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Rating und Kreditzinsen

Chancen und Risiken für ein Kreditinstitut bei der Gestaltung und Einführung eines bankinternen Ratingsystems im Rahmen von Basel II

Rating und Kreditzinsen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Hose
  • Abgabedatum: Oktober 2001
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 779,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4818-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4818-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4818-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hose, Christian Oktober 2001: Rating und Kreditzinsen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rating, Baseler Ausschuß, Risikomanagement, Chancen und Risiken für Bank und Kunde

Diplomarbeit von Christian Hose

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit behandelt das Thema strukturiert nach den Kriterien 1. Darstellung, 2. Analyse und 3. Reflexion.

Ausgehend von dargestellten nachvollziehbaren größeren Faktenbereichen, soll über eine tiefergehende Analyse der übergreifenden Thematik versucht werden, zu einer signifikanten Reflexion und zu einem plausiblen problemorientierten Fazit zu kommen.

Dieser Themenkomplex wurde von mir bewusst als Diplomarbeitsthema gewählt, da es sich hierbei aufsichtsrechtlich um eines der bedeutendsten Aufgabengebiete der nächsten Jahre im Rahmen der deutschen bzw. internationalen Bankenlandschaft per se handelt.

„Nach seiner Einführung 1962 blieb das Grundgerüst von (insbesondere) quantitativen Eigenkapitalbelastungsregeln der deutschen Bankenaufsicht, kodifiziert in der zentralen Vorschrift des Grundsatzes I, im Kern 20 Jahre unverändert. Erst Anfang der 1980er Jahre wurde zunehmend deutlich, dass es dringend einer Harmonisierung der durch erhebliche Unterschiede gekennzeichneten Aufsichtsnormen zumindest in den bedeutenden Wirtschaftsnationen bedurfte, um Regulierungsarbitragen - Geschäfte wurden dort abgewickelt, wo sie den schwächsten Kontrollvorschriften unterlagen - einzudämmen.“ Das Baseler Konsultationspapier in seiner vorliegenden Fassung ist der Versuch bzw. das Resultat einer seit Jahren auf EU-Ebene angestrebten Harmonisierungspolitik, um über den Bankensektor und die dazugehörigen Steuerungs- und Bewertungsmöglichkeiten dauerhaft einen hinsichtlich des Risikos von Kreditinstituten transparent strukturierten und an allen bedeutenden Wirtschaftszentren miteinander vergleichbaren EURO-Wirtschaftsraum zu schaffen, der in der Welt mit der Asienregion bzw. dem amerikanischen Wirtschaftskontinent anhand gleicher oder ähnlicher Kriterien verglichen werden kann.

So sieht Heintzeler zukünftig die Bedeutung der kleineren nationalen Kapitalmärkte zugunsten der großen regionalen oder internationalen Kapitalmärkte zurückgedrängt, oder ganz verschwinden.

Hinzu kommt, dass Unternehmen bisher in Europa bis auf wenige Ausnahmen, durch externe Ratingagenturen vergleichsweise selten analysiert worden sind. Das Ratingverfahren ist in Europa in der Vergangenheit eher zur Beurteilung von Länderrisiken oder zur standardisierten Beurteilung von Wertpapieremittenten eingesetzt worden.

Welche Bedeutung Eigenkapital und Ratingverfahren, bzw. deren Ergebnis zukünftig für Banken haben werden, zeigt sich in der Diskussion der bisher anzurechnenden Garantien wie Anstaltslast oder Gewährträgerhaftung bei den öffentlich rechtlichen Sparkassen oder Landesbanken.

Insbesondere der Eigenkapitalbegriff als ein zentrales Thema vom Baseler Ausschuss, ist nach Wiebke als einheitlicher Begriff, Anfang der neunziger Jahre für die Kreditinstitute in Deutschland und Europa noch nicht einheitlich definiert gewesen.

