Psychologische Untersuchung zum Erleben von Atomenergie
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Weißenbruch
- Abgabedatum: Oktober 2000
- Umfang: 115 Seiten
- Dateigröße: 501,2 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4192-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4192-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4192-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Weißenbruch, Christian Oktober 2000: Psychologische Untersuchung zum Erleben von Atomenergie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Meinungen, Politik, Umweltschutz, Psychologie, Atomenergie
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Diplomarbeit von Christian Weißenbruch
Einleitung:
Die Betrachtung der Geschichten, die bei der Konfrontation mit der Atomenergie erzählt wurden, führte zur Herausarbeitung einer polaren Grundspannung zwischen zwei miteinander konkurrierenden Bildern. Das Atom versetzt in diffuse und undurchschaubare Verhältnisse. Da wird geklagt über gesellschaftliche Missstände und eigene Orientierungslosigkeiten. Gefangen in einem diffusen Nebel ist man einer ungeheuren, unheimlichen und zersetzenden Macht ausgesetzt, die man aber selbst geschaffen hat. Man erleidet Ohnmacht an unbestimmbaren Verhältnissen. Als alternative Umgangsweise bietet es sich an, es einmal darauf ankommen zu lassen und die `Bombe zu zünden` und sich der Verwandlungsmächte zu bedienen, die im Atom angelegt sind. Dann will man selbstbestimmt durcheinanderwirbeln und neu ordnen und traut sich zu, sich der ungeheuren Macht selbstbewusst zu bedienen.
Die weitere Analyse offenbarte dann die zugrundeliegende Struktur eines doppelten ambivalenten Verhältnisses. Die Atomenergie ist zum einen eine Bedrohung, zum anderen eine Verheißung: Verwandlung kann Fluch, aber auch Segen sein. Gerade diese Unbestimmtheit will man überwinden, aber man möchte sie auch am Leben erhalten, weil man nur in Abgrenzung von einem beweglichen und unscharfen Hintergrund eigene Formen und Fassungen als konturierte Gestalten erlebt. Im Spannungsfeld zwischen diesen Ambivalenzen muss das Seelische eine Lösung für folgendes Problem finden: Wie kann Seelisches das diffuse Unverfügbare und Unbestimmbare von Verwandlung so behandeln, dass es als verfügbare und bestimmbare Form erfahren und erlebt wird ? – Diese Frage wies auf das seelische Grundproblem des Fesselns und Entfesselns von Verwandlungsmächten hin. Dieses Grundparadox erfährt im konkreten Umgang mit dem Atom eine Lösung in einem Gebot der Gleichzeitigkeit unvereinbarer Gegensätze: Beide Spannungspole müssen sich verwirklichen. Seelisches muss sich eine sinnhafte Position geben zwischen einem Sich-Einlassen auf die unkontrollierbaren aber auch erregend-faszinierenden Erlebensqualitäten unbestimmbarer Verwandlungen und der Notendwigkeit, das Unbestimmte bestimmt zu machen und die Verwandlungsangebote in eine kontrollierte Fassung einzubinden. In diesem grundlegenden Spannungsfeld ließen sich 5 voneinander abgrenzbare Umgangstypen erkennen: Seelisches will Verwandlungsmächte radikal fesseln.
- Seelisches will Verwandlungsmächte entfesseln, um daran eigene Formen und Fassung und Fesselungskünste zu überprüfen.
- Seelisches will sich nicht festlegen und distanziert sich, indem es schnell wechselt zwischen Fesselung und Entfesselung.
- Seelisches träumt von verheißungsvollen Entfesselungen, hat aber Angst vor bedrohlichen Entwicklungen und fesselt deshalb Verwandlungsmächte in absichernden Fassungen.
- Und schließlich: Seelisches sehnt sich nach radikalen Umbrüchen und möchte Verwandlungsmächte entfesseln, ohne genau zu wissen, wohin die Entwicklung geht.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 2 |
| 2. | Psychologische Literatur zum Thema Atomenergie | 6 |
| 3. | Theorie und Methode | 16 |
| 4. | Vereinheitlichende Beschreibung | 30 |
| Hauptbild: Verloren im diffusen Nebel des bedrohlichen Unbestimmten | ||
| Zug 1: Stillstand im unheimlichen Nirgendwo | ||
| Zug 2: Im Sog der dunklen Mächte und auf der Suche nach Schuldigen | ||
| Zug 3: Der Drache erwacht | ||
| Zug 4: Eigene Schuld und Selbsterfahrung des modernen Prometheus | ||
| Nebenbild: Die Bombe zünden und alles verwandeln | 60 | |
| Zug 1: Exorbitanter Größenwahn | ||
| Zug 2: Existenzielle Demut | ||
| Zug 3: Reset und kreative Neuordnung | ||
| 5. | Psychologisierende Fragestellung | 73 |
| 6. | Konstruktion | 83 |
| 7. | Typisierung | 92 |
| Gar nicht erst hinsehen: Entschiedenes Begrenzen von Verwandlung | ||
| Das Duell mit dem Atom: Die gezügelte Verwandlung als kräftemessender Selbstbeweis | ||
| Die Atom-Satire: Distanzierte (Ent-)fesselungsspiele | ||
| Energiewende-Utopie: allmähliche Entfesselung wohlüberlegter Verwandlungen | ||
| Katastrophensehnsucht und Revolutionsdrang: Verzweifeltes Entfesseln | ||
| 8. | Zusammenfassung | 104 |
| 9. | Schlussbetrachtung | 105 |
| Literaturverzeichnis | 108 |
Wasser entweicht...(lacht)...Es entweicht natürlich nicht...das ist ja kein böser Tiger in nem Käfig, der da steht und dann plötzlich entweicht“ (6). - Gerade diese hier beschriebene Eigendynamik und Unkontrollierbarkeit sind der wesentliche Charakterzug der Atomgestalt. In dieser Eigenart aber erkennt man im Atom ein Prinzip, das einem überall im Leben begegnet und das man nicht zuletzt selbst produziert: „..man muß unterscheiden zwischen Theorie und Praxis, so hart wie sich das anhört. Es gibt kein System auf dieser Welt – ganz egal womit man arbeitet – sei es die Kaffeemaschine oder der Fahrradmantel, das sicher wäre vor einem Leck, einem Loch. Ein Leck ist immer drin. (...) Das System sucht sich immer seine Freiheitsgrade“ (3). Atomenergie erscheint hier als ein Wesen, das sich nicht einsperren läßt und das dem Menschen überlegen ist. Diese Eigendynamik des Atoms kann und will aber nicht losgelöst vom Problem der menschlichen Verantwortung gesehen werden: Der Mensch will die letztliche Übermacht seiner Schöpfungen nicht einsehen: „Wir sind ja technisch so hoch entwickelt und da kann uns nichts passieren. Und dann stellt sich irgendwann heraus, dass doch was passiert. Dass es Fehler geben kann, liegt in der Natur der Sache. Solange Menschen da sind, die die Dinger bedienen, kann es auch immer menschliche Fehler geben...mit Folgen wie Tschernobyl“ (6). [...]
personifizierbare und konkretere Schuld-Gestalt, an der man sich messen kann. Das unmittelbarste Angebot einer Personifizierung ist die Atomenergie selbst. Gerade in ihrer Unsichtbarkeit scheint sie Angebote für fantasievolle Projektionen zu machen. Da sucht man Bilder und spricht von der Atomenergie als würde es sich um eine Person oder zumindest um einen einheitlichen lebenden Organismus handeln. Man sehnt sich nach einer Allegorie, die Wirklichkeit wird, damit man weiß, wo man hinsehen muß: „Einfach, dass zwischendurch ein technischer Fehler auftritt, mit dem man im Augenblick..oder mit dem ein Techniker im Augenblick überfordert ist. Der führt dann dazu, dass meinetwegen Luft abgelassen wird, die vielleicht radioaktiv ist oder dass [...]
fordert Bescheidenheit und ein Zurück-zur-Natur in Form regenerativer Energien ! „Also ich denke, wir haben einfach eine Verantwortung für die nach uns und auch für die Schöpfung. Also jeder, der an Gott glaubt, muß Atomenergie eigentlich deshalb alleine schon ablehnen, weil das ein Eingriff in .. ja in die Natur ist, der alles durcheinanderbringt und wo man einfach alles, was ein Gott so gewollt hat und so geschaffen hat....äh....schädigt“ (5). Es dominieren aber die Klagen: Maßlosigkeit und Konsum behaupten sich als die dominanten Kräfte im System Gesellschaft. - „Ich glaube nicht mehr an das Gute im Menschen. Wenn sich hier noch was ändern soll, dann müßte Gott schon selber irgendwie eingreifen und..den Menschen den Kopf zurecht rücken“ (3). – Trotz der Einsicht fühlt man sich somit ohnmächtig und mit dem Gebot der Veränderung überfordert. Der Mensch ist schwach und benötigt eine Regulation von außen: „Genauso mit den 5 Litern..äh...quatsch...5 Mark pro Liter....das wäre im Prinzip ja richtig, weil sonst..kriegen wir das mit den Abgasen vielleicht nie in den Griff...aber..also ich fahr ja wirklich viel Auto und oft ja auch nur so zum Spaß und ich weiß, so einfach kann ich mir das nicht abgewöhnen, auch wenn ich durchaus weiß, wie scheiße das ist und eigentlich verantwortungslos der Natur gegenüber...aber wenn der Liter fünf Mark kosten würde, ..dann würd ich vielleicht auch erst mal meckern...würde das anprangern sozusagen, ja..aber...aber im Prinzip wüßte ich schon, dass das richtig ist und das einzig Vernünftige. Anders würd ich aber nichts ändern daran. Ich kenn mich ja auch“ (10). Eigendynamik und Verantwortungslosigkeit: Der Mensch überschätzt sich und ist hochmütig. Aber diese eigene Einbindung in ein schuldhaftes System bleibt sehr vage und verschwommen. Man geht einen Schritt weiter und erschafft sich eine [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832441920
Arbeit zitieren:
Weißenbruch, Christian Oktober 2000: Psychologische Untersuchung zum Erleben von Atomenergie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Meinungen, Politik, Umweltschutz, Psychologie, Atomenergie



