Die Quotenregelung zur Sicherung französischen Liedguts im Hörfunk
Ursachen, Durchsetzungsprobleme und Auswirkungen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Erika Jahn
- Abgabedatum: September 2000
- Umfang: 47 Seiten
- Dateigröße: 3,6 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-3146-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-3146-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-3146-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jahn, Erika September 2000: Die Quotenregelung zur Sicherung französischen Liedguts im Hörfunk, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Quotenregelung, Tonträgermarkt, Musikbranche, Regulierung, Hörfunk / Radio
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Diplomarbeit von Erika Jahn
Zusammenfassung:
Liedgut als Ware erhält im ökonomischen Prozess einen Tauschwertcharakter, der weniger an musikimmanenten als an gewinnmaximierenden Kriterien gemessen wird: „Sein Tauschwert bestimmt seine Form als Gebrauchswert, also seine Inhalte, seine ästhetischen Merkmale und die Strukturen seiner Sprache“ (Kreimeier).
Die Musik als Produkt der Tonträgerunternehmen hat sich im Verlauf der letzten 30 Jahre auf der ganzen Welt zu einer Massenware entwickelt, die heute einen großen Teil unserer akustischen Umwelt prägt. Dementsprechend sind auch die internationalen Märkte für Tonträger in dieser Zeit stark expandiert. Der französische Markt ist heute mit einem Jahresumsatz von ca. 4 Mrd. DM nach Deutschland, Großbritannien, Japan und Amerika der fünftgrößte Tonträgermarkt und damit ein wichtiges Segment für internationale Konzerne (Vgl. Anhang 1).
Im Bereich des Hörfunks - als klassisches PR-Medium der Tonträgerindustrie und Interpreten - hat die Kommerzialisierung in den 80-er Jahren ihren Einzug gehalten. Durch das Aufkommen privater Programmveranstalter zeigt sich hier ein verschärfter Wettbewerb um Zuhörer, der sich über die Bindung des Zuhörers durch das Musikprogramm vollzieht. Der Hörfunk benötigt Produkte der Tonträgerunternehmen, um damit die Zielgruppe für die Werbekunden adäquat zu bedienen. Plattenfirmen benötigen den Hörfunk, um ihre Ware publik zu machen und damit einen Absatz der Tonträger zu erreichen. Die heutige Situation kann man getrost als eine gegenseitige Abhängigkeit bezeichnen, bei der immer noch diskutiert wird, wer der schwächere Partner sei.
Der Tauschwertcharakter der Musik führte in Frankreich, wie auch in anderen europäischen Ländern (Vgl. Machill) dazu, dass nur bestimmte Titel gesendet wurden. Auf Grund von Umfragen setzten die Radioveranstalter zunehmend auf die anglo-amerikanische Musik und benachteiligten damit das französische Liedgut. Diese Situation hatte zur Konsequenz, dass in Frankreich eine gesetzlich verankerte Quotenregelung zugunsten von französisch-sprachigen Titeln eingeführt wurde.
Der damalige französische Kulturminister Frankreichs, Jacques Toubon, begründete die Quotenregelung wie folgt:
„La chanson francaise est, dans le monde, un des principaux éléments de reconnaissance de notre culture. Il ne faut pas uniquement se défendre mais également passer à l'offensive“ (Toubon; zit. n. Machill). Übersetzt bedeutet dies sinngemäß: Der französische Chanson steht in der Welt als Begriff für den Wiedererkennungswert der französischen Kultur. Man muss den Chanson nicht nur beschützen, sondern gleichzeitig in die Offensive für ihn gehen.
Von diesem Kontext ausgehend soll die vorliegende Arbeit aufzeigen, warum Frankreich eine Quotenregelung als Regulierungsinstrument eingeführt hat mit dem Hintergrund, nationales Liedgut zu schützen, bis dahin ungenutzte nationale Künstlerpotentiale zu fördern und auszuschöpfen sowie gleichzeitig vorhandene Strukturschwächen und destruktive Mechanismen für die nationalen Künstler zu beseitigen.
Der Begriff des französischen Liedgutes, der Chanson, wird von älteren französischen Bürgern eher mit Titeln Gilbert Becauds oder Jacques Brels, die sehr textintensiv und etwa mit den sogannten „Liedermachern“ zu vergleichen sind, verbunden. Die jüngeren Franzosen verstehen den Chanson als aktuellen Hit, der auch englische Texte haben kann. Ich werde den Begriff „Chanson“ im Folgenden für alle Arten von Liedern in französischer Sprache gebrauchen.
Die Erarbeitung dieses Themengebietes hat eine Reihe von Problemen aufgeworfen, die nicht nur inhaltlicher, sondern auch formaler Natur sind. Das Thema liegt im Schnittpunkt mehrerer Wissenschaften: der Musik-, der Wirtschafts- sowie der Kommunikationswissenschaften. Auch Bereiche der Soziologie, der Medienpolitik und der Judikatur sind diesem Themenkomplex zuzuordnen. Hier sind Stichpunkte wie Einfluss der Medien auf die Gesellschaft, aber auch die Frage nach dem Einfluss der Gesellschaft auf Entwicklung und Zustand der Massenmedien zu nennen (Vgl. Silbermann, 1970). Weitere Fragen werfen das Konsumentenverhalten (Rezeptionsforschung), die Situation der Komponisten und Interpreten, die damit einhergehende Funktion der Werbung und Promotion sowie die Repertoirepolitik der Unternehmen auf. Diese Themenbereiche können nicht annähernd ausgeschöpft werden. Die hier vorliegende Arbeit beschränkt sich daher auf die Bedeutung des Hörfunks für den Bereich der Unterhaltungsmusik in Bezug auf französischsprachige Künstler. Andere Aspekte werden nur bei Bedarf mit einbezogen. Erschwerend bei der Erarbeitung dieses Themas war die Tatsache, dass fast ausschließlich französische Literatur zur Verfügung stand und diese meistens in einem formalen Französisch geschrieben war.
In Kapitel 2 folgt zunächst eine allgemeine Definition von Wettbewerb und Regulierung. Abschnitt 2.1 begründet die Notwendigkeit einer Regulierung auf dem französischen Musikmarkt. Abschnitt 2.2 erläutert die für das Thema dieser Arbeit wichtigen Ziele, die bei der Regulierung des Hörfunks wesentlich sind.
Zum besseren Verständnis wird zunächst in Kapitel 3 auf die Bestimmungs-faktoren des Musikmarktes eingegangen. Dabei wird zunächst in Abschnitt 3.1 die Situation des Hörfunks erläutert und die damit verbundene Problematik der Musikprogramminhalte am Beispiel von Deutschland und Frankreich. Auch wird die damit verbundene Gleichschaltungstendenz auf dem Musikmarkt aufgezeigt. Abschnitt 3.2 legt die Konstellation des Tonträgermarktes dar und verdeutlicht die Grundlagen, die für eine Tonträgerveröffentlichung und deren Marketingstrategie notwendig sind. Dies geschieht vorwiegend anhand von Belegen aus Deutschland, da hierüber keine Informationen aus Frankreich zu bekommen waren. Wie mir aber die interviewten Experten versicherten, ist das Schema grundsätzlich das Gleiche.
Kapitel 4 beschreibt die Situation der Radioveranstalter in Frankreich vor Einführung der Quotenregelung, die durch eine Vorstufe, der Selbstverpflichtung der Radiosender (Abschnitt 4.2) gekennzeichnet ist. Außerdem werden die Struktur der Sender und Programme sowie die Konsumentenpräferenzen mit einbezogen (Abschnitt 4.1).
Gegenstand des fünften Kapitels ist schließlich die Quotenregelung selbst. Abschnitt 5.1 beleuchtet den genauen Gesetzestext sowie die Ergänzung durch das Communiqué 320. Abschnitt 5.2 erläutert die Umsetzung der Quotenregelung, die zugunsten der Radioveranstalter schrittweise erfolgte. Abrundend werden in Abschnitt 5.3 die Auswirkungen der Quotenregelung bei der Entwicklung der Airplays, Investitionen der Tonträgerunternehmen, Tonträgerumsätze und Absatzzahlen für französischsprachige Titel dargestellt.
Im sechsten Kapitel werden die Kritiken der verschiedenen Branchen-teilnehmer aufgegriffen und kommentiert. Abschnitt 6.1 erläutert die Veränderungen, die die Radioveranstalter in ihrer Musikprogrammgestaltung vollzogen haben. Um Auswahlmöglichkeiten in Form von verschiedenen Optionen geht es im Abschnitt 6.2. Dieser vom Conseil Supérieur De L'Audiovisuel (CSA) gemachte Vorschlag beruht auf den guten Ergebnissen, die die Quotenregelung bewirkt hat und ist eine Modifizierung der Quotenregelung. In Abschnitt 6.3 wird ein kurzer Ausblick über das geltende EU-Recht in Bezug auf die Grundfreiheiten und die Quotenregelung gegeben. Diese Problematik wird am Beispiel eines klagenden Radioveranstalters aus Frankreich verdeutlicht.
Das abschließende siebte Kapitel fasst die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung und Problemstellung | 1 |
| 2. | Wettbewerb und Regulierung | 3 |
| 2.1 | Regulierung als grundlegendes Prinzip für den französischen Musikmarkt | 4 |
| 2.2 | Besondere Ziele bei der Regulierung des Musikmarktes | 4 |
| 2.3 | Zwischenergebnis | 6 |
| 3. | Bestimmungsfaktoren für die Musikbranche | 6 |
| 3.1 | Der Hörfunk | 6 |
| 3.1.1 | Problematik der Programmvielfalt im Hörfunk in Deutschland | 7 |
| 3.1.2 | Problematik der Programmvielfalt im Hörfunk in Frankreich | 7 |
| 3.2 | Der Tonträgermarkt | 10 |
| 3.2.1 | Grundmuster für eine Tonträgerveröffentlichung | 11 |
| 3.2.2 | Marketingstrategie für neue Tonträger | 12 |
| 3.3 | Zwischenergebnis | 13 |
| 4. | Situation der Radiolandschaft vor Einführung der Quote | 13 |
| 4.1 | Programmarten, Zuhörerzielgruppen und -präferenzen | 13 |
| 4.2 | Selbstverpflichtung der Radioveranstalter | 16 |
| 4.3 | Zwischenergebnis | 17 |
| 5. | Einführung der Quotenregelung | 17 |
| 5.1 | Der Gesetzestext „Loi Carignon“ unter Berücksichtigung des Communiqué 320 | 18 |
| 5.2 | Umsetzung und Überwachung der Quoten | 21 |
| 5.3 | Auswirkungen der Quotenregelung | 22 |
| 5.4 | Zwischenergebnis | 26 |
| 6. | Kritik an der Quotenregelung | 26 |
| 6.1 | Die Entwicklung der Radiolandschaft nach Einführung der Quoten | 27 |
| 6.2 | Vorschläge des Conseil Supérieur De L’Audiovisuel (CSA) und der Artikel 28/2 ‘bis’ des Gesetzes vom 30. September 1986 | 28 |
| 6.3 | Die Quotenregelung und geltendes EU-Recht | 29 |
| 6.4 | Zwischenergebnis | 30 |
| 7. | Abschließende Betrachtung | 31 |
| A. | Anhang | 34 |
| B. | Literaturverzeichnis | 38 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832431464
Arbeit zitieren:
Jahn, Erika September 2000: Die Quotenregelung zur Sicherung französischen Liedguts im Hörfunk, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Quotenregelung, Tonträgermarkt, Musikbranche, Regulierung, Hörfunk / Radio



