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RAROC: Kernstück einer integrierten Risiko-Rendite-Steuerung im modernen Firmenkunden-Kreditgeschäft

Die Diplomarbeit wurde 2004 mit dem "Studienpreis der IHK Mittlerer Niederrhein 2003" prämiert.
RAROC: Kernstück einer integrierten Risiko-Rendite-Steuerung im modernen Firmenkunden-Kreditgeschäft
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andre Fiebig
  • Abgabedatum: Februar 2003
  • Umfang: 89 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Niederrhein, Abt. Mönchengladbach Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6589-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6589-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6589-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Diplomarbeit wurde 2004 mit dem "Studienpreis der IHK Mittlerer Niederrhein 2003" prämiert.
  • Arbeit zitieren: Fiebig, Andre Februar 2003: RAROC: Kernstück einer integrierten Risiko-Rendite-Steuerung im modernen Firmenkunden-Kreditgeschäft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bankcontrolling, Kennzahlen, Rentabilität, Kreditportfoliomanagement, Sharholder Value

Diplomarbeit von Andre Fiebig

Problemstellung:

Der Einfluss von Kreditrisiken auf die Geschäftssteuerung in Banken hat in der jüngeren Vergangenheit zugenommen. Insbesondere in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs treten auf Grund vermehrter Unternehmensinsolvenzen erhöhte Kreditverluste auf, schlagen sich in den Gewinn- und Verlustrechnungen der Banken nieder und belasten das Eigenkapital. Diese so genannten Risikokosten stellen mittlerweile einen bedeutenden Kostenblock in Kreditinstituten dar und wurden lange Zeit unterschätzt. Banken als besonders sensibler Wirtschaftssektor unterliegen speziellen gesetzlichen Bestimmungen, hierbei spielen insbesondere Vorschriften bezüglich des Eigenkapitals eine Rolle.

Das moderne Firmenkunden-Kreditgeschäft zeichnet sich durch immer anspruchsvollere Anforderungen und ein erhöhtes Preis-/Leistungsbewusstsein der Kundschaft aus; ebenso werden die Bankgeschäfte der Unternehmen meist auf mehrere Institute verteilt. Hinzu kommt der Trend zur Desintermediation, d.h. Unternehmen wenden sich zur Finanzierung nicht mehr an Kreditinstitute, sondern beschaffen sich nötige Mittel direkt am Kapitalmarkt. Die genannten Faktoren führen zu einem verschärften Wettbewerb und sinkenden Erträgen im Kreditgeschäft der Banken.

Eine zunehmende globale Verflechtung der Kapitalmärkte und damit verbundene höhere Mobilität des Kapitals hat einen verstärkten internationalen Wettbewerb um Investoren mit sich gebracht. In diesem Zuge konzentrieren sich insbesondere bei börsennotierten Aktiengesellschaften die Management-Aktivitäten vermehrt auf eine Steigerung des Börsenwertes, d.h. des Marktwerts ihres Eigenkapitals, um so die Ansprüche der Investoren zu erfüllen und die eigene Attraktivität für Kapitalgeber zu erhöhen; dieses Phänomen wird als „Shareholder Value-Orientierung“ bezeichnet. Aktienanleger verlangen einen marktgerechten Ertrag für ihr investiertes Kapital, dieser muss von den Gesellschaften zunächst erwirtschaftet werden, dabei gilt das Eigenkapital der Bank als begrenzt vorhandene Ressource und ist demnach möglichst effizient einzusetzen. Mit Hilfe von Kapitalmarktmodellen wird ermittelt, in welcher Höhe ein Ertrag den Ansprüchen gerecht wird. In der letzten Konsequenz sind nach dem Shareholder Value-Konzept von der Bank nur solche Geschäfte durchzuführen, die dazu dienen, das Vermögen des Aktionärs zu erhöhen.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Rentabilitätsmessung und -steuerung im Kreditgeschäft ohne die Integration eines Risikomaßes in die interne Ergebnisrechnung nicht mehr adäquat darstellbar ist. Das im Controlling der Bank verwendete Instrumentarium zur Koordination der Geschäfte muss mit Hilfe geeigneter Kennzahlen in der Lage sein, die Risiko- und Ertragssteuerung miteinander zu verknüpfen. Anhand von finanzwirtschaftlichen Kennzahlen ist daher aufzuzeigen, an welchen Stellen das Eigenkapital der Bank risikoadäquat und gleichzeitig unternehmenswertsteigernd eingesetzt ist und an welchen Stellen ggf. Handlungsbedarf besteht. Ziel einer risikoadjustierten Rentabilitätssteuerung im Firmenkunden-Kreditgeschäft muss es sein, die Kreditrisiken transparent zu machen und gleichzeitig die Kundenbeziehungen so profitabel zu gestalten, dass die Rentabilität den aus der modernen Shareholder Value-Orientierung abgeleiteten Ansprüchen entspricht. In diesem Zuge entwickeln Kreditinstitute, begünstigt durch den technologischen Fortschritt mit immer leistungsfähigeren EDV-Systemen, wirksame Methoden zur möglichst genauen Risikoquantifizierung, angemessenen Bepreisung und Risikoreduzierung von Krediten, die sich am konkreten Risiko des jeweiligen Kunden orientieren. Dieser Entwicklung passen sich auch die Eigenkapitalvorschriften der Bankaufsicht mehr und mehr an.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Wissenschaftlicher Ansatz und Aufbau der Arbeit 2
2. Risiken im Kreditgeschäft 5
2.1 Ein Überblick über bankbetriebliche Risiken 5
2.2 Risikomanagement 8
2.3 Quantifizierung von Risiken: Das Value at Risk-Konzept 10
2.4 Kreditrisikoquantifizierung 14
3. Eigenkapital als Risikodeckungsmasse und knappe Ressource 19
3.1 Der Eigenkapitalbegriff 19
3.2 Die Bestimmung der vorzuhaltenden Eigenmittel 21
3.3 Der Begriff des „Ökonomischen Kapitals“ 22
3.4 Value-Based Management: Der Shareholder Value-Ansatz 24
4. Risk Adjusted Profitability Measurement (RAPM) 27
4.1 Die Konzeption des RAPM 27
4.2 Kennzahlen und Kennzahlensysteme 29
4.3 Die Komponenten des RAROC 31
4.3.1 Das Berechnungsschema in der Übersicht 32
4.3.2 Ertrags- und Kostenkomponenten 33
4.3.3 Kapitalkomponente 36
4.3.4 Beispielrechnung zur Einzelgeschäftssteuerung 36
4.4 RAROC als Steuerungsgröße zur Wertsteigerung 39
4.5 RAROC im Shareholder Value-Ansatz 40
4.6 Weitere RAPM- und wertorientierte Kennzahlen 42
4.7 Der Aufbau eines risikoadjustierten Kennzahlensystems 43
4.8 Exkurs: RAPM als Bestandteil eines leistungsorientierten Gehaltssystems 47
5. Risk-Return-orientierte Kreditportfoliosteuerung 51
5.1 Portfolio-Management: Grundlagen der Portfolio-Theorie 51
5.2 Kreditportfolio-Management 54
5.2.1 Instrumente des passiven Kreditportfolio-Managements 57
5.2.2 Instrumente des aktiven Kreditportfolio-Managements 60
5.3 Das Risk Management Committee 66
5.4 Exkurs: Anforderungen an IT und (E)DV 67
6. Zusammenfassung und Ausblick 71
Literaturverzeichnis 75

Automatisiert erstellter Textauszug:

legende Anforderungen werden im Allgemeinen an ein Kennzahlensystem in der Praxis gestellt:132 • • Es soll vorwiegend solche Kennzahlen beinhalten, die aus Sicht der Geschäftsleitung entscheidungsrelevante Steuerungsinformationen liefern. Um eine Überflutung mit Informationen zu vermeiden, ist die Anzahl der ausgewählten Größen zu begrenzen. Die Kennzahlen sind in primäre Steuerungskennzahlen und sekundäre, zusätzlich informierende Kennzahlen zu untergliedern. • Die verwendeten Kennzahlen müssen geschäftsbereichsübergreifend vergleichbar sein, um eine einheitliche Leitung zu ermöglichen. Im Rahmen einer integrierten Risiko-Rendite-Steuerung kommt den RAPMKennzahlen eine zentrale Bedeutung zu. Den Ausgangspunkt eines risikoadjustierten und wertorientierten Kennzahlensystems bildet vor dem Hintergrund der Shareholder Value-Orientierung der Marktwert des Eigenkapitals. Er wird über kleinere Rechenschritte aus der klassischen Spitzenkennzahl RoE (nach Steuern) abgeleitet133, die auch im externen Rechnungswesen, d.h. in Geschäftsberichten, Quartalsabschlüssen oder auch veröffentlichten Planungen Anwendung findet und eine zentrale Position für die Beurteilung der Rentabilität der Bank durch Außenstehende hat. Zur Überleitung eines RoE nach Steuern in eine VorSteuer-Größe ist dieser zunächst durch die Unternehmenssteuerquote zu dividieren. Dem RoE liegt das (bilanzielle) Kernkapital der Bank zu Grunde. Wie dargelegt wurde, weicht das insgesamt den Geschäftsbereichen zugewiesene Risikokapital üblicherweise hiervon ab. Für die einzelnen Geschäftsbereiche der Bank werden differenzierte RORAC- und EVA-Werte ermittelt, sie gehen nach ihrem Anteil am zugewiesenen bilanziellen Buchkapital gewichtet in die Berechnung eines Gesamtbank-RORAC und des RoE ein. Für eine adäquate Steuerung der Bereiche ist es notwendig, zu errechnen, welche risikoadjustierte Rendite erzielt wird, und welchen Beitrag der jeweilige Bereich zur Wertsteigerung beiträgt. Aufgrund der konsistenten Risikomessung über das (Credit) Value at Risk-Konzept können diese Größen unmittelbar verglichen werden. Damit das System sowohl für die Planung als [...]

An der Qualität einer Aussage über die risikoadjustierte Rentabilität eines Geschäfts ändert die Verwendung von RAROC oder RORAC jedoch nichts; beide Systeme führen zum gleichen Ergebnis.130 RAROI Als Kennzahl für die Risiko-Ertrags-Steuerung in Banken wird auch die Relation aus risikoadjustiertem Ertrag und investiertem Kapital vorgeschlagen. Die Zusammensetzung dieser Kennzahl entspricht eher einem modifizierten Return on Investment (RoI) als einer Kapitalrentabilität, daher verwendet man die Bezeichnung „Risk Adjusted Return On Investment“. Das investierte Kapital ermittelt sich hier aus den Marktwerten der Risikopositionen und nicht - wie beim RAROC oder RORAC - aus dem Ökonomischen Kapital. Dies kann zu abweichenden Rangfolgeergebnissen bei der Beurteilung von Geschäften im Vergleich zu RAROC oder RORAC führen. Das RAROI-Konzept wird daher nicht als geeignet für eine Rentabilitätssteuerung in Banken angesehen.131 EVA / SVA / MVA Die Nominalgrößen Economic, Shareholder bzw. Market Value Added stellen eine Ergänzung der risikoadjustierten Rentabilitätskennziffern dar und sind das Bindeglied zum Marktwert des Eigenkapitals im Rahmen des Shareholder ValueAnsatzes. Positive Werte entstehen aus Erträgen, die über die vom Kapitalmarkt geforderten hinausgehen, und bilden die Grundlage für die Ermittlung von Vermögenszuwächsen der Anteilseigner. [...]

Ökonomischem Kapital der verschiedenen Produkte und Dienstleistungen berücksichtigt werden. Um aus den Kundenbeziehungen einen entsprechenden Nutzen zu ziehen, sind zur Verbesserung der Rentabilität - abgestimmt auf die Bedürfnisse des Kunden - Cross-Selling-Potenziale durch die Firmenkundenberater mit besonderem Blick auf risikofreie, so genannte „kapitalschonende“ Geschäfte zu erschließen oder alternativ in der Zusammenarbeit mit der Kreditabteilung risikomindernde Maßnahmen zur Reduzierung des Ökonomischen Kapitals, zum Beispiel durch die Hereinnahme zusätzlicher Kreditsicherheiten, in Erwägung zu ziehen.121 Ein Wertzuwachs wird nach dem RAROC-Konzept dann geschaffen, wenn ein RAROC den Schwellenwert Null überschreitet. Der Netto-Ertrag muss also größer sein als die geforderte Mindest-Verzinsung auf das Risikokapital bzw. ihr zumindest entsprechen. Im Kreditgeschäft gilt es daher, Wert schaffende und Wert vernichtende Kunden bzw. Kredite im Bestand zu erkennen und für neue Kredite angemessene Konditionen zu erzielen, jeweils unter Berücksichtigung der aktuellen Ertragslage sowie des Ertragspotenzials aus der Kundenbeziehung, welches sich oft in der Segmentierung des Kunden widerspiegelt.122 Durch den Einsatz derartiger komplexer Steuerungsgrößen wie Ökonomisches Kapital und RAROC und die Vielfalt der möglichen Einflussgrößen ist in der Bank für die zuständigen Mitarbeiter in der Kundenbetreuung und in der Kreditbearbeitung eine Software zur Verfügung zu stellen, die in der Lage ist, verschiedene Szenarien und deren Auswirkung auf die Kundenergebnisrechnung zu simulieren. Die Kennzahl RAROC stellt jedoch nur einen einzelnen Wert im gesamten Steuerungsinstrumentarium der Bank dar und ist aus diesem Grund stets im Zusammenhang mit der Erfahrung und dem unternehmerischen Denken von Kundenbetreuern und Kreditfachleuten sowie den Bedürfnissen des Kunden zu sehen. [...]

Arbeit zitieren:
Fiebig, Andre Februar 2003: RAROC: Kernstück einer integrierten Risiko-Rendite-Steuerung im modernen Firmenkunden-Kreditgeschäft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bankcontrolling, Kennzahlen, Rentabilität, Kreditportfoliomanagement, Sharholder Value

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