Qualitätssicherung im Journalismus
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stephanie Schwiering
- Abgabedatum: Oktober 2001
- Umfang: 63 Seiten
- Dateigröße: 733,8 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4974-2
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4974-2 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4974-2 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schwiering, Stephanie Oktober 2001: Qualitätssicherung im Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Total Quality Management, redaktionelles Marketing
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Diplomarbeit von Stephanie Schwiering
Einleitung:
Die Qualität im Journalismus ist theoretisch wie praktisch eine Baustelle. Durch Skandale wie „der Fall Sebnitz“, frei erfundene Interviews in der Zeitschrift „Bunte“ und im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ werden vermehrt Stimmen laut, die an der Glaubwürdigkeit der Medien zweifeln. Laut Faulstich wird die Medienwirklichkeit „weitestgehend inszeniert, Themen immer wieder »lanciert« und Nachrichten fortlaufend »gemacht«, so dass bei diesem Spiel die dringende Notwendigkeit besteht, eine »moralische Bewertung«„ zu festigen. Langenbucher kritisiert den Trend zum „Verlautbarungsjournalismus“, also die kontinuierliche Abnahme eigener Recherchearbeit und die häufig ungeprüfte Übernahme von pressegerecht aufbereiteten Meldungen aus den PR-Abteilungen großer Unternehmen und Ministerien. Trotz dieser beunruhigenden Tendenzen zeigte sich der Journalismus lange Zeit mit dem Verweis auf die journalistische Freiheit sowie den hohen Produktionsdruck gegenüber Initiativen zur Qualitätssicherung resistent. Diese Abwehrreaktion lässt sich unter anderem auch durch das traditionelle Spannungsverhältnis zwischen kaufmännischer Leitung und Redaktion des Medienunternehmens erklären: „Redaktionen waren lange Zeit Enklaven ohne Managementkonzepte“. Mittlerweile scheint für die Qualitätssicherung im Journalismus aber die „Sensibilisierungsphase“ erreicht - erste Anzeichen deuten auf einen Veränderungsprozess hin. Um von einem Paradigmawechsel oder einer Konjunktur sprechen zu können, ist es allerdings noch zu früh. Zumindest lässt sich vielerorts eine Aufgeschlossenheit gegenüber Qualitätsinitiativen erkennen.
Eine thematische Eingrenzung ist aufgrund der Komplexität des Themas sinnvoll und notwendig. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über Qualität im Journalismus zu vermitteln sowie Möglichkeiten und Grenzen der Qualitätssicherung aufzuzeigen. Sowohl die journalistische Arbeit als auch ihre qualitative Sicherung unterscheiden sich in den einzelnen Mediengattungen Print, Radio, Fernsehen und Internet. Auf diese Differenzierung wird nur teilweise eingegangen. Eine detaillierte Untergliederung der einzelnen Medien nach journalistischer Qualität und deren Sicherungsmöglichkeiten kann im Rahmen dieser Arbeit nicht erfolgen. Neben den journalistischen Beiträgen beeinflussen Bildelemente, Layout und Tonqualität ebenfalls die Qualität des Journalismus in den einzelnen Medien. Der Einfluss der gestalterischen und technischen Seite soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden, wird allerdings nicht weiter ausgeführt. Dies gilt auch für die zunehmende Vermischung von Public Relations (PR) und Journalismus, die die glaubwürdige Berichterstattung der Medien negativ beeinflussen kann. Ebenso findet die Problematik der Ethik im Journalismus nur am Rande Erwähnung. Zu Grunde gelegte Untersuchungen und Befragungen haben ihren Ursprung in der Regel in Österreich, der Schweiz und in den USA, da sich diese Länder verstärkt und länger mit dem Thema auseinander setzen und die Bundesrepublik kaum empirische Analysen und Forschungsergebnisse vorweisen kann. Obwohl sich Untersuchungen von Medienmärkten verschiedener Länder grundsätzlich schwer miteinander vergleichen lassen, wird davon ausgegangen, dass die Qualität im Journalismus als immaterielles Gut in anderen Ländern ähnliche Strukturen aufweist und die Forschungsergebnisse auch auf den Journalismus in Deutschland übertragen werden können.
Gang der Untersuchung:
Nach einer kurzen Einleitung wird in Kapitel 2 ausführlich der Begriff der Qualität im Journalismus definiert. Dabei wird mit Hilfe des magischen Vielecks verdeutlicht, warum die Definition dieses Begriffes schwierig ist oder in anderen Worten „dem Versuch gleicht, einen Pudding an die Wand zu nageln“. Den Schwerpunkt stellen in Kapitel 2 die Faktoren dar, die die Qualität beeinflussen und deren Sicherung unterstützen. Die Möglichkeiten der Qualitätssicherung sind Bestandteil des dritten Kapitels. Eine kritische Würdigung der Qualitätsbewertung folgt in Kapitel 4. Die Chancen und Risiken, die Instrumente der Qualitätssicherung bieten, werden in Kapitel 5 erläutert. Abgeschlossen wird das Thema mit einer thesenartigen Zusammenfassung der Ergebnisse sowie Lösungsvorschlägen zur weiterführenden Qualitätssicherung in der journalistischen Praxis.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | INHALTSVERZEICHNIS | 1 |
| II. | ABBILDUNGSVERZEICHNIS | 2 |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 1.1 | THEMATISCHE EINGRENZUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT | 2 |
| 1.2 | AUFBAU DER ARBEIT | 2 |
| 2. | DER EINFLUSS DER GESELLSCHAFT UND DES MEDIENMARKTES AUF DIE QUALITÄT IM JOURNALISMUS | 3 |
| 2.1 | ZUM BEGRIFF DES QUALITATIVEN JOURNALISMUS | .3 |
| 2.2 | DAS MAGISCHE VIELECK | .5 |
| 2.3 | UNABHÄNGIGER JOURNALISMUS ALS GRUNDPFEILER EINER EMOKRATISCHEN STAATSFORM | 8 |
| 2.4 | WELCHE FAKTOREN BEEINFLUSSEN DIE QUALITÄT IM JOURNALISMUS UND DEN WUNSCH NACH IHRER SICHERUNG? | 9 |
| 2.4.1 | Rahmenbedingungen Medienmarkt | 10 |
| 2.4.2 | Technisierung | 12 |
| 2.4.3 | Kommerzialisierung | 13 |
| 2.4.4 | Kostenwettbewerb versus Qualitätswettbewerb | 15 |
| 3. | KONTINUIERLICHE SICHERUNG DER QUALITÄT WÄHREND DES JOURNALISTISCHEN PROZESSES | 16 |
| 3.1 | IM VORFELD DES JOURNALISTISCHEN PRODUKTIONSPROZESSES | 18 |
| 3.1.1 | Journalistenausbildung an der Hochschule | 19 |
| 3.1.2 | Das Volontariat | 20 |
| 3.2 | WÄHREND DES JOURNALISTISCHEN PRODUKTIONSPROZESSES | 20 |
| 3.2.1 | Themenwahl und Leserorientierung | 21 |
| 3.2.2 | Recherche | 22 |
| 3.2.3 | Schreiben und Redigieren | 24 |
| 3.3 | RÜCKKOPPLUNG/KORREKTUR | 27 |
| 3.3.1 | Interredaktionelle Rückkopplung | 27 |
| 3.3.2 | Zunftinterne Rückkopplung | .28 |
| 3.3.3 | Im Dialog mit Publikum | 30 |
| 3.3.4 | Zwischenfazit | 32 |
| 4. | KRITISCHE WÜRDIGUNG DER QUALITÄTSBEWERTUNG | 34 |
| 4.1 | LESERURTEIL | 35 |
| 4.2 | EXPERTENURTEIL | 37 |
| 4.3 | INDIREKTE INDIKATOREN | 38 |
| 5. | INSTRUMENTE DER QUALITÄTSSICHERUNG | 39 |
| 5.1 | REDAKTIONELLES MARKETING | 40 |
| 5.2 | QUALITÄTSMANAGEMENT | 42 |
| 5.3 | TOTAL QUALITY MANAGEMENT | 44 |
| 5.4 | MEDIENKRITIK | 45 |
| 6. | FAZIT | .47 |
| III. | LITERATURVERZEICHNIS | 1 |
| IV. | ANHANG | 6 |
elemente eingebaut wurden. Nachricht und Kommentar sind im Sinne der Transparenz sowie im Sinne der Leser zu trennen.102 Durch die objektiv ermittelte Zahl der Fehler ist ein Text in Bezug auf Grammatik und Orthographie relativ leicht qualitativ zu beurteilen. Alle anderen Kriterien, Aufbau des Artikels, Originalität und Kreativität sowie die Vermittlung des Sachverhalts können vom Leser dagegen ausschließlich subjektiv beurteilt werden. Allerdings hat die Sprachwissenschaft in der Vergangenheit linguistische Kriterien generieren können, beispielsweise für die Verständlichkeit eines Beitrags.103 Für journalistische Arbeiten spielen dabei eine Rolle: die Ebene des Wortschatzes, die Ebene des Satzaufbaus und die Ebene des Textaufbaus. 104 Die Verständlichkeit eines Textes aus Sicht der Leser ist zudem abhängig von: der Sprachkompetenz (z.B. lexikalisches und grammatisches Wissen, Textmusterwissen), dem Weltwissen, dem Expertenwissen und den Lesegewohnheiten der Rezipienten.105 Nach Fertigstellung sollten die Beiträge der Journalisten gegengelesen werden. „Das Gegenlesen ist die vielleicht älteste, jedenfalls aber unmittelbar wirksamste Qualitätskontrolle. Ausnahmslos jedes Wort, das in der Zeitung erscheinen soll, muss gegengelesen sein. Der Gegenleser muss vor Textänderungen den Verfasser hören, aber er hat stets das letzte Wort“.106 Ob in der Praxis tatsächlich jeder Beitrag gegengelesen wird, kann aufgrund einer Untersuchung von Wetzenbacher in Frage gestellt werden. [...]
Durch diese Ausweitung der Arbeitsinhalte wird die Recherche in manchen Redaktionen zum „journalistischen Mythos“96. Die multimediale Verwertung, so der Vorwurf vom Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten Verbandes Dr. Siegfried Weischenberg, habe aus Sicht des Verlagsmanagements einen höheren Stellenwert als das „Erhellen von Zusammenhängen und deren Bewertung“97. Dementsprechend vertritt RußMohl die These, dass man den „[...] allzu fixen Jungs mehr auf die Finger sehen sollte, all jenen Journalisten nämlich, die immer schon munter drauflos reden und schreiben, während die Nachdenklicheren noch reflektieren und die Gründlicheren noch recherchieren.“98 In der Praxis wird die Informationsbeschaffung, das Verifizieren und Falsifizieren in der Regel von den Journalisten selbst übernommen, die sich auf ihre handwerklichen Fähigkeiten verlassen. Zu diesen zählen bei einer gründlichen Recherche unter anderem das Beantworten der W-Fragen (wer, wie, wo, was, warum), aber auch die Quellenprüfung, Quellenkritik und Gegenrecherche.99 Zeitschriften wie Geo, Stern und Spiegel lassen alle Tatsachenbehauptungen vor dem Erscheinen von der Dokumentation verifizieren und größtenteils von Experten gegenlesen. Damit durchlaufen diese Artikel automatisch eine erste Qualitätssicherung. Bei tagesaktuellem Journalismus ist diese Rücksicherung allerdings schon aus Zeitgründen kaum möglich.100 3.2.3 Schreiben und Redigieren Im Journalismus ist jede stilistische Form erlaubt, nur nicht die langweilige.101 Um einen qualitativen journalistischen Beitrag zu erstellen, ist die Wahl der Stilform von entscheidender Bedeutung. Ein Kommentar, der weder polarisiert, noch die Meinung des Journalisten verdeutlicht, hat ebenso sein Ziel verfehlt, wie die Reportage, in der keine lebendigen Stil [...]
Journalisten kritisieren nicht erst seit Skandalen, wie dem Fall Sebnitz, den geringen Stellenwert, den die Recherchearbeit offensichtlich im Redaktionsalltag einnimmt. Leif bezeichnet die Recherchearbeit daher metaphernhaft als „Orchideen-Disziplin“91 und deutet damit an, dass es sich um ein „Hobby“ einiger weniger Journalisten mit Geduld und Beharrlichkeit handelt. Dabei hat die Recherche seines Erachtens die wichtige Aufgabe „Stützpfeiler eines aufklärenden Journalismus“ zu sein, „der seine Hauptaufgabe darin sieht, (unkontrollierte) Macht unter Legitimationsdruck zu setzen.“92 Eine Befragung93 im Jahre 1991 von Redakteuren und Redakteurinnen aus 27 Redaktionen durch die Freie Universität Berlin ergab, dass nicht einmal ein Fünftel der täglichen Arbeitszeit in die Recherche investiert wird. Da das Konkurrenzfeld durch die elektronischen Medien noch enger geworden ist, können die Ergebnisse der Studie auch noch verstärkter auf die heutige Zeit übertragen werden. Dementsprechend resümiert der Dortmunder Journalistik-Professor Horst Pöttker in einer Anhörung des Deutschen Presserates zum Thema „Sorgfaltspflichten als Bestandteil der Qualität journalistischer Arbeit“ in Bonn, die Verleger betrachteten die Recherche „überwiegend als Kostenfaktor im ökonomischen Kalkül.“94 Gleichzeitig warnt er, dass sich schlecht recherchierte Berichterstattung langfristig negativ auf die ökonomische Situation der Medienunternehmen auswirke, da die Vertrauensbasis zur Leserschaft und zur werbetreibenden Industrie nachhaltig erschüttert würde. Die Konkurrenzsituation durch die elektronischen Medien, die im Gegensatz zu Printobjekten jederzeit aktualisiert werden können und müssen, sieht der leitende Redakteur der Süddeutschen Zeitung Hans Leyendecker, als zusätzliches Hemmnis einer zeitaufwendigen Recherche. Zudem würden Journalisten von den Verlagshäusern auch immer stärker als „Redaktroniker“95 angesehen, die zusätzlich zum alltäglichen Arbeitsablauf auch die technische Seite der Medienprodukterstellung beherrschen müssen. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832449742
Arbeit zitieren:
Schwiering, Stephanie Oktober 2001: Qualitätssicherung im Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag
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Total Quality Management, redaktionelles Marketing



