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Qualität steigern, Kosten senken - mit klinischen Pfaden die (DRG-) Situation im Krankenhaus verbessern

Qualität steigern, Kosten senken - mit klinischen Pfaden die (DRG-) Situation im Krankenhaus verbessern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jörg Blecher
  • Abgabedatum: November 2002
  • Umfang: 60 Seiten
  • Dateigröße: 439,5 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Gießen-Friedberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6293-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6293-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6293-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Blecher, Jörg November 2002: Qualität steigern, Kosten senken - mit klinischen Pfaden die (DRG-) Situation im Krankenhaus verbessern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Clinical Pathways, Prozesskostenrechnung, Leitlinien, Qualitätmanagement

Diplomarbeit von Jörg Blecher

Einleitung:

Das Gesundheitswesen in Deutschland unterliegt derzeit einem grundlegenden Wandel. Ausgelöst und aufrechterhalten wird dieser Prozess durch die Mittelknappheit im Gesetzlichen Krankenversicherungssystem, unter anderem aufgrund der Veränderungen der Demographie und der Innovation in der Medizin. Unter der so entstandenen Knappheit wächst der Druck zur Ausschöpfung von Rationalisierungseffekten auf Seiten der Leistungserbringer. Speziell für die Krankenhäuser ergibt sich die Notwendigkeit, über Qualität, Leistung und Preis Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen, um dem steigenden Konkurrenzdruck standhalten zu können.

Durch die Einführung des neuen leistungsorientierten und pauschalierenden Vergütungssystems auf Grundlage der Diagnosis Related Groups (DRG), sehen sich die Krankenhäuser großen Herausforderungen gegenüber. Das DRG-System wird einen tief greifenden Veränderungsprozess auslösen. Nahezu alle Krankenhäuser werden ihre bisherigen Strukturen und Behandlungsabläufe überprüfen und gegebenenfalls neu strukturieren.

Das Arbeiten im Krankenhaus wird sich inhaltlich, organisatorisch und auch vom Selbstverständnis her verändern, wenn die vormals karitativen Einrichtungen zunehmend nach unternehmerischen Gesichtspunkten geführt werden sollen.

Nach Abschluss der Konvergenzphase zur Einführung der pauschalierten Vergütung im Jahr 2007 muss ein Krankenhaus seine historisch gewachsenen internen Strukturen soweit angepasst haben, dass es mit den dann geltenden einheitlichen Vergütungen kostendeckend wirtschaften kann. Die klinikinternen Abläufe müssen so gestaltet werden, dass sie einen kurzen, reibungslosen Aufenthalt der Patienten, aber auch eine Hinwendung zum Patienten und die Befriedigung seiner sozialen und kommunikativen Bedürfnisse ermöglichen können.

Expliziter Grundsatz der Arbeit im Krankenhaus muss sein, alles auf die Interessen des Patienten auszurichten, ihn kostengünstig und gleichwohl medizinisch optimal zu versorgen sowie eine hohe Kundenzufriedenheit zu erreichen. Die Verwirklichung dieser Ziele setzt qualifiziertes Personal, effiziente Behandlungsabläufe und einen rationalen Mitteleinsatz voraus. Nur so kann eine hohe Produktivität erreicht werden.

Es wäre falsch passende Lösungsansätze nur auf der Erlösseite, also aufseiten der zu erwarteten Zahlungen durch die Kostenträger zu suchen. Der Fokus sollte sich auf die entstehenden Kosten, also auf die Größe, die die Krankenhäuser wirklich beeinflusst. Ursache für die hohen Kosten ist ein über lange Jahre hinweg nicht genügend ausgeprägtes Kostenbewusstsein innerhalb der Ärzteschaft.

Problemstellung:

In der gegenwärtigen Situation ist eine der wichtigsten Aufgaben der Krankenhäuser eine sehr gute Abbildung der Krankenhausleistungen im DRG-System zu gewährleisten. Dieses kann mit Hilfe einer lückenlosen Kodierung aller Diagnosen und Prozeduren, sowie einem leistungsstarken Krankenhausinformationssystem gelingen. Allerdings können die Erlöse nicht endlos durch bessere Kodierung gesteigert werden. Auch lassen sich mit der Steigerung der Kodierqualität Prozessprobleme nicht beseitigen. Im Gegenteil: Durch den Einsatz von Ärzten und Pflegepersonal zur aufwendigen Kodierung kann wichtige Zeit fehlen, um die Optimierung der Prozessabläufe in der medizinischen Behandlung voranzutreiben. Statt der geplanten Optimierung kann es so zu willkürlichen, planlosen Rationalisierungen kommen.

Neue Methoden, zu denen - zumindest in Deutschland - klinische Pfade und der Einsatz von nichtärztlichen Kodierfachkräften zählen, müssen sich daran messen lassen, wie sie in diese neue Sichtweise des Krankenhauses integriert werden können und die notwendigen Veränderungen unterstützen.

Während sich die ersten nichtärztlichen Kodierfachkräfte bereits in einigen wenigen Krankenhäusern im Einsatz befinden und es so den Ärzten und Pflegepersonal ermöglichen sich wieder mehr ihren originären Aufgaben in der Patientenbehandlung widmen zu können, werden klinische Pfade in deutschen Krankenhäusern als eine Art „Kulturrevolution“ verstanden, da sie die patientenbezogenen Abläufe grundlegend verändern und dadurch helfen die Qualität zu steigern und zugleich die Kosten zu senken. Ärzte, Pflegepersonal sowie andere am Behandlungsablauf beteiligte Berufsgruppen können anfallende Kosten durch den Gebrauch von klinischen Pfaden managen.

Durch die Optimierung von Behandlungsabläufen mit den sich damit bedingenden Teilprozessen von der Aufnahme bis zur Entlassung wird es möglich sein, sowohl die Vorgänge als auch die verursachungsgerechten Kosten transparent darzustellen. Eine Prozesskostenrechnung kann eine sinnvolle und nützliche Ergänzung der klinischen Pfade darstellen.

Die Einführung des DRG-Systems erzwingt eine Standardisierung von Behandlungsabläufen, um Leistungen dauerhaft wirtschaftlich erbringen zu können. Sowohl für die interne Steuerung als auch für die Transparenz nach außen müssen dringend Qualitätskriterien eingeführt werden, anhand welcher erbrachte Leistungen gemessen werden können.

Wie man das Spannungsverhältnis aus Qualität, Zeit und Kosten mit Hilfe von klinischen Pfaden zugunsten einer adäquaten Patientenbehandlung im Krankenhaus beeinflussen kann wird nachfolgend in dieser Diplomarbeit dargestellt.

Neben dem berufspraktische Semester in der Controlling-Abteilung eines Krankenhauses der Grund- und Regelversorgung, sowie mehrjährige Berufstätigkeit als Krankenpfleger in unterschiedlichen stationären Krankenhauseinrichtungen, war die Analyse und Evaluation von 38 Patientenakten der Diagnose der ambulant erworbenen Pneumonie, bei Erstellen dieser Arbeit hilfreich.

Im Interesse der besseren Lesbarkeit wird auf die rituelle Nennung beider Geschlechter verzichtet. Es geht stets um den Menschen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
1.1 Grundlagen zu dieser Arbeit 3
1.2 Hypothesen 4
1.3 Lösungsansätze 5
2. Begriffsdefinitionen 7
2.1 Evidence based Medicine (EbM) 7
2.2 Standard 8
2.3 Leitlinien 8
2.4 Richtlinien 10
2.5 Compliance 10
2.6 Clinical Pathways; Synonym: Critical Pathways 11
2.7 Critical Path Method (CPM) 11
3. Das neue Entgeltsystem und seine Auswirkungen 12
3.1 Diagnosis Related Groups (DRG) 12
3.2 Einführung von DRG in Deutschland 13
3.2.1 Defizite der Behandlung im Krankenhaus 14
3.2.2 Gründe für die Einführung von DRG 14
3.2.3 Konsequenzen 14
3.3 Die aktuelle Situation im deutschen Krankenhaussektor 15
3.4 Die Verweildauer - wichtige Variable im DRG-System 16
3.5 Mehr Ergebnisqualität durch Prozessorientierung 18
3.6 Qualitätsmanagement durch klinische Pfade 20
3.6.1 Benchmarking auf Basis klinischer Pfade 21
3.6.2 Drehtür-Effekt 22
3.7 Prozesskostenrechnung 22
4. Klinische Pfade 24
4.1 Einführung 24
4.1.2 Was sind klinische Pfade? 25
4.1.3 Welchen Sinn haben klinische Pfade? 26
4.1.4 Ziele von klinische Pfaden 26
4.2 Klinische Pfade in der Praxis 27
4.2.1 Umgang mit Abweichungen 28
4.2.2 Analyse der Varianzen 30
4.2.3 Bestimmung der Varianzen des Behandlungszieles 30
4.2.4 Evaluation klinischer Pfade 31
4.3 Klinischer Pfad für den Patienten 32
4.4 Klinischer Pfad und Dokumentation 33
5. Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung und Implementierung von klinischen Pfaden 34
5.1 Aufgaben der Krankenhausleitung 34
5.2 Einbindung aller am Behandlungsprozess beteiligten Mitarbeiter 35
6. Entwicklung und Implementation von klinischen Pfaden 37
6.1 Der erste klinische Pfad 39
6.2 Widerstand und Kritik 40
7. Erfolgspotential klinischer Pfade 41
7.1 Patientenaufnahme 41
7.2 “Therapiefreies“ Wochenende 41
7.3 Diagnostische und therapeutische Überversorgung 42
7.4 Management medizinischer Ressourcen 43
7.5 Entlassung aus dem Krankenhaus 44
Zusammenfassung 45
Ausblick 46
Literaturverzeichnis 48
Versicherung 56

Automatisiert erstellter Textauszug:

Keine oder höchstens berufsspezifische Ablaufpläne kennzeichnen in Deutschland noch weitgehend den klinischen Betrieb. Dies wird für Krankenhäuser die unter dem DRG-System nicht zu den Verlierern zählen wollen nicht so bleiben. Ein exzellentes Mittel zur Kostenkontrolle und Kostensenkung ist die Standardisierung von Behandlungsabläufen mit Hilfe von klinischen Pfaden, welche die optimale Abfolge oder Terminierung der wichtigsten Interventionen festlegen, die von allen Disziplinen bei der Versorgung eines Patienten mit einer bestimmten Diagnose oder einer Behandlung durchgeführt werden (Coffey et al. 1992). Gründe für die Einführung von klinischen Pfaden ist die Vermeidung von Qualitätsdefiziten, von zuviel oder zuwenig Diagnostik, von zu langer Verweildauer, von übertriebener Medikation, von Infektionen und Komplikationen. Auch können klinische Pfade zum einen für forensische Auseinandersetzungen zuverlässig den Nachweis darüber führen, dass nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis gearbeitet wird, zum anderen als „vorgedruckte ärztliche“ Anordnung zu ganz erheblichen Arbeitserleichterungen führen. [...]

Ergänzend zur traditionellen Kostenrechnung wurde in der Industrie in den vergangenen Jahren das Controllinginstrument der Prozesskostenrechnung entwickelt, mit der es möglich ist, die Kostenstruktur auch im Krankenhaus transparent darzustellen. Bei der Prozesskostenrechnung handelt es sich um ein Kostenrechnungsverfahren, das nicht isoliert zu betrachten ist, sondern vielmehr auf den traditionellen Kostenrechnungssystemen aufsetzt und diese weiterentwickelt (Düsch et al. 2002). Der Fokus der Prozesskostenrechnung liegt auf der Betrachtung der Gemeinkosten, welche im Krankenhaussektor, vorwiegend ausgedrückt in den hohen Personalkosten, durchschnittlich bei ungefähr 70% der Gesamtkosten (Deutsche Krankenhausgesellschaft 2002) liegen. Aufgrund der hohen Gemeinkosten kann eine globale Verrechnung, wie sie in der traditionellen Kostenrechnung üblich ist, im Krankenhaus unpräzise Ergebnisse hervorrufen. Die Prozesskostenrechnung versucht die „Black-Box“ der Gemeinkosten zu öffnen, und auch diese verursachungsgerecht zuzuordnen (Düsch et al. 2002). Damit ermöglicht sie eine Planung, Kontrolle und Steuerung der Gemeinkostenbereiche und liefert die Grundlagen für ein effektives Gemeinkostenmanagement (Böhler 1995). Die Schaffung einer transparenten Kostensituation in allen Bereichen des Krankenhauses mittels der Prozesskostenrechnung ist ein wirksames Instrument, um der wachsenden strategischen Bedeutung der Prozessorientierung gegenüber der Funktionsorientierung gerecht zu werden. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Kostenbewusstsein aller am Behandlungsprozess beteiligten Mitarbeiter zu schärfen und auf Veränderungen zu setzen, die auf einen Wertezuwachs zielen. Aus diesem Grund ist es falsch den zur Zeit unnötig teuren Zustand in den deutschen Krankenhäusern durch eine vermeintlich dazu passende Kostenrechnung zu zementieren; sinnvoller ist es eine Prozesskostenrechnung erst nach Einführung der ablaufoptimierenden klinischen Pfade zu implementieren. Mit dieser können dann − auch DRG-bezogene − klinische Pfade kalkuliert werden. [...]

Veränderungen der Krankenhausumwelt verlangen eine Abkehr von traditionellen, funktionsorientierten Problemlösungsstrukturen. Eine Fokussierung auf den (Kern-) Prozess der Patientenbehandlung gilt als adäquate Antwort um Schnittstellen zu reduzieren und kostenintensive sowie suboptimale „Insellösungen“ zu verhindern (Düsch et al. 2002). In deutschen Krankenhäusern stellt man sich die Frage, welche und wie viele DRG zukünftig (nicht) kostendeckend erbracht werden (Möller et al. 2002). Die Antwort bedarf der Kenntnis der zukünftigen DRG-Erlöse und der eigenen Fallkosten. Während die Erlöse aus Sicht der Krankenhäuser extern bestimmt werden, müssen die eigenen Fallkosten selbstständig und krankenhausindividuell ermittelt werden. Wie effizient die gesamte Behandlung eines Patienten abläuft, ist aufgrund der speziellen Kostenstrukturen im Krankenhaus nur mit Hilfe der Prozesskostenrechnung zu beantworten. Allerdings besteht das große Manko in deutschen Krankenhäusern darin, dass Prozesse gar nicht oder nur unzureichend abgebildet werden. [...]

Arbeit zitieren:
Blecher, Jörg November 2002: Qualität steigern, Kosten senken - mit klinischen Pfaden die (DRG-) Situation im Krankenhaus verbessern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Clinical Pathways, Prozesskostenrechnung, Leitlinien, Qualitätmanagement

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