Ratingoptimierung – Management der Bilanz- und Finanzierungsstruktur als Grundlage für günstigere Zinskonditionen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Manfred Waldrich
- Abgabedatum: Mai 2008
- Umfang: 153 Seiten
- Dateigröße: 4,4 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Deutschland
- Originaltitel: Ratingoptimierung. Überprüfung des Nutzens der Optimierung der Bilanz- und Finanzierungsstruktur von KMU, im Hinblick auf das Ratingurteil und der damit verbundenen Finanzierungskosten
- Bibliografie: ca. 172
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3999-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Waldrich, Manfred Mai 2008: Ratingoptimierung – Management der Bilanz- und Finanzierungsstruktur als Grundlage für günstigere Zinskonditionen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Rating, Finanzierungskosten, Financial Modelling, Moodys KMV RiskCalc, Ratingoptimierung
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Diplomarbeit von Manfred Waldrich
Einleitung:
Gegenwärtig tragen die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise dazu bei, dass sich Firmenkredite verteuern und Banken bei der Vergabe von neuen Krediten zurückhaltender agieren. Die Zurückhaltung der Banken bezüglich der Kreditvergabe, wurde jedoch bereits im Zuge der Umsetzung der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) verstärkt. Vollständig umgesetzt ist Basel II seit Beginn des Jahres 2008. Nach den bisherigen Basel-I-Regelungen mussten Banken pauschal acht Prozent der Kreditforderungen mit Eigenkapital hinterlegen. Die neue Regelung schreibt eine risikoorientierte, d. h. an den individuellen Ausfallrisiken der Kreditnehmer ausgerichtete, Eigenkapitalunterlegung vor. Für die zukünftige Finanzierung von Unternehmen bedeutet Basel II, dass keine Kreditvergabe ohne ein zuvor durchgeführtes Rating möglich ist.
Im Rahmen eines Ratings werden die Risiken der kreditsuchenden Unternehmen als Ausfallwahrscheinlichkeiten abgebildet, die auch als Probability of Default (PD) charakterisiert werden. Im Mittelpunkt der Kreditverhandlungen steht die auf mathematisch-statistischen Modellen beruhende Ratingnote. Je ungünstiger das Ratingurteil ausfällt, desto mehr haftendes Eigenkapital muss die Bank bereitstellen. Ein schlechtes Ratingergebnis hat damit direkten Einfluss auf die Zinskonditionen des Unternehmens, da die Bank bei höherer Eigenkapitalhinterlegungspflicht eine höhere Marge veranschlagt, um die Eigenkapitalrentabilität zu erhalten. Nicht nur die Zins- und Konditionengestaltung werden durch das Ratingergebnis bestimmt, sondern auch die Anforderungen an zu leistende Sicherheiten und die Höhe des möglichen Kreditvolumens. Daher hat sich die Berücksichtigung von Ratingaspekten zu einem nicht zu vernachlässigenden Gesichtspunkt entwickelt. Unternehmen müssen anstatt der steueroptimierenden Bilanzie-rungspolitik ebenfalls das Ziel eines verbesserten Ratings verfolgen. Ein gutes Rating kann über sinkende Finanzierungskosten zu einem steigenden Unternehmenswert beitragen und die Position des Unternehmens langfristig stärken. Dieser Zusammenhang ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Modigliani/Miller-Theorem in der Praxis keine Gültigkeit besitzt. Gleichzeitig gilt ein gutes Rating stets als Aushängeschild des Unternehmens.
Deutlich wird der Stellenwert eines guten Ratings am Beispiel eines KfW Unternehmerkredits. Die Schwankungsbreite des Zinssatzes liegt zwischen 4,79 Prozent für Unternehmen mit geringen Ausfallwahrscheinlichkeiten und 7,85 Prozent für risikoreichere Kreditnehmer. Der bonitätsabhängige Credit-Spread liegt demnach bei über 300 Basispunkten. Die jährliche Differenz der Zinsbelastung kann bei einem Kreditvolumen von 5 Mio. € dementsprechend bis zu 153.000 € betragen. Ähnliches gilt für die Finanzierung über Mezzanine-Kapital, da die Zinsaufschläge ebenfalls auf dem Ratingurteil des Unternehmens basieren. Angesichts dieser Tatsache kommt in Zukunft kaum ein Unternehmen an der Auseinandersetzung mit der Thematik ‘Ratingoptimierung’ vorbei. Die Unsicherheit der Unternehmen bzgl. der Auswirkungen von Basel II und dem damit verbundenen Rating hat zwar abgenommen, wie eine DIHK-Studie belegt, sehen über 50 Prozent eine Chance in Basel II. Dennoch, um Chancen realisieren zu können, ist eine gründliche Auseinandersetzung mit den ratingbeeinflussenden Faktoren oder der Einsatz eines Rating-Advisors notwendig.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll, aufgrund der hohen Banken- und Fremdkapitalabhängigkeit, der deutsche Mittelstand (synonym als KMU bezeichnet) und die Fragestellung des Nutzens der Optimierung der Bilanz- und Finanzierungsstruktur, im Hinblick auf das Ratingurteil und der damit verbundenen Finanzierungskosten, stehen. Zudem sind gerade kleine und mittelständische Unternehmen auf die Anforderungen eines Ratings nur unzureichend vorbereitet. Deshalb besteht gerade in diesen Unternehmen ein umfassendes Verbesserungspotenzial in Hinsicht auf das Unternehmensrating.
Als Einführung in die Problematik sollen, neben der Abgrenzung von KMU, ratingrelevante Besonderheiten von mittelständischen Unternehmen herausgestellt werden, um im Anschluss eine Einführung in die Thematik des Ratings zu liefern. Im weiteren Verlauf wird die Bedeutungszunahme eines guten Ratings, vor dem Hintergrund von Basel II, begründet und der Einfluss auf die Finanzierungskonditionen hervorgehoben. Nach einem kurzen Überblick über generelle Handlungsfelder zur Verbesserung des eigenen Ratings werden Optimierungsansätze für qualitative Ratingkriterien thematisiert.
Da die Bewertung der quantitativen Ratingkriterien, je nach Kreditinstitut, bis zu 70 Prozent der Ratingnote bestimmt, bilden das Finanzrating sowie die Überprüfung von Verbesserungsmaßnahmen den Schwerpunkt dieser Arbeit. Zu diesem Zweck wird, stellvertretend für den quantitativen Teil eines bankinternen Ratings, das Rating-Tool Moody’s KMV RiskCalc vorgestellt und analysiert, um im Anschluss verschiedene Ansätze zur Optimierung der Finanzierungsstruktur überprüfen zu können. Anhand verschiedener alternativer Finanzierungsmaßnahmen soll dann, mithilfe von Moody’s KMV RiskCalc, verifiziert werden, ob und in welchem Umfang es möglich ist das Rating eines Unternehmens zu verbessern. Im Einzelnen werden die Effekte von Factoring, Leasing, Sale-and-lease-back, Optimierung der Vorratsbestände, Mezzanine-Kapital, Beteiligungskapital sowie die Ausgliederung von Pensionsrückstellungen auf das Ratingurteil von mittelständischen Musterunternehmen analysiert und ausgewertet. Daneben wird auf die Auswirkungen von bilanzpolitischen Gestaltungen auf das Ratingurteil eingegangen.
