Quentin Tarantino - Zur Charakteristik der Erzählweise seiner Filme
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Sonja Neiß
- Abgabedatum: Juli 2004
- Umfang: 85 Seiten
- Dateigröße: 545,3 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 29
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9974-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9974-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9974-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Neiß, Sonja Juli 2004: Quentin Tarantino - Zur Charakteristik der Erzählweise seiner Filme, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Quentin Tarantino, Film, Kino, Gewaltparodie, Literaturwissenschaft
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Magisterarbeit von Sonja Neiß
Einleitung:
Der Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Schauspieler Quentin Tarantino wurde in den letzten Jahren durch seine Filme bekannt. In recht kurzer Zeit und mit einem sehr geringen Budget erstellte er zwei recht eigenwillige Filme, die hohes Lob bei der Kritik fanden. Diese Filme - Reservoir Dogs und Pulp Fiction - unterschieden sich deutlich von vielen der anderen Filme und Tarantino wurde als „Wunderkind“ hoch gelobt.
Als sein nächstes Regiewerk auf den Markt kam, eine Episode in dem Episodenfilm Four Rooms mit dem Titel: Der Mann aus Hollywood, wurden die hochgeschraubten Erwartungen der Kritiker enttäuscht. Die Episode war, wenn man den Kritiken glaubt, mittelmäßig, aber ganz gewiss nicht „tarantinoesk“. Es folgte ein weiterer Film bei dem Tarantino die Regie führte: Jackie Brown. Hier wurden ebenfalls Rufe der Enttäuschung laut: Tarantino hätte diesen Film besser machen können, sagt die Kritik. Das neuste Werk Tarantinos ist der Film Kill Bill, auch mit diesem Film scheint der Regisseur wiederum seine Kritiker zu enttäuschen.
Doch welcher Art auch die Kritiken waren, die sie erhielten, eines haben all diese Filme gemein: sie stammen von Quentin Tarantino. Neben seiner Arbeit als Regisseur, bzw. noch bevor er begann Regie zu führen, schrieb Quentin Tarantino Drehbücher. Diese Drehbücher wurden zum größten Teil verfilmt, einige von Tarantino selbst, die anderen von Oliver Stone (Natural Born Killers), Roger Avery (From Dusk Till Dawn) und Tony Scott (True Romance). Zusätzlich spielte Tarantino noch in einigen Filmen mit und auch als Produzent trat er in Erscheinung, doch dies sei nur am Rande bemerkt.
Relevant für diese Arbeit sind sowohl die Filme, bei denen Tarantino Regie führte, als auch die Drehbücher, die er schrieb, denn seine ganz eigene Art einen Film zu erzählen, findet bereits in seinen Drehbüchern Anwendung und wurde zum Teil auch von den umsetzenden Regisseuren übernommen oder in ähnlicher Form angewandt, so dass sich die Handschrift Tarantinos zum Teil auch in den Filmen anderer Regisseure wiederfindet.
Das jüngste Werk Quentin Tarantinos ist Kill Bill - ein Film, dessen erster Teil im Oktober 2003 in den Kinos anlief. Dieser Film kann innerhalb dieser Arbeit nur teilweise berücksichtigt werden, da vorerst nur der erste Teil erschienen ist und somit nur ein halber Film und ein ganzes Drehbuch zur Auswertung zur Verfügung stehen. Doch keinesfalls kann dieser Film unberücksichtigt bleiben, denn gerade er zeichnet sich als besonders charakteristisch für einen Quentin-Tarantino-Film aus.
Im Gegensatz dazu wird innerhalb dieser Arbeit die Episode Der Mann aus Hollywood außen vor gelassen werden, da durch ihre Kürze und Hintergrund diese Episode schlecht in eine Filmanalyse hineinpasst. - Es ist schlicht kein Film.
Gang der Untersuchung:
Um charakteristische Methoden einer Erzählweise innerhalb verschiedener Filme herauszuarbeiten, stehen sehr viele Möglichkeiten zur Verfügung. Da der Umfang einer solchen Arbeit begrenzt ist und die Geduld der Leser nicht überstrapaziert werden sollte, werden in dieser Arbeit nur einige der spezifischen Erzählweisen Tarantinos bearbeitet. Die Arbeit beschränkt sich somit auf die Analyse der Charaktere, zeitliche Abläufe und verschiedene filmspezifische Narrationsformen um Rahmen und Umfang des Textes nicht zu sprengen.
Die Filme Tarantinos gleichen sich innerhalb dieser o.g. Punkte in verschiedenem Maße, allerdings wird der Leser erkennen, dass innerhalb der Filme Tarantinos oftmals Entwicklungen dieser Methoden stattgefunden haben. Im Folgenden werden nun Tarantinos Methoden Filme zu gestalten und die Entwicklungen dieser Methoden aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| 1. | Tarantino:Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Produzent | 4 |
| 2. | Zeitliche Abläufe in den Filmen und Drehbüchern Tarantinos | 5 |
| 3. | Figuren | 12 |
| 3.1 | Pärchen - romantischer Tarantino? | 17 |
| 3.2 | Konstellationen | 18 |
| 3.3 | Entliehende Charaktere | 20 |
| 4. | Narration | 23 |
| 4.1 | Shock transitions | 23 |
| 4.2 | Dialoge und Monologe | 26 |
| 4.3 | Genreanleihen | 33 |
| 4.4 | Zitate | 39 |
| 4.5 | Gewalt und Blut | 41 |
| 4.6 | Humor | 45 |
| 4.7 | Spannung | 49 |
| 4.8 | Die Musik | 50 |
| 4.8.1 | Literaturverfilmung Jackie Brown | 53 |
| 4.9 | Anleihen an Theater und Roman | 54 |
| 4.10 | Titel | 56 |
| 4.11 | Filmtechnische Finessen | 58 |
| 4.11.1 | Die Kameraführung | 58 |
| 4.11.2 | Anordungen | 61 |
| 4.11.3 | Split screen | 65 |
| 4.11.4 | Spezielle Perspektiven - der subjektive Blickwinkel der Kamera | 66 |
| 4.11.5 | Formate | 67 |
| 4.11.6 | Visuelle Effekte | 68 |
| 4.11.7 | Die Tonspur | 69 |
| 4.12 | Räume | 71 |
| 5. | Zusammenfassung | 73 |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 84 |
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| 1. | Tarantino:Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Produzent | 4 |
| 2. | Zeitliche Abläufe in den Filmen und Drehbüchern Tarantinos | 5 |
| 3. | Figuren | 12 |
| 3.1 | Pärchen - romantischer Tarantino? | 17 |
| 3.2 | Konstellationen | 18 |
| 3.3 | Entliehende Charaktere | 20 |
| 4. | Narration | 23 |
| 4.1 | Shock transitions | 23 |
| 4.2 | Dialoge und Monologe | 26 |
| 4.3 | Genreanleihen | 33 |
| 4.4 | Zitate | 39 |
| 4.5 | Gewalt und Blut | 41 |
| 4.6 | Humor | 45 |
| 4.7 | Spannung | 49 |
| 4.8 | Die Musik | 50 |
| 4.8.1 | Literaturverfilmung Jackie Brown | 53 |
| 4.9 | Anleihen an Theater und Roman | 54 |
| 4.10 | Titel | 56 |
| 4.11 | Filmtechnische Finessen | 58 |
| 4.11.1 | Die Kameraführung | 58 |
| 4.11.2 | Anordungen | 61 |
| 4.11.3 | Split screen | 65 |
| 4.11.4 | Spezielle Perspektiven - der subjektive Blickwinkel der Kamera | 66 |
| 4.11.5 | Formate | 67 |
| 4.11.6 | Visuelle Effekte | 68 |
| 4.11.7 | Die Tonspur | 69 |
| 4.12 | Räume | 71 |
| 5. | Zusammenfassung | 73 |
| Literatur- und Quellenverzeichnis | 84 |
Textprobe:
Kapitel 4.11.3, Split screen: Ein anderes Stilmittel hat Tarantino erstmalig in dem Film Jackie Brown eingesetzt – die geteilte Leinwand. Zwei Szenen laufen gleichzeitig ab und werden ebenso auf der Leinwand wiedergegeben. Fischer kritisierte diesen technischen Kniff in Jackie Brown als „völlig überflüssig“, trotzdem setzte Tarantino, der sicherlich nicht Fischers Meinung war, die geteilte Leinwand („split screen“) auch in Kill Bill ein. In beiden Fällen dient diese Art der „Doppelszene“ zur Spannungssteigerung.
In Jackie Brown ist der Rezipient erst irritiert, weiß nicht so recht, was er mit der Szene „Max im Wagen“ anfangen soll, da er doch Jackies Schicksal verfolgt. Erst als Max vergeblich seine Waffe sucht und Jackie plötzlich eine Waffe auf Ordell richtet, wird der Zusammenhang deutlich. Durch diese Szene hat Tarantino nicht nur eine Spannung geschickt aufgebaut – denn bis zum letzten Augenblick war dem Rezipienten nicht bewusst, dass Jackie im Besitz einer Waffe war, sondern er hat auch einen Bogen geschlagen, der einerseits dem Zuschauer die Spannung erhält, anderseits aber auch der Enttäuschung vorbeugt.
Hätte es eine Szene zuvor gegeben in der Jackie die Waffe nimmt, wäre der Zuschauer informiert und hätte auf den genretypischen Ausgang der Szene gewartet. Hätte er diese Szene nicht gezeigt (und auch auf den Split-Screen verzichtet), so hätte der Rezipient das plötzliche Auftauchen der Waffe übelgenommen, da die Szene sich so auf banale, zufällige Weise gelöst hätte. Die Szene in Kill Bill erzeugt Spannung auf eine etwas andere Art.
Die beiden Szenen, die auf der geteilten Leinwand gezeigt werden, sind zum einen die Killerin, die durch den Krankenhausflur geht und zum anderen die komatöse „Braut“. Es wäre ebenso möglich gewesen, diese Szenen in abwechselnder Folge einzublenden, doch so verstärkt sich die Spannung in den Rezipienten. Jeder Zuschauer wartet gebannt darauf, dass „die Braut“ sich regt. Doch, wiederum charakteristisch für Tarantino, „die Braut“ regt sich nicht, selbst im letzten Augenblick bleibt sie immer noch in ihrem katatonischen Zustand, erst die telefonische Intervention von Bill rettet sie vor ihrem scheinbar unausweichlichen Schicksal. Wären diese Szenen auf andere Weise dargestellt worden, hätte sich die Spannung nicht in dem Maße aufbauen können, wie es durch den Split-Screen geschieht. Szenenwechsel in Folge hätte nicht den gleich starken Effekt und nur die Killerin oder nur „die Braut“ zu zeigen würde der ganzen Szene eine andere Grundintention verleihen.
Eine weitere Teilung der Leinwand – wenn auch nur für Sekunden – findet sich am Ende des Filmes Kill Bill Vol. 1. Als die Braut O-Ren herausfordert, hört man erst ihren Schrei, dann sieht man auf der einen Seite der Leinwand die Braut, auf der anderen Seite O-Ren: die potenziellen Duellanten im Augenblick der Herausforderung.
Foltersituation Butch und Marcellus. Auch hier ist keine Hoffnung auf Rettung gegeben – niemand weiß, wo sich die beiden Gegner befinden. Und doch gelingt es Butch, sich zu befreien und statt seinen Erzfeind seinem Schicksal zu überlassen, wie er es im ersten Moment vorhat, kehrt er um und hilft Marcellus zu entkommen. Innerhalb einer jeden Konfrontation zwischen einem hilflosen Opfer und seinem Peiniger setzt Tarantino einen Wendepunkt, aus einer scheinbar hoffnungslosen Situation gelingt es dem Opfer zu entkommen, allerdings niemals, ohne zuvor brachialer Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein. Fischer erkennt einen weiteren interessanten Gesichtspunkt, der sich anhand der Folterszenen ergibt: - Die Opfer werden aus der Anonymität hervorgeholt, sie erhalten ein Gesicht. Als Beispiel dafür führt er den Polizisten in Reservoir Dogs an, der nicht wie aus Gangsterfilmen gewohnt „getroffen wird und umfällt“ sondern eine eigene Szene für sich beansprucht120. Durch die ausgedehnte Beschäftigung des Peinigers mit dem Opfer, die meist auch mit psychischen Qualen einhergeht, kommt es zu Gesprächen, Reaktionen und Emotionen des jeweiligen Opfers, die dieses dem Zuschauer näher bringt. Fischer nennt es eine „Humanisierung der Figuren.121“ Keiner der Tarantinofilme ist gewaltfrei, doch innerhalb eines jeden Filmes setzt Tarantino die Gewalt derart ein, das sie die strukturelle Beschaffenheit des Filmes unterstreicht. Reservoir Dogs als heist-movie strahlt Härte und Brutalität aus, hier ist die Gewalt ein Mittel, diese Ausstrahlung zu unterstützen, bzw. hervorzurufen. Pulp Fiction hingegen trägt deutliche komödiantische Züge, hier ist die Gewalt so eingesetzt, dass die Szenen weder die Gefühle von Grauen oder Angst zum Rezipienten transportieren, sondern vielmehr zum Lachen reizen oder wenigstens zum Schmunzeln. Ebert hat Pulp Fiction wie folgt beschrieben: „The movie does contain certain scenes of sudden, brutal violence, as when Jules and Vince open fire in the apartment, or when Butch goes „medieval“ (....) on the leather guys. But Tarantino uses long shots, surprise, cutaways and the context of the dialogue to make the movie seem less violent than it has any right to.“122 Das gleiche Prinzip wendet Tarantino auch bei einigen Szenen in Kill Bill an, obwohl er bei diesem Film noch zusätzlich bei einigen Szenen parodistische Züge unter die Gewaltbilder legt, so zum Beispiel als ein Angreifer der „Braut“ im Martial-Arts-Stil eine Wand nahezu hinaufläuft – eine in der Realität unmögliche Bewegung - oder „die Braut“ einem Yakuza mit dem Schwert das [...]
einigen Jahren haben einige Thriller wie „Das Schweigen der Lämmer“117 oder „Sieben“118 dieses Schema unterlaufen, es gab keine Rettung für das jeweilige Opfer. Der Sinn dahinter wurde durch die Brutalität des Folterers und Mörders generiert – er wurde zum Gejagten, zu einem dämonischen Wesen, dessen habhaft zu werden elementar aber auch unglaublich schwer war, die Jagd stand im Mittelpunkt des Geschehens. Doch das ist nicht Tarantinos Intension. Als Mr. Blonde sich daran macht den Polizisten zu foltern, ist für diesen kein Retter auf dem Weg. Tarantino lässt den Zuschauer mit dem Schrecken allein, dass das Opfer unweigerlich seinem Peiniger ausgeliefert ist. Erstaunlich und wiederum wahrhaft „tarantinoesk“ ist dann, dass doch noch Hilfe kommt, von einer Seite, die bis zu dem Augenblick keinerlei Beachtung mehr fand. Fischer hat noch einen anderen Aspekt in diesen Foltersituationen erkannt, er schreibt: „Immer waren es gerade diese Szenen, die die Gemüter erregten und als Beispiel für selbstzweckhafte Gewalt oder gar Gewaltverherrlichung in Tarantinofilmen aufgeführt wurden. Der Grund dafür liegt in der profunden Verunsicherung, die daher rührt, dass man sich einerseits in so einer Situation automatisch mit dem Opfer identifiziert, andererseits die Folterer bei Tarantino – von Maynard und Zed vielleicht abgesehen – immer auch etwas irritierend Charismatisches an sich haben: ....“119. Diese Behauptung ist nicht unstrittig, denn mit Sicherheit sind es nicht nur Zed und Maynard, die aus dieser Gruppe der charismatischen Folterer herausfallen. Belegbar wiederum ist, dass jede dieser Foltersituationen mit einem überraschenden Wendepunkt ausgestattet ist, der nicht vorhersehbar war. In Reservoir Dogs wird Mr. Blonde überraschend erschossen, die Situation für das Opfer ändert sich – vorerst. Das der gequälte Polizist kurz darauf ganz nebenher von Nice Guy Eddy erschossen wird, ist ein erneuter Wendepunkt, es geschieht in dem Augenblick, in dem die Hoffnung auf Rettung des Opfers sich bei dem Zuschauer bereits etabliert hat. Das gleiche Verfahren wendet Tarantino bei dem Opfer Cliff im Drehbuch zu True Romance an – der ehemalige Polizist erkennt die ausweglose Position, in der er sich befindet. Seine „Rettung“ liegt bei ihm selbst, er schafft es über seinen Peiniger verbal zu triumphieren, was für ihn einen schnellen Tod und scheinbare Rettung für seinen Sohn bedeutet. Dass die Gangster ganz zufällig auf einen Zettel mit Clarance Adresse in Hollywood stoßen, lässt Cliffs Tod wiederum sinnlos werden. Alabama gelingt es ebenfalls sich aus der Situation der Folter zu befreien, sie überlebt und kann zusätzlich den Koffer mit Kokain retten, doch für ihre Gesamtsituation bedeutet es nur, dass nun sie Clarance verlieren wird und nicht umgekehrt. In Pulp Fiction trifft die extremste [...]
Menge. Es spritzt aus Hälsen, denen die Köpfe abgeschlagen wurden, aus Stümpfen abgeschlagener Gliedmaßen, aus Augen, aus Mündern, uvm.. Diese unglaublichen Blutströme erinnern an einen Splatterfilm, doch kann Kill Bill dieses Genre nicht für sich beanspruchen. Diese Dominanz des Blutes, die an einen Splatterfilm gemahnen lassen, hat Nagel auch schon in Reservoir Dogs festgestellt115, wenn auch dort sich das Blut weniger durch Menge als vielmehr durch farblichen Kontrast abhebt. Tarantino schreckt nicht davor zurück, Gewalt in Szene zu setzen. Eher das Gegenteil ist der Fall, Tarantino ist davon entzückt, Gewalt in Szene zu setzen. Gerade sein neuestes Werk Kill Bill, von ihm selbst ist das Drehbuch verfasst, ist ein Rachedrama, das zum Inhalt den Rachefeldzug einer Frau hat. Zwar wird in Rückblenden gezeigt, aus welchem Grund sie Rache nimmt und welcher Art die Personen sind, an denen sie Rache üben will, doch auch diese Szenen bestehen allein aus Gewalt und Blut. Selbst der Titel gibt schon Auskunft über den Plot: Kill Bill. Wenigstens im bekannten ersten Teil des Filmes – das Drehbuch für den zweiten Teil ist bekannt, doch ist nicht gesichert, dass die filmische Umsetzung identisch ist – gibt es nur eine Szene, jene in der „die Braut“ auf Hattori Hanzo trifft, in der ein positiver zwischenmenschlicher Kontakt stattfindet. Alle anderen Szenen handeln von Mord, versuchtem Mord, versuchter Vergewaltigung, erneutem Mord, etc. ... Tarantino genießt die Darstellung der Gewalt und lässt seine Zuschauer an seinem „Genuss“ teilhaben. Immer wieder kommen in seinen Filmen und Drehbüchern Szenen vor, in denen Personen ihren Folterern und Mördern hilflos ausgeliefert sind. Der Polizist, der in Reservoir Dogs an den Stuhl gefesselt ist; Cliff, in True Romance, der hilflos vor dem sizilianischen Auftragskiller sitzt; in Pulp Fiction Marcellus und Butch, die Zed und Maynard ausgeliefert sind – später dann die umgekehrte Konstellation - ; in Jackie Brown ist es Baumont im Kofferraum und in Kill Bill ist es Sofie Fatale, die vor Bill auf einem Stuhl sitzt116. Genussvoll lässt Tarantino diese Szene vor Augen und Ohren der Zuschauer ablaufen. In Reservoir Dogs wird dem Polizisten ein Ohr abgeschnitten, doch die Kamera schwenkt in diesem Moment fort, der Zuschauer hört nur die gedämpften Schreie des Opfers. Das Grauen entsteht somit nicht durch das, was der Zuschauer wirklich sieht, sondern durch die Unabänderlichkeit. Innerhalb von Thrillern ist eine solche Szene als Spannungsmoment aufgebaut, der Zuschauer, der sich mit dem Opfer identifiziert, wartet auf die Rettung in der letzten Minute. Schon vor [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832499747
Arbeit zitieren:
Neiß, Sonja Juli 2004: Quentin Tarantino - Zur Charakteristik der Erzählweise seiner Filme, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Quentin Tarantino, Film, Kino, Gewaltparodie, Literaturwissenschaft



