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Quo vadis, IOC? Der Korruptionsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City 2002 und die Folgen

Quo vadis, IOC? Der Korruptionsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City 2002 und die Folgen
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Jens Sitarek
  • Abgabedatum: Mai 2004
  • Umfang: 155 Seiten
  • Dateigröße: 685,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8429-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8429-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8429-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Sitarek, Jens Mai 2004: Quo vadis, IOC? Der Korruptionsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City 2002 und die Folgen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Olympische Spiele, Nationales Olympisches Komitee, Leipzig 2012, Korruption, Hill & Knowlton

Magisterarbeit von Jens Sitarek

Einleitung:

Die Olympischen Spiele haben sich nach ihrer Wiederbegründung 1894 zum größten Sportereignis der Welt entwickelt. Zu verdanken haben wir dieses Sportspektakel dem Franzosen Pierre de Coubertin, der die Idee vom friedlichen Zusammentreffen aller Völker und Rassen hatte. Die Olympischen Spiele haben Symbolcharakter und stehen für positive Werte. Das Internationale Olympische Komitee (IOC), das sich um das Zustandekommen der Spiele kümmert, steht seit dem Skandal von Salt Lake City auch für andere Ideale wie zum Beispiel Korruption und Bestechlichkeit ein. Diese Magisterarbeit beschäftigt sich mit dem IOC-Korruptionsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City 2002. Worum geht es dabei überhaupt? Mitglieder des IOC haben mit Verantwortungsträgern eines Bewerbungskomitees um eine Olympia-Ausrichtung gedealt. Hierbei ist das Jahr 1995 von entscheidender Bedeutung, da damals die Spiele vergeben wurden. Der Skandal um die Olympiastadt hat das IOC in seinen Grundfesten erschüttert und in die größte Glaubwürdigkeitskrise seiner über 100-jährigen Tradition gestürzt. Die Wahl wurde durch Bestechung vorangetrieben. „Jahrelang herrschten sie wie die Götter über die olympische Bewegung. Und immer umgab die Mitglieder des IOC der Geruch von Vetternwirtschaft und Korruption. Jetzt liegen erstmals Beweise vor“ (ROSENAU). In dem Bemühen die Winterspiele 2002 nach Salt Lake City zu holen, wurden die Grenzen des Statthaften weit überschritten.

Seit dem Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe Ende 1998 sind mehr als fünfeinhalb Jahre vergangen. Grund genug den Skandal zum Anlass zu nehmen, um einmal genauer hinter die Kulissen der Sportorganisation zu schauen. Der Skandal hat das IOC in Erklärungsnot gebracht und das System an sich in Frage gestellt. Das IOC ist immer noch Gesprächsthema, weil es genügend Gesprächsstoff für Kritik liefert. Zusätzliche Nahrung erhält und erhielt der Skandal beispielsweise durch neuerliche Verfehlungen des IOC-Mitgliedes Kim Un Yong und einem Gerichtsprozess in Salt Lake City. Mehr als einmal Anlass zurückzublicken und dem Skandal und seinen Folgen eine kritische Bewertung folgen zu lassen.

Auf dem Markt der Olympia-Literatur fehlt es allerdings an einer angemessenen Diskussion der Fragen und Probleme und an einer adäquaten wissenschaftlichen Darstellung. Journalisten orientieren sich vielfach an unzureichend begründeten Maßstäben. Was sich demzufolge en masse findet, sind zwei Extreme: Abrechnungen mit dem IOC einerseits und eine Art Hofberichterstattung andererseits. Die Magisterarbeit versucht einen Mittelweg zu gehen und liefert eine wissenschaftliche Darstellung verbunden mit – im Vergleich dazu – „journalistischeren“ Schlussfolgerungen. Dabei geht die Arbeit folgenden Fragestellungen nach: Wohin ging die olympische Entwicklung nach dem Skandal? Oder blieb vielleicht alles beim Alten? Haben Menschen oder eher das System IOC versagt? Auf der Suche nach den Antworten klärt die Arbeit zu Beginn grundsätzliche Begriffe wie Skandal und Korruption.

Anschließend wird in Kapitel 3 die Olympische Bewegung betrachtet – an dessen Spitze das IOC. Aus diesem Grund werden Aufbau und Funktion der Organisation anhand ausgewählter Aspekte in Kapitel 4 aufgezeigt, um dann die Geschichte (Kapitel 5) und das Prozedere (Kapitel 6) um die Vergabe der Olympischen Spiele der Neuzeit zu durchleuchten. Einen Schwerpunkt bildet hierbei die Vergabe an (Kapitel 8) und die Spiele von Salt Lake City (Kapitel 9). Vorher macht aus Gründen der Aktualität ein Exkurs zu Leipzig 2012 deutlich, wie die Vergabe heute aussieht und worauf es dabei ankommt. Mit dem Exkurs wird die Chronologie der Ereignisse, auf die die Arbeit ansonsten Wert legt, unterbrochen. An dieser Stelle wird ein Problem deutlich: Teilweise sind die Strukturänderungen schon Allgemeingut, was sie zum Zeitpunkt des Skandals natürlich noch nicht waren.

Ab Kapitel 10 widmet sich die Magisterarbeit der Anatomie des Skandals: den Ursachen und Akteuren und dem, was sich selbige zu Schulden haben kommen lassen. Zudem beschäftigt sich die Arbeit in diesem Teil mit den mannigfaltigen Folgen des Bestechungsskandals, in dem sie nicht nur das Reformverhalten des IOC dokumentiert, sondern auch auf Salt Lake City und die Rolle des Bewerbungs- und Organisationskomitees eingeht. Die Wahl des neuen IOC-Präsidenten (Kapitel 12) ist ebenso Teil der Aufarbeitung wie die Vergaben nach dem Skandal (Kapitel 13). Es würde den Umfang der Arbeit bei weitem überschreiten, ähnliche Untersuchungen bei anderen Bewerbungsstädten durchzuführen.

Dennoch: In Kapitel 14 zeigt sie Mittel und Wege auf, IOC-Mitglieder in ihrem Stimmverhalten zu beeinflussen, und greift dabei auch auf vergangene Ereignisse zurück. Dabei soll deutlich werden, ob Fehlverhalten generell Methode hat oder es lediglich um Einzelfälle geht. Dass das IOC die PR-Agentur Hill & Knowlton beauftragte, ist in Kapitel 15 Gegenstand der Untersuchung. Auch die Aktualität kommt in der Arbeit nicht zu kurz wie schon der Bezug auf Leipzig und die Bewerbung für die Spiele 2012 (Kapitel 7) dokumentiert. Kapitel 16 stellt dann den aktuellen Fall Kim Un Yong mit all seinen Dimensionen vor. Der Gerichtsprozess von Salt Lake City, bei dem sich zwei Verantwortliche des Bewerbungs-/Organisationskomitees auf der Anklagebank wiederfanden, bildet den Abschluss der Chronologie der Ereignisse. Mit dem Urteil findet der Bestechungsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City quasi einen Schlusspunkt, da das IOC auf der anderen Seite schon Reformen eingeleitet hatte. Kapitel 18 soll aufzeigen, was von der Kritik am IOC zu halten ist. Die Wirkung der Reformen als Gegenstand der Diskussion und eigene Lösungsvorschläge kommen hinzu. Ergänzt und komplettiert wird der Schlussabschnitt durch das Fazit quo vadis, IOC?, eine kompakte Zusammenfassung, die aufzeigt, woran es beim IOC in der Vergangenheit haperte bzw. dies immer noch tut.

Einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt diese Arbeit nicht. Die Themenbereiche sind so zusammengefasst, dass eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang erfolgen kann. Der Untersuchungszeitraum der Arbeit bezieht sich primär auf die Entwicklung im IOC von Juni 1995 bis Mai 2004.

Inhaltsverzeichnis:

Danksagung I
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis II
Abkürzungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
2. Begriffserklärungen: Skandal, Korruption 4
3. Die Olympische Bewegung 6
4. Das Internationale Olympische Komitee 9
4.1 Organisation 9
4.2 Die Olympische Charta 10
4.3 Finanzierung 11
4.4 Die Session 12
4.5 Der Kongress 13
4.6 Der Präsident 13
4.7 Das Exekutivkomitee 15
4.8 Die Mitglieder 16
4.9 Die Kommissionen 19
4.10 Die Administration 20
5. Die Geschichte der Vergabe von Olympischen Spielen 21
6. Das Prozedere der Vergabe von Olympischen Spielen 29
7. Exkurs: Leipzig 2012 31
7.1 Der internationale Auswahlprozess 31
7.2 Pro und Kontra 32
8. Die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City 36
9. Die Olympischen Spiele von Salt Lake City 37
9.1 Die Stadt im Kurzprofil 37
9.2 Die Spiele 38
9.2.1 Der Paarlauf-Skandal 39
9.2.2 Der Doping-Skandal 39
10. Der Bestechungsskandal von Salt Lake City 41
10.1 Der Auslöser: ein Brief 41
10.2 Die Äußerungen Marc Hodlers 42
10.3 Die einzelnen Akteure 43
10.3.1 IOC 44
10.3.2 USOC 44
10.3.3 SLOC 45
10.3.4 Justizministerium, FBI und Zollbehörde 45
10.4 Das „geld“-Dokument 46
10.5 Die Berichte der IOC-Untersuchungskommission 47
10.6 Der USOC-Bericht. 49
10.7 Der SLOC-Bericht. 50
10.8 Namen und Zahlen. 51
11. Die Folgen des Bestechungsskandals. 56
11.1 Das Ausschlussverfahren der Mitglieder. 56
11.2 Das IOC-Reformpaket 59
11.2.1 Die Ethikkommssion 59
11.2.2 Die Reformkommission 61
11.3 Die wichtigsten Strukturänderungen. 61
11.3.1 Mitgliedschaft 62
11.3.2 Olympische Spiele 63
11.3.3 Kommunikation und Transparenz 64
11.3.4 Bewerbungsverfahren und Reiseverbot 66
11.3.5 Der Kampf gegen Doping und die WADA 67
11.4 Die Folgen für Salt Lake City. 68
11.5 Anhörungen im US-Kongress. 71
11.6 Der Skandal und die Rolle des SLOBC/SLOC. 72
12. Von Samaranch zu Rogge. 74
12.1 Die Ära Samaranch. 74
12.2 Die fünf Kandidaten für die Nachfolge. 76
12.3 Der Wahlmodus. 78
12.4 Die Wahl Rogges. 79
12.5 Die Person Rogge: Jacques, wer?. 80
13. Die Vergaben nach dem Skandal. 81
14. Bestechung hat Methode: in der Tendenz käuflich. 82
15. Die Rolle der IOC-Agentur Hill & Knowlton 87
16. Der Fall Kim Un Yong. 90
17. Alles hat ein Ende: der Prozess. 93
18. Systemkritik: über Sinn und Unsinn der Reformen. 96
19. Fazit: quo vadis, IOC? 100
20. Quellen- und Literaturverzeichnis 103
Anhang:
IOC-Mitgliederliste
Fragen an IOC-Mitglied Dr. Roland Baar
Selbstständigkeitserklärung

Automatisiert erstellter Textauszug:

The winner is... Salt Lake City. So hieß es bereits nach dem ersten Wahldurchgang von maximal drei möglichen. Die XIX. Olympischen Spiele gingen am 16. Juni 1995 auf der 104. Session im Budapester Kongress-Zentrum an die Stadt im USBundesstaat Utah. Salt Lake City (54 Stimmen) setzte sich mit absoluter Mehrheit bei 89 Stimmberechtigten gegen Sion (Schweiz), Östersund (Schweden – je 14) und Québec (Kanada, 7) durch. Von den 92 abgegebenen Stimmzetteln waren drei ungültig, einer davon wurde sogar blank zurückgegeben. Bereits im Vorfeld der Vergabe platzten die Träume von Graz (Österreich), Jaca (Spanien), Poprad (Slowakei), Sotschi (Russland) und Tarvisio (Italien). Eine IOC- [...]

7.2 Pro und Kontra Leipzigs Chancen und die seiner Konkurrenten sollen an dieser Stelle einmal genauer unter die Lupe genommen werden. Was für Leipzig spräche? Bislang gelang es keiner Stadt, drei Mal die Spiele auszurichten. Wieso sollte dieses Kunststück ausgerechnet Paris (1900 und 1924, Bewerbung zudem 1992) und London (1908 und 1948) gelingen? Die Bewerbung New Yorks – obwohl die Stadt sich noch nie beworben hat – kommt vielleicht ein bisschen zu früh, wenn das IOC am Konzept der Wanderspiele festhalten will, weil doch erst im Jahr 2002 (Salt Lake City) Olympische Spiele in den USA stattgefunden haben. Der gleiche Makel haftet dem spanischen Kandidaten Madrid (Bewerbung zudem 1972) an, der Barcelona 1992 im Nacken hat. Dass diese Argumentation der verfrühten [...]

Für die Vergabe der Olympischen Spiele 2006 wurde erstmals und einmalig ein Selection College9 gebildet, welches die Aufgabe hatte, aus den insgesamt sechs Bewerberstädten zwei Kandidaten für eine Kampfabstimmung herauszufiltern. Diesen Sprung schafften nur Turin und Sion. Zakopane, Klagenfurt, Poprad und Helsinki blieben auf der Strecke und werden deswegen auch in der Abbildung nicht aufgeführt. Bis ins Jahr 2010 sind die Spiele nun schon vergeben. Den Sommerspielen in Athen (2004) folgen die in Peking (2008). Turin ist der Austragungsort für die Winterspiele 2006, gefolgt von Vancouver (2010). Im Jahre 2005 – im Sinne der Vorlaufzeit von sieben Jahren – wird das IOC über einen Austragungsort für die Sommerspiele 2012 entscheiden. [...]

Arbeit zitieren:
Sitarek, Jens Mai 2004: Quo vadis, IOC? Der Korruptionsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele an Salt Lake City 2002 und die Folgen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Olympische Spiele, Nationales Olympisches Komitee, Leipzig 2012, Korruption, Hill & Knowlton

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