Zur Beantwortung der Fragestellung nach dem Nutzen einer Ratingoptimierung, wird eine abschließende Analyse der Auswirkungen auf die Finanzierungskosten durchgeführt. Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung der Untersuchungsergebnisse sowie einer Handlungsempfehlung für KMU ab.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungsverzeichnis | VIII | |
| Tabellenverzeichnis | IX | |
| Formelverzeichnis | XI | |
| 1. | Zielsetzung der Untersuchung | 1 |
| 2. | Begriffliche und theoretische Grundlagen | 4 |
| 2.1 | Begriffsabgrenzung des deutschen Mittelstandes | 4 |
| 2.1.1 | Größenklassen nach dem Handelsgesetzbuch | 4 |
| 2.1.2 | Mittelstandsdefinition des IfM Bonn | 5 |
| 2.1.3 | Mittelstandsdefinition der Europäischen Union | 6 |
| 2.2 | Besondere Charakteristika des deutschen Mittelstandes | 8 |
| 2.2.1 | Finanzierungsquellen des Mittelstandes | 10 |
| 2.2.2 | Bilanzstruktur des Mittelstandes | 13 |
| 2.3 | Definition und Grundlagen des Ratings | 15 |
| 2.3.1 | Die Ratingskalen von Standard & Poor’s und Moody’s | 18 |
| 2.3.2 | Abgrenzung von bankinternen und externen Ratings | 20 |
| 2.3.3 | Interpretation des Ratingurteils | 22 |
| 2.3.4 | Mathematisch-statistische Ratingmodelle als Grundlage des Ratings | 24 |
| 3. | Basel II und die Notwendigkeit der Ratingoptimierung für KMU | 27 |
| 3.1 | Entwicklung von Basel I zu Basel II | 29 |
| 3.2 | Wesentliche Veränderungen durch Basel II | 29 |
| 3.3 | Ausnahmeregelungen für KMU | 32 |
| 3.4 | Auswirkungen der Ratingnote auf die Finanzierungskosten von KMU | 33 |
| 4. | Optimierungsansätze für quantitative Ratingfaktoren | 35 |
| 4.1 | Ratingstrategie und Rating-Advisory als Grundlage der Ratingoptimierung | 36 |
| 4.2 | Optimierung der Transparenz und Kommunikation | 39 |
| 4.3 | Optimierung der Unternehmensrisiken | 40 |
| 4.4 | Optimierung durch wertorientiertes strategisches Management | 41 |
| 4.5 | Optimierung der Finanzplanung und Finanzierung | 42 |
| 4.6 | Verbesserungen im Bereich Unternehmensstrategie und Management | 42 |
| 4.7 | Verbesserungen im Controlling und Berichtswesen | 43 |
| 4.8 | Verbesserungen im Umgang mit Marktrisiken | 43 |
| 4.9 | Verbesserungen der Lieferanten- und Kundenabhängigkeiten | 44 |
| 5. | Internes Finanzrating am Beispiel von Moody’s KMV RiskCalc | 45 |
| 5.1 | Modellentwicklung | 45 |
| 5.2 | Analyse und Gewichtung der einbezogenen Kennzahlen | 46 |
| 5.3 | Kennzahlenreaktionen auf Veränderungen der Finanzierungsstruktur | 52 |
| 5.4 | Besonderheiten des Modells | 53 |
| 6. | Empirische Analyse von Finanzierungsmaßnahmen zur Ratingoptimierung von KMU | 54 |
| 6.1 | Aufbau der Analyse | 55 |
| 6.1.1 | Strukturierung der durchschnittlichen Modellunternehmen | 57 |
| 6.1.2 | Ausgangsratings der durchschnittlichen KMU | 60 |
| 6.2 | Einfluss von Factoring auf das Ratingurteil | 61 |
| 6.2.1 | Auswirkung des Factoring auf Bilanz und GuV | 63 |
| 6.2.2 | Moody’s RiskCalc-Rating nach Factoring | 65 |
| 6.3 | Einfluss von Leasing auf das Ratingurteil | 66 |
| 6.3.1 | Wirkung des Leasing auf Bilanz und GuV | 67 |
| 6.3.2 | Moody’s RiskCalc-Rating nach Leasing | 70 |
| 6.4 | Einfluss von Sale-and-lease-back auf das Ratingurteil | 70 |
| 6.4.1 | Wirkung des Sale-and-lease-back auf Bilanz und GuV | 72 |
| 6.4.2 | Moody’s RiskCalc-Rating nach Sale-and-lease-back | 75 |
| 6.5 | Einfluss von Vorratsoptimierungen auf das Ratingurteil | 76 |
| 6.5.1 | Wirkung der Vorratsoptimierung auf Bilanz und GuV | 77 |
| 6.5.2 | Moody’s RiskCalc-Rating nach der Vorratsoptimierung | 78 |
| 6.6 | Einfluss von Mezzanine-Kapital auf das Ratingurteil | 78 |
| 6.6.1 | Wirkung des Mezzanine-Kapitals auf Bilanz und GuV | 80 |
| 6.6.2 | Moody’s RiskCalc-Rating nach der Mezzanine-Finanzierung | 82 |
| 6.7 | Einfluss der Kombination von Mezzanine-Kapital und Factoring auf das Ratingurteil | 83 |
| 6.8 | Einfluss von Beteiligungskapital auf das Ratingurteil | 84 |
| 6.8.1 | Wirkung des Beteiligungskapitals auf Bilanz und GuV | 85 |
| 6.8.2 | Moody’s RiskCalc-Rating nach der Beteiligungsfinanzierung | 86 |
| 6.9 | Einfluss der Ausgliederung von Pensionsrückstellungen auf das Ratingurteil | 86 |
| 6.9.1 | Wirkung der Ausgliederung der Pensionsrückstellungen auf Bilanz und GuV | 88 |
| 6.9.2 | Moody’s RiskCalc-Rating nach Ausgliederung der Pensionsrückstellungen | 89 |
| 6.10 | Bilanzpolitik und deren Konsequenzen für das Rating | 89 |
| 6.11 | Ratingeinfluss von Gestaltungsspielräumen in der GuV | 94 |
| 7. | Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse | 96 |
| 7.1 | Reaktion der RiskCalc-Kennzahlen auf die Finanzierungsmaßnahmen | 96 |
| 7.2 | Reaktion der Ausfallwahrscheinlichkeiten und des Ratingurteils auf die Finanzierungsmaßnahmen | 97 |
| 7.3 | Auswirkungen der Ratingveränderungen auf die Finanzierungskosten | 102 |
| 8. | Kritische Würdigung der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen für KMU | 107 |
| Literaturverzeichnis | 111 | |
| Anhang I: Modellannahmen für das Baugewerbe | 124 | |
| AnhangII: Modellannahmen für das verarbeitende Gewerbe | 128 | |
| Anhang III: Angepasste Gewinn- und Verlustrechnungen – verarbeitendes Gewerbe | 129 | |
| Anhang IV: Angepasste Bilanzen - verarbeitendes Gewerbe | 130 | |
| AnhangV: Angepasste Gewinn- und Verlustrechnungen – Baugewerbe | 132 | |
| Anhang VI: Angepasste Bilanzen – Baugewerbe | 133 | |
| AnhangVII: Jährliche Zinsersparnisse nach Ratingoptimierung | 135 | |
| Anhang VIII: Reaktion der Kennzahlen auf die Finanzierungsmaßnahmen | 138 |
Textprobe:
Kapitel 4.2, Optimierung der Transparenz und Kommunikation:
Viele Unternehmen unterrichten ihre Firmenkundenbetreuer über die Entwicklung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage. Informationen, die darüber hinausgehen, werden dagegen nur zurückhaltend erteilt. Deshalb besteht bei der Ratingerstellung grundsätzlich das Problem der Informationsasymmetrie zwischen Kreditinstitut und Unternehmen. Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die Verbesserung der Kommunikation mit dem Kreditinstitut. Es sollte gewährleistet sein, dass die aktuelle Risikosituation zutreffend bewertet werden kann. Die Bank erwartet daher mehr als die zeitnahe Übermittlung des Jahresabschlusses. So zählen unterjährige Informationen über die Ertrags- und Liquiditätslage zu weiteren gewünschten Dokumentationen.
Eine gute Kommunikation mit der Bank setzt voraus, dass Unternehmen die geforderten Informationen erheben und aufbereiten. In diesem Zusammenhang ist die Existenz von Controlling- und Risikomanagementsystemen sowie einer Investitions- und Finanzplanung von Bedeutung. Ferner wird das Vorhandensein von Frühaufklärungssystemen, die dem Unternehmen die Chance eröffnen die künftige Unternehmensentwicklung einzuschätzen, positiv bewertet. Um das Vertrauen in die Zuverlässigkeit zu stärken, müssen die prognostizierten Daten erreichbar sein und in den Folgeperioden tatsächlich erreicht werden. Insgesamt empfiehlt es sich, Quartalsabschlüsse mit ergänzenden Angaben zur aktuellen Auftragslage und Marktentwicklung zu erstellen. Zudem sollte der Businessplan jährlich überprüft und ggf. angepasst werden sowie Informationen über das Geschäftsmodell enthalten. Die Aussagen sollten nachvollziehbar und plausibel sein. Befindet sich das Unternehmen in einer schwierigen Lage, müssen die Banken rechtzeitig und offen informiert werden.
Seitens des Kreditnehmers besteht demzufolge ein umfangreiches Verbesserungspotenzial in Hinblick auf Qualität und Umfang der zu erteilenden Auskünfte. Welche Dokumentationen zu welchem Zeitpunkt vorzuliegen haben, sollte mit dem Firmenkundenbetreuer geklärt werden. Wesentliche Angaben sollten in einem Informationsmemorandum zusammengefasst werden, in dem die Unternehmensinformationen in übersichtlicher Form dargestellt werden.
Optimierung der Unternehmensrisiken:
Die Insolvenzwahrscheinlichkeit bzw. das Rating eines Unternehmens lassen sich aus dem Gesamtrisiko und dem Risikodeckungspotenzial ableiten. Durch die Identifikation und Bewertung von Einzelrisiken, kann die Gesamtrisikoposition bestimmt werden. Daran kann die Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung bewertet werden. Die Datenbeschaffung für das Risikomanagement ist allerdings problematisch, da Risiken oft nur subjektiv einschätzbar sind. Der Aufbau eines Risikomanagements wird immer positiv bewertet, da den Banken signalisiert wird, dass sich das Unternehmen mit dem Thema ‘Risiko’ auseinandersetzt. Auf Grundlage des ermittelten Gesamtrisikos, können Risiko-bewältigungsmaßnahmen umgesetzt werden, die das Rating erheblich verbessern können. Die Begründung dafür liegt in der Verringerung der Volatilität von Cashflow und Gewinn sowie in der Abnahme der Wahrscheinlichkeit von Verlusten. Risiken sollten indes nicht nur minimiert, sondern auch optimiert werden, da ansonsten Gewinnchancen vernachlässigt würden. Konkrete Ansatzpunkte sind der Ausstieg aus risikoreichen Geschäftsfeldern, der Ersatz von fixen durch variable Kosten und der Risikotransfer auf Dritte. Bestehen inter-nationale Geschäftsbeziehungen, sollte über den Aufbau eines Währungsma-nagements nachgedacht werden. Zudem sollten Unternehmen, die über variabel verzinsliche Darlehen finanziert sind, ein Zinsmanagement implementieren.
Optimierung durch wertorientiertes strategisches Management:
Ein zusätzliches Handlungsfeld ist die Steigerung des Unternehmenswertes. Dazu tragen alle Vorgänge bei, die das Unternehmen und dessen Wettbewerbsposition stärken. Hierzu zählen der Ausbau der technologischen Kompetenz, Kostenmanagementsysteme, der Ausbau des Vertriebs und die Erweiterung von Wettbewerbsvorteilen. Der Unternehmenswert wird durch die Abzinsung der erwarteten Cashflows mit einem risikogerechten Zins berechnet. Die Rückzahlung des Fremdkapitals und der Zinsen erfolgt ebenfalls aus dem Cashflow, was den Zusammenhang zwischen Unternehmenswert und Rating unterstreicht. Die Entscheidungen, die bei unverändertem Risiko die Erwartungen an zukünftige Umsätze steigern oder die Kosten senken, verbessern das Rating. Gleiches gilt für die Implementierung einer wertorientierten Unternehmensstrategie. Zu dieser Strategie gehören der Ausbau des Kundennutzens und der Kundenzufriedenheit sowie der darauf fokussierte Vertrieb. Daneben sollte eine Ausrichtung auf attraktive Geschäftsfelder vorgenommen werden.
Optimierung der Finanzplanung und Finanzierung:
Es sollten Versuche angestrebt werden, die Abhängigkeit von Kreditinstituten kontinuierlich zu reduzieren. Am effektivsten ist die Reduzierung der Bankverbindlichkeiten durch Verminderung der Kapitalbindung im Anlagevermögen und Working Capital. Zusätzlich kann durch eine verbesserte Finanzplanung eine Verringerung der Finanzierungsspitzen verwirklicht werden. Bestehende Alternativen zur klassischen Fremdkapitalfinanzierung sollten genutzt werden. Insgesamt kann sich der Abbau von Bankverbindlichkeiten in einer besseren Verhandlungsposition gegenüber der Bank ausdrücken.
Verbesserungen im Bereich Unternehmensstrategie und Management:
Die Grundlage des Unternehmenserfolgs wird durch ein Geschäftsmodell gelegt. Zur Dokumentation sollte ein schriftlich fixierter Businessplan mit Informationen über das Geschäftsmodell und die Positionierung des Unternehmens erstellt werden. Dieser ist gegenüber der Bank zu kommunizieren. Auch im Bereich des Managements ist es wichtig, dass keine Entscheidungsstaus bzw. Entscheidungsschwächen auftreten. Außerdem sollte das Management faktenorientierte Entscheidungen treffen und risikoreiche Großprojekte vermeiden. Die Aufdeckung eigener Schwächen und die Aufnahme von Verbesserungsvorschlägen kann die Bewertung des Managements grundsätzlich verbessern.
Im Bereich Management wird vor allem die fachliche und persönliche Qualifikation des Managements beurteilt. Dazu gehört die vorhandene Berufserfahrung, Methodenkompetenz, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Altersstruktur. Für eine gute Benotung muss das Management sowohl fachlich, unternehmerisch als auch sozial kompetent sein. Zudem sollte eine ausgeglichene Struktur zwischen technischen und kaufmännischen Führungskräften bestehen. Gute Bewertungen im Bereich Unternehmensstrategie können durch eine über mehrere Jahre dokumentierte und nachvollziehbare Strategie erzielt werden. Diese Strategie ist regelmäßig zu bewerten und zu überarbeiten. Die Unternehmensstrategie sollte außerdem offen kommuniziert werden.
Verbesserungen im Controlling und Berichtswesen:
Die typische Schwäche von KMU im Bereich Controlling und Unternehmenssteuerung wirkt negativ auf das Rating. Daher sollte die Implementierung eines Steuerungssystems angestrebt werden, das der Unternehmensleitung gestattet, auf Grundlage von Abweichungsanalysen eine effektive Unternehmenssteuerung umzusetzen. Für die Bewertung sind, neben dem Vorhandensein eines Controllingsystems, auch daraus abgeleitete und umgesetzte Maßnahmen von Relevanz. Infolgedessen ist die Erstellung von regelmäßigen Reporten und die Dokumentation nicht zu vernachlässigen. Die Integration eines Kostenrechnungssystems und Liquiditätsmanagements beeinflussen die Bewertung der Bank ebenso positiv. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sollten KMU unterjährig Daten zur Überprüfung des Geschäftsverlaufs erheben, damit auf Planabweichungen zeitnah reagiert werden kann.
Verbesserungen im Umgang mit Marktrisiken:
Unternehmen sind durch die fortschreitende Globalisierung erhöhten Risiken und einem steigenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die Auseinandersetzung mit externen Umwelt- und zukünftigen Rahmenbedingungen wird durch verkürzte Produktlebenszyklen sowie schwindende Wachstumspotenziale überlebenswichtig. Instrumente zur Marktbeobachtung, die eine Anpassung an veränderte Marktbedingungen ermöglichen, werden von KMU nur selten genutzt. Von Vorteil sind die Bewertung des gegenwärtigen und zukünftigen Marktumfeldes sowie die Darstellung der Positionierung des Unternehmens gegenüber seinen Konkurrenten. Zu diesem Zweck können Marktstudien eingesetzt werden, die deutlich machen, welche Anpassungen auf den bearbeiteten Märkten eintreten werden und das erwartete Absatzvolumen darstellen. Zum Realisieren einer möglichst guten Ratingnote sind die Marktführerschaft im bearbeiteten Marktbereich sowie Wettbewerbsvorteile, in Form von hohen Markteintrittsbarrieren, vorteilhaft. Auf diese zwei Kriterien hat das Unternehmen allerdings keinen direkten Einfluss.
Verbesserungen der Lieferanten- und Kundenabhängigkeiten:
Ist ein Unternehmen von wenigen Kunden bzw. Lieferanten abhängig, entstehen zwangsläufig Risiken. Unternehmen sollten diese Abhängigkeiten nach Möglichkeit reduzieren. Marktveränderungen oder der Verlust eines wichtigen Kunden/Lieferanten könnten ansonsten zu existenzbedrohenden Krisen führen. Kapitalgeber bewerten eine breite Streuung der Kunden sowie das Vorhandensein von mehreren größeren Kunden als positiv. In diesem Zusammenhang sollten mehr als 20 Prozent der Kunden 80 Prozent des Um-satzes ausmachen. Die Abhängigkeiten von bestimmten Absatzgebieten sollten gering sein. Es empfiehlt sich, Neukunden, über die Einholung von externen Auskünften zu bewerten. Besteht trotz langjähriger Zusammenarbeit dennoch die Möglichkeit eines kurzfristigen Lieferantenwechsels, wirkt sich dies positiv auf das Rating aus. Zudem sollten Lieferanten regelmäßig bewertet werden.
Wie die bisherigen Ausführungen gezeigt haben, weisen KMU nicht nur Defizite bzgl. der Finanzierungsstruktur auf, sondern sind auch im Hinblick auf die qualitativen Risikofaktoren, gegenüber Großunternehmen, im Nachteil. Die vorgestellten Ansätze stellen prinzipielle Bewertungskriterien dar, die in dieser Form oder zumindest so ähnlich bei jedem Kreditinstitut geprüft werden. Für KMU besteht aus diesem Grund die Anforderung, neben der Verbesserung der Finanzierungsstruktur, auch ihre qualitativen Erfolgsfaktoren darzustellen, um zumindest die Basisanforderungen erfüllen zu können. Zum Teil sind die qualitativen Faktoren aber nicht direkt beeinflussbar und deren Umsetzung verursacht beträchtliche Kosten für das Unternehmen. Nachdem Denkanstöße zur Verbesserung der qualitativen Ratingkriterien gegeben wurden, geht es in den nächsten beiden Kapiteln um das Finanzrating. Als Einführung wird der grundsätzliche Aufbau am Beispiel von Moody’s KMV RiskCalc erläutert. In Kapitel 6 wird dieses Rating-Tool daraufhin zur empirischen Analyse von alternativen Finanzierungsmaßnahmen und deren Auswirkungen auf das Ratingurteil von KMU eingesetzt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836639996
Arbeit zitieren:
Waldrich, Manfred Mai 2008: Ratingoptimierung – Management der Bilanz- und Finanzierungsstruktur als Grundlage für günstigere Zinskonditionen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Rating, Finanzierungskosten, Financial Modelling, Moodys KMV RiskCalc, Ratingoptimierung



