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Psychische Folgen des Nationalsozialismus

An Beispielen ehemaliger KZ-Häftlinge

Psychische Folgen des Nationalsozialismus
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Karin Stepanek
  • Abgabedatum: März 2001
  • Umfang: 182 Seiten
  • Dateigröße: 3,9 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6492-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6492-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6492-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stepanek, Karin März 2001: Psychische Folgen des Nationalsozialismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Konzentrationslager, Wiedergutmachung, NS-Zeit, Juden, Mauthausen

Magisterarbeit von Karin Stepanek

Problemstellung:

Die vorliegende Arbeit versucht einen Einblick in die Vernichtungsmaschinerie in Form der Konzentrationslager während des Dritten Reiches zu geben. Um dies zu erreichen, gliedert sich die Arbeit in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Der theoretische Teil soll vor allem einen Überblick über die Ideologie, die im Dritten Reich herrschte und auf die sich das Phänomen der Konzentrationslager stützte, das System der KZs und die Organisation der Konzentrationslager geben. Dazu wird der erste Teil der Arbeit in vier Kapitel gegliedert.

Gang der Untersuchung:

Das erste Kapitel wird sich mit der Ideologie des Dritten Reiches auf die sich das System der Vernichtungslager stütze, befassen. In diesem Kapitel soll vor allem aufgezeigt werden, wie sich Hitlers Rassenwahn äußerte, auf welche Bevölkerungsgruppen er sich bezog und welche Dimensionen er annahm. Der Schwerpunkt wird hier auf dem Endziel der Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa liegen. Darüber hinaus wird auch aufgezeigt werden, daß sich das Ziel der Vernichtungsmaschinerie auch auf andere Gruppen, wie z.B. Russen, Polen und andere Nationalitäten, Homosexuelle, Zigeuner, religiöse Sekten etc. bezog.

Das zweite Kapitel ist dem System der KZs als Vernichtungslager gewidmet. Eine Schlüsselrolle spielte hier die Tatsache, daß der Vernichtungsapparat der SS vor allem ab 1941 einem geradezu industriell betriebenen Massenmord gleichkam. Nachdem auf die Entstehung der KZs mit Anfang 1933 eingegangen wird, wird auch der Tatsache Augenmerk geschenkt werden, daß es anfangs eher politische Häftlinge, später jedoch vorwiegend unerwünschte Bevölkerungs-gruppen waren (die bereits oben erwähnten Gruppen), gegen die sich die „Säuberungsmaßnahmen“ richteten. Auch werden die „gesetzlichen“ Grundlagen beleuchtet, die der nationalsozialistischen Maschinerie die rechtliche Grundlage boten, Menschen willkürlich in die Lager einzuweisen (Verordnungen, die die Polizei zur Schutzhaft ermächtigten, das Ermächtigungsgesetz vom 24.3.1933, das Reichsbürgergesetz, etc.).

Einen weiteren Schwerpunkt dieses Kapitels soll die Tatsache bilden, daß mit Voranschreiten des Krieges immer mehr ausländische Häftlinge aus allen Teilen Europas für die Überflutung der Konzentrationslager sorgten, trotzdem die Todesraten rasant stiegen. Schließlich soll die Rolle der Häftlinge als Arbeitskräfte für die Industrie behandelt werden.

Im dritten Kapitel wird die lagerinterne Organisation der KZs behandelt. Es soll aufgezeigt werden, wie die Lager organisiert waren, welche Hierarchie es beim Bewachungspersonal in den KZs gab, aber auch wie die Lagerleitung für eine Organisation unter den Häftlingen sorgte.

In Kapitel V sollen schließlich die in den ersten drei Kapiteln gemachten Aussagen an dem konkreten Beispiel Mauthausen demonstriert werden.

Der auf den theoretischen folgende empirische Teil stützt sich vor allem auf vier Interviews, die mit ehemaligen KZ-Häftlingen geführt wurden. In den Interviews wird auf die Bedingungen in den KZs, auf die Folgen, die der dortige Aufenthalt auf überlebenden Häftlinge hatte, auf Überlebensstrategien der Häftlinge und auf sonstige Gründe, die für ein Überleben möglicherweise ausschlaggebend waren, wie z.B. Abstammungsgründe, besondere Verhältnisse zum Bewachungs-personal, Solidaritätshandlungen, etc. eingegangen werden. Auch soll versucht werden, mittels der Interviews Information darüber zu gewinnen, inwieweit die Erlebnisse im KZ die Psyche der Betroffenen verändert hatten. Schließlich soll auch abgeklärt werden, inwieweit die Häftlinge mit der Tatsache psychisch belastet waren, daß sie für eine Kriegsmaschinerie, die zu ihrer eigenen Vernichtung beitrug, als Arbeitskräfte eingesetzt wurden.

Zu diesem Zweck werden 7 forschungsleitende Fragen gestellt, die im Anschluß an die Interviews vor dem Hintergrund der Aussagen der Interviewten ausgewertet werden.

Eine zusammenfassende Schlußbetrachtung wird die Arbeit abrunden.

Inhaltsverzeichnis:

I. Zielstellung und Aufbau der Arbeit 7
a. Zielstellung 7
b. Aufbau der Arbeit 7
II. Einleitung 11
a. Geschichtlicher Rückblick 11
b. Begriffsabgrenzung 12
III. Ideologie und Rassenwahn im Dritten Reich 16
a. Verfolgte Gruppen 16
b. Die Verfolgung der Juden - Der Versuch der Auslöschung eines gesamten Volkes 18
IV. Das System nationalsozialistischer Konzentrationslager 23
a. Zahlenmäßige Entwicklung und Verbreitung der Konzentrationslager 23
b. Die „gesetzlichen“ Grundlagen für die Gräueltaten des SS-Apparates 25
c. Konzentrations- und Vernichtungslager als Ort der Systematisierung von Gewalt und Terror 28
c.a Einschüchterungs-, Folter- und Terrormethoden der SS in den Konzentrations- und Vernichtungslagern 29
c.a.a Die Standortwahl der Konzentrationslager 29
c.a.b Die Lebensbedingungen im KZ 30
c.a.c Der quälende Hunger 31
c.a.d Der lagerinterne Normen- und Strafsystem 32
c.a.e Angst und Abschottung 32
c.a.f Extremer Platzmangel 33
c.a.g Entindividualisierung 33
c.a.h Die Brechung des Einzelnen 34
c.a.i Muselmänner 35
c.b Gräueltaten in Konzentrations- und Vernichtungslagern - ein Zeugnis menschlicher Inhumanität 36
c.b.a Die Arbeit als Foltermethode 36
c.b.b Todesmärsche 37
c.b.c Medizinische Experimente 38
c.b.d Gräuel an Kindern 39
c.b.e Die Hinrichtung 40
d. Die Ausbeutung der KZ-Häftlinge für die Industrie 41
V. Die Lagerorganisation 45
a. Die Spitze der Hierarchie 45
b. Das Lagerpersonal 45
c. Die Verwaltung 47
d. Das Sanitätswesen 47
e. Der Politische Sektor 47
f. Das Bewachungspersonal 48
g. Die Häftlingsfunktionäre 48
h. Die Organisation unter den Häftlingen 49
VI. Das Konzentrationslager Mauthausen 53
a. Standortwahl 53
b. Häftlingszusammensetzung 53
c. Häftlingsidentifikation 55
d. Mauthausen - ein Lager der Lagerstufe III 56
e. Räumliche Anordnung und spezielle Einrichtungen des Konzentrationslagers Mauthausen 56
f. Arbeits- und Tagesablauf im KZ Mauthausen 67
g. Verpflegung der Häftlinge 68
h. Nebenlager 69
i. Die Befreiung Mauthausens 69
VII. Das Leben im KZ und seine Folgen dargestellt an Hand von Interviews mit Betroffenen 70
a. Forschungleitende Fragen 70
b. Methodik 71
c. Persönliche Daten - Charakterisierung der Interviewpartner 72
d. Auswertung der Interviews vor dem Hintergrund der forschungsleitenden Fragen 75
e. Zusammenfassende Schlußfolgerungen 92
VIII. Anhang 96
a. Interviews mit ehemaligen Kz-Häftlingen 96
a.a Irma Trksak 96
b.b Dr. Hermann Lein 121
c.c Leo Kuhn 138
d.d Mag. Kurt Hacker 154
b. Erklärungen der Fachausdrücke 171
IX. Quellenangaben 173

Automatisiert erstellter Textauszug:

T: Ich habe in einer Widerstandesgruppe der tschechoslowakischen Minderheit in Wien mitgearbeitet. Es wird meistens angenommen, daß nur Juden im KZ waren. Die sind ins KZ gekommen, weil sie Juden waren, haben aber keinen Widerstand geleistet. Diesen Unterschied möchte ich immer wieder betonen. I: Sie sind Also 45 wieder rausgekommen? T: Ja, Ende April 1945 wurde das Lager evakuiert. Und im Zuge der Evakuierung sind wir rausgetrieben worden aus dem Lager. Ich bin geflüchtet während sie uns rausgetrieben haben. Also ich sag immer, ich habe mich selber befreit. Irgendwie schon Ja. Also gut, wir mußten warten und die trieben uns raus, die SS. Und es ist uns vielen gelungen, weil da war schon Chaos, zu flüchten. I: Was war Ihr Beruf vor der Inhaftierung? T: Ich war Lehrerin auf einer tschechischen Schule. I: Und nach der Inhaftierung? T: Was ich nachher gemacht habe? Nachher habe ich gearbeitet, auf der tschechoslowakischen Versandschaft als Vertragsangestellte. Danach war ich in der Privatwirtschaft. Also ich bin nicht mehr als Lehrerin gegangen aus Gesundheitsgründen. Außerdem hätte ich auch nostrifizieren müssen. Ich habe meine Lehrerbewegung in Prag gemacht. Aber ich habe in Wien unterrichtet. Hier, in Wien, gab es ja unzählige tschechische Schulen. Meine Eltern sind als junge Menschen in der Monarchie aus der Slovakei gekommen. Und schon natürlich als junge Menschen haben sie geheiratet und gelebt und wir sind alle in Wien geboren. Wir sind Österreicher aber unsere Abstammung ist, und ich bekenne mich noch immer zu dieser Abstammung, doch was man von anderen nicht sagen kann, wenn Sie sich das Telefonbuch anschauen, wieviele Tschechen es gab, und wer sagt schon, auch meine Abstammung ist, oder bekennt sich auch noch dazu. Das will ich auch noch betonen. Also ich bin noch immer Mitglied in tschechischen Vereinen, die hier [...]

VIII. Anhang: a. Interviews mit ehemaligen KZ-Häftlingen: a.a. Frau Irma Trksak: I: Wie lautet Ihr voller Name? T: Der Vorname ist Irma und der Nachname Trksak. I: Und Ihr Alter ist? T: Heißen Sie Stepanek oder Stepanik? I: Stepanek T: Denn mein Freund hieß Stepanik. Der ist im Lager umgekommen. Ja, also seine Familie, sein Neffe, lebt noch und mit dem habe ich Kontakt. Also ich wollt nur... I: Ja, ist schon in Ordnung. Und wie alt sind Sie? T: 81. I: Familienstand? T: Ledig. I: Geburtsort? T: Wien. I: Sie waren also in einem KZ? T: Ja, in Ravensbrück. Im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. I: Waren Sie nur in einem KZ? T: Ja, nur in einem. I: Können Sie mir genau sagen, von wann bis wann Sie in diesem KZ waren? T: Ja, ich war ein Jahr vorher in Einzelhaft. Das war im Polizeigefängnis auf der Roßauer Lände. Verhaftet im Jahre 41, im September. Und ein Jahr danach im Jahre 42 kam ich nach Ravensbrück. Dort blieb ich bis zu Befreiung. Also Befreiung, wie man es halt nennt. I: Weshalb kamen Sie ins KZ? [...]

Bewältigungsstrategien gaben alle vier Befragten an, keine psychiatrische Betreuung zu Hilfe gezogen zu haben. Darüber hinaus ist festzuhalten, daß alle vier Befragten in unterschiedlichem Maße seelische Schäden davon getragen hatten. Vor allem Frau Trksak und Dr. Lein kämpften nach wie vor mit den belastenden Erinnerungen und mit Alpträumen, wobei diese bei Dr. Lein nach 10 Jahren beinahe aufhörten. Kurt Hacker, dessen Aufenthalt im KZ am kürzesten von allen vier Befragten war, klagte am wenigsten über seelische Schäden. Vor allem Leo Kuhn versuchte seine Erinnerungen durch Verdrängung zu bewältigen. Da seine Aussage am Schluß des Interviews eine starke allgemeine Aussagekraft hat, sei er abschließend zu dieser Arbeit zitiert: „Die Leute fragen immer, wieso ich nach Mauthausen gehen kann. Ich kann nur nach Mauthausen gehen, weil ich verdränge. Aber wir verdrängen ununterbrochen. Wenn Sie das alles lesen vom Sudan usw., wenn Sie ständig mit dem konfrontiert sind, werden Sie nicht leben können. Wir leben alle miteinander, ob wir wollen oder nicht, in einer Verdrängungswelt.“ [...]

Arbeit zitieren:
Stepanek, Karin März 2001: Psychische Folgen des Nationalsozialismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Konzentrationslager, Wiedergutmachung, NS-Zeit, Juden, Mauthausen

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