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Prostitution und Psyche

Prostitution und Psyche
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Yasmin Dastagir
  • Abgabedatum: Juli 2008
  • Umfang: 70 Seiten
  • Dateigröße: 456,6 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Koblenz Deutschland
  • Bibliografie: ca. 45
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2010-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Dastagir, Yasmin Juli 2008: Prostitution und Psyche, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Prostitution, Psyche, Gewalterfahrung, Bewältigungsstrategie, Gewaltverarbeitung

Diplomarbeit von Yasmin Dastagir

Einleitung:

Prostitution gilt im Volksmund als das ‚älteste Gewerbe der Welt‘ und sie kommt praktisch in allen Kulturen vor. Über die Jahrhunderte hinweg wurden die Frauen, die ihren Körper verkaufen, bewundert und zugleich verachtet und stets wurden sie voyeuristisch beäugt. Wenn man Begriffe wie Hure, Dirne oder Prostituierte hört, verbindet man diese automatisch mit klischeehaften Vorstellungen von etwas Unsittlichem oder etwas Erotischem. Da Prostituierte eine Randgruppe der Gesellschaft bilden, wird meist auffällig schnell über sie geurteilt. Die vorliegende Diplomarbeit ‚Prostitution und Psyche‘ beleuchtet einzelne Aspekte des Gefühlslebens von Prostituierten selbst und soll für diese Thematik sensibilisieren.

Das Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse von Prostituierten (Prostitutionsgesetz – ProstG) vom 20. Dezember 2001, trat am 01. Januar 2002 in Deutschland in Kraft. Seitdem gilt Prostitution nicht mehr als sittenwidrig, explizit unter Verbot stand diese jedoch auch zuvor nicht. Prostitution wird seit 2002 offiziell als Dienstleistungsgewerbe anerkannt. Das Prostitutionsgesetz soll die rechtliche Stellung von Prostituierten verbessern, den betroffenen Frauen steht eine Sozialversicherung zu, und sie können bei Bedarf den vereinbarten Preis einklagen, falls sich ein Kunde zahlungsunwillig zeigt. In den Niederlanden wird mit dem Thema Prostitution offener und selbstverständlicher umgegangen. Dieses wird dadurch ersichtlich, dass Arbeitsämter aktiv Stellen als Prostituierte vermitteln und es drängt sich die Vermutung auf, dass es mittlerweile als gewöhnliche und zumutbare Arbeit betrachtet wird. Währenddessen zeigt sich Schweden rigoros bei der Bekämpfung von Prostitution: Diese ist seit 1999 verboten. Sowohl die Niederlande als auch Schweden beziehen klar Stellung zu dieser politisch gern missachteten Angelegenheit. In welche Richtung bewegt sich Deutschland? Wurde mit der gesetzlichen Legalisierung ein falsches Zeichen gesetzt? Im Zuge einer Verbesserung der Lebensumstände von Prostituierten, wurde die Prostitution als solche parallel legalisiert und somit anerkannt. Wird die Agentur für Arbeit in Kürze Stellenangebote als Prostituierte für Arbeitssuchende vermitteln?

Im Rahmen meiner Diplomarbeit möchte ich aufzeigen, welche psychischen Folgen die Prostitutionsarbeit nach sich ziehen kann, welche Situationen als seelisch belastend empfunden werden und wie die Betroffenen mit den Problemsituationen umzugehen versuchen. Ferner möchte ich die These belegen, dass alle Prostituierten, gleichgültig unter welchen Arbeitsbedingungen diese agieren, unter schwerwiegenden seelischen Belastungen zu leiden haben. Grundsätzlich kann man vier Prostitutionsarten benennen: Die weiblich-heterosexuelle Prostitution, weiblich-homosexuelle Prostitution, männlich-heterosexuelle Prostitution und die männlich-homosexuelle Prostitution. In den weiteren Ausführungen beziehe ich mich ausdrücklich auf die weiblich-heterosexuelle Prostitution, da sie meinem Eindruck nach am häufigsten auftritt und der gesellschaftliche Focus primär auf diese Form gerichtet ist. Die Begriffe Sexarbeiterin und Prostituierte werden synonym verwendet, da in der Literatur diesbezüglich keine Differenzierung festzustellen ist. Pornodarstellerinnen, Stripperinnen und Frauen die für Telefonsexhotlines arbeiten, werden nicht miteinbezogen, da dies meiner Ansicht nach Nebenbereiche des Prostitutionsmilieus sind. Als Umschreibung für den bezahlten Geschlechtsverkehr zwischen der Prostituierten und ihrem Freier, werde ich den Ausdruck prostitutiver Akt verwenden.

Der Aufbau der Diplomarbeit gliedert sich wie folgt: Im zweiten Kapitel werden die unterschiedlichen Prostitutionsformen aufgezeigt, da je nach Arbeitsfeld auch unterschiedliche Bedingungen vorherrschen. Im Anschluss daran werde ich den internationalen Frauenhandel und die Zwangsprostitution kurz ansprechen, darauf folgend wird der Zuhälterbegriff beschrieben.

Ferner werde ich der Frage nachgehen, was die Frauen dazu bewegt, den Prostitutionsberuf zu ergreifen. Hier werden monetäre Motive aufgezeigt und in Frauen unterteilt, die sich aufgrund einer materiellen Not für die Sexarbeit entscheiden, und denjenigen, die ihren Lebensstandard erhöhen wollen beziehungsweise sich zusätzlichen Luxus erhoffen. In Verbindung damit werden im Anschluss emanzipatorische Ansätze aufgedeckt und unter anderem Gründe eruiert, die nicht mit dem Motiv Geld in Verbindung stehen. Im Verlauf der vorliegenden Arbeit werden die Sexarbeiterinnen an gegebener Stelle in zwei Gruppen unterteilt: in eine obere und in eine untere Stufe der Prostitutionshierarchie.

Diese Unterteilung wird noch ausführlich erklärt. Im dritten Kapitel werden die seelischen Auswirkungen und Belastungen des Prostitutionsberufes aufgezeigt, worauf, wie eingangs erwähnt, unter anderem mein Focus liegt. Darin werde ich zunächst das Doppelleben beleuchten, das fast alle der Prostituierten führen, ungeachtet dessen, welcher Prostitutionsform sie angehören und die daraus resultierenden seelischen Auswirkungen aufzeigen.

Im Anschluss daran, wird der Frage nachgegangen, welche Belastungssymptome bei den unteren Rängen der Prostitutionshierarchie in Erscheinung treten können. Darauf folgend wird das Thema Gewalt behandelt. Die psychische, körperliche und sexuelle Gewalt und deren Folgen werden gesondert voneinander betrachtet und auch hier sei angemerkt, dass sich diese auf die unteren Hierarchieränge beziehen.

Im Zwischenfazit wird anhand der aufgeführten Belastungen erörtert, ob diese mit dem Burn-out Syndrom in Verbindung gebracht werden können und ob Prostituierte eine Risikogruppe für dieses Krankheitsbild darstellen. Im fünften Kapitel werde ich der Frage nachgehen, welche Bewältigungsstrategien die Sexarbeiterinnen entwickelt haben. Zunächst werden Strategien offenbart, die den Frauen die Abgrenzung und die Bewahrung der emotionalen Unabhängigkeit zu ihrer Arbeit und explizit zu ihren Freiern ermöglichen. Hierbei beziehe ich mich auf alle Prostitutionsformen, da man davon ausgehen kann, dass alle der betroffenen Frauen versuchen müssen, Distanz zu wahren.

Im darauf folgenden werden Coping-Strategien aufgezeigt, welche sich wiederum hauptsächlich auf die unteren Prostitutionsränge beziehen. Im sechsten und letzten Kapitel werden die wichtigsten Argumente resümiert und meinerseits Stellung genommen. Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass die Unterscheidung der oberen zu den unteren Rängen der Prostitutionshierarchie in der von mir gehandhabten Literatur nicht vorgenommen wurde, umso schwieriger gestaltete sich die Durchsetzung einer Differenzierung. Der Wichtigkeit dieser Unterscheidung sollte meiner Ansicht nach viel mehr Bedeutung beigemessen werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Prostitution: Formen und Motive 7
2.1 Prostitutionsformen 7
2.1.1 Straßenstrich 7
2.1.2 Eros-Center und Bordelle 8
2.1.3 Lokalprostitution 9
2.1.4 Saunaclub und Massagesalon 10
2.1.5 Dominastudios 10
2.1.6 Anzeigenprostitution und Escortservice 11
2.2 Frauenhandel und Zwangsprostitution 12
2.3 Zuhälterbegriff 13
2.4 Motive der Prostitution 14
2.4.1 Monetäre Motive 14
2.4.1.1 Materielle Not 14
2.4.1.2 Lebensstandard und Luxus 15
2.4.2 Emanzipatorische Ansätze 16
3. Seelische Auswirkungen und Belastungen 19
3.1 Doppelleben 19
3.1.1 Doppelmoral der Gesellschaft 21
3.1.2 Seelische Auswirkungen 21
3.2 Belastungssymptome 24
3.2.1 Angst, Ekel und Hass 24
3.2.2 Gefühle der Erniedrigung und der Entwertung zum Objekt 26
3.2.3 Panikattacken, Abstumpfung, Depression und Suizidgedanken 27
3.2.4 Zerstörte Sexualität und negatives Männerbild 29
3.2.5 Tabelle 1 zu psychischen Beschwerden 30
3.3 Gewalterfahrungen 32
3.3.1 Tabelle 2 zu psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt 33
3.3.2 Psychische Gewalt und ihre Folgen 35
3.3.3 Körperliche Gewalt und ihre Folgen 36
3.3.4 Sexuelle Gewalt und ihre Folgen 39
4. Zwischenfazit 42
5. Bewältigungsstrategien 45
5.1 Abgrenzung und Bewahrung der emotionalen Unabhängigkeit 45
5.1.1 Trennung von Berufs- und Privatleben 45
5.1.2 Trennung zwischen der Gefühlswelt und der Arbeitssexualität 46
5.1.3 Schaffung von Intimitätszonen 48
5.1.4 Distanzierung zu den Kunden 49
5.1.5 Das private Ich und das öffentliche Ich 50
5.1.6 Schlussfolgerung 51
5.2 Coping-Strategien 53
5.2.1 Individuelle Coping-Strategien 54
5.2.2 Soziale Coping-Strategien 57
5.2.3 Schlussfolgerung 58
6. Fazit 60
7. Literatur 66

Textprobe:

Kapitel 3.1.1, Doppelmoral der Gesellschaft: Eine Prostituierte steht als Urbild der stigmatisierten Frau und wird mit dem abwertenden Begriff Hure bezeichnet. Dieser abfällige Ausdruck, welcher mit unkeusch belegt ist, brandmarkt und entehrt zugleich und verdeutlicht die marginalisierende Haltung gegenüber Prostituierten. Das Huren-Stigma bezieht sich ausschließlich auf das weibliche Geschlecht und kann definiert werden als Makel der Schande und der Krankheit, mit dem eine unkeusche Frau behaftet ist.

Da die Prostituierten ein polygames Verhaltensmuster aufzeigen, das in unserer monogam orientierten Gesellschaft nicht anerkannt ist, werden sie nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft geachtet. Manche Vorurteile gegenüber Sexarbeiterinnen basieren auch auf dem Vorwurf, dass diese ihre eigene sexuelle Triebhaftigkeit über den Prostitutionsberuf ausleben, dieses Verhalten wird als Devianz betrachtet. Dessen ungeachtet geht man von über 12 Millionen Freiern in Deutschland aus, das heißt, dass circa jeder dritte Mann die sexuellen Dienste einer Prostituierten in Anspruch nimmt. Die gesellschaftliche Doppelmoral spiegelt sich insoweit wider, indem den Männern zugestanden wird, dieses Angebot der Prostitutionsdienste in Anspruch zu nehmen, demgegenüber aber werden die Frauen, die diese anbieten, stigmatisiert und diskriminiert. Da die Diskriminierung seitens der Gesellschaft als sehr belastend empfunden wird, schützen sich viele der Prostituierten dadurch, indem sie ein Doppelleben führen, wie eingangs beschrieben. Die Notwendigkeit der Geheimhaltung kann sich körperlich, als auch seelisch auswirken. Da mein Focus bei den seelischen Auswirkungen liegt, werde ich die körperlichen Belastungen des Doppellebens nicht ausführen.

Kapitel 3.1.2, Seelische Auswirkungen: Die ständige Angst, bei der Arbeit jemanden aus dem privaten Umfeld zu begegnen und somit ertappt zu werden, stellt eine Belastung dar und kann die Prostituierten extrem unter Druck setzen. Auf dem Straßenstrich ist die Gefahr erkannt zu werden sehr hoch und dessen sind sich die Frauen bewusst. Sexarbeiterinnen, die der Anzeigenprostitution nachgehen beziehungsweise für Escort-Agenturen arbeiten, können sich diesbezüglich etwas sicherer fühlen. Dieses Doppelleben wirkt sich dennoch als permanente Verunsicherung aus, da die Sexarbeiterinnen ständig unter der Angst leiden, dass es zu einer Entlarvung kommen könnte. Gesetzt den Fall, ein Bekannter kommt versehentlich als Freier, wird man sich in den meisten Fällen auf gegenseitiges Stillschweigen einigen, da die Situation meist für beide Parteien unangenehm ist.

Die meisten Menschen, insbesondere diejenigen, die in einem stressbelastenden Beruf tätig sind und psychischem Druck standhalten müssen, benötigen ab und an andere, die ihnen lediglich zuhören und ihren Erlebnissen verständnisvoll gegenüberstehen. Wie später in diesem Kapitel beschrieben, werden Prostituierte immer wieder mit psychisch belastenden Situationen konfrontiert. Durch das Doppelleben ist es natürlich nicht möglich, im Familien- und Bekanntenkreis über seine Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Die oftmals große Konkurrenz unter den Prostituierten selbst lässt eine freundschaftliche Bindung untereinander eher selten zu. In Belastungsmomenten sind die Betroffenen somit meist auf sich allein gestellt. Der verächtliche Blick, den die Gesellschaft auf den Prostitutionsberuf richtet, hat für viele Sexarbeiterinnen zur Folge, dass sie sich für ein Doppelleben entscheiden, welches sie in die soziale Isolation führen kann, wie das Beispiel einer Prostituierten zeigt.

„Ich arbeite nachmittags ca. 4 Stunden, meist bekomme ich drei Besuche. Die Isolation ist das Schlimmste an dieser Tätigkeit, ich führe quasi zwei Leben, von der Uni rase ich in meine Wohnung, arbeite, fahre nach Hause, studiere“.

Wie bereits aufgeführt, gehört die Schauspielerei zu den wichtigsten Strategien des Doppellebens. Frauen, die im Prostitutionsberuf tätig sind, müssen gegenüber ihren Kunden positiv auftreten, dies ist eine der wichtigsten Verhaltensweisen, um für die Kunden ansprechend zu wirken. Sexarbeiterinnen müssen das Erregtsein gegenüber den Freiern während des prostitutiven Aktes vortäuschen, auch wenn es nicht ihrer tatsächlichen Gefühlslage entspricht. Meines Erachtens, müssen die Prostituierten während des gesamten Beisammenseins mit ihren Kunden ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Das Verbergen der eigenen Gefühle und die Schauspielerei, die damit verbunden ist, kann von den Betroffenen als belastend empfunden werden. Man kann davon ausgehen, dass diese emotionale Dissonanz zwischen dem Verhalten, das die Betroffenen gerne zeigen würden und dem, das sie zeigen müssen, zu schwerwiegenden psychischen Problemen führen kann.

„Meiner Meinung nach spielst du von dem Moment an Theater, wenn du auf die Straße gehst und deine Arbeit anfängst. Du musst eine Art Maske aufsetzen. Du zeigst nie, daß du Probleme hast, daß du Angst hast“ Rollenkonflikte zählen zu den schwerwiegendsten Belastungen für Frauen und können als eine Ursache für das Burn-out Syndrom betrachtet werden. Auf dieses Krankheitsbild werde ich erst im Zwischenfazit näher eingehen. Die Sexarbeiterinnen widersprechen dem gesellschaftlichen Bild, wie sich eine treue Ehefrau und eine fürsorgliche Mutter zu verhalten hat. Die Sichtweise der Gesellschaft, dass keine gute Mutter für Geld ihren Körper verkauft und ständig wechselnde Geschlechtspartner hat, ist klar festgesetzt. Viele der Prostituierten haben Angst, dass ihnen aufgrund ihrer Tätigkeit das Sorgerecht von dem zuständigen Jugendamt entzogen wird, obwohl dies rechtlich nur dann möglich ist, wenn die Prostituierte in ihrem eigenen Haushalt der Sexarbeit nachgeht.

Arbeit zitieren:
Dastagir, Yasmin Juli 2008: Prostitution und Psyche, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Prostitution, Psyche, Gewalterfahrung, Bewältigungsstrategie, Gewaltverarbeitung

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