Ratingsysteme unter Berücksichtigung von Basel II
Darstellung und kritische Analyse ausgewählter Verfahren
- Art: Diplomarbeit
- Autor: René Aldach
- Abgabedatum: Januar 2004
- Umfang: 87 Seiten
- Dateigröße: 992,8 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8373-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8373-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8373-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Aldach, René Januar 2004: Ratingsysteme unter Berücksichtigung von Basel II, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Bonitätsprüfung, Eigenkapitalvereinbarung, Risikomanagement, Ratingforderungen, Jahresabschluss
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Diplomarbeit von René Aldach
Einleitung:
Mit den neuen Vorschlägen des „Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht“ zur Eigenkapitalunterlegung von Krediten (Basel II oder Die Neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung) stehen – so die Befürchtung – insbesondere den mittelständischen Unternehmen schwere Zeiten bevor. Mit der Umsetzung der Vorschriften wird sich in Zukunft die fundamentale Bedeutung des Ratings für Banken und Unternehmen ändern. In der Vergangenheit war Rating nur für sich über den Kapitalmarkt finanzierende Unternehmen von Bedeutung, künftig besteht auch eine Herausforderung für mittelständische Unternehmen. Die Höhe des erforderlichen Eigenkapitals (EK), welches die Banken für die gewährten Kredite unterlegen müssen, wird sich nun stärker an den individuellen Risiken der vergebenen Kredite orientieren.
Aktuelle Diskussionen um eine Verschärfung der Kreditvergabe finden zu einem wirtschaftlich denkbar ungünstigen Zeitpunkt statt. Allein von Januar bis August 2003 waren 66.437 Insolvenzen zu verzeichnen (+20,9% ggü. dem Vorjahr). Diese Situation ist für die Kreditinstitute problematisch, da angesichts der Insolvenzentwicklung sowie der damit erhöhten Ausfallrisiken von Kreditengagements die Möglichkeit besteht, dass auch die Banken in eine Schieflage geraten. Genau hier setzt Basel II an. Mit den Regelungen soll verhindert werden, dass Banken so viel Kredite vergeben, dass ausbleibende Tilgungen diese in eine Notsituation bringen. Im Zeitalter der Globalisierung sind die Banken sowohl untereinander als auch mit der restlichen Wirtschaft verzahnt, so dass bei Erreichung einer kritischen Masse von Insolvenzen das komplette Finanzsystem ganzer Staaten in Schwierigkeiten gerät. Kreditrisiken sind – wie auch in den USA, Südostasien und Japan zu beobachten war – nach wie vor Krisenauslöser Nummer eins. Hinzu kommen die Ertrags- und Kostenprobleme der Banken, die auf gestiegene Personalaufwendungen und Sachinvestitionen in den neunziger Jahren sowie auf die jetzige lahmende Konjunktur und den negativen Entwicklungen an den Aktienmärkten zurückzuführen sind. Die fehlenden Erträge zwingen die Banken dazu, vorsichtiger bei der Übernahme von neuen Risiken zu sein, was nicht gerade zu einer gesamtwirtschaftlichen Stimulanz führt. Diese Entwicklungen in Kombination mit Basel II machen die gestiegenen Anforderungen an das Kredit- und Risikomanagement der Banken deutlich. Die Sicherstellung eines angemessenen Risikoumfeldes für Kreditgeschäfte bildet dabei den Schwerpunkt der Anforderungen. Die Informationsbeschaffung und Auswertung zur Bonitätsbeurteilung des Kreditnehmers und damit dessen Ertrags- und Risikoschätzung nehmen eine zentrale Rolle ein. Dies zwingt die Banken dazu, eine problemorientierte Aufbau- und Ablauforganisation einzurichten und effiziente Verfahren zur internen Identifizierung, Steuerung und Überwachung der Kreditrisiken zu entwickeln.
Zielsetzung dieser Arbeit ist es daher, ein mit den Basel II Anforderungen konformes Ratingverfahren aus den bekannten Ansätzen auszuwählen. Der Begriff Ratingverfahren umfasst allgemein eine Reihe von Bewertungsverfahren, deren Ergebnis der Einschätzung in Form einer singulären Zensur, dem sog. Rating formuliert wird. Dabei wird erarbeitet, wie sich Basel II künftig auf den Mittelstand auswirken könnte und welches Verfahren es ermöglicht, ein präzises schuldnerspezifisches Rating darzustellen.
Im Folgenden wird zunächst die Entstehung von Basel II sowie der Aufbau der Neuen EK-Vereinbarung mit den zukünftigen Folgen für die Kreditvergabe dargestellt. Hier werden die Grundlagen für eine neue Richtung in der Kreditpolitik aufgezeigt. In diesem Umfeld ist es zwingend nötig, ein bankinternes, effizientes Ratingverfahren zu implementieren. Dazu werden im dritten Kapitel die traditionellen und modernen Verfahren zur Beurteilung des Ausfallrisikos von Kreditnehmern erläutert. Das Verfahren ist ein Teil eines Ratingsystems, welches die Gesamtheit aller Methoden, Prozesse und Kontrollen für die Bestimmung des Kreditrisikos sowie der Zuweisung eines Ratings und der Quantifizierung von möglichen Verlusten, beinhaltet. Um eine Empfehlung für ein Ratingverfahren geben zu können, wird anschließend ein Vergleich der betrachteten Verfahren durchgeführt. Dabei werden zu Beginn die Anforderungen an ein Ratingverfahren im Kontext von Basel II herausgearbeitet, um zu prüfen, welche Verfahren diesen Anforderungen gerecht werden. Vervollständigt wird die kritische Analyse mit einer Gegenüberstellung der Leistungsfähigkeit sowie der Beurteilung der Verfahrensspezifika und der praktischen Anwendbarkeit der Ansätze. Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und einem Ausblick auf künftige Entwicklungen im Kreditgeschäft.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | IV | |
| Tabellenverzeichnis | V | |
| Abkürzungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Notwendigkeit eines verbesserten Risikomanagements unter der Entwicklung von Basel II | 1 |
| 2. | Basel II - Auswirkungen der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung auf die deutsche Kreditlandschaft | 4 |
| 2.1 | Entstehung von Basel II | 4 |
| 2.1.1 | Basel I | 4 |
| 2.1.2 | Von Basel I zu Basel II | 5 |
| 2.2 | Ziele von Basel II | 6 |
| 2.3 | Das Rahmenwerk - Der „Drei-Säulen-Ansatz“ des Neuen Baseler Akkords | 7 |
| 2.3.1 | Säule Eins: Mindesteigenkapitalanforderungen | 8 |
| 2.3.1.1 | Kreditrisiko | 9 |
| 2.3.1.1.1 | Standardansatz | 9 |
| 2.3.1.1.2 | IRB-Ansatz | 11 |
| 2.3.1.2 | Operationelles Risiko | 15 |
| 2.3.2 | Säule Zwei: Aufsichtlicher Überprüfungsprozess | 18 |
| 2.3.3 | Säule Drei: Stärkung der Marktdisziplin | 19 |
| 2.4 | Implikationen für den Mittelstand | 21 |
| 3. | Ausgewählte Verfahren zur Beurteilung des Ausfallrisikos von Kreditnehmern | 24 |
| 3.1 | Grundlagen Kreditwürdigkeitsprüfung | 24 |
| 3.2 | Ratingverfahren als Teil des Ratingsystems | 25 |
| 3.3 | Instrumente zur Bonitätsbeurteilung von Kreditnehmern | 26 |
| 3.3.1 | Jahresabschlussanalyse als traditioneller Ansatz | 26 |
| 3.3.1.1 | Grundlagen Jahresabschlussanalyse | 26 |
| 3.3.1.2 | Kennzahlen und Kennzahlensysteme zur Durchführung der Jahresabschlussanalyse | 28 |
| 3.3.2 | Scoring-Modelle | 31 |
| 3.3.2.1 | Grundlagen Scoring-Modelle | 31 |
| 3.3.2.2 | Saarbrücker- und RSW-Modell | 32 |
| 3.3.3 | Diskriminanzanalyse als statistisches Verfahren | 34 |
| 3.3.3.1 | Grundlagen zur Anwendung | 34 |
| 3.3.3.2 | Vorgehen lineare multivariate Diskriminanzanalyse | 36 |
| 3.3.4 | Künstliche Neuronale Netze - Verfahren der Künstlichen Intelligenz | 38 |
| 3.3.4.1 | Grundlagen zur Anwendung Neuronaler Netze | 38 |
| 3.3.4.2 | Funktionsweise KNN | 39 |
| 3.3.5 | Genetische Algorithmen in Kombination mit Neuronalen Netzen als hybrides Verfahren | 43 |
| 3.3.5.1 | Grundkonzept Genetischer Algorithmen | 43 |
| 3.3.5.2 | Leistungsoptimierung von KNN durch GA | 45 |
| 4. | Kritischer Vergleich der Eignung der Verfahren zur Beurteilung des Ausfallrisikos | 47 |
| 4.1 | Anforderungen an Ratingverfahren | 47 |
| 4.2 | Beurteilung der praktischen Anwendbarkeit im Hinblick auf die Erfüllung der Anforderungen an Ratingverfahren | 49 |
| 4.2.1 | Eignung traditionelle Bilanzanalyse | 49 |
| 4.2.2 | Eignung Scoring-Modelle | 51 |
| 4.2.3 | Eignung MDA | 54 |
| 4.2.4 | Eignung KNN | 57 |
| 4.2.5 | Eignung neuro-genetisches Verfahren | 60 |
| 4.3 | Fazit | 61 |
| 5. | Zusammenfassung und Ausblick | 64 |
| Anhang | 66 | |
| Literaturverzeichnis | 69 |
Zur Berechnung des Fundamentalscores müssen die Kennzahlen zunächst standardisiert (z-Transformation) werden, da bspw. die EKQ eine andere Dimension annehmen kann als die EKR.170 Die standardisierten Kennzahlen werden gewichtet, indem der Renditebereich viermal so hoch bewertet wird wie die anderen zwei Bereiche.171 Innerhalb der Bereiche wird jeweils die erste Kennzahl doppelt so hoch gewichtet wie die zweite. Somit ergibt sich für die Kennzahl EKR ein Gewichtungsfaktor von 0,444, für die Kennzahl CFR von 0,222, für die EKQ und WRBS von jeweils 0,111 und die Kennzahlen LQ und WRU von jeweils 0,056. Die Summe der gewichteten Kennzahlen ergibt schließlich den „Fundamentalscore“. Zur Beurtei166 167 [...]
Nach Berechnung der Kennzahlen erfolgt eine unternehmensindividuelle Punktezuordnung für die Kennzahlenwerte. Die Punkteverteilung wird durch eine entsprechende Intervallfunktion gebildet.164 Die Wahl der Punktwerte begründen KÜTING/WEBER mit langjähriger Erfahrung.165 Für die vier Kennzahlen die gleich gewichtet sind, werden zw. 0 und 2,5 Punkte vergeben, was ein Intervall für die Gesamtpunktzahl von 0 bis 10 Punkte ergibt. Dieser Gesamtscore wird in ein Gesamturteil transformiert (Einteilung in fünf Ertragsklassen), wobei Unternehmen mit einer höheren Punktzahl eine bessere Beurteilung erhalten. Neben der traditionellen Kennzahlenrechnung umfasst das Saarbrücker Modell eine Ergänzung um eine qualitative Bilanzanalyse (Bilanzpolitik), auf die nicht näher eingegangen wird. Das RSW-Modell basiert auf der Anwendung von sechs Kennzahlen, von denen jeweils zwei den Bereichen Rendite, Sicherheit und Wachstum zugeordnet werden (Tabelle 2). Dabei wird die erste Kennzahl auf alle Unternehmen angewendet, während die zweite [...]
3.3.2 Scoring-Modell 3.3.2.1 Grundlagen Scoring-Modell Scoring-Modelle153 sind standardisierte Verfahren, die verschiedene Handlungsalternativen bewerten und in eine Rangfolge bringen, indem sie den Alternativen Punktwerte zuordnen.154 Dabei werden Ausprägungen der Bonitätsmerkmerkmale ex-ante mit festen Punktwerten belegt. Die gewichtete Addition dieser Werte ergibt einen Entscheidungshinweis.155 Kreditwürdig ist man, wenn bestimmte, von der Bank vorgegebene Grenzlinien, sog. „Cut-Off-Scores“, überschritten werden.156 Strebt man eine weitere Verdichtung der Punktwerte in unterschiedliche Risikoklassen (bestimmte Spannbreiten bilden eine Klasse) an, so sind diese in der Weise festzulegen, dass homogene Risikokategorien entstehen.157 Zielsetzung eines Scoring-Modells auf Basis der Bilanzanalyse ist die Beurteilung verschiedener Jahresabschlüsse anhand zugeordneter Punktwerte.158 Im ersten Schritt werden von einer Expertengruppe Kennzahlen, die möglichst unabhängig voneinander sein sollen, ausgewählt. Zur Beurteilung der Kennzahlen, die je nach Einschätzung des Experten einen anderen Einfluss auf das Gesamturteil haben, werden diese anhand der subjektiven Erfahrungen des Experten gewichtet. Ergänzend zu den quantitativen Größen werden qualitative Merkmale, die vorher in quantitative transformiert werden müssen, in den Modellen berücksichtigt.159 Nach Multiplikation der Teilurteile mit den Gewichten, erfolgt die additive Verknüpfung zum Gesamturteil. Die beiden bekanntesten deutschen Modelle, welche [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832483739
Arbeit zitieren:
Aldach, René Januar 2004: Ratingsysteme unter Berücksichtigung von Basel II, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Bonitätsprüfung, Eigenkapitalvereinbarung, Risikomanagement, Ratingforderungen, Jahresabschluss



