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Prostitution in Augsburg

Fallstudie über die Situation von Prostituierten und den Umgang mit der Prostitution

Prostitution in Augsburg
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Nadine Rebel
  • Abgabedatum: April 1999
  • Umfang: 255 Seiten
  • Dateigröße: 862,4 KB
  • Note: 3,8
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6965-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6965-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6965-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rebel, Nadine April 1999: Prostitution in Augsburg, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Soziographie, Milieustudie, Gesellschaftskritik, horizontales Gewerbe, Sex

Magisterarbeit von Nadine Rebel

Einleitung:

Kaum ein Gewerbe konnte sich über so lange Zeit und über alle Krisen hinweg halten wie die Prostitution. Aber auch kaum ein Gewerbe, das einen nicht zu vernachlässigenden Erfolg zu verzeichnen hat, ist von der Gesellschaft derart geschmäht. Gerade heute, in Zeiten von sexueller Präsens allerorts, mutet der ambivalente Umgang mit dem „ältesten Gewerbe der Welt“ seltsam an.

Die Prostitution und die Damen und Herren, die dieses Gewerbe ausüben, beziehungsweise in Anspruch nehmen, dienten unzähligen Büchern aller Genres, von wissenschaftlich bis belletristisch, als Vorlage und Material. Immer wieder wurde auf allen Wegen versucht, herauszufinden, warum Frauen ihre Körper verkaufen und was Männer dazu bewegt, sich die Illusion von Liebe und Zuneigung zu erkaufen. Auch das Fernsehen, füllt seine Abendprogramme nach 22:00 Uhr ständig mit dem voyeuristischen Blick ins Milieu, streng getarnt unter dem Deckmantel objektiver und wissenschaftlicher Reportagen.

Es wird einen Glauben gemacht, die Prostitution und die Damen, die diesem Beruf nachgehen, seien ein ganz normaler Bestandteil der Gesellschaft, der nun endlich auch als ein solcher akzeptiert werde. In der Bevölkerung mag dies sogar der Fall sein. Solange man selbst nicht tangiert wird, ist es dem einzelnen prinzipiell tatsächlich egal, welchen Beruf eine Dame ausübt. Manchmal geht die Akzeptanz sogar weiter und endet in wahrer Toleranz. Sieht man sich die Entwicklung des Umganges mit der Prostitution an, so muss man allerdings sehr bald feststellen, dass der größeren Toleranz der Bevölkerung eine veraltete und keineswegs tolerante Umgangsweise der Behörden gegenübersteht.

Eine Dame, die offiziell der Prostitution nachgeht, dies vielleicht sogar als Haupttätigkeit ausführt, hat eine Unmenge von Pflichten gegenüber den Behörden zu erfüllen und kann kaum Rechte nutzen. Steuern darf eine Prostituierte zahlen, weil sie ein „normales“ Gewerbe ausübt, das dazugehörende Gewerberecht, darf die Dame allerdings nicht in Anspruch nehmen, da sie es aufgrund der Sittenwidrigkeit ihrer Tätigkeit nicht nutzen darf, dies sei nur ein Beispiel.

Die Notwendigkeit der Existenz der Prostitution wird zwar eingesehen und das Überdauern vieler Jahrhunderte und Jahrtausende zeigt auch, dass der Bedarf immer da war und immer da sein wird, dennoch ist es verwunderlich, dass man eigentlich nie einen Kunden, einen Gast oder Freier findet, der offen zugibt, die Dienste der Damen zu nutzen. Die Gesellschaft schämt sich, trotz aller anders lautenden Behauptungen, der Prostitution. Nur so lässt sich erklären, warum die Prostitution immer noch in die Randgebiete der Städte verdrängt wird.

Wie die Situation der Prostituierten in den Großstadtmetropolen aussieht, wurde häufig und aufs Ausführlichste beschrieben, wie sich die Situation in einer Stadt wie Augsburg gestaltet, soll die folgende Arbeit darstellen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort 5
2. Einleitung 7
3. Methodischer Teil 10
3.1 Vorüberlegungen 10
3.2 Zugangsprobleme 11
3.3 Umfrage in der Bevölkerung 18
3.4 Die Fragestellung 21
4. Einführende Beschreibung der Stadt Augsburg 23
4.1 Beschreibung der Stadt als solches 23
4.2 Beschreibung der Stadt in Bezug auf die Prostitution 25
4.3 Vorstellung der befragten Prostituierten 33
5. Grundlegendes Wissen 61
5.1 Geschichte der Prostitution 61
5.2 Prostitution und Recht 68
6. Prostitution und Gesellschaft 77
6.1 Einschätzung der Prostituierten und ihres Berufes durch die Bevölkerung in Augsburg 77
6.2 Selbstbild der Prostituierten Augsburgs 84
6.3 Funktion der Prostitution für die Gesamtgesellschaft 90
6.4 Vergleich zwischen der Augsburger Situation und der allgemeinen Einschätzung 93
6.5 Prostituierte betrachtet unter dem Aspekt der sozialen Randgruppe 96
7. Behörden im Umgang mit der Prostitution 100
7.1 Auftrag der verschiedenen Behörden 100
7.1.1 Polizei 100
7.1.2 Ordnungsamt 101
7.1.3 Gesundheitsamt 102
7.2 Behördensituation in Augsburg 103
7.2.1 Polizei 103
7.2.2 Ordnungsamt 108
7.2.3 Gesundheitsamt 112
8. Der Sozialstaat und die Prostitution 117
9. Vorstellung von Selbsthilfegruppen und sozialarbeiterischen Projekten 122
10. Schluß 128
11. Literaturliste 130
12. Anhang 136
12.1 Interviews Behörden 137
12.1.1 Ordnungsamt 138
12.1.2 Polizei 155
12.1.2.1 Interview mit dem Pressesprecher der Polizeidirektion Augsburg 156
12.1.2.2 Interview mit dem zuständigen Beamten vom Sittendezernat 166
12.1.3 Gesundheitsamt 184
12.2 Interviews Prostituierte 201
12.2.1 Anna und Bärbel (Straßenprostituierte) 202
12.2.2 Ellen (Wohnungsprostituierte) 232
12.2.3 Evelyn (Clubprostituierte) 246
12.2.4 Gigi (Prostituierte aus der Hasengasse) 254
13. Erklärung 272

Automatisiert erstellter Textauszug:

Hr. S.: Die Hasengasse ist ausgewiesen für Prostitution in der Sperrgebietsverordnung und dann sind die Gebäude für Prostitutionsszwecke ausdrücklich genehmigt, und auch nur für Prostitutionszwecke, sie verfügen auch über bestimmte Aufenthaltsräume, die nicht bewirtet sind, sondern nur den Damen dienen, wobei aber die Bedeutung der Hasengasse zurückgeht. Die Bedeutung geht erheblich zurück, die Leute wollen diese Atmosphäre nicht mehr. Die Leute wollen nicht mehr in diese Sackgasse hineinfahren. Die beiden Gebäude am Ende der Hasengasse, die ja mit einer Mauer endet, hatten in letzter Zeit den wenigsten Zuspruch. Die haben dann beide einen Durchbruch zur anderen Straße gemacht, damit die Leute nicht mehr durch die ganze Hasengasse durchmüssen, sondern sie die Freier auch von der anderen Seite reinlassen können. Und hier haben wir erhebliche Nachbarbeschwerden, aber das Problem ist, es ist baurechtlich die Tür relevant, die nach dem neuen Baurecht aber nicht mehr genehmigunspflichtig ist, und die Prostitution wird ja über die Hasengasse hinaus nicht ausgeübt, also können wir hier im Prinzip nichts machen, auch wenn die ganzen Störungen, die man ja eigentlich vermeiden wollte, in dem man die Hasengasse zur Sackgasse gemacht hat, jetzt in der Nachbarstraße haben. Nämlich die Autofahrer, die einen Parkplatz etwas ab von der Hasengasse suchen, sind jetzt in den Wohngebieten zu finden. Und das können wir im Prinzip nicht in den Griff bekommen, das wäre nur über das Baurecht in den Griff zu kriegen, aber das Baurecht ist ja wesentlich vereinfacht worden und auch von der Genehmigungsfreiheit wesentlich leichter geworden und der Kollege vom Bauamt hat gesagt, der Durchbruch zur anderen Seite der Straße ist eben baurechtlich nicht genehmigungspflichtig und das Gebäude selber und die Ausübung der Prostitution findet ja noch in der Hasengasse statt. Sie müssen nur auf der anderen Seite klingeln und werden dann hineingelassen und das wird sehr stark in Anspruch genommen. N. L.: Würden Sie dann also sagen, daß die Freier immer noch sehr darauf achten, möglichst anonym zu bleiben? Hr. S.: Das trifft gerade auf die Kundschaft der Hasengasse zu. Die Freier die in die Hasengasse gehen, ich will das nicht in Schichten ausdrücken, aber das sind die Leute, die über nicht soviel Geld verfügen, die wollen nicht gesehen werden. Die gehen in einen anonymen Bereich rein und gehen dann auch möglichst schnell wieder hinaus. Die Hasengasse läßt sich also eher mit der Autoprostitution vergleichen, während das in den Clubs wieder etwas ganz anderes ist. In den Clubs liegt die Sache etwas anders, hier werden dann auch mal die Geschäftsfreunde mitgeführt, wobei ich nochmals sagen muß, bei den Clubs ist es das Ambiente, das gesucht wird, weil, wie gesagt, zwei Drittel der Leute die in die Clubs gehen, nehmen die Leistungen der Mädchen, im engeren Sinne gar nicht in Anspruch, sondern die Leute gehen rein, es [...]

Hr. S.: Ja, der Clubbetreiber hat natürlich mit einem Interessenskonflikt zu kämpfen, wie er bei der Stadt Augsburg auch besteht. Das Ordnungsamt hat auch kein Interesse, die Prostitution in die Hinterhöfe zu verbannen, uns sind die Clubs wesentlich lieber, da haben wir es dann konzentriert in Gewerbegebieten drin, wo der an- und abfahrende Verkehr nicht stört, andererseits wissen wir, daß die Clubs mit Alkohol arbeiten. Kontrollieren wir zu restriktiv, kann sich der Club nicht halten, deswegen nimmt aber die Prostitution nicht ab, wir haben es dann mit vermehrter Wohnungsprostitution zu tun und bekommen die Beschwerden aus den Wohnblocks und so den dementsprechenden Ärger. Also man muß da abwägen, man darf es nicht ausufern lassen, es darf also nicht zum regelmäßigen Ausschank führen, aber einerseits ein Club im Gewerbegebiet in Haunstetten, ein Club in der Hammerschmiede im Außenbereich, ein Club im Gewerbegebiet in Lechhausen ist uns natürlich wesentlich lieber, als drei oder vier Wohnungsprostituierte im Wohnblock, wo sich dann nebenan ein Kindergarten oder eine Schule befindet, das ist natürlich ganz klar, man muß also ein Mittelmaß finden. Man muß dem Rechtsstaatprinzip folge leisten, muß also auch sehen, daß eine gewisse Konkurrenz zu den konzessionierten Gaststätten besteht, also muß man schon kontrollieren und wenn man etwas findet, entsprechend dann die Bußgeldverfahren durchziehen, man will aber Clubs in geeigneter Lage auch nicht tot kontrollieren, hier kann nicht das städtische Interesse bestehen, da dies nichts an der Prostitution ändert, sie verlagert sich dann nur und verlagert sich dann innerhalb des Stadtgebietes, weil es keinen Verdrängungswettbewerb hinaus auf die kleineren Städte oder Dörfer gibt, weil die Leute dort nicht anonym genug sind. Ein ähnliches Problem haben wir mit dem illegalen Glücksspiel, wenn wir hier übermäßig kontrollieren, hören die Glücksspieler nicht auf zu spielen, auch die würden wir dann in die Nachbargemeinden vertreiben, also könnte man dann sagen: „Heiliger Sankt Florian, verschon` mein Haus zünd`s andere an.“ Dann müssen die Nachbargemeinden eben auch entsprechend restriktiv kontrollieren, das heißt, wenn wir hier entsprechen restriktiv vorgehen, können wir im Stadtgebiet für eine Befreiung sorgen, das wird uns aber bei der Prostitution nie gelingen, weil die (Freier und Prostituierte) immer die Anonymität der Stadt Augsburg der Anonymität der Stadt Friedberg oder der Stadt Bobingen vorziehen, weil diese Städte eben wesentlich kleiner sind. Man sieht es auch an den Kennzeichen der Autos, wenn wir kontrollieren, dann stehen dort Autos mit den Kennzeichen der Stadt Donauwörth, der Stadt Günzburg, der Stadt Fürstenfeldbruck, ich schätze, die Augsburger gehen dann eher woanders hin. N. L.: Dann hat aber die „Hasengasse“ mehr oder weniger einen Sonderstatus, da sich diese ja mitten in einem Wohngebiet befindet? [...]

Es besteht also schon ein gewisser Kontakt und ein gewisser Austausch und den Leuten ist auch bekannt, daß es da bestimmte Grenzen gibt und das wird dann auch weitgehendst akzeptiert. Von unserer Seite müssen wir die Sperrgebietsverordnung auch immer wieder angleichen. Die letzte Änderung mußten wir im Bereich der Sparda-Bank machen, also die Straße zum Bahnhof hin, und der Bahnhof ist automatisch ein Sperrbereich und bei der Sparda-Bank gibt es diesen Nachtschalter in dessen Vorraum man hineinkommt und dieser Vorraum ist halt immer wieder als Aufwärmstation genutzt worden. Da hat sich dann die Kundschaft der Sparda-Bank massiv beschwert und das hat auch nachweislich zu massiven Geschäftseinbußen geführt, also haben wir den Sperrbezirk ein Stückchen vorgezogen, so daß diese