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Psychopharmakotherapie in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe

Einstellungen und Erfahrungen der Mitarbeiter

Psychopharmakotherapie in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Markus Schmieder
  • Abgabedatum: Juli 2006
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 655,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Deutschland
  • Bibliografie: ca. 34
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9898-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9898-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9898-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schmieder, Markus Juli 2006: Psychopharmakotherapie in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Psychopharmaka, Behinderung, Prävalenz, Wohnstätte, Wohnheim

Diplomarbeit von Markus Schmieder

Einleitung:

Die Behandlung mit Psychopharmaka stellt in der Gesellschaft ein kontrovers diskutiertes Thema dar.

Mit der Einführung der ersten psychotrop wirkenden Medikamente in den späten Fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts gingen erhebliche Fortschritte in der Behandlung psychischer Störungen einher.

So sind insbesondere die Öffnung der psychiatrischen Krankenhäuser, sowie verkürzte stationäre und dafür verbesserte Möglichkeiten der ambulanten Behandlung von Patienten eng mit ihr verbunden.

Bei genauer Indikation ermöglicht eine gewissenhaft angewandte Psychopharmakotherapie, vorzugsweise eingebettet in ein multimodales Behandlungskonzept, den Betroffenen eine deutlich verbesserte Lebensqualität.

Werden aber maßgebliche Faktoren bei einer Behandlung mit psychotropen Medikamenten vernachlässigt, die Ziele der Therapie nicht regelmäßig überprüft, die Betroffenen (oder deren gesetzliche Betreuer) nicht über die einhergehenden Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt, stehen einem Missbrauch Türen und Tore offen.

In stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe kommt der Psychopharmakotherapie ein besonderer Stellenwert zu. So ist nachgewiesen, dass bei Menschen mit geistiger Behinderung die Wahrscheinlichkeit an psychischen Störungen zu erkranken höher ist, als bei Nichtbehinderten. Folglich liegt die Vermutung nahe, dass die Behandlungsform mit psychotrop wirkenden Medikamenten in Wohnstätten deutlich über dem Durchschnitt der deutschen Bevölkerung liegt.

Die Arbeit setzt sich zunächst mit ausgewählten aktuellen Studien zur komplexen Thematik „Psychopharmakotherapie“ auseinander. Außerdem werden grundlegende Konzepte und Strategien im Umgang mit psychotrop wirkenden Medikamenten, sowie die gängigen Wirkstoffgruppen dargestellt.

In einer anschließenden Studie werden Daten von 114 Bewohnern aus zehn verschiedenen, zufällig ausgewählten, Wohngruppen der Behindertenhilfe vorgestellt und analysiert. Gründe für Indikationen, Zusammenhänge zwischen einer Behandlung mit psychotropen Medikamenten, Behinderungsart und Schweregrad, sowie institutionellen Rahmenbedingungen werden angeführt. Ebenso wird ein Blick auf die Praxis von Psychopharmakotherapien im Wohnstättenalltag geworfen und diskutiert.

Im Weiteren wird der Fokus auf die Einstellungen und Erfahrungen der Mitarbeiter gelegt. Diese sind in der Regel als Bindeglied zwischen den Bewohnern, ihren gesetzlichen Betreuern und den verordnenden Ärzten unmittelbar in die Psychopharmakotherapie involviert. Insofern sind ihre Haltungen und Ansichten diesbezüglich von besonderem Interesse.

Anhand von 25 Leitfadeninterviews wird exemplarisch dargestellt und diskutiert, wie sie im Allgemeinen zu dieser Behandlungsform stehen, ob sie mit ihrer Durchführung zufrieden sind, wo sie Verbesserungsmöglichkeiten sehen und wie sie selbst ihren individuellen Informations- und Kenntnisstand bezüglich der Thematik einschätzen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Studien und wissenschaftliche Aufsätze 6
2.1 Untersuchungskommission Glenwood und Woodward 6
2.2 Abschlussbericht: „Psychopharmaka im Altenpflegeheim“ 8
2.3 Psychopharmaka und Polypharmazie in der Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung 10
2.4 Verordnungen psychotroper Medikationen: Eine Analyse der Gründe, die bei Menschen mit geistiger Behinderung zur Verordnung von Psychopharmaka führen 13
2.5 Der Gebrauch psychotroper Medikamente bei geistig behinderten Heimbewohnern mit problematischem Verhalten 15
2.6 Auswertung der Studien und Fragestellung 17
3. Psychopharmaka 20
3.1 Indikationsentscheidungen 21
3.2 Dosierungsstrategien 23
3.3 Multimodales Gesamtbehandlungskonzept 24
3.4 Information und Freiwilligkeit 24
3.5 Wirkstoffgruppen 25
3.5.1 Neuroleptika 26
3.5.2 Antidepressiva 27
3.5.3 Stimmungsstabilisierer 28
3.5.4 Anxiolytika 29
3.5.5 Antidementiva 31
3.6 Polypharmazie 32
4. Ergebnisse der eigenen Studie 33
4.1 Beschreibung des Wohnumfelds 34
4.1.1 Trägerschaft und Lage 34
4.1.2 Stellenübersicht 35
4.1.3 Interne Therapie- und Fördermöglichkeiten 37
4.2 Angaben zu den Bewohnern 38
4.2.1 Soziodemographische Daten der Bewohner 38
4.2.2 Darstellung der Behinderungen der Bewohner 38
4.2.3 Chronische Erkrankungen 41
4.2.4 Verhaltensauffälligkeiten 41
4.2.5 Aufsichts- und Pflegebedarf 43
4.2.6 Wohnsituation 43
4.2.7 Vorherrschende Beziehungssituation 45
4.2.8 Tagesstruktur und Freizeitgestaltung 46
4.3 Psychopharmakotherapie 46
4.3.1 Keine Psychopharmaka 47
4.3.2 Übersicht über die verordneten Psychopharmaka 47
4.3.3 Wechselwirkungen 51
4.3.4 Indikation 52
4.3.5 Medizinische Betreuung 54
4.3.6 Wirkungen und Nebenwirkungen 55
4.3.7 Arztkontakte 56
4.3.8 Multimodales Behandlungskonzept 57
4.4 Beziehungen zwischen Psychopharmakotherapien und anderen Faktoren 58
4.5 Mitarbeiterinterviews 62
4.5.1 Mitarbeiter 62
4.5.2 Diagnose und Indikation 64
4.5.3 Einflüsse bei der Verordnung 65
4.5.4 Behandlungserfolge 67
4.5.5 Risiken und Nebenwirkungen 67
4.5.6 Subjektive Bilanz bezüglich des Bewohners 68
4.5.7 Psychopharmaka als Begleitmedikation 69
4.5.8 Alternative Behandlungsstrategien 69
4.5.9 Grundsätzliche Haltung zur Psychopharmakotherapie 70
4.5.10 Informationsstand 72
5. Diskussion 73
5.1 Diskussion: Psychopharmakotherapie 73
5.2 Diskussion: Einstellungen der Mitarbeiter 81
6. Schlusskapitel 86
Literatur 89
Anhang 94
Erklärung 97

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bezüglich der besetzten Stellen fällt auf, dass die Anzahl zwischen den Gruppen sehr variiert. Dies lässt sich zum einen mit der unterschiedlichen Größe der Gruppen erklären, zum anderen hängt es mit dem Schweregrad der Behinderungen der Bewohner und dem damit verbundenen erhöhten Pflege- und Betreuungsbedarf zusammen. Auch spielt die Tatsache, ob eine Über-Nacht-Betreuung nötig ist, ebenfalls eine wesentliche Rolle. Durchschnittlich gab es 8,7 Stellen pro Wohngruppe, davon lag der Anteil der Teilzeitstellen mit 4,9 höher als der Anteil der Vollzeitstellen mit 3,8. Auffallend ist allerdings, dass es in einer Wohngruppe (hier in Zeile 10) keine Vollzeitstellen gab, aber dafür die Quote der Mitarbeiter ohne spezifische Ausbildung mit 60% am höchsten lag. In den zehn Gruppen arbeiteten insgesamt 51 Frauen und 36 Männer. Durchschnittlich arbeiteten 5,1 Frauen (Standardabweichung 3,2) in den Mitarbeiterteams, der Männeranteil fiel mit 3,6 (Standardabweichung 2,9) deutlich geringer aus. [...]

4. Ergebnisse der eigenen Studie An der Studie nahmen sieben zufällig ausgewählte Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland teil. Die Datenerhebung fand im Mai 2006 statt und erfolgte anonymisiert durch standardisierte Fragebögen100, die gemeinsam mit den Mitarbeitern ausgefüllt wurden. Auf diese Weise wurden allgemeine Informationen über die Einrichtungen gewonnen. Der Weiteren wurden soziodemographische Daten, Informationen über die Art und Schwere der Behinderungen, chronischer Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten, sowie medizinische Daten erhoben. Ferner wurden Fakten über die praktische Durchführung der Psychopharmakotherapie in den Wohneinrichtungen erfragt. Um die subjektiven Einstellungen, Erfahrungen und den Kenntnisstand der Mitarbeiter erfassen zu können, wurden mit insgesamt 25 Personen noch zusätzlich Leitfadeninterviews durchgeführt. Die Auswertung der Daten wurde mit der Software „Statistical package for the social sciences“ (SPSS) für Microsoft Windows durchgeführt. Insgesamt wurden 227 Variablen von unterschiedlicher Ausprägung einbezogen. Die Tabellen wurden in der Regel direkt von SPSS übernommen und teilweise modifiziert, die Grafiken wurden mit Microsoft Word erstellt. In diesem Kapitel werden zunächst nur die Ergebnisse der Datenauswertung vorgestellt. Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den weiter oben dargestellten Studien sowie Abweichun- [...]

3.6 Polypharmazie Es ist eine Tatsache, dass sämtliche Medikamente „mehr oder weniger untereinander in Wechselwirkung treten“94 können. Werden zwei verschiedene Psychopharmaka mit dem gleichen Behandlungsziel eingesetzt, kommt es zu einer Überlagerung der Wirkung. In seltenen Fällen kann es dann zu einer Potenzierung des Effekts kommen, was unter Umständen den Vorteil haben könnte, dass man durch zwei geringe Dosen zweier Medikamente einen besseren Effekt und geringere Nebenwirkungen erhielte als mit einer hohen Dosis eines einzelnen Medikaments.95 In bestimmten Situationen kann die Gabe von zwei oder mehreren Medikamenten unterschiedlicher therapeutischer Klassen durchaus angemessen und sinnvoll sein96. Andererseits kann eine Kombination auch zu unerwarteten Problemen führen, weil sich gegebenenfalls auch die Nebenwirkungen untereinander verstärken können. Auch in einer konkreten Behandlungssituation, lässt sich bei Mehrfachgaben nicht mehr unterscheiden, welches Medikament hilfreich ist. Aus pharmakologischer Sicht empfiehlt sich auch deshalb eher eine „Zurückhaltung mit Mehrfachkombinationen.“97 Es sollten nur in begründeten Ausnahmefällen mehrere psychotrop wirkende Medikamente verordnet werden98. Insbesondere soll eine „intraclass Polypharmazie“, also eine Therapie mit beispielsweise zwei Medikamenten derselben therapeutischen Klasse, wie zwei SSRIs, möglichst vermieden werden99. [...]

Arbeit zitieren:
Schmieder, Markus Juli 2006: Psychopharmakotherapie in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Psychopharmaka, Behinderung, Prävalenz, Wohnstätte, Wohnheim

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