In öffentlichen Interviews nimmt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Breuer dahingehend Stellung, „dass der Mittelstand sich langfristig wohl wegen Basel II auf höhere Zinsen einstellen müsse“. Das würde bedeuten, dass wegen der Einführung einer Baseler Richtlinie auf EU-Ebene, der Kapitalmarkt flächendeckend reagiert und diese Richtlinie volkswirtschaftliche Auswirkungen (Preissteigerungen?, da die höheren Kapitalkosten ggfs. an den Endverbraucher weitergegeben werden) erheblichen Ausmaßes nach sich ziehen würde.

Die gleiche Meinung vertritt auch der Präsident des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft Ohoven, der seinen Mitgliedern nicht nur aufgrund des veränderten Ratings der öffentlich rechtlichen Institute höhere Zinsen im Kreditbereich prognostiziert, sondern auch noch die persönliche Beziehung zwischen Bankern und Firmeninhabern zunehmend in die zweite Reihe gedrängt sieht. Gerade der zweite Aspekt dieser These (persönliche Bindung) bleibt jedoch genauer zu hinterfragen.

Ebenso denken auch Ahnert/Olschok als Leiter eines Firmenkunden Centers bzw. als Leiter Risikomanagement bei der Sparkasse Neunkirchen, da beide davon ausgehen, dass die Kreditinstitute alle gewerblichen und privaten Kunden selbst raten werden, welches die Beziehung Kreditinstitut – Mittelstand deutlich beeinflussen und somit die Finanzierung des Mittelstandes ebenfalls verändern wird. Daraus prognostizieren sie eine Geschäftspolitik der Kreditinstitute, die über das „Risiko-Pricing“ den bonitär guten Kunden einen konkreten Zins- bzw. Konditionsanreiz bieten werden und somit die Konditionen der Geschäftsbeziehung abhängig vom kundenbezogenen Ratingergebniss gestalten werden.

Demgegenüber steht die Doktrin des Club of Rome aus dem Jahr 1979, „die den menschlichen Faktor von zentralerer und entscheidenderer Bedeutung als das zu lösende Problem sieht.“ Danach entscheidet die „Entfaltung und sinnvolle Nutzung des menschlichen Potentials untereinander letztlich über Erfolg oder Versagen ökonomischer, gesellschaftlicher oder anderer Arten der Entwicklung.“ Ratings von Banken und deren Methodik könnten, so Ohoven weiter, erhebliche preisbestimmende Faktoren im zukünftigen Geschäftsleben auch für den einfachen Geldanlage –und / oder Baufinanzierungskunden darstellen.

Der Chef der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Reich denkt, dass durch die Baseler Beschlüsse ab 2004/5 mittlere Unternehmen künftig wesentlich schwerer an Kredite kommen werden.

Kaum hatte EU-Wettbewerbskommissar Monti in der 29. Kalenderwoche 2001 die Staatsgarantien für Landesbanken verboten, stufte die Ratingagentur Standard and Poor’s den Ausblick für Bonds, die vor dem Ende der Gewährträgerhaftung in vier Jahren fällig werden sofort auf „stabil“ hoch, während länger laufende Anlageformen mit dem Zusatz „negativ“ zurückgestuft wurden (ergo: keine Staatsgarantie --- kein Gütesiegel).

Dieser Ansatz, sofern er sich auch für den Kreditmarkt auf Unternehmensebene verstärken und bewahrheiten sollte, könnte erhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen für den Mittelstand darstellen, da die Sparkassen mit über. 60 % Marktanteil lt. Bundesbankstatistik gerade in diesem Segment eine sehr bedeutende Position als Kreditgeber einnehmen.

Demgegenüber steht wiederum die Meinung von Edgar Meister, Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank, die er in seinem Vortrag anlässlich der 54. Bankwirtschaftlichen Tagung in Garmisch äußerte, nach der „interne Ratings insgesamt nicht zu einer Verteuerung der Kredite führen, sondern in den Fällen, in denen es bei entsprechender Bonität gerechtfertigt sei, sogar zu niedrigeren Kreditkostenkosten führe.“ Wenn man einer aktuellen Ausgabe des Handelsblattes vom 29. August 2001 Glauben schenken darf, prüfen die Banken zukünftig bei der Darlehnsvergabe genauer. Diese selektive Kreditvergabe wird im Zusammenhang mit Basel II zu einer Verteuerung der Kreditkonditionen führen. Die Ratingagentur Moody’s hat demnach auch eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit von deutschen Unternehmen beobachtet. Die Tendenz beim Rating institutioneller Emittenten ist im ersten Halbjahr 2001 von der Bonität eher rückläufig als umgekehrt.

Einer aktuellen DSGV-Studie zufolge, ist tatsächlich ein Rückzug der privaten Banken aus der Finanzierung mittelständischer Firmen zu beobachten.

Für Günther Schulte, den stellvertretenden Hauptgeschäftsführer des Zentralen Genossenschafts Verbandes (ZGV) ist es nur logisch, dass der im Vergleich zu einem gut gerateten Kreditnehmer bonitätsmäßig schlechtere Kunde, durch die höhere Eigenkapitalunterlegungspflicht der Bank, in bezug auf seinen Kredit mit schlechteren Kreditkonditionen rechnen muss.

Nach Gerhard Hofmann, dem Leiter der Hauptabteilung Banken, Mindestreserven der Deutschen Bundesbank „ist es nicht die Frage ob, sondern wann die nächste Finanzmarktkrise kommt, sodass bereits in der Gegenwart die Institute belohnt werden sollten, die Instrumente der Risikomessung mit einer hohen Prognosegenauigkeit entwickelt haben und einsetzen.“ Für Gernot M. Becker hat sich in den letzten Jahren auf diesem Themengebiet eine Überfälligkeit der Reform ergeben, da sich seit 1988 die Struktur der Kreditmärkte deutlich gewandelt hat. Am Ende der achtziger Jahre als Basel I umgesetzt wurde, waren Finanzderivate oder Asset Backed Securities eher unbekannt. Es ist nach seiner Meinung auch heute nicht mehr einzusehen, warum Kredite an damals hochbonitäre OECD-Länder, deren Kreditrating heute nur noch mittelmäßig ist, mit weniger Eigenkapital unterlegt werden sollen als Kredite an den Staat Singapur, der über ein Standard and Poor’s Rating von AAA verfügt.

Jochen Sanio, derzeit oberster Bankenaufseher in Deutschland, sieht für die wirtschaftlich gesunden Kreditnehmer durch Basel II nur Vorteile, wobei die erfolgreiche Gründergeneration sich jetzt, um bessere Konditionen zu erhalten, von den Banken seiner Meinung nach tiefer in die Karten blicken lassen muss.

Selbst der Bundesrat und der Deutsche Bundestag wurden durch überregionale Bankenverbände wie dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) gebeten, Beschlüsse zur endgültigen Regelung der gleichwertigen Anerkennung in- und externer Ratings auf den Weg zu bringen, durch die nationale Kreditinstitute, wegen der im Vergleich zu Amerika anderen Finanzierungsmentalität in bezug auf Laufzeiten keine Nachteile erleiden, bzw. die Gewichtungsproblematik für gewerbliche Realkredite in Deutschland zum Thema von weiteren Beratungen zu machen.

Selten hat es in der Vergangenheit in der europäischen und deutschen Finanzwelt zu einem erst noch zu ratifizierenden Thema, bereits im Vorfeld so viele unterschiedliche Meinungen hochkarätiger Experten gegeben.

Die Arbeit wird sich im zweiten Teil dem Themenschwerpunkt Rating mit dem Unterthema „internes Ratingverfahren“ widmen, da es insbesondere in dem aktuellen Konsultationspapier des Baseler Ausschusses darum geht, auch interne Ratingverfahren von Banken, sofern sie bestimmte Kriterien erfüllen, durch den Ausschuss anzuerkennen. Dieser Aspekt ist insgesamt deshalb von grundlegender Bedeutung, da sich bisher in Deutschland eine Ratingkultur im Vergleich zu den USA nicht etablieren konnte.

Auf die Erhebung von Primärdaten wird in der Arbeit verzichtet, da aus einer fragebogengestützten Interviewaktion keine wesentlichen zusätzlichen Erkenntnisse zur problemorientierten Bearbeitung des Themenkomplexes erwartet werden.

In dieser Arbeit sollen die Chancen und Risiken, die sich aus Basel II für ein Kreditinstitut bei der Gestaltung und Einführung eines internen Ratingsystems ergeben können, dargestellt und erläutert werden.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 2
Thema der Arbeit 3
Gliederung 4
Tabellenverzeichnis 6
Abkürzungsverzeichnis 7
1. Einleitung 9
1.1 Methodik der Arbeit und Hintergrund der Themenauswahl 9
1.2 Die aktuelle Diskussion zu diesem Thema 10
1.3 Themenabgrenzung 12
1.4 “Provokative Arbeits-Thesen“ 13
2. Ausgangssituation und historische Entwicklung 14
2.1 Historische Entwicklung der Bankenaufsicht (KWG) 14
2.2 Banken im Markt in der heutigen Zeit 18
2.3 Die Situation der Banken bei der Kreditvergabe 19
3. Der Baseler Ausschuss 19
3.1 Zusammensetzung, Ansiedlung und Intention 22
3.2 Basel II, Überblick über die „Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung“ 25
3.3 Ziele und Anwendungsbereiche der „Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung“ 26
3.4 Bestandteile der „Neuen Basler Eigenkapitalvereinbarung“ 29
3.4.1 Säule 1: Mindestkapitalanforderungen 29
3.4.2 Säule 2: Aufsichtliches Überprüfungsverfahren 41
3.4.3 Säule 3: Marktdisziplin 44
4. Rating und Ratingverfahren 49
4.1 Grundsatzintention von Rating 49
4.2 Zulassungskriterien für Ratingagenturen 51
4.3 Ratingagenturen und deren Bonitätskategorien 52
4.4 Verbreitung von Rating in Deutschland 56
4.5 Ratingverfahren 57
4.5.1 Arten, Elemente und Ablauf von Ratingverfahren 57
4.5.2 Externe Ratingverfahren 59
4.5.3 Interne Ratingverfahren 61
5. Darstellung der Chancen und Risiken durch Ratingverfahren 69
5.1 Chancen durch Ratingverfahren (bankextern) 69
5.1.1 aus Kundensicht 69
5.1.2 aus Bankensicht 72
5.2 Risiken durch Ratingverfahren (bankextern) 75
5.2.1 aus Kundensicht 75
5.2.2 aus Bankensicht 76
5.3 Chancen durch Ratingverfahren (bankintern) 78
5.4 Risiken durch Ratingverfahren (bankintern) 81
6. Fazit, Empfehlungen und Ausblick 86
6.1 Abschließende Diskussion von Arbeitsthese 1 86
6.2 Abschließende Diskussion von Arbeitsthese 2 87
6.3 Fazit und Ausblick der Arbeit 91
Literaturverzeichnis 97
Eidesstattliche Erklärung 103

Automatisiert erstellter Textauszug:

Anhand bestehender Durchschnittsauslastungskennziffern153 zu den drei KWG Grundsätzen und nach den §§10 und 11 KWG über eine insgesamt 25-jährige Zeitreihe, versuchte die Kreditwirtschaft ihr Kreditrisiko orientiert am KWG bisher auch statistisch darzustellen. Nach Dr. Jürgen Berblinger,154 Geschäftsführer von Moody’s Deutschland „ermöglicht Rating zunächst eine Aussage über die zukünftige wirtschaftliche Fähigkeit eines Schuldners zur termingerechten Erfüllung von Zins und Tilgung.“ Insbesondere wurden bisher im Zuge der Kreditaufnahmen am internationalen Kapitalmarkt, Prüfung und Einstufung von Bonität bzw. Risiko von Schuldnern oder Kreditsuchenden durch eine standardisierte Messgröße = Rating festgelegt. Hierbei ist es egal, ob es sich um Industrieunternehmen, um eine Bank oder einen Staat handelt. Ziel dieses Ratingverfahrens ist es zu analysieren, ob überhaupt oder inwieweit der Schuldner teilweise zukünftig in der Lage sein wird, seinen Verpflichtungen zum vereinbarten Termin nachzukommen. [...]

wurde neben den reinen Zahlenwerken wie Bilanzen, Jahresabschlüssen oder EinnahmeÜberschuss-Rechnungen eine Beurteilungskomponente entwickelt, die ein Unternehmen neben den Zahlenwerken hinsichtlich der Risiken, aber auch anhand der zukünftigen Potentiale dokumentiert bewertet, das Rating. Zur Zeit gibt es in Deutschland kaum ein Thema, das mittelständische Unternehmer so sehr bewegt, wie die Angst vor dem Rating. Was in anderen europäischen Ländern schon zur Tagesordnung im Geschäftsverkehr mit Banken zählt, gilt „hier Zu Lande als ärgste Bedrohung der Unternehmensstruktur seit der Erfindung des Betriebsverfassungsgesetzes.“146 „An den internationalen Finanzmärkten sind Ratings nicht mehr wegzudenken. In den USA dürfen seit Jahrzehnten Wertpapiere wie Commercial Papers (CP oder Finanzwechsel) nur emittiert werden, wenn sie über ein Rating verfügen oder von einer Gesellschaft garantiert werden, deren Bonität klassifiziert wurde. Amerikanische Versicherer beispielsweise können lediglich Papiere in ihre Portefeuilles aufnehmen, die mindestens der Kategorie A zugeordnet sind. Auch die Schuldner profitieren vom Rating: Je besser die Note ausfällt, umso preiswerter kommen Sie an das Geld der Sparer. Für jedes A, das von S&P verliehen wird, müssen die Emittenten durchschnittlich 0,3 Prozentpunkte weniger Zinsen am Kapitalmarkt bezahlen.“147 Das „einfache A“148 von Moody’s Investors Service Inc. deutet an, dass sich gesamtwirtschaftliche und branchenspezifische Verschlechterungen spürbar auf die Entwicklung des Schuldners auswirken. Rating ist in seiner Grundkonzeption ein Verfahren, durch welches die Kreditgeber und die Kreditnehmer mit Hilfe einer weitestgehend einheitlichen Beurteilungskonzeption Unternehmen bankextern bzw. -intern beurteilen können, um zukünftig durch „Backtesting“ und / oder „Stresstesting“ Verfahren noch verlässlichere Datenbanken aufbauen zu können, um den Kreditnehmer auf seine Möglichkeiten zur Kreditrückführung objektiv beurteilen zu können, bzw. auch insgesamt die Kreditrisikostruktur in den einzelnen Bankhäusern besser greifen und damit auch das gesamte Institut besser steuern zu können. Nach Ansicht der EuroRatingsAG,149 ist das Fremdkapitalrating die Dokumentation der Meinung einer Rating Agentur, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Schuldner seinen Tilgungsverpflichtungen zeitgerecht und vollständig nachkommen wird. Bisher schätzen die Banken den einzelnen Kreditnehmer150 eher im Rahmen einer Kontodatenanalyse, der Einzelbilanzanalyse sowie seiner Finanz- und Liquiditätsplanung, sofern eine solche vorhanden ist, ein. Das Kreditrisiko151 wurde bisher aufgrund eher statischer Verfahren, die durch zu bestimmten Terminen erstellte Inventare, gegliedert nach Kreditart, nach Kredithöhe, nach lokaler Ansiedlung des Kreditnehmers, oder nach Branchenzugehörigkeit o.ä. eingeschätzt, oder anhand definierter fünf Risikoklassen152 unter der Ägide des § 10 KWG im Grundsatz I als Eigenkapitalbelastungsregel konkretisiert und überprüft. [...]

„Ohne Firewall kein Kredit?“141 Diese oder eine ähnliche Frage könnte sich zukünftig für einen gewerblichen Kreditnehmer vor einem Kreditantrag bei seiner Bank stellen. „Das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) ist vor fast drei Jahren in Kraft getreten. Wichtigstes Ziel dieses Gesetzes war es, eine Vielzahl an Unternehmen unterschiedlichster Rechtsformen – AG, teilweise GmbH und GmbH & Co. KG – zu einer verstärkten Kontrolle kritischer Entwicklungen anzuhalten und dazu zu bewegen, diese Entwicklungen auch in ihren Bilanzen zu veröffentlichen.“142 Bereits in § 91 Abs. 2 des Aktiengesetzes ist festgelegt, dass der Vorstand geeignete Maßnahmen zu treffen hat, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit Entwicklungen, die den Fortbestand der Gesellschaft gefährden können, rechtzeitig erkannt werden. So sind z.B. diese ggfs. existenzbedrohenden Faktoren je nach Branche, Marktentwicklung und Größe eines Unternehmens vielfältig. Für eine Spedition sind Dollarkurs und die Preise für Benzin oder Öl wesentlich wichtiger als z.B. für ein Systemhaus und für den Hersteller von Fleischkonserven ist BSE weitaus eher von Belang, als für eine Anwaltskanzlei. Demgegenüber stehen Probleme bei der EDV sehr schnell bei fast allen Unternehmen in Deutschland ganz oben auf der Prioritätenliste von Themen, die täglich „just-in-time“ zu erledigen sind. Ratingverfahren dienen nicht, wie oft behauptet den Banken ausschließlich zur Abwehr von Risiken bei der Kreditvergabe, sondern sind nach Kögel143 hervorragende Instrumente zur „Steigerung der Effizienz in der Bearbeitung, zur Erhöhung der Entscheidungssicherheit, zur Objektivierung in der Ergebnisfindung sowie Skalierung der Ergebnisse zur Ableitung risikogerechter Preise und zur qualitativen Abbildung des Kreditportfolios“. Nach einer Umfrage des Ifo-Instituts, welches von der Wirtschaftwoche144 in Auftrag gegeben wurde, rechnen Banken neuerdings „dreimal nach“, bevor sie einen Kredit vergeben. Diese Erfahrung haben mehr als die Hälfte von ca. 500 befragten Mittelständlern gemacht. Dieses „Nachrechnen“ bezieht sich jedoch nicht nur quantitativ wie bisher auf Zahlenwerke des Unternehmens, sondern geht qualitativ mit Analysen weit über die bisherige Praxis hinaus. Die Sparkassenorganisation in Deutschland145 hat sich ein ausgeklügeltes System von Fragen ausgedacht, um Aufschluss über die Leistungsfähigkeit und die finanzwirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens zu erhalten. So werden in der größten deutschen Bankenorganisation Fragen zur Unternehmensführung, zum Management, zum Personal, zur internen und externen Informationspolitik ebenso gestellt, wie Fragen zum Absatzmarkt, zu Aktivitäten zu Forschung und Entwicklung oder zu spezifischen Risiken wie politischen oder rechtlichen Risiken etc., denen sich ein Unternehmen gegenüber sieht. Um diese Komplexität von Beobachtungs- und Beurteilungsfeldern nach standardisierten Gesichtspunkten für alle Beteiligten abarbeiten und bonitär plausibel bewerten zu können, [...]

Arbeit zitieren:
Hose, Christian Oktober 2001: Rating und Kreditzinsen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rating, Baseler Ausschuß, Risikomanagement, Chancen und Risiken für Bank und Kunde

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