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Psychologie der Vergleichsverhandlung

Eine Untersuchung zum Handeln und Erleben von Juristen in Vergleichsverhandlungen

Psychologie der Vergleichsverhandlung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thorsten Schliemann
  • Abgabedatum: Februar 1993
  • Umfang: 80 Seiten
  • Dateigröße: 3,5 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Trier Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5801-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5801-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5801-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schliemann, Thorsten Februar 1993: Psychologie der Vergleichsverhandlung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: forensische Psychologie, Kommunikationstraining, NLP

Diplomarbeit von Thorsten Schliemann

Einleitung:

Wer mit dem nicht ganz alltäglichen Thema der Vergleichsverhandlung in Zivilprozessen in einer Diplomarbeit der Psychologie konfrontiert wird, wird sich fragen, wie diese Thematik in die psychologischen Wissenschaften einzuordnen ist. Da sich aus einer solchen Einordnung auch schon die generelle Zielsetzung der vorliegenden Arbeit ableiten läßt, wird sich der folgende Abschnitt mit dieser Frage beschäftigen.

Man kann zu drei verschiedenen Annäherungsbereichen von Psychologie und Recht kommen 1. Psychologie im Recht: Die rechtlichen Ziele sollen hierbei mit zusätzlichen psychologischen Mitteln erreicht werden, ohne daß dabei die rechtlichen Ziele selbst in Frage gestellt werden sollen. Typische Beispiele für diesen ersten Bereich sind: Begutachtung der Zurechnungsfähigkeit von Straftätern, Untersuchungen zur Glaubwürdigkeit von Zeugen, um nur einige Bereiche zu nennen. Dieser Bereich ist der Bereich der typischen forensischen Psychologie. Die Psychologie ist hier eine Hilfswissenschaft des Rechts. Ganz anders sieht es aber in der zweiten Kategorie aus.

2. Psychologie und Recht: Hier sind die beiden Disziplinen ebenbürtige Partner. Die Psychologie untersucht hier die allgemeinen Verhaltensgesetzmäßigkeiten, durch die sich die am Rechtssystem beteiligten Personen leiten lassen. Typische Beispiele für diesen Bereich sind: Hilfe in der Verhandlungsführung, bei der Vernehmung von Zeugen und für die Entscheidung des Rechtsfalles.

3. Psychologie des Rechts: Das Recht wird hier selbst zum Untersuchungsobjekt und es wird gefragt, inwieweit Menschen Recht brauchen, wie wichtig Recht zur Determinierung rechtsgemäßen Verhaltens ist, welche psychologischen Konsequenzen die Verletzung rechtlicher oder ethischer Normen hat und durch weiche Prozesse rechtliche und ethische Normen intemalisiert und damit eher personelle denn soziale Standards werden. Dieser Bereich befaßt sich also mit dem psychologisch, philosophischen Hintergrund des Rechts.

Wie wir sehen, können wir diese Arbeit hier schon etwas genauer einordnen, als nur global in die forensische Psychologie. Nach dieser Taxonomie gehört sie in den Bereich „Psychologie und Recht“.

In dieser Arbeit sollen also die allgemeinen Verhaltensgesetzmäßigkeiten von Verhandlungssituationen in Vergleichsverhandlungen im Zivilprozeß untersucht werden. Untersuchen meint, im eigentlichen Sinne, eine empirische Untersuchung im Labor oder im Feld. Untersuchungen im Labor werden aber teilweise kritisiert, da die dort gefundenen Ergebnisse meist nicht auf den juristischen Alltag passen. Aus diesem Grund sollte ursprünglich im Rahmen dieser Arbeit eine Untersuchung im Feld, nämlich bei Vergleichsverhandlungen, in Form einer Verhaltensbeobachtung durchgeführt werden. Wie später noch zu zeigen sein wird, stellte sich jedoch auch diese Form der Untersuchung als unmöglich, im Rahmen einer Diplomarbeit, durchführbar heraus. Aus diesem Grund wird in dieser Arbeit die Form der Literaturrecherche gewählt, die juristische und psychologische Ansätze zu Verhandlungssituationen bei Vergleichen in Zivilprozessen berücksichtigt. Aus dieser Literaturrecherche heraus soll sich dann allerdings der Vorschlag zu einem psychologischen Verhandlungstraining herleiten. Dieses Training könnte dann durchgeführt und die Effektivität desselben untersucht werden. Über diesen Umweg kann man dann doch zu allgemeinen Verhaltensgesetzmäßigkeiten der Verhandlungsführung gelangen. Dieser Weg ist zwar einen Schritt länger als die direkte Beobachtung im Feld, jedoch gibt sie den Juristen sehr schnell Mittel an die Hand, die sie in Verhandlungssituationen einsetzen können. Die Juristen bekommen schnell handhabbares Material an die Hand, welches sie einsetzen können. Eine spätere Evaluation muß dann zeigen inwieweit dieses Material geändert werden muß oder welche weiteren Punkte noch Berücksichtigung finden müssen.

Diese Arbeit versteht sich also mehr als Anregung zu psychologischer Untersuchung, denn als empirische Untersuchung selbst. Zu diesem Vorhaben müssen der juristische und der personale Hintergrund von Vergleichsverhandlungen erst einmal dargestellt werden. Dies wäre nicht so wichtig, wenn sich die Arbeit hauptsächlich an eine juristische Leserschaft wenden würde, ist jedoch von daher von Nöten, da gerade auch psychologische Leser von ihr zu weiterem Nachdenken und Untersuchen zu diesem Thema angeregt werden sollen.

Bis hierher haben wir festgestellt, daß diese Arbeit der angewandten Sozialpsychologie, hier speziell dem Bereich Psychologie und Recht, verschrieben ist. Gleichzeitig stellt die vorliegende Arbeit aber auch einen Beitrag zur ökologischen Psychologie dar, da der Barkersche Behavior - Setting – Ansatz, unter dessen Verwendung Vergleichsverhandlungen untersucht werden sollen, zu diesem Teilgebiet der Psychologie gehört. Weiterhin wird der Behavior -Setting - Ansatz das Verbindungsglied zwischen der sozialpsychologischen Rahmentheorie, der Handlungstheorie, und dem zu erstellenden Verhandlungstraining darstellen. Das Verhandlungstraining wird, neben schon von juristischer Seite aus ausgearbeiteten Trainingspunkten, auf dem Informationsverarbeitungs- und Informationsbeeinflussungsansatz des NLP (Neuro-Linguistisches-Programmieren) beruhen. Die Evaluation eines solchen, nach dem NLP durchgeführten Trainings, wäre dann gleichzeitig eine Bestätigung, für die teilweise noch wissenschaftlich unbewiesenen, Annahmen der Autoren.

Somit können wir an diesem Punkt das Ziel dieser Arbeit wie folgt charakterisieren:

Es soll das Erleben und Verhalten von Juristen in Vergleichsverhandlungen untersucht werden, um hernach, auf der Basis einiger psychologischer und juristischer Überlegungen, zu einem Trainingsprogramm zu kommen, welches zu einer Optimierung der erlebnis- und verhaltenswirksamen Bedingungen beitragen kann.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Einordnung und Zieldefinition 6
1.2 Der heutige Forschungsstand 10
1.2.1 Erkenntnisse zur Strukturbildung in Vergleichen 11
2. Darstellung des juristischen Hintergrunds von Vergleichen
2.1 Einleitung 13
2.2 Die Voraussetzungen für einen Vergleich 14
2.2.1 Gegenseitiges Nachgeben 14
2.2.2 Ungewißheit über die Rechtslage 15
2.2.3 Die Form 15
2.2.4 Die Verfügbarkeit 16
2.3 Wie kommt es zu einem Vergleich? 17
2.4 Inhalt des Vergleichs 18
2.4.1 Die Vollstreckbarkeit 18
2.4.2 Die Grundlage des Vergleichs 18
2.4.3 Regelumfang des Vergleichs 19
2.5 Abschließende Bemerkungen 19
3. Verhandlungspartner aus der Sicht des Rechtsanwalts
3.1 Einleitung 20
3.2 Konfliktforschung 21
3.3 Der Richter 24
3.4 Die Mandanten des Rechtsanwalts 25
3.5 Schlußbemerkung 25
4. Psychologische Ansätze und Theorien
4.1 Einleitung 26
4.2 Die Grundannahmen der Behavior Setting Theorie 26
4.2.1 Bestimmungsstücke eines Behavior Settings 27
4.3 Die Rollentheorie 31
4.3.1 Das Identitätskonzept von Mead 32
4.4 Konklusion 33
4.5 Die sozialpsychologische Handlungstheorie 35
4.6 Zur Schwierigkeit einer Beobachtung in Vergleichsverhandlungen 37
4.6.1 Von der Schwierigkeit zu beobachten, hin zu einem neuen Konzept 40
5. Hinführung zu einem Training für Juristen in Vergleichsverhandlungen
5.1 Einleitung 41
5.1.1 Integration der bisher vorgestellten Theorien und Konzepte 42
5.2 Darstellung des Neuro Linguistischen Programmierens 45
5.2.1 Vorbemerkung 45
5.2.2 Historischer Hintergrund des NLP 45
5.2.3 Repräsentationssysteme 46
5.2.4 Kognitiver Prozeß im NLP 48
5.2.5 Augenbewegungen und sprachliche Repräsentation 51
5.2.6 Das Konzept der Submodalitäten 52
5.2.7 Schlußbemerkung 54
6. Entwurf eines Trainings für Juristen in Vergleichsverhandlungen
6.1 Einleitung 55
6.2 Durchführung des Trainings 55
6.2.1 Einführung in das Trainingsthema und in die Theorie und Praxis des NLP 57
6.2.2 Beachtung der Werte der Verhandlungsteilnehmer 57
6.2.3 „Sich in den anderen hineinversetzen“ 58
6.2.4 Kommunikation 59
6.2.4.1 Rapport 59
6.2.4.1.1 Pacing 59
6.2.4.2 Kalibrieren 60
6.2.4.3 Filter 61
6.2.5 Strategien 61
6.2.6 Ziele 62
6.3 Schlußbemerkung 63
7. Diskussion 64
8. Literaturverzeichnis 66
9. Anhang
9.1 Anhang A 71
9.2 Anhang B 74

Arbeit zitieren:
Schliemann, Thorsten Februar 1993: Psychologie der Vergleichsverhandlung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
forensische Psychologie, Kommunikationstraining, NLP

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