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Publizistisches Rollenverständnis und internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus

Publizistisches Rollenverständnis und internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Henning Siebel
  • Abgabedatum: Februar 2002
  • Umfang: 229 Seiten
  • Dateigröße: 5,7 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Siegen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5299-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5299-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5299-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Siebel, Henning Februar 2002: Publizistisches Rollenverständnis und internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Journalistische Qualität, Qualitätssicherung, Online-Zeitungen, Online-Journalismus, Journalistische Rolle

Diplomarbeit von Henning Siebel

Einleitung:

In dieser Arbeit wird versucht, einerseits für den Journalismus im Allgemeinen geltende Qualitätskriterien für die Bedingungen des Online-Journalismus umzudeuten und anderseits internetspezifische Qualitätskriterien im Besonderen aufzustellen. Weil hierzu ein komplementäres Verständnis journalistischer Qualität zu Grunde gelegt wird, geht es im Ansatz dieser Arbeit nicht nur um die Produkt- bzw. Akteursebene, sondern auch um diverse Möglichkeiten der Qualitätssicherung. Auch für diese Aspekte erfolgt ein Zugang, der von Überlegungen zum Journalismus allgemein, zu onlinespezifischen Möglichkeiten zur Sicherung journalistischer Qualität führt. Hierzu gehören onlinespezifische Ethik-Kodices, Ausbildung, Online-Awards und Evaluierungskriterien für User, die eine Medienkompetenz für das Internet verkörpern, die weit über die bloße Browsernutzung und Handhabung von Suchmaschinen hinausreicht.

Gang der Untersuchung:

Nach einer notwendigen Definitionsarbeit im 2. Kapitel, bei der aus einer „pragmati-schen“ sowie einer systemtheoretischen Perspektive eine Bestimmung von Online-Journalismus vorgenommen wird, geht es aber zuvor noch um die publizistische Rolle von Online-Journalisten (Kapitel 3). Hier existieren diverse Zuschreibungen. Sind Online-Journalisten redundant angesichts eines „Kommunikationsideals“ im Internet? Ist jeder Nutzer nicht auch schon Journalist? Oder existieren nicht doch Bedürfnisse für journalistische Tätigkeiten im Web? Aus der Kritik an diversen Rollenzuschreibungen wird in dieser Arbeit eine Position entwickelt, die den Online-Journalisten als „optionalen Gatekeeper“ beschreibt. Optional deshalb, weil prinzipiell keine Webinformationen vorenthalten werden können, jedoch eine Dienstleistung im besten Wortsinn erbracht wird, die User nach ihren jeweiligen Bedürfnissen nutzen können.

Dieser „Qualitätsjournalismus online“ darf nicht nur, er muss sogar für sich werben, um Aufmerksamkeit im Web zu erlangen. Und weil - um ein bekanntes Sprichwort heranzuziehen - „Qualität seinen Preis hat“, geht es in der Schlussbetrachtung dieser Arbeit um ein Tabu, nämlich um die Frage, ob Kostenlosigkeit für Journalismus im Web tatsächlich ein Paradigma darstellen muss oder es nicht doch einen bestimmten Wert für diesen Qualitäts-journalismus gibt, für den auch eine tatsächliche Zahlungsbereitschaft unterstellt werden kann.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Online-Journalismus als publizistisches Segment im Internet: Definition(en), Differenzierungen, Abgrenzungen 4
2.1 Was ist Journalismus? Annäherungen an einen nur scheinbar einfach zu fassenden Begriff 4
2.2 Exkurs: Journalisten als Gatekeeper 11
2.3 Was ist Online-Journalismus? 14
2.3.1 Abgrenzungen und Differenzierungen von Para- und Pseudojournalismus (pragmatisch orientierter Ansatz) 16
2.3.1.1 Parajournalismus 17
2.3.1.2 Pseudojournalismus 19
2.3.2 Systemtheoretisch orientierte Bestimmung von Online-Journalismus 21
3. Zur publizistischen Rolle und Funktion von Online-Journalismus/Online-Journalisten 28
3.1 Redundanz des Online-Journalismus (Dr. Mike Sandbothe) 29
3.2 Dekonstruktion des Journalismus durch das Internet (Matthias W. Zehnder) 31
3.3 Der Online-Journalist als „Informationsanalytiker“ und „Meta-Designer“ (Ursula Maier-Rabler/Erich Sutterlütti) 33
3.4 Rollenkritik als Plädoyer: Der Online-Journalist als „optionaler Gatekeeper“ (eigene Position) 37
3.4.1 Kritik der Positionen von Sandbothe und Zehnder: Optionalität vs. Absolutheit 37
3.4.1.1 Die Problemfelder Informationsqualität, Informationsquantität und Informationsselektion im WWW und die Rolle journalistischer Gatekeeper 38
3.4.1.2 Journalisten sind nicht die einzigen Gatekeeper im WWW 48
3.4.1.3 Publizistische Egalität im Internet? 50
3.4.2 Kritik der Positionen von Maier-Rabler und Sutterlütti: Rollenerweiterung vs. Rollenbegrenzung 53
3.5 Fazit und Ausblick 55
3.5.1 Werden Online-Journalisten zu Generalisten? 55
3.5.2 Chance für lokale Kompetenzzentren im globalen Netz? 59
3.5.3 Entwicklung der Beschäftigungsstrukturen 61
4. Dimensionen journalistischer Qualität und Qualitätssicherung (allgemeine Ebene) 63
4.1 Journalistische Qualitätskriterien: Beispiel „Magisches Vieleck“ 65
4.2 Bewertung journalistischer Qualität 70
4.3 Ebenen journalistischer Qualitätssicherung 73
4.3.1 Qualitätssicherung auf der Akteursebene 75
4.3.2 Qualitätssicherung auf der Ebene der Medienunternehmen 77
4.3.3 Qualitätssicherung im Mediensystem (Infrastruktur-Faktor) 80
4.3.4 Qualitätssicherung auf der gesellschaftlichen Ebene 85
4.3.5 Qualitätssicherung auf der Publikumsebene 86
5. Internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus 88
5.1 „Status quo“ der journalistischen Erscheinungsformen im Internet: Anbieter, Ziele, Strategien und Gestaltungsweisen im Überblick (Fokus Online-Zeitungen; Deutschland) 89
5.1.1 Anbieter von Online-Journalismus in Deutschland und weltweit 90
5.1.2 Denkbare Strategien 91
5.1.3 Feststellbare Strategien 93
5.1.4 Inhaltliche Gestaltung 96
5.1.5 Personelle Ausstattung der Online-Redaktionen 103
5.1.6 Berufsnormen im Online-Journalismus 104
5.2 Ausgewählte journalistische Qualitätskriterien in ihrer Bedeutung für Qualität im Online-Journalismus 106
5.2.1 Glaubwürdigkeit und ethisch reflektiertes Handeln 106
5.2.1.1 Befunde zur Online-Glaubwürdigkeit 107
5.2.1.2 Onlinespezifische Glaubwürdigkeitsprobleme und Glaubwürdigkeitskriterien im Journalismus 113
5.2.2 Aktualität 118
5.2.3 Reflexivität und Transparenz 124
5.2.3.1 Public Journalism als Chance für den Online-Journalismus 125
5.2.3.2 Reflexion auf der Meta-Ebene 129
5.3 Internetspezifische Gestaltungskriterien als zweifache Qualitätsdimension im Online-Journalismus: Originalität (Angebots- bzw. Kommunikatorebene) und Interaktion (Rezipientenebene) 132
5.3.1 Hypertextualität, Multi-Optionalität und modulare Inhaltsaufbereitung 135
5.3.1.1 Hypertextualität: Charakteristika und Begrifflichkeiten 135
5.3.1.2 Verstehensprobleme bei Hypertextstrukturen 138
5.3.1.3 Gestaltungsprinzipien auf der operationalen Ebene unter dem Gesichtspunkt der Verstehensleistung (Rezeptionsfokus) 140
5.3.1.4 Gestaltungsprinzipien auf der inhaltlichen Ebene unter dem Gesichtspunkt der Originalität (Kommunikatorfokus) 149
5.3.2 Interaktivität 156
5.3.2.1 Definitionen 157
5.3.2.2 Interaktive Gestaltungselemente 159
5.3.3 Multimedialität (Hypermedialität) 170
5.3.3.1 Multimediale Elemente und ihre spezifischen Problematiken 171
5.3.3.2 Multimedialität unter dem Aspekt von Originalität - zwei Beispiele 176
5.3.4 Serviceleistungen 182
5.3.4.1 Serviceleistungen auf der journalistischen Inhaltsebene 182
5.3.4.2 Zusätzliche Serviceleistungen – Beispiel Süddeutsche Zeitung 183
5.4 Weitere Elemente von Qualitätssicherung im Online- Journalismus 185
5.4.1 Onlinespezifische Ethik-Kodices 185
5.4.2 User-Evaluierung 189
5.4.3 Ausbildung von Online-Journalisten (in Deutschland) 192
5.4.4 Online-Awards 196
6. Schlussbemerkung: Muss qualitativ hochwertiger Online-Journalismus kostenlos sein? 201
Anhang
Literaturverzeichnis I
Weiterführende Links zu Online-Journalismus XV
Erklärung XVII

Automatisiert erstellter Textauszug:

Das Publikum tritt somit aus einer Rolle als passiver Rezipient heraus, konkurriert im Internet mit den Journalisten gewissermaßen gleichberechtigt, wenn auch – wie Zehnder einräumt – Journalisten bislang noch professioneller mit Information umgehen können. Einseitige Sender-Empfänger-Konstellationen (one-to-many-Kommunikation) werden im Internet durch many-to-many-Konstellationen ersetzt. Die Nutzer rufen im Web gezielt Informationen nach eigener Interessenlage ab. Dieses „Ziehen“ von Information (engl. „to pull“) ist nach Zehnder der Grund dafür, beim Internet von einem „Pull-Medium“ zu sprechen.135 Eine zweite Auswirkung, die unmittelbar die journalistische Arbeitsweise betrifft, ist nach Zehnders Auffassung ein erhöhter Kommunikationsdruck. Per E-Mail ist ein unmittelbares Leser-Feedback möglich, zudem ist dieses Kommunikationsmittel mit der Erwartungshaltung einer schnellen Antwort verknüpft: [...]

Sie beginnt vielmehr in der alltäglichen Kommunikationssituation des normalen, nicht computerisierten Face-to-Face-Unterrichts, der gerade in einer mediengeprägten Bildungswelt eine spezifische Revalidierung erfährt. Entscheidende Voraussetzung dafür, dass Menschen im Prozess des Lernens den Mut und die Fähigkeit zur eigenständigen Beurteilung und reflektierenden Verflechtung von Themen, Perspektiven, Interessen und Personen entwickeln können, ist die Enthierarchisierung und Dezentrierung der dem Unterricht an Schule und Hochschule zugrunde liegenden Kommunikationsstruktur. [...] Der Vorsprung des Lehrers besteht also nicht in erster Linie im Verfügen über vorgegebene Lehrbestände, sondern vielmehr in seiner Kompetenz, die Vielfalt der sich ständig erweiternden Informationsströme auf nachvollziehbare, pragmatische und kooperative Weise zu kanalisieren und zusammen mit den Lernenden in ein situiertes Wissen zu transformieren, das der lernenden Gemeinschaft nützlich ist und zugute kommt.132 [...]

29 3.1 Redundanz des Online-Journalismus (Dr. Mike Sandbothe120) Sandbothe wehrt sich gegen eine resignative Haltung gegenüber der Datenflut, die das World Wide Web liefert. Das Empfinden einer informationellen Überflutung resultiert nach seiner Auffassung primär aus einer unzureichenden Nutzung der Ordnungsangebote, die für das Internet vorhanden sind. Dies sind im wesentlichen: Bookmarks, die individuell strukturiert werden können, Suchmaschinen sowie so genannte „personal agents“. Letztere sind Computerprogramme, die eigenständig – nach entsprechenden Vorgaben – Selektionsaufgaben im Web übernehmen.121 Den Umgang mit diesen Ordnungsangeboten zu erlernen, ist eine Komponente einer internetspezifischen Medienkompetenz, die Sandbothe für eine Basisqualifikation im Informationszeitalter hält. Die zweite Komponente liegt in der „Ausbildung einer internetspezifischen Urteilskraft“.122 In Anlehnung an Kant unterscheidet er dabei eine bestimmende und eine reflektierende Form: [...]

Arbeit zitieren:
Siebel, Henning Februar 2002: Publizistisches Rollenverständnis und internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Journalistische Qualität, Qualitätssicherung, Online-Zeitungen, Online-Journalismus, Journalistische Rolle

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