Public Private Partnership (PPP) und kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Rahmenbedingungen des PPP-Konzeptes für KMU unter Berücksichtigung eines Beispiels aus der Siedlungswasserwirtschaft
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Andreas Zöller
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 97 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Wirtschaftsuniversität Wien Österreich
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9462-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9462-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9462-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Zöller, Andreas Januar 2006: Public Private Partnership (PPP) und kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Finanzierung, Mittelstand, PFI, Wasser, Kooperation
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Diplomarbeit von Andreas Zöller
Zusammenfassung:
PPP und KMU sind Schlagwörter, die in den Medien immer wieder und besonders in letzter Zeit immer sehr präsent sind. PPP bedeutet Public Private Partnership und ist u.a. ein Konzept zur Entlastung der öffentlichen Haushalte. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen der öffentlichen Hand und einem oder mehreren privaten Akteuren, die auf dem Grundgedanken einer Win-win Situation aufbaut.
Bieten sich Vorteile für die öffentliche Hand so „sollten“ sich auch Chancen für die Privatwirtschaft ergeben. Genau hier setzt die vorliegende Diplomarbeit an und rückt den Sektor der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) der Privatwirtschaft in den Mittelpunkt der Überlegungen.
Neben Hintergrundinformationen über Public Private Partnerships und kleine und mittlere Unternehmen soll die spezielle Eignung dieser Kooperationsform für KMU untersucht werden. Dabei wird sich herausstellen, dass nicht nur die „Großen unter den Kleinen“ Zugang zu den Potentialen dieses Konzeptes haben können, sondern dass und unter welchen Voraussetzungen auch kleine Unternehmen die Möglichkeit zur Partizipation haben.
Forschung und Politik haben seit einigen Jahrzehnten ihr besonderes Interesse am Mittelstand kundgetan. Oft wird er deshalb auch als „Rückgrad der Wirtschaft“ bezeichnet. Aktionsgemeinschaften, Forschungsinstitute, Lehrstühle und spezielle Förderprogramme sind Ausdruck dafür, dass der Mittelstand gesellschaftliche, wirtschaftliche und damit auch politische Potentiale hat, die es zu unterstützen gilt.
Diese Arbeit geht auf die Rahmenbedingungen ein, die erforderlich sind, um dem Mittelstand eine verstärkte Partizipation am PPP-Markt zu ermöglichen. Ein Expertengespräch zeigt aber auch Barrieren und Hindernisse auf, die von Politik und Wirtschaft ernst genommen und auf die eingegangen werden muss. Die Beschreibung eines PPP-Projektes zeigt ein aktuelles und erfolgreiches Beispiel aus der Praxis.
Gang der Untersuchung:
Der erste thematische Schwerpunkt widmet sich den Grundlagen des PPP-Konzeptes. Es wird das notwendige und fundamentale Vokabular sowie ein kurzer historischer Abriss präsentiert. Weiters erfolgt eine Abgrenzung des Begriffes PPP zu anderen gängigen Konzepten in Theorie, Praxis und auf internationaler Ebene. Die Formen und verschiedenen Ausprägungen sollen die Ausgestaltungsmöglichkeiten und Variantenvielfalt hervorheben.
Dabei erfolgt eine Grobunterteilung in Organisations- und Finanzierungsmodelle, wobei der Schwerpunkt dieser Arbeit auf die Organisationsmodelle gesetzt wird. Vor- und Nachteile der zuvor beschriebenen Modelle werden zusammenfassend und logisch gegliedert in Tabellenform gegenübergestellt.
Kritische Erfolgsfaktoren und ein Leitfaden für die Realisierung von PPP-Projekten stellen einen direkten Bezug zur Praxis her. Abschließend wird die aktuelle Situation von PPP-Projekten in Österreich beschrieben.
Die Thematik der Klein- und Mittelbetriebe wird in Kapitel 4 behandelt. Hier wird darzulegen versucht welche Bedeutung KMU im Allgemeinen haben und welchen Wert das PPP-Konzept für KMU im Speziellen hat. Dabei wird unter anderem auf Hemmnisse und Herausforderungen, Strukturnachteile und auf Theorien der Globalisierung und Regionalisierung eingegangen.
Weiters werden die Auswirkungen der EU-Osterweiterung für KMU beschrieben sowie deren Verteilung in Europa erläutert. Darauf aufbauend werden verschiedene Definitionsvarianten und -versuche, die den KMU-Begriff abgrenzen, vorgestellt. Ziel dieses Abschnittes ist die Vermittlung eines Grundverständnisses über KMU, damit Schwierigkeiten der Anwendung des PPP-Konzeptes auf diesen speziellen Sektor der Privatwirtschaft verstanden werden können und darauf aufbauend nach Lösungsmöglichkeiten gesucht werden kann.
Aufbauend auf die Erläuterungen zu den Themenkomplexen PPP und KMU erfolgt in Kapitel 5 eine Synthese der zuvor beschriebenen Konzepte und Theorien – nämlich die Verbindung von PPP und KMU. Dabei wird zuvor die prinzipielle Eignung von Public Private Partnerships für KMU analysiert und auf relevante rechtliche Rahmenbedingungen eingegangen.
Auch auf die sich bietenden Chancen für KMU wird näher eingegangen. Ein Abschnitt beschäftigt sich mit Möglichkeiten, wie KMU an PPP-Projekten partizipieren können. Hier besteht grundsätzlich die Möglichkeit als Drittakteure (Subunternehmer), als Bietergemeinschaft oder als Generalpartner bei PPP-Projekten teilzunehmen.
Zudem werden fördernde Umstände und Entwicklungen kurz vorgestellt (Bildung von Institutionen, Einrichtung von Taskforces, Forschung und Empirie), welche eine stärkere Einbindung ermöglichen könnten. Ein Interview und die Beschreibung eines Beispiels aus der Praxis stellen einen direkten Bezug zur Praxis dar und decken Verbesserungspotentiale auf.
Das Resümee fasst die wichtigsten Erkenntnisse und Überlegungen dieser Arbeit in gebotener Kürze zusammen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Gang der Arbeit | 2 |
| 3. | Public Private Partnership | 4 |
| 3.1 | Determinanten, Definitionen und Charakteristika von PPP | 5 |
| 3.2 | Entwicklung des PPP-Konzeptes | 9 |
| 3.3 | Abgrenzungen | 10 |
| 3.3.1 | Abgrenzung zu anderen Konzepten | 12 |
| 3.3.1.1 | PPP versus Outsourcing | 13 |
| 3.3.1.2 | PPP versus Privatisierung | 13 |
| 3.3.1.3 | PPP versus inhaltliche Kooperationsmodelle | 14 |
| 3.3.1.4 | PPP versus PSP | 14 |
| 3.3.1.5 | PPP versus PFI | 14 |
| 3.3.1.6 | PPP versus Generalunternehmerschaft | 15 |
| 3.3.2 | Internationaler Vergleich | 15 |
| 3.4 | Formen und Ausprägungen | 15 |
| 3.4.1 | Organisationsmodelle | 16 |
| 3.4.1.1 | Betriebsführungsmodell | 16 |
| 3.4.1.2 | Betriebsüberlassungsmodell | 17 |
| 3.4.1.3 | Kooperationsmodell | 17 |
| 3.4.1.4 | Konzessionsmodell | 18 |
| 3.4.1.4.1 | Baukonzession | 19 |
| 3.4.1.4.2 | Dienstleistungskonzession | 20 |
| 3.4.1.5 | Betreibermodell | 21 |
| 3.4.1.6 | Zusammenfassung der Organisationsmodelle | 22 |
| 3.4.2 | Finanzierungsmodelle | 25 |
| 3.4.3 | Vor- und Nachteile verschiedener Modelle | 25 |
| 3.4.4 | Anwendungsbereiche | 28 |
| 3.5 | Kritische Erfolgsfaktoren für PPP-Projekte | 30 |
| 3.6 | Leitfaden für PPP-Projekte | 31 |
| 3.7 | Situation der PPP in Österreich | 33 |
| 3.8 | Ausblick | 37 |
| 4. | Kleine und mittlere Unternehmen | 38 |
| 4.1 | Einleitung und Grundlagen | 39 |
| 4.1.1 | Bedeutung von KMU | 39 |
| 4.1.2 | Hemmnisse und Herausforderungen | 41 |
| 4.1.3 | Strukturnachteile von KMU | 43 |
| 4.1.4 | Globalisierung versus Regionalisierung | 44 |
| 4.1.5 | KMU und EU-Osterweiterung | 49 |
| 4.1.6 | Verteilung von KMU in Europa | 51 |
| 4.2 | Definitionen für KMU | 52 |
| 4.2.1 | Qualitative Abgrenzung | 53 |
| 4.2.2 | Quantitative Abgrenzung | 56 |
| 4.3 | Zusammenfassung | 59 |
| 5. | Potential des PPP-Konzeptes für KMU | 61 |
| 5.1 | Einleitung | 61 |
| 5.2 | Prinzipielle Eignung von PPP für KMU | 62 |
| 5.3 | Rechtliche Grundlagen | 63 |
| 5.3.1 | Verträge | 64 |
| 5.3.2 | Vergaberecht | 66 |
| 5.3.3 | Bietergemeinschaften | 68 |
| 5.4 | Chancen für KMU | 69 |
| 5.4.1 | KMU als Generalpartner | 69 |
| 5.4.2 | Bietergemeinschaften mehrerer KMU | 71 |
| 5.4.3 | KMU als Subunternehmer | 71 |
| 5.5 | Praxiskonnex | 72 |
| 5.5.1 | Interview DI Wolfgang Viehauser | 72 |
| 5.5.2 | Beispiel Abwasserentsorgung der Gemeinde Ernsthofen | 75 |
| 6. | Resümee | 80 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 82 |
| Anhang: Gesprächsleitfaden | 87 |
Wie schon oben angenommen wurde, weisen Kleinstunternehmen eine weitaus geringere internationale Aktivität auf als kleine und mittlere Unternehmen. Bezüglich der verschiedenen Formen lässt sich erkennen, dass mit der Komplexität der Internationalisierungsform auch die Betriebsgröße steigt. So sind die Unterschiede bei der Exporttätigkeit noch nicht so groß wie bei der Gründung einer Betriebsstätte im Ausland.91 KMU werden weiterhin ihre Geschäftspolitik primär nach den lokalen, regionalen und nationalen Bedingungen ausrichten, haben aber erkannt, dass es ratsam ist, sich vermehrt auch auf internationale Märkte zu konzentrieren bzw. diese im Auge zu behalten. Der Anteil österreichischer KMU am internationalen Güteraustausch ist noch relativ klein. Studien erfassen jedoch nur den Anteil an den direkten Exporten. Zu- und Unterlieferungen an exportierende Unternehmen können kaum oder nur schwer erfasst werden.92 Ein Trend zeigt, dass die Bedeutung regionaler Märkte auf internationaler Ebene in Zukunft noch stärker zunehmen wird, weshalb auch die regionalen Märkte im Ausland bearbeitet werden müssen. Grenzüberschreitende Unternehmensfusionen und Kooperationen sind Themenkomplexe, mit denen KMU sich in Zukunft stärker auseinander setzen werden müssen.93 Es sei darauf hingewiesen, dass diese Aussagen nicht leichtfertig pauschalisiert werden dürfen, da einzelne KMU durchaus sehr hohe Exportquoten aufweisen, woraus man schließen könnte, dass der Sektor der KMU über ein unausgeschöpftes Exportpotential verfügt, welches es zu fördern gilt.94 „Dessen bessere Ausschöpfung würde allerdings gezielte Maßnahmen zum Abbau der traditionellen Schwächen der Klein- und Mittelbetriebe im Außenhandel (z.B. zu wenig Fachwissen, bürokratische Hürden, zu geringe Auslandsorientierung der Schlüsselpersonen) neben den schon gut ausgebauten finanziellen und risikopolitischen Fördermaßnahmen erfordern.“95 [...]
KMU können durch Lokalisationsvorteile ihre Schwächen gegenüber Großunternehmen verringern oder ausgleichen. Konzentration auf Marktnischen, Kundennähe, Bildung von Netzwerken und das Ausnützen ihrer Flexibilität sind nur einige der Möglichkeiten.88 Internationalisierungsstrategien sind nicht nur für Großunternehmen geeignet. Auch KMU, dort jedoch meist nur mittlere Unternehmen, haben die Möglichkeit die Vorteile ausländischer Märkte zu nutzen. „Mittlere Unternehmen sind häufiger international aktiver als kleine und Kleinstunternehmen. Während nur 17 % der Kleinstunternehmen exportieren, sind es bei den mittleren Unternehmen 51 %.“89 In Summe sind 63 % aller KMU nicht internationalisiert und 18 % beziehen Rohstoffe und Zwischenprodukte von ausländischen Lieferanten. Für 6 % der KMU besteht ihre internationale Ausrichtung ausschließlich in einer Exporttätigkeit. Beachtliche 13 % haben eine Betriebsstätte im Ausland oder nutzen mehr als eine Form der Internationalisierung.90 Abbildung 14 illustriert verschiedene Formen der Internationalisierung von KMU sowie deren Nutzungshäufigkeit je nach Unternehmensgröße. [...]
deren Marktmacht im Vergleich zu ihren kleinen und mittleren Mitbewerbern ist ungleich größer. Bereits im Jahre 1847 prophezeite Karl Marx den Untergang des Mittelstandes da „ihr kleines Kapital für den Betrieb der großen Industrie nicht ausreicht und der Konkurrenz mit den größeren Kapitalisten erliegt […].“83 Bedroht wird der Mittelstand nicht nur durch die Zunahmen der Wettbewerbsintensität, wenn Unternehmen in neue Absatzmärkte vordringen. Oft können sie nicht mit Wettbewerbern konkurrieren, die Produktionskostenvorteile durch die Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland erzielen.84 Die Prophezeiungen von Marx werden aber wohl nie eintreten. Das Konzept der Regionalisierung relativiert das der Globalisierung in mancher Hinsicht, wenn man Wirtschaftsblöcke wie die USA, Europa und Japan als Regionen definiert. Diese drei Regionen werden als Triade bezeichnet – deshalb spricht man auch oft von einer „Triadisierung“ der Weltwirtschaft.85 Wirtschaftsgeografische Konzepte86 besagen, dass mit zunehmender Distanz eine Abnahme von Transaktionsbeziehungen einhergeht. D.h. zwischen benachbarten Ländern besteht ein höheres Handelsvolumen als zwischen Ländern, die durch eine große räumliche Distanz voneinander getrennt sind. Auch regionale Handelsabkommen (z.B. GATT, NAFTA), die eine Bevorzugung der partizipierenden Länder vorsieht, tragen zu dieser Entwicklung bei. Dies erfolgt beispielsweise durch den Abbau von Zöllen innerhalb der Region, Errichtung von Schutzzöllen gegen Importe, Exportsubventionen, etc.87 Trotzdem kann die Regionalisierung nicht als Gegenkonzept zur Globalisierung verstanden werden. Regionalisierung – abgeleitet vom Regionalismus – bezeichnet, ebenso wie die Globalisierung, einen Prozess, der regionale Unterschiede und regionale Eigenarten betont und deren individuelle Anforderungen herausstreicht. Wirtschaftspolitische Maßnahmen müssen darauf abzielen diese Eigenheiten und Besonderheiten speziell zu fördern und geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. [...]
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