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Rationalisierung von Dienstleistungsarbeit

Strategien, Methoden und innerbetriebliche Konsequenzen

Rationalisierung von Dienstleistungsarbeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ria Müller
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 958,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9292-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9292-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9292-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Müller, Ria August 2005: Rationalisierung von Dienstleistungsarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitnehmer, Personal, Veränderung, Organisation, hochqualifiziert

Diplomarbeit von Ria Müller

Einleitung:

Nahezu alle Dienstleister versuchen, den zunehmenden Markt- und Konkurrenzdruck rationalisierend zu verringern. Im Vergleich zu den hohen Investitionen in Rationalisierungsmaßnahmen ist ihr tatsächlicher Nutzen jedoch fraglich. Es bringen „etwa zwei Drittel aller Merger nicht die erhofften Ergebnisse....“ und sind „am Ende oft viel teurer als geplant oder sprengen den vereinbarten Zeitrahmen“. Darüber hinaus geht der Zustand nach Rationalisierung, der möglicherweise ökonomischer, rentabler und effizienter ist, für die abhängig Beschäftigten häufig mit einer Verschlechterung gegenüber dem vorherigen Zustand einher.

Gegenstand der Betrachtung dieser Arbeit ist die aktuelle Rationalisierungswelle in hochqualifizierten, wissensintensiven Dienstleistungsberufen. In dem sehr heterogenen Feld von Dienstleistungsanbieter ermöglicht diese Beschränkung eine aussagekräftige Beschreibung der konkreten Merkmale von und Anforderungen an Dienstleistungsarbeit.

Der Untersuchungsgegenstand umfasst komplexe Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung (F&E), Unternehmensberatung, Finanzdienstleistungen und Softwareentwicklung. Er betrifft ebenso Ingenieure, Anwälte und Architekten. Die von ihnen erstellten Leistungen dienen dem Endverbraucher, sind aber auch intermediärer Input für weitere Produktionsprozesse. Sie können gleichermaßen auf die Produktion von Sachgütern und von Diensten bezogen sein.

Das Rationalisierungshandeln qualifizierter Dienstleistungsanbieter bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Bewahren und Aufgeben ihres wichtigsten Kapitals – der menschlichen Arbeitskraft. Qualifizierte Mitarbeiter sind „Mitträger einer wichtigen Produktkomponente von Dienstleistungen“. Ihnen kommt eine Schlüsselfunktion zu. Als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden bilden sie aufgrund ihrer Qualifikationen und Eigenschaften eine wichtige Grundlage für das Angebot und die Entwicklung Kundenwünsche befriedigender Dienstleistungen. Deshalb müssen die Konsequenzen für die von Rationalisierung betroffenen Mitarbeiter immer berücksichtigt werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, wichtige Ursachen für das Fehlschlagen von Rationalisierung im Dienstleistungsbereich aufzuzeigen. Die zentrale Fragestellung lautet: Warum sind Rationalisierungsmaßnahmen im Bereich qualifizierter Dienstleistungen innerbetrieblich so wenig erfolgreich? Die Hypothese dazu ist, dass Unternehmen nach Mustern rationalisieren, die den spezifischen Charakter von Dienstleistungsarbeit ignorieren. Insbesondere misslingt es ihnen, die Verhaltensleistung der Mitarbeiter während und nach Rationalisierung zu sichern.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit basiert auf der Analyse einschlägiger empirischer Untersuchungen und dem Studium aktueller Fachliteratur der Organisationssoziologie, Personalforschung, Psychologie und der Wirtschaftswissenschaften im Allgemeinen. Die Autorin untersucht die Form, d.h. das „Wie“ der Rationalisierung. Anstelle konkreter Handlungsanleitungen liefert sie einen „Denkrahmen“, der die Alternativen der Zielerreichung aufzeigt.

Der Autorin liegt fern zu argumentieren, ob oder ob nicht rationalisiert werden soll. Aus den vielfältigen, wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen Organisationen und ihrer Umwelt erwachsen „Sachzwänge“ für betriebliche Rationalisierung, die hier nicht ob ihrer Gerechtfertigtheit geprüft werden können und sollen.

Um das theoretische Thema für den Leser anschaulich zu gestalten, werden wichtige Aussagen anhand von Beispielen aus der aktuellen Unternehmens- und Managementpraxis illustriert. Der Aufbau dieser Arbeit wird im Folgenden anhand der Inhalte der einzelnen Kapitel beschrieben.

Das Kapitel 1 bildet die Basis der Argumentation. Hier wird die Situationslogik von Dienstleistungsarbeit typisierend beschrieben. Gegenstand der Betrachtung sind die allgemeinen Dienstleistungscharakteristika sowie die Bedingungen des Erstellungsprozesses hochqualifizierter, wissensintensiver Dienstleistungen. Auf der Grundlage der identifizierten Tätigkeitsmerkmale wird die zur Erbringung von Dienstleistungsarbeit notwendige personale Arbeitsanforderung abgeleitet.

Ziel des zweiten Kapitels ist es, die hinter betrieblicher Rationalisierung stehende Handlungslogik zu beschreiben. Dazu ist das Grundprinzip der Rationalisierung zu erläutern, bevor in einem weiteren Schritt die allgemeinen Beweggründe und die zentralen Handlungsmuster betrieblicher Rationalisierung betrachtet werden. Zusätzlich wird erklärt, mit welcher Dynamik Rationalisierungshandeln einher geht.

Dienstleistungsarbeit wird in Kapitel 3 vor dem Hintergrund betrieblicher Rationalisierungslogik beleuchtet. Hier zeigt sich das Wesen der Dienstleistungsrationalisierung, die heute auch in hochqualifizierten Berufen gängige Praxis unternehmerischen Handelns ist. Von den Rationalisierungszielen ausgehend, werden die Strategien und Methoden erläutert, mit denen heute im Dienstleistungsbereich rationalisiert wird.

Das vierte Kapitel hat die Funktion eines Exkurses. Zur Beantwortung der zentralen Fragestellung dieser Arbeit ist es unumgänglich, die Kriterien zur Messung erfolgreicher Dienstleistungsrationalisierung festzulegen. Diese Aufgabe gestaltet sich aufgrund der Begrenztheit individueller rationaler Entscheidungen und des auf qualitativen Faktoren beruhenden Zusammenhangs zwischen Rationalisierungs- und Geschäftserfolg schwierig.

Im fünften Kapitel wird beschrieben, mit welchen konkreten innerbetrieblichen Konsequenzen Downsizing und Offshoring einher gehen. Vor diesem Hintergrund werden Aussagen über den Erfolg von Dienstleistungsrationalisierung getroffen. Das Fehlschlagen bzw. der „Misserfolg“ von Rationalisierungsmaßnahmen äußert sich in der Differenz zwischen den zur Erstellung von Dienstleistungsarbeit erforderlichen und den praktisch realisierten personalen Funktionskriterien.

Das Kapitel 6 bildet den Abschluss dieser Arbeit. Es dient der Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse und der Beantwortung der Fragestellung. Die zusammengetragenen Informationen erlauben darüber hinausreichende Schlussfolgerungen.

Inhaltsverzeichnis:

ABBILDUNGSVERZEICHNIS V
TABELLENVERZEICHNIS VI
EINLEITUNG 1
Hintergrund und Fragestellung 1
Aufbau der Arbeit 2
1. DIE SITUATIONSLOGIK VON DIENSTLEISTUNGSARBEIT 4
1.1 Verständnis: Hochqualifizierte, wissensintensive Dienstleistungen 4
1.2 Arbeitsbedingungen 5
1.2.1 Aufgabeninhalte und Organisation von Anwälten, Architekten und Steuerberatern 6
1.2.2 Typische Beschäftigungsverhältnisse 7
1.2.3 Selbstverständnis der Arbeitnehmer 8
1.3 Allgemeine Kenngrößen der Leistungserstellung 10
1.3.1 Integration des Externen Faktors 11
1.3.2 Notwendigkeit des Kontaktes 12
1.3.3 Immaterialität des Leistungsergebnisses 12
1.3.4 Individualität des Leistungsergebnisses 13
1.3.5 Zwischenfazit 14
1.4 Tätigkeitsmerkmale 14
1.4.1 Wissensintensive, komplexe Arbeitsaufgaben 14
1.4.2 (Kreativer) Problemlösungsprozess 15
1.4.3 Kommunikative und interaktive Leistungserstellung 16
1.4.4 Projektcharakter 16
1.4.5 Zwischenfazit 17
1.5 Personale Arbeitsanforderung: eine besondere Verhaltensleistung 17
1.5.1 Einsatz- bzw. Leistungsbereitschaft 19
1.5.2 Kompetenz 19
1.5.3 Lernorientierung 20
1.5.4 Loyalität 20
1.6 Fazit 21
2. DIE HANDLUNGSLOGIK BETRIEBLICHER RATIONALISIERUNG 22
2.1 Das Grundprinzip von Rationalisierung 22
2.2 Betriebliches Rationalisierungshandeln 23
2.2.1 Begriffsverständnis 23
2.2.2 Übergeordnete Handlungsmotive 25
2.2.3 Zentrale Handlungsmuster 26
2.2.4 Welche Dynamik ist Rationalisierung inhärent? 33
2.3 Fazit 35
3. DAS WESEN DER DIENSTLEISTUNGSRATIONALISIERUNG 37
3.1 Strategien und Methoden 37
3.1.1 Vermarktlichung/Ökonomisierung 38
3.1.2 Dezentralisierung von Kompetenz und Verantwortung 39
3.1.3 Kostensenkung 42
3.1.4 Zwischenfazit 44
3.2 Mit weniger mehr 45
3.3 Fazit 46
4. ERFOLGSMESSUNG TROTZ BEGRENZTER RATIONALITÄT 47
4.1 Rationalität und Rationalisierung: Zwei Paar Schuhe? 48
4.2 Rationalisierungs- und Geschäftserfolg: Ein Zusammenhang? 49
4.3 Kriterien innerbetrieblich erfolgreicher Dienstleistungsrationalisierung 51
5. BEWERTUNG DER INNERBETRIEBLICHEN KONSEQUENZEN 52
5.1 Auswirkungen von Downsizing-Maßnahmen 52
5.2 Auswirkungen von Offshoring-Entscheidungen 54
5.3 Fazit 55
6. WARUM IST DIENSTLEISTUNGSRATIONALISIERUNG INNERBETRIEBLICH SO WENIG ERFOLGREICH? 56
QUELLENVERZEICHNIS 61

Automatisiert erstellter Textauszug:

So arbeiten beispielsweise Unternehmensberater in wechselnden Teams, um ihre Kompetenz maximal auszunutzen.27 Diese Herangehensweise ermöglicht, dass „die zur Realisierung von Austauschbeziehungen notwendige Innenkomplexität der Organisation nicht mehr vorgehalten werden muss, sondern fallweise und differenziert erzeugt werden kann“ (Rock/Ulrich/Witt 1990, 126). Sie hat zudem organisationsintern den Vorteil, dass Fixkosten gesenkt und so Gemeinkostenblöcke abgebaut werden können. Die zentrale Planung des Systemeinsatzes zieht nach sich, dass die Optimierung der Anwendungen in hohem Maße von der Rückmeldung der Mitarbeiter abhängt. Die Leistungserbringung ist erst dann effektiv, wenn die Systemanwender den verantwortlichen Planern Fehler und Optimierungsbedarf melden. Der Mitarbeiter erhält damit mehr Verantwortung, seine neue Rolle kann als eine Art „Schnittstellen-Position“ zwischen Systemanwender und –gestalter aufgefasst werden. Zur besseren Übersicht werden alle in diesem Abschnitt beschriebenen Merkmale systemischer Rationalisierung in Tabelle 3 zusammengefasst: Aspekt [...]

gleichzeitig: Schlankheit/Kostenreduktion und Flexibilität/Anpassungsfähigkeit (Jäger 1999, 59).26 Dahinter steht die Annahme, dass die Organisation nur durch die simultane „Erhöhung der externen (Markt–) und der internen (Ablauf–) Transparenz“ (Jäger 1999, 132) handlungs– und funktionsfähig bleibt. Die Einrichtung von Profit Centers als relativ autonome, Subsysteme verfolgt genau diesen Zweck. Diese dezentralisierten betrieblichen Strukturen sind in ihrer Struktur und Funktion überschaubar und für die Unternehmensführung leichter beherrschbar. Methoden systemischer Rationalisierung wirken auf einer Mesoebene, der Ebene des strategischen Managements. Nur hier können die sich verändernden Rahmenbedingungen rechtzeitig und angemessen berücksichtigt werden. Optimiert werden bevorzugt subjektgebundene, jedoch partiell vorstrukturierbare Sachbearbeitungsaufgaben sowie die internen sozial-organisatorischen Rahmenbedingungen. Durch systemisches Rationalisierungshandeln versuchen Unternehmen, ihre Umwelt beherrschbar zu machen. Dies gelingt nur durch die Neuordnung der sozial-organisatorischen Rahmenbedingungen. Diese sind die entscheidende Voraussetzung, um in einem gesättigten Markt zukünftige Erfolgspotenziale und –produkte zu erkennen und zu realisieren (Rock/Ulrich/Witt 1990, 49). Funktionsorientierte Strategien schaffen die Voraussetzungen für diese Veränderungen: ein neues Verständnis der Funktionsweise von Organisationen. Sie bewirken beispielsweise die Abflachung der Hierarchien (Rock/Ulrich/Witt 1990, 129) und flexibilisieren die Abläufe. Von zunehmender Bedeutung ist auch die kommunikations– und informationstechnische Vernetzung von Abläufen. Darunter ist die nahezu flächendeckende Anwendung von IuK-Technologien zu verstehen. Systemische Rationalisierung stößt in diesem Zuge zahlreiche Veränderungen an: Sie macht eine zentrale Planung des Systemeinsatzes und der Applikationen notwendig, was nichts anderes heißt, als dass das Management vor Arbeitsbeginn die Kommunikationskanäle, die eingesetzte Hard– und Software und die Art und Weise der Ergebniskontrolle festlegt. Im Bereich der Büro– und Verwaltungstätigkeiten bewirkt der Einsatz von IuK-Technologien häufig den Abbau persönlicher Kommunikation. Relativ unabhängig davon erhält die Arbeit Prozess– und Projektcharakter. Kaum ein Unternehmen arbeitet heute ohne Arbeitsgruppen oder Teams. Statt in eine starre Abteilungsstruktur eingebunden zu sein, finden sich für jedes neu anstehende Projekt die jeweiligen Experten zusammen (Rock/Ulrich/Witt 1990, 128). [...]

Systemische Rationalisierung Das Anliegen systemischer Rationalisierung besteht darin, die Effektivität der gesamten Organisation sicherzustellen und dabei insbesondere die Humanressourcen besser auszuschöpfen (Deters 1995, 142). Unternehmen bedienen sich der Muster systemischer Rationalisierung vor dem Hintergrund einer durch Ungewissheit und Komplexität gekennzeichneten Umwelt, in der die Fähigkeiten und Potenziale einzelner Lösungen den Geschäftserfolg nur teilweise beeinflussen. Organisationen sind in Folge veränderter Umweltbedingungen, gesellschaftlichen Wertewandels und neuer marktökonomischer Realitäten vielfältig und wechselseitig mit ihrer Umgebung verflochten. Unter diesen Umständen wird „die ‚rationale’ Wahl und Legitimation technisch-organisatorischer Gestaltungsalternativen (...) immer schwieriger. Die gesamte Arbeitsorganisation von Unternehmen findet zunehmend vor dem Hintergrund strategischer Überlegungen statt.“ (Sydow 1990, 22). Dennoch werden Entscheidungen über Investitionen oder die Gestaltung der Arbeitsorganisation weiterhin primär unter Profitabilitätsgesichtspunkten getroffen [...]

Arbeit zitieren:
Müller, Ria August 2005: Rationalisierung von Dienstleistungsarbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitnehmer, Personal, Veränderung, Organisation, hochqualifiziert

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