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Quantitative versus Qualitative Rechnungslegungsinformationen

Eine Untersuchung am Beispiel der Bilanzierung von Finanzinstrumenten

Quantitative versus Qualitative Rechnungslegungsinformationen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Julian Pöckel
  • Abgabedatum: Oktober 2005
  • Umfang: 110 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9394-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9394-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9394-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pöckel, Julian Oktober 2005: Quantitative versus Qualitative Rechnungslegungsinformationen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rechnungslegungstheorie, Kapitalmarkt, empirisch, Value Reporting, Lagebericht

Diplomarbeit von Julian Pöckel

Problemstellung:

Im Zuge der Umsetzung der Rechtsakte der Europäischen Union (EU) durch das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) erfolgte eine Anpassung des HGB u.a. in Bezug auf die Vorschriften zum Anhang und zum Lagebericht bzw. Konzernlagebericht. Hinsichtlich dieser Instrumente kommt es zur Umsetzung der Modernisierungs-Richtlinie sowie der Fair-Value-Richtlinie. Darüber hinaus wurde die Verordnung über die Anwendung der IAS damit in deutsches Recht umgesetzt. Hierbei kommt es durch die Umsetzung der Fair-Value-Richtlinie zu erweiterten Angabepflichten in Lagebericht und Anhang insbesondere hinsichtlich der Berichterstattung über die Verwendung von Finanzinstrumenten. Dabei werden im Lagebericht Angaben über das Finanzmanagement und über die Risiken aus Finanzinstrumenten (§ 289 Abs. 2 Nr. 2 HGB) sowie im Anhang eine umfassende Berichterstattung zu derivativen Finanzinstrumenten (§ 285 Satz 1 Nr. 18 und 19 HGB sowie § 285 Sätze 2-6 HGB) gefordert. U.a. soll hierbei über den beizulegenden Zeitwert (Fair Value) von Finanzinstrumenten berichtet werden.

Die IFRS sehen recht umfangreiche Vorschriften hinsichtlich des Ansatzes, der Bewertung und weiterer Angaben im Anhang vor. Hierbei sind grds. alle Finanzinstrumente in der Bilanz anzusetzen, wobei als das grundlegende Bewertungskonzept für diese Instrumente der beizulegende Zeitwert anzusehen ist. Dieser wird bei Finanzinstrumenten als informativer erachtet.

Die Vermittlung von entscheidungsrelevanten Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage an die Abschlussadressaten wird zur Zielsetzung von, gemäß den IFRS erstellten Abschlüssen gezählt. Im HGB hingegen hat der Jahresabschluss noch weitere Funktionen zu erfüllen, wie bspw. eine Anspruchsbemessungsfunktion. Die Orientierung an einer Informationsfunktion wird im HGB vielmehr anderen Abschlussinstrumenten wie dem Lagebericht zugesprochen. In diesem Zusammenhang wird von der Abkopplungsthese gesprochen. Die neuen und erweiterten Berichtspflichten etwa zu Finanzinstrumenten in Lagebericht und Anhang sind vor diesem Hintergrund zu sehen. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, ob erläuternde Informationen in Anhang oder Lagebericht („qualitativ“) grds. als Äquivalent zur Bilanzierung von Informationen („quantitativ“) angesehen werden können. In diesem Zusammenhang ist auf informationstheoretische Konzepte bzw. auf entsprechende empirische Untersuchungen zurück zu greifen. Darüber hinaus gilt es, die grundsätzliche Funktion erweiterter Publizität zu untersuchen. Es ist hierbei im Bereich der Unternehmenspublizität eine Weiterentwicklung zu einem Value Reporting zu beobachten. Diese Entwicklung vollzieht sich im Gleichklang mit der sich national und international zunehmend durchsetzenden Shareholder-Value Orientierung der Unternehmen bzw. der wachsenden Bedeutung von Kapitalmärkten.

Die hierbei zu beobachtenden Entwicklungen in der Rechnungslegung bzw. Publizität von Unternehmen i.Allg. zu beschreiben, deren Zweck bzw. Funktion vor dem Hintergrund entsprechender Theorien bzw. empirischer Studien zu untersuchen sowie eine gesonderte Betrachtung und Würdigung der entsprechenden Vorschriften zu Finanzinstrumenten zu unternehmen, setzt sich diese Arbeit zum Ziel.

Zusammenfassung:

Die traditionelle Rechnungslegung (Financial Accounting) ist im Zuge einer Veränderung zu einem umfassenderen Business Reporting, wobei letzt genanntes durch Elemente des Value Reporting ergänzt wird. Dabei werden unter Voraussetzung des Shareholder Value-Ansatzes Informationen berücksichtigt, welche zum Abbau von Informationsasymmetrien zwischen Investoren und der Geschäftsführung beitragen und erst genannter Gruppe eine Unternehmensbewertung erleichtern sollen. Zu diesen Informationen können u.a. Informationen zu beizulegenden Zeitwerten von Bilanzposten oder auch zur Risikostruktur gezählt werden.

Ausgehend von den konzeptionellen Grundlagen externer Rechnungslegung werden empirische Studien vorgestellt, welche bestimmte, für die Thematik als relevant eingestufte Fragestellungen der Rechnungslegung auf ihre empirische Relevanz überprüfen. Überprüft wird u.a.: (aa) Das Konzept der Informationseffizienz des Kapitalmarktes. Ergebnis: Obwohl viele Studien aus früheren Jahrzehnten dieses bestätigen, scheinen in letzter Zeit im Zuge der Entdeckung von Kapitalmarktanomalien Zweifel aufzukommen. (ab) Die Frage „Recognition versus Disclosure“. Ergebnis: Bei Gültigkeit der Effizienzthese sollte diese Frage bedeutungslos sein. Jedoch finden zahlreiche Studien Hinweise auf Wesentlichkeit dieser Frage. (b) Die Frage der Entscheidungs- bzw. Wertrelevanz von Angaben zu beizulegenden Zeitwerten zu Finanzinstrumenten. Ergebnis: Für aktive gehandelte Finanzinstrumente finden sich Hinweise auf größere Wertrelevanz als für entsprechende Buchwerte. (c) Die Frage des Nutzens erweiterter Offenlegung (Voluntary Disclosure). Ergebnis: Es kann gezeigt werden, dass erweiterte Offenlegung zum Abbau von Informationsasymmetrien beitragen und verschiedene positive Effekte für ein Unternehmen haben kann, etwa geringere Kapitalkosten.

Die IFRS-Vorschriften zu Finanzinstrumenten fordern eine weitgehende Bilanzierung zum beizulegenden Zeitwert, gerade in Anbetracht der jüngsten Verlautbarung zur Fair Value-Option. Dieses wirkt sich positiv auf die Vermittlung entscheidungs- bzw. wertrelevanter Informationen durch einen IFRS-Abschluss aus. Befürchtungen der Praxis werden durch erweiterte Erläuterungsvorschriften entkräftet. Zusätzlich werden Angaben zum beizulegenden Zeitwert von Finanzinstrumenten sowie zu dessen Herleitung verlangt. Das HGB verlangt nun Angaben zu beizulegenden Zeitwerten von Finanzinstrumenten, welche jedoch weniger umfangreich und detailliert ausfallen. In Anbetracht der Studien zur Frage „Recognition versus Disclosure“ bleibt eine äquivalente Wertschätzung durch Investoren offen. Darüber hinaus werden nach IFRS 7 umfangreiche Angaben zur Bedeutung sowie zu den Risiken von bzw. aus Finanzinstrumenten vorgeschrieben. Hierbei kann gleichfalls von einer Erhöhung der Wertrelevanz durch einen IFRS-Abschluss gesprochen werden. Das HGB bleibt hinter diesem Detaillierungsgrad zurück. Dennoch beinhalten dessen qualitative und quantitative Vorschriften zur allgemeinen zukünftigen Risikoeinschätzung im Lagebericht eindeutig wertrelevante Informationen. Das IASB scheint nun in naher Zukunft einen ähnlichen Jahresabschlussbestandteil vorzusehen.

Das IASB benennt im Standard IFRS 7 die Schwierigkeit, einen Ausgleich zu finden zwischen einer möglichen Überfrachtung eines Jahresabschlusses mit Detailinformationen und einer möglichen Nicht-Publikation relevanter Informationen. In der Tat wird auch aus der Praxis geäußert, dass durch die Komplexität von Teilbereichen in Jahresabschlüssen diese nicht mehr überschaubar, verständlich oder auszuwerten sind. Durch diese Ansicht und auch in Hinblick auf die benannten Entwicklungen beim MC stellt sich nach m.E. die Frage, ob die sog. Information Perspective nicht in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Weitere Untersuchungen zur Frage „Recognition versus Disclosure“, ggf. auch mit Blick auf kontinentaleuropäische Kapitalmärkte, sollten folgen. Jedenfalls erscheint nach m.E. ein zweistufiger Jahresabschluss mit eigenständigem Lagebericht oder MC weiterhin nützlich; und eine Moxter’sche Abkopplungsthese behält durchaus eine gewisse Aktualität.

Inhaltsverzeichnis:

1. Problemstellung 1
2. Entwicklung und Funktion von Rechnungslegung 2
2.1 Financial Accounting 2
2.2 Value Reporting 4
2.2.1 Begriffsabgrenzung und Einordnung 4
2.2.2 Hintergrund und Zielsetzung 6
2.2.3 Funktion und Anforderungen 8
2.2.4 Ausgestaltungsformen 12
2.3 Zwischenergebnisse 18
3. Analyse der Funktion und Aussagefähigkeit von Rechnungslegung 19
3.1 Konzeptionelle Grundlagen 19
3.1.1 Konzept der Kapitalmarkteffizienz 19
3.1.2 Asymmetrische Information 20
3.2 Untersuchung auf Kapitalmarkteffizienz 23
3.2.1 Studien zur Gültigkeit der Effizienzthese 23
3.2.2 Recognition versus Disclosure 26
3.3 Untersuchung auf Wertrelevanz 29
3.3.1 Definition und Kategorisierung 29
3.3.2 Beizulegender Zeitwert und Finanzinstrumente 31
3.4 Untersuchung auf Relevanz erweiterter Offenlegung 33
3.4.1 Kapitalmarkteffekte 33
3.4.2 Offenlegung und Kapitalkosten 37
3.4.2.1 Modelle 37
3.4.2.2 Evidenz 38
3.5 Zwischenergebnisse 40
4. Finanzinstrumente 42
4.1 Entwicklung und Begriff 42
4.2 Ansatz und Bewertung 44
4.2.1 Erstmalige Bilanzierung und Klassifizierung 44
4.2.2 Folgebewertung 48
4.3 Angaben 51
4.3.1 Bedeutung von Finanzinstrumenten 51
4.3.2 Risikoberichterstattung 56
4.3.2.1 Risiken aus Finanzinstrumenten 56
4.3.2.2 Allgemeine Darstellung der Risiken 60
4.4 Zwischenergebnisse 61
5. Thesenförmige Zusammenfassung 63
6. Anhang 65
Literaturverzeichnis 76
Verzeichnis der Standards und ähnlicher Verlautbarungen 95
Verzeichnis amtlicher Schriften 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

- 34 Geschäftsführung zu Art und Umfang der Unternehmenspublizität.220 In diesem Zusammenhang wird angenommen, dass selbst bei effizienten Kapitalmärkten Unternehmensinterne über einen Informationsvorteil ggü. dem Unternehmensumfeld bzw. den Kapitalmarktakteuren verfügen. Im Falle einer als gegeben angenommenen Unvollkommenheit von Wirtschaftsprüfung und Aufsichtsbehörden zur Rechnungslegung kommt es dabei zu gewissen Ermessensspielräumen der Unternehmensleitung hinsichtlich der Art und Weise sowie des Umfangs der Unternehmenspublizität. Es werden dabei verschiedene Hypothesen über die Faktoren, welche Auswirkungen auf die Entscheidungen zur Unternehmenspublizität haben, untersucht. Als relevant in diesem Zusammenhang lässt sich die sog. Capital Markets Transaction Hypothesis ansehen, welche sich auf die Auswirkungen auf den Kapitalmarkt von bestimmten zusätzlich bereit gestellten Informationen konzentriert.221 Die Hypothese lautet, dass die Unternehmensleitung durch Ausweitung der Unternehmenspublizität auf dem Kapitalmarkt verschiedene für sie positive Effekte erzielen kann, etwa eine Reduzierung ihrer Kapitalkosten.222 Dabei kommt es zu einer Verringerung der bestehenden Informationsasymmetrien zwischen Investoren und der Unternehmensleitung,223 was sich in verschiedenen Kapitalmarkteffekten niederschlägt:224 (aa) Erhöhte Aktienliquidität (Improved Stock Liquidity): Durch Verringerung der Informationsasymmetrien unter schlechter und besser informierten Investoren kommt es zu einem erhöhten Vertrauen dahin gehend, dass der Marktpreis des Eigenkapitals dem „wahren“ Unternehmenswert (fundamentaler, innerer Wert) entspricht und es somit zu fairen Transaktionen kommt. Als Folge kommt es zu einer erhöhten Liquidität.225 Dieses wiederum kann etwa zu einem Anstieg des Wertpapierpreises führen, indem Investoren größere Stückzahlen an Wertpapieren erwerben, als sie es ohne die zusätzliche Information täten.226 (ab) Darüber hinaus kann eine Verringerung der Spanne zwischen Geld- und Briefkurs (Bid-Ask-Spread) erfolgen und somit eine Reduzierung der Eigenkapitalkosten.227 Dabei wird die Hypothese aufgestellt, dass die Eigenkapitalkosten für Wertpapiere mit [...]

Zusammengefasst kommen diese Studien somit zu nicht einheitlichen Erkenntnissen: Beizulegende Zeitwerte von Finanzinstrumenten, die auf einem aktiven Markt gehandelt werden, wurden von allen Untersuchungen als wertrelevanter im Vergleich zu Buchwerten nachgewiesen. Dies bedeutet auch, dass sie zuverlässig genug gemessen werden können. Jedoch finden sich für nicht am Markt gehandelte Finanzinstrumente keine eindeutigen Erkenntnisse. Keine der Studien konnte hingegen die Wertrelevanz von unrealisierten Gewinnen bzw. Verlusten nachweisen. 3.4 Untersuchung auf Relevanz erweiterter Offenlegung 3.4.1 Kapitalmarkteffekte Ein weiterer Bereich der empirischen Kapitalmarktforschung betrifft die Wahlmöglichkeiten bzw. die Motivation von Unternehmensinternen bzw. der Geschäftsleitung hinsichtlich der externen Rechnungslegung. Die Voluntary Disclosure Literature bzw. die Forschung zur freiwilligen Unternehmenspublizität befasst sich hingegen mit den Entscheidungen der [...]

- 33 BEATTY/ CHAMBERLAIN/ MAGLIOB (1996), Event Study Begleitung der Diskussion um Einführung des SFAS 115. Danach Pflicht zur Bewertung von Investment Securities bei Banken/Versicherungen zum beizulegenden Zeitwert, jedoch erfolgsneutrale Erfassung von Wertänderungen. Untersuchung der Auswirkungen auf die Aktienkurse bei Veröffentlichung neuer Informationen zu dieser Diskussion. Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Anhangsangaben zum beizulegenden Zeitwert für Finanzinstrumente und Aktienkursen bei 300 US-Banken. Signifikant negative Kursreaktion für Banken bei gestiegener Wahrscheinlichkeit für Einführung des Standards. Signifikanter Kursrückgang für gestiegene Wahrscheinlichkeit für Einführung einer Aktiven-Bilanzierung zum beizulegenden Zeitwert (Asset-Only-Approaches). Für Wertpapiere (Securities), Kredite (Loans), langfristige Verbindlichkeiten sowie nicht bilanzierte derivative Finanzinstrumente wird Wertrelevanz nachgewiesen. Nachgewiesene Wertrelevanz nur für Wertpapiere; nicht jedoch für Kredite, Guthaben, langfristige Verbindlichkeiten und außerbilanzielle Finanzinstrumente. Beizulegende Zeitwerte sind lediglich für am Markt gehandelte Wertpapiere als wertrelevanter als Buchwerte anzusehen. Nicht am Markt gehandelte Wertpapiere werden jedoch als nicht wertrelevant angesehen. [...]

Arbeit zitieren:
Pöckel, Julian Oktober 2005: Quantitative versus Qualitative Rechnungslegungsinformationen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rechnungslegungstheorie, Kapitalmarkt, empirisch, Value Reporting, Lagebericht

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