Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Qualitätsmanagement in Kindertagesstätten als pädagogische Herausforderung

Qualitätsmanagement in Kindertagesstätten als pädagogische Herausforderung
Über dieses Buch

Diplomarbeit von Iris Jauert

Einleitung:

Die Kindertagesbetreuung in Deutschland für Kinder im Alter von 3 Jahren bis zum Schulbeginn steht mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz erneut an einem Schnittpunkt. Die Frage nach qualitativen Aspekten der Betreuung scheint in den Hintergrund gerückt zu sein. Dies kann jedoch nur für die öffentliche Aufmerksamkeit gelten, die sich hauptsächlich mit der Quantität, der Anzahl der Kindergartenplätze und deren Finanzierung, beschäftigt. „Für die Beteiligten, wie Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Fachpersonal steht jedoch die Qualität der Betreuung im Vordergrund. Die Vorstellungen der Eltern über die Erziehung ihrer Kinder in den Einrichtungen haben sich in den letzten Jahren präzisiert, ihre Ansprüche an die Arbeit der Kindertagesstätte sind gestiegen und sie fordern bestimmte Qualitätsstandards ein“. Es geht nicht ausschließlich darum, die Betreuung der Kinder zu gewährleisten, sondern vielmehr den gesetzlichen Auftrag der Kindertagesstätten nach § 22 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, die Erziehung und Bildung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit, umzusetzen.

Die bisher gültigen Qualitätsstandards der Reformprozesse aus den 70er Jahren und der Wiedervereinigung müssen weiterentwickelt werden, um dem gesellschaftlichen Interesse, der Bildung des Humanvermögens, Rechnung zu tragen. Im 5. Familienbericht der Bundesregierung wird der öffentlichen Kindererziehung ein wichtiger Stellenwert eingeräumt. Veränderte Lebensweisen, die Zunahme unterschiedlicher Familienformen und die Konfrontation mit neuen Technologien und Medien greifen in die Lebenswelt der Kinder und Familien ein. Kindertagesstätten werden in zunehmendem Maße zu Einrichtungen zukunftsweisender Pädagogik. Mit der Vielschichtigkeit der Perspektiven, aus denen Kinderbetreuung gesehen werden kann und mit den Dimensionen, die dabei zu berücksichtigen sind, ist es notwendig, Qualitätsstandards zu formulieren, die sich auch ökonomischen Fragestellungen nähern. Die gegenwärtigen Reformprozesse öffentlicher Verwaltungen, die neue, ungewohnte Terminologie machen auch vor den Kindertagesstätten nicht halt. Eine Auseinandersetzung mit dem Instrumentarium des Qualitätsmanagements ist unumgänglich. Der Einsatz moderner Managementmethoden als Ergänzung zur pädagogischen Arbeit bietet die Chance, diese in den Vordergrund zu stellen. Ziel der Qualitätsdebatte ist es, dafür Sorge zu tragen, daß die unterschiedlichen Interessen und Ansprüche von Kindern, Eltern, Fachkräften und Trägern in angemessener Weise zum Tragen kommen und die Qualität der Arbeit weiterentwickelt, gesichert und bewertet wird.

Im Rahmen meiner fast 30-jährigen Tätigkeit als Erzieherin und nunmehr 12jährigen Funktion als Leiterin einer Kindertagesstätte wurde ich in den vergangenen Jahren immer häufiger mit Begriffen des Qualitätsmanagements konfrontiert. Die aus der Qualitätsdebatte resultierende Unsicherheit bei Kolleginnen, die Anforderungen des Trägers der Kindertagesstätte und die Erwartungen der Elternschaft machen die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik erforderlich. Durch die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion der Qualität in Kindertagesstätten erfährt die Elementarpädagogik zur Zeit eine Aufwertung, die meines Erachtens längst überfällig ist.

Die Bereitschaft und das Interesse an einer qualitativen Verbesserung der pädagogischen Arbeit kann Standards entwickeln, die der pädagogischen Profession von Erzieherinnen, Beraterinnen und Verwaltungsangestellten eine fundierte Grundlage gibt, auf der alle gemeinsam arbeiten können. Die Präzision der Qualität in Kindertagesstätten und deren Bewertbarkeit durch anwendbare Instrumente könnte in Zukunft für die Erzieherinnen zu ihrem beruflichen Selbstverständnis und Ansehen der Kindertagesbetreuung in der Gesellschaft beitragen, indem es ihnen die Möglichkeit der Selbstevaluation einräumt. Gleichzeitig könnte die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Erzieherinnenteam, Beratenden und Trägern im Interesse der Kinder auf eine solide Basis gestellt werden.

In meiner beruflichen Tätigkeit habe ich bereits Ansätze zur Umsetzung eines Qualitätsmanagements mit Kolleginnen der kommunalen Kindertagesstätten im Landkreis Kassel erprobt. Diese werden kritisch diskutiert und weiterentwickelt werden.

Gang der Untersuchung:

Im ersten Teil dieser Arbeit konzentriere ich mich auf die Lebenssituationen von Kindern und deren Familien und auf die Bedingungen für die Betreuung in Kindertagesstätten.

Veränderte Familienstrukturen, wie z.B. Ein-Eltern-Familien, Ein-Kind-Familien, Wechsel der Lebenspartner und Bezugspersonen haben auch die Kindheit, das Kindsein verändert. Durch Erwerbstätigkeit beider Elternteile findet Erziehung für einen Teil des Tages in Institutionen statt. Kindertagesstätten haben einen wichtigen Anteil an der Sozialisation von Kindern und müssen familienunterstützende Aufgaben erfüllen. Dies stellt neue Anforderungen an die Kindertagesbetreuung.

Unter Punkt 3 werde ich den Qualitätsbegriff in der Kindertagesbetreuung erläutern, die Grundlagen und die Bedingungen, die für den Begriff Qualität stehen. Die Qualität in Kindertagesstätten ist vielschichtig, sie hat unterschiedliche Aspekte und Sichtweisen.

In Abschnitt 4 wird insbesondere die Anwendbarkeit betriebswirtschaftlicher Instrumente und der Ökonomie in der Kindertagesbetreuung beschrieben. Kindertagesstätten als wirtschaftliche Unternehmen zu betrachten, ohne die Besonderheit ihres öffentlichen Auftrages aus dem Auge zu verlieren, dürfte aufgrund des erheblichen Kostendrucks öffentlicher Haushalte an Bedeutung gewinnen. Die Qualität der Leistungserfüllung wird zu bewerten sein, um sie mit den aufgewandten Kosten in Beziehung setzen zu können.

Ein Schwerpunkt der Arbeit beinhaltet im 5. Abschnitt die Zielfindung und die Qualitätskriterien einer Kindertagesstätte. In diesem Kapitel sollen umfassend die Aufgaben und Ziele der Kindergärten beschrieben werden, da es meines Erachtens bei Fachkräften große Unsicherheiten gibt, diese zu benennen. Weiterhin beinhaltet dieser Abschnitt die theoretischen Grundlagen zur Umsetzung eines Qualitätsmanagements in Kindertagesstätten. Es soll kein „roter Faden“ einer einzelnen Methode aufgezeigt werden, sondern die Bandbreite des Möglichen und praxisrelevante Vorgehensweisen beleuchtet werden. Das, was unter dem Begriff Qualitätsmanagement leistbar ist, ist weitaus umfangreicher, als in dieser Arbeit dargestellt werden kann.

Im 6. Abschnitt dieser Arbeit werden allgemeine Möglichkeiten der Beurteilung und Bewertbarkeit pädagogischer Arbeit beschrieben, auf ein für Deutschland adaptiertes Verfahren wird jedoch näher eingegangen, da es zur Zeit von den Fachkräften offensiv diskutiert wird. Der letzte Teil der Arbeit beschreibt meine persönlichen Erfahrungen zu Ansätzen eines Qualitätsmanagements in Kindergärten des Landkreises Kassel und beinhaltet die Selbsteinschätzung der pädagogischen Qualität mit Hilfe eines von mir entwickelten Fragebogens durch Leiterinnen und Erzieherinnen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 5
2. VERÄNDERUNGEN DER LEBENSSITUATION VON KINDERN UND NEUE ANFORDERUNGEN AN DIE KINDERTAGESSTÄTTEN 9
2.1 Familie heute 9
2.1.1 Rollenveränderungen und Entstehung unterschiedlicher Familienstrukturen 10
2.1.2 Wertewandel und Wertepluralismus 12
2.2 Zusammenfassung 13
3. DER QUALITÄTSBEGRIFF 14
3.1 Der Qualitätsbegriff in der Forschung 16
3.2 Definition von Qualität in der Kindertagesbetreuung 19
3.3 Grundlagen zur Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung 21
3.4 Angebot und Bedarf an Kindergartenplätzen und die Bedingungen für Quantität und Qualität 23
4. DIE KINDERTAGESSTÄTTE ALS DIENSTLEISTUNGSUNTERNEHMEN? 24
4.1 Die Ökonomie des Sozialen und der Pädagogik 30
4.2 Verwaltungsreform - Neue Steuerung - DIN EN ISO 9000 ff und die Kindertagesstätte 33
4.3 Kosten- und Leistungsrechnung in der Kindertagesstätte - Möglichkeiten betriebswirtschaftlicher Instrumente 37
4.4 Zusammenfassung 41
Kabarettistische Anmerkung: „Auch das noch: Der Kunde ist König“ 43
5. DIE UMSETZUNG EINES QUALITÄTSMANAGEMENTS IN KINDERTAGESSTÄTTEN 45
5.1 Zielfindung im europäischen Vergleich 47
5.2 Qualitätskriterien in der Kindertagesstätte 53
5.3 Aufgaben und Entwicklung eines Qualitätsmanagements 58
5.4 Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle 63
5.5 Zusammenfassung 66
6. MÖGLICHKEITEN DER BEURTEILUNG VON QUALITÄT IN KINDERTAGESSTÄTTEN 68
6.1 Untersuchung zur Meßbarkeit pädagogischer Qualität 69
6.2 Die ECERS - Early Childhood Environment Rating Scale Deutsche Fassung KES Kindergarten-Einschätz-Skala 70
7. ANSÄTZE EINES QUALITÄTSMANAGEMENTS IN DER PRAKTISCHEN UMSETZUNG AM BEISPIEL KOMMUNALER KINDERTAGESSTÄTTEN IM LANDKREIS KASSEL 72
7.1 Strukturqualität 74
7.2 Prozeßqualität 75
7.3 Einschätzung der pädagogischen Qualität mit Hilfe eines Fragebogens durch Leiterinnen und Erzieherinnen 77
8. RESÜMEE 81
LITERATURVERZEICHNIS 83
TABELLENVERZEICHNIS 89
ANLAGENÜBERSICHT 90

Automatisiert erstellter Textauszug:

8. Eltern und Gemeinwesen In den Einrichtungen wird eine Vielfalt von Elternarbeit ersichtlich, die die Länder mit unterschiedlichen Angeboten anerkennen. In einigen Ländern sind die Eltern formell in Verwaltung oder Bezirksebene vertreten (z.B. Niederlande), in anderen Ländern wie z.B. in Großbritannien sind es nachbarschaftliche Tagesstätten. In Deutschland gibt es eine enge Vernetzung zu anderen erzieherischen, sozialen oder sonstigen öffentlichen Einrichtungen. Wie verschieden diese Angebote auch sind, sie gehören in ein übergeordnetes System. Ebenso tragen sie zur umfassenden Planung und zur politischen Gestaltung bei. Ziele, die hier empfohlen werden, sind: die Einrichtungen sollen formelle und informelle Beziehungen zum Gemeinwesen unterhalten wie zu Kommunen oder Bezirken. Die Eltern sind in Kindergärten Kooperationspartnerinnen und –partner. Sie haben ein Recht auf Informationen. In den Einrichtungen sollen Entscheidungen vollkommen partizipatorisch sein. [...]

den Personalschlüsseln die Frage sein, ob die Umgebung den pädagogischen Zielen, der Gesundheit und den Sicherheitsanforderungen gerecht wird. Einige Länder wie z.B. Italien und Dänemark haben erkannt, daß pädagogische Ziele die Umgebung der Kinder bestimmen sollen. Nach deren Meinung formt die Gestaltung mit Licht, Raum und Farbe die Aktivitäten, die in diesem Umfeld stattfinden und sich entfalten können. Auch in Deutschland ist dieser Trend erfreulicherweise zu beobachten (die Stadt Frankfurt a.M. baute 1995 ein Märchenschloß als Kindergarten). Das Netzwerk Kinderbetreuung formuliert Ziele wie: alle Einrichtungen sollen nationalen und lokalen Gesundheits- und Sicherheitsansprüchen genügen, die pädagogische Philosophie soll sich in der Gesamtplanung innen und außen widerspiegeln, auch den Bedürfnissen von Eltern und Personal soll Rechnung getragen werden. Es soll in der Einrichtung eine Möglichkeit gegeben sein, angemessenes Essen kulturell und ernährungsphysiologisch zuzubereiten. [...]

gruppen, Teilzeit- oder Ganztagsplätze handelt, dies kann alles dazu beitragen, wie der Personal-Kinder-Schlüssel bestimmt wird. Das Ziel aller personalen Auflagen ist es, eine Umgebung zu schaffen, die die Beziehungen qualitativ verbessert. Die Arbeitsbeziehungen zwischen den Beschäftigten, wie sie sich gegenseitig unterstützen und miteinander kooperieren, gelten in einigen Ländern wie in Deutschland als zentral wichtig, um gute Beziehungen zu den Kindern aufzubauen. Es ist sehr wichtig, allen Mitarbeiterinnen ein gewisses Maß an Zeit für die Teamentwicklung einzuräumen. Gleichzeitig gibt es viele Aufgaben, die nicht direkt mit Erziehung und Betreuung der Kinder zu tun haben. Folgende Ziele werden vorgeschlagen: Personalschlüssel für Gruppenbetreuung soll die Ziele der Einrichtung und ihren Gesamtkontext widerspiegeln, sowie direkt mit dem Alter der Kinder und der Gruppengröße verknüpft sein. Mindestens ein Zehntel der wöchentlichen Arbeitszeit soll ohne Kontakt zu Kindern vorbehalten werden zur Vorbereitung und Weiterbildung. Ersatzkräfte sollen verfügbar sein, um die Personalschlüssel aufrecht zu erhalten. [...]

Arbeit zitieren:
Jauert, Iris September 2000: Qualitätsmanagement in Kindertagesstätten als pädagogische Herausforderung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kosten- und Leistungsrechnung, Meßbarkeit pädagogischer Qualität, Methoden des Qualitätsmanagements, Pädagogische Qualität im europäischen Vergleich, QM

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren