientierten Beitrag zur Erforschung der Reaktionen mittlerer Führungskräfte in Restrukturierungsprozessen leisten. Deshalb werden im folgenden Abschnitt zunächst die theoretischen Grundlagenkonzepte organisatorischer Restrukturierungen dargestellt.
Im Zuge der Identifikation wichtiger Akteure sind hierbei auch die Aufgaben des mittleren Managements in Restrukturierungssituationen zu erläutern, um dessen zentrale Position im Rahmen tief greifender Veränderungen der Strukturen und Prozesse einer Unternehmung zu verdeutlichen und anschließend auf die Dilemmasituation hinzuweisen, in der sich die Manager dabei befinden.
Das wesentliche Ziel dieser Arbeit besteht darin, ein auf die verschiedenen Phasen eines Restrukturierungsprozesses bezogenes theoretisches Erklärungskonzept für die Reaktionen von mittleren Führungskräften auf die Veränderungen zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden im dritten Abschnitt zunächst das Spektrum denkbarer Reaktionsweisen des mittleren Managements dargestellt und erläutert sowie die Hintergründe ihrer Entstehung aufgezeigt. Anschließend sind mögliche Entwicklungen dieser unterschiedlichen Reaktionen im Verlauf eines Restrukturierungsprozesses zu betrachten und zu erklären.
Als Vergleichsobjekt zum theoretischen Konzept wird im vierten Abschnitt mit der Einführung von Team-Strukturen bei den VGH Versicherungen eine in der Praxis durchgeführte Restrukturierung näher betrachtet. Zur Erforschung der Einstellungen des mittleren Managements und seiner Reaktionen auf die Durchführung einer solchen Maßnahme erfolgte zudem eine Befragung von mittleren Führungskräften und Mitarbeitern der VGH. Die Ergebnisse dieser Gespräche werden ebenfalls im vierten Abschnitt dargestellt.
Aufbauend auf den Erkenntnissen aus den Abschnitten drei und vier besteht ein weiteres, praxisnahes Ziel darin, phasenbezogene und phasenübergreifende Gestaltungsempfehlungen zum Umgang mit und zur Beeinflussung von Reaktionen der mittleren Führungsebene in Restrukturierungsprozessen abzuleiten. Dies beinhaltet neben der Darstellung von Instrumenten zur Förderung der Wandlungsbereitschaft insbesondere die Entwicklung eines Konzeptes zur Überwindung von Widerständen in Restrukturierungssituationen.
Abschnitt sechs fasst schließlich die zentralen Ergebnisse dieser Arbeit zusammen, betrachtet den Umgang mit den Widerständen mittlerer Manager als einen Schlüssel für Restrukturierungserfolg und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung dieses Erfolgsfaktors.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| Abkürzungsverzeichnis | VII | |
| 1. | Unterstützung und Widerstand als zentrale Reaktionen von Führungskräften auf Restrukturierungen in Unternehmungen | 1 |
| 1.1 | Reaktionen des mittleren Managements als Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Durchführung von Restrukturierungsmaßnahmen | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung und Aufbau der Arbeit: Erklärung des Reaktionsspektrums mittlerer Führungskräfte in Restrukturierungssituationen sowie Entwicklung eines Konzeptes zum Umgang mit Widerständen | 2 |
| 2. | Organisatorische Restrukturierungen in Unternehmungen: Erschließung zentraler Grundlagenkonzepte | 3 |
| 2.1 | Restrukturierungen als eine Ausprägung des geplanten organisatorischen Wandels | 3 |
| 2.1.1 | Organisationsbegriffe sowie zentrale Formen des organisatorischenWandels | 3 |
| 2.1.2 | Charakteristika sowie Ziele restrukturierungsbezogener Veränderungen | 5 |
| 2.1.3 | Notwendigkeit eines Managements von Restrukturierungsprozessen | 6 |
| 2.1.4 | Einführung von Team-Strukturen als Ausprägungsform einer Restrukturierung | 7 |
| 2.2 | Akteure und Betroffene in Restrukturierungsprozessen: Eine Übersicht sowie Charakterisierung | 9 |
| 2.2.1 | Grundlegender Überblick der an Restrukturierungen beteiligten Organisationsmitglieder | 9 |
| 2.2.2 | Das mittlere Management als Träger und Fokusgruppe von Restrukturierungsprozessen | 11 |
| 2.2.2.1 | Aufgabenkanon der mittleren Führungsebene im Rahmen von Struktur- und Prozessveränderungen | 11 |
| 2.2.2.2 | Dilemmasituation: Der mittlere Manager als Initiator und Opfer von Restrukturierungsprozessen | 13 |
| 2.3 | Zwischenfazit: Die Schlüsselposition des mittleren Managements bei der Durchführung von Restrukturierungsmaßnahmen | 14 |
| 3. | Genese eines phasenbezogenen Erklärungskonzeptes zur Reaktion von mittleren Führungskräften in Restrukturierungsprozessen | 15 |
| 3.1 | Mögliche Reaktionen des mittleren Managements in Restrukturierungssituationen: Entwicklung eines Handlungskontinuums zwischen uneingeschränkter Unterstützung und destruktivem Widerstand | 15 |
| 3.1.1 | Darstellung des Reaktionsspektrums mittlerer Manager in Restrukturierungsprozessen | 15 |
| 3.1.2 | Unterstützung restrukturierungsbezogener Veränderungen: Führungskräfte als Promotoren von Veränderungen | 17 |
| 3.1.3 | Mittlere Manager als Opponenten in Restrukturierungsprozessen: Charakteristische Formen sowie Merkmale des Widerstandes | 19 |
| 3.1.4 | Zwischen Unterstützung und Widerstand: Das Phänomen ambivalenter Reaktionen in Restrukturierungssituationen | 21 |
| 3.2 | Erklärungsansätze für das Zustandekommen von Verhalten sowie Darstellung reaktionsdeterminierender Faktoren in Restrukturierungsprozessen | 22 |
| 3.2.1 | Umgang von Individuen mit Umweltveränderungen: Eine grundlegende Übersicht zur Entstehung von Verhalten | 22 |
| 3.2.2 | Kognitive Prozesse als zentrale reaktionsbeeinflussende Determinantengruppe | 23 |
| 3.2.3 | Emotionen und ihre Einflussnahme auf die Reaktionen in Restrukturierungssituationen | 24 |
| 3.2.4 | Synthese von Kognitionen und Emotionen zu einem mehrdimensionalen Erklärungsansatz sowie Erläuterung der Entstehung ambivalenter Reaktionen | 26 |
| 3.3 | Phasenorientierte Betrachtung der Reaktionen mittlerer Führungskräfte in Restrukturierungsprozessen | 27 |
| 3.3.1 | Entwicklung eines dreistufigen Phasenmodells für Restrukturierungsprozesse | 27 |
| 3.3.2 | Dynamische Promotorenkonstellationen in Restrukturierungsprozessen | 29 |
| 3.3.2.1 | Problembereiche des „klassischen“ Promotorenmodells sowie Notwendigkeit einer Erweiterung des Modells um dynamische Elemente | 29 |
| 3.3.2.2 | Veränderung von Promotorenrollen im Verlauf von Restrukturierungsprozessen | 30 |
| 3.3.3 | Dynamische Widerstandsreaktionen von Opponenten in Restrukturierungsprozessen | 32 |
| 3.3.3.1 | Verlusterfahrung und die Stadien der Trauer: Konzepte zur Bewältigung von Tod und Verlust aus der Sterbeforschung | 32 |
| 3.3.3.2 | Übertragung der Erkenntnisse aus der Sterbeforschung auf die Widerstandsreaktionen des mittleren Managements in Restrukturierungsprozessen | 33 |
| 3.4 | Ambivalente Führungskräftereaktionen in Restrukturierungsprozessen | 36 |
| 3.5 | Zwischenfazit: Heterogene sowie dynamische Reaktionen mittlerer Manager im Verlauf restrukturierungsbezogener Veränderungen | 37 |
| 4. | Reaktionen mittlerer Führungskräfte auf Restrukturierungsprozesse in der Praxis: Ergebnisse einer Befragung zur Einführung von Team-Strukturen bei den VGH Versicherungen | 38 |
| 4.1 | Darstellung der Unternehmung sowie Charakterisierung der Team-Strukturen | 38 |
| 4.1.1 | Kurzporträt des Untersuchungsobjektes: Die VGH Versicherungen als führender regionaler Versicherer in Niedersachsen | 38 |
| 4.1.2 | Einführung von Team-Strukturen bei den VGH Versicherungen | 39 |
| 4.1.2.1 | Ziele sowie Grundsätze der Team-Organisation bei den VGH Versicherungen | 39 |
| 4.1.2.2 | Vorgehensweise bei der Einführung und Weiterentwicklung von Team-Strukturen | 41 |
| 4.2 | Empirische Untersuchungsmethodik: Interviews mit mittleren Führungskräften und Mitarbeitern der VGH als zentrales Erhebungsinstrument | 42 |
| 4.3 | Ergebnisse der Befragung zu den Reaktionen des mittleren Managements im Verlauf des Restrukturierungsprozesses | 43 |
| 4.3.1 | Veränderung des Aufgabenspektrums der mittleren Manager durch die Implementierung von Team-Strukturen | 43 |
| 4.3.2 | Grad der Akzeptanz gegenüber der Einführung von Team-Strukturen während der Vorbereitungsphase des Restrukturierungsprozesses | 45 |
| 4.3.3 | Reaktionen der Führungskräfte während der Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahme | 46 |
| 4.3.4 | Beurteilung der Einführung von Team-Strukturen durch die mittlere Managementebene in der Verstetigungsphase des Restrukturierungsprozesses | 48 |
| 4.4 | Zusammenfassung der wesentlichen Befragungsergebnisse: Das mittlere Management als Promotor und Opponent der Restrukturierung | 49 |
| 5. | Phasenorientierte Gestaltungsempfehlungen zum Umgang mit heterogenen sowie dynamischen Reaktionen des mittleren Managements im Verlauf von Restrukturierungsprozessen | 51 |
| 5.1 | Zentrale Handlungsfelder zur Verbesserung der Erfolgsaussichten restrukturierungsbezogener Veränderungsmaßnahmen | 51 |
| 5.2 | Phasenbezogene Maßnahmen zur Unterstützung von Promotorentätigkeiten in Restrukturierungssituationen | 52 |
| 5.2.1 | Führungskräfte-Coaching als Instrument zum Ausbau bestehender Wandlungsbereitschaft innerhalb des mittleren Managements | 52 |
| 5.2.2 | Einsatz eines strategischen Anreizsystems zur Förderung der Promotorentätigkeiten in Restrukturierungssituationen | 54 |
| 5.3 | Phasenbezogene Methoden zur Überwindung von Widerständen mittlerer Führungskräfte in Restrukturierungsprozessen | 55 |
| 5.3.1 | Überzeugung der Wandlungsgegner durch eine adäquate Informationspolitik | 55 |
| 5.3.2 | Partizipation der Opponenten als Maßnahme zur Verringerung von Widerständen durch das mittlere Management | 57 |
| 5.4 | Phasenübergreifende Instrumente in Restrukturierungsprozessen | 58 |
| 5.4.1 | Die zentrale Bedeutung der Kommunikation als phasenübergreifendes Instrument | 58 |
| 5.4.2 | Notwendigkeit sowie Ziele eines prozessorientierten Controllings in Restrukturierungssituationen | 60 |
| 5.5 | Maßnahmen zum Umgang mit ambivalenten Reaktionen mittlerer Manager | 62 |
| 5.6 | Zusammenfassender Überblick über die Gestaltungsempfehlungen | 64 |
| 5.7 | Grenzen bei der Beeinflussung von Führungskräftereaktionen in Restrukturierungssituationen | 65 |
| 6. | Fazit und Ausblick: Opponentenzentrierter Umgang mit den dynamischen sowie heterogenen Reaktionen mittlerer Manager als bedeutender Erfolgsfaktor in Restrukturierungsprozessen | 66 |
| Literaturverzeichnis | 68 | |
| Anhangsverzeichnis | 96 | |
| Gesprächsleitfaden für die Befragung der Führungskräfte | A1 | |
| Gesprächsleitfaden für die Befragung der Prozessbegleiter | A4 |
onalen Reaktion Ambivalenz zustande kommt, ist denkbar.266 Neben diesen Fällen, in denen die Ambivalenz in unterschiedlichen Dimensionen (kognitive und emotionale Komponente) entsteht, besteht auch die Möglichkeit, dass ambivalente Reaktionen in Restrukturierungsprozessen auf nur eine Dimension zurückzuführen sind. So kann eine von einem Restrukturierungsprozess betroffene Führungskraft in Bezug auf die organisatorische Veränderungsmaßnahme simultan Aufregung (positive emotionale Reaktion) und Angst (negative emotionale Reaktion) verspüren. 267 Innerhalb der kognitiven Dimension wird Ambivalenz z. B. dadurch ausgelöst, dass das mittlere Management ein Restrukturierungsvorhaben als Erfolg versprechend für die Unternehmung einschätzt (positive kognitive Beurteilung), den geplanten Zeitpunkt der Maßnahme hingegen als verfrüht ansieht (negative kognitive Einschätzung). Eine besondere Bedeutung bei der Entstehung bzw. Verringerung ambivalenter Führungskräftereaktionen haben Umweltveränderungen, die die Rahmenbedingungen einer Restrukturierung unmittelbar beeinflussen.268 Wenn beispielsweise bei einer ambivalente Reaktionen zeigenden Führungskraft die Ursache für eine negative kognitive Einschätzung durch veränderte Rahmenbedingungen entfällt, kann die Führungskraft auf Grund einer positiven emotionalen Komponente schnell zu einem Promotor der Veränderung werden. Deshalb ist es erforderlich, die wesentlichen Rahmenbedingungen einer Restrukturierung sowie deren Auswirkungen im Verlauf des Wandels genau zu beobachten, zu analysieren und ggf. zu beeinflussen.269 Eine phasenbezogene Betrachtung der Reaktionen ambivalent eingestellter Manager erscheint vor diesem Hintergrund hingegen wenig sinnvoll, da die Führungskräftereaktionen in diesem Fall stark von den individuellen, situationsspezifischen Rahmenbedingungen des jeweiligen Restrukturierungsprozesses abhängen und somit keinen einheitlich wiederkehrenden und den Phasen einer Restrukturierung zuordenbaren Verlauf aufweisen. 3.5 Zwischenfazit: Heterogene sowie dynamische Reaktionen mittlerer Manager im Verlauf restrukturierungsbezogener Veränderungen [...]
Neben einer unterstützenden sowie einer durch Widerstand geprägten Reaktion besteht auch die Möglichkeit einer ambivalenten Reaktion durch das mittlere Management.264 Diese kann sich dadurch äußern, dass in Abhängigkeit der zur Diskussion stehenden Aspekte der Restrukturierung das mittlere Management im Hinblick auf den Wandel in einigen Teilbereichen Unterstützung zeigt, in anderen dagegen Widerstand leistet. Verursacht wird dies beispielsweise dadurch, dass eine Führungskraft zwar die Notwendigkeit einer Restrukturierungsmaßnahme erkennt und auch von deren Erfolg überzeugt ist (positive kognitive Einschätzung), wegen der mit der Veränderung einhergehenden Unsicherheit aber dennoch Angst verspürt (negative emotionale Reaktion).265 Auch der umgekehrte Fall, in dem durch das Zusammentreffen einer negativen kognitiven Einschätzung sowie einer positiven emoti258 259 260 261 262 263 264 265 [...]
müssen.258 In der sechsten, mit Erkenntnis beschriebenen Phase gewinnt die Führungskraft Verständnis dafür, warum bestimmte Verhaltensweisen zum gewünschten Erfolg geführt haben und wann sie unwirksam gewesen sind.259 Die mit den Phasen des Ausprobierens und der Erkenntnis einhergehende Umsetzung der Restrukturierung ist hierbei durch einen deutlichen Rückgang des Widerstandes geprägt, da durch das Ausprobieren und Erkennen adäquater Verhaltensweisen die wahrgenommene persönliche Kompetenz zur Veränderungssteuerung steigt und ein Großteil der zuvor bestehenden Unsicherheit verschwindet.260 Während der siebten und letzten Phase der Entwicklung der Führungskräftereaktion wird jenes Verhalten in das Handlungsrepertoire integriert, das im fünften Stadium bei der Lösung von Problemen erfolgreich war und im sechsten Stadium als sinnvoll akzeptiert wurde.261 In dieser Integrationsphase entwickeln sich die betreffenden Führungskräfte auch zu Multiplikatoren für die Unterstützung der angestrebten Restrukturierung.262 Somit ist die Verstetigung der Restrukturierung dadurch gekennzeichnet, dass sich der nur noch in geringem Ausmaß vorhandene Widerstand in Unterstützung für die Veränderung umkehrt. Gleichzeitig steigt die wahrgenommene persönliche Kompetenz weiter an. Wenn auf diese Weise im Verlauf einer Restrukturierung aus den Opponenten Promotoren des Wandels werden, wird in der Literatur auch vom Saulus-Paulus-Effekt gesprochen.263 3.4 Ambivalente Führungskräftereaktionen in Restrukturierungsprozessen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832495176
Arbeit zitieren:
Ladenthin, Holger Februar 2006: Reaktionen von Führungskräften in Restrukturierungsprozessen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Veränderung, Unterstützung, Promotor, Opponent, Teamarbeit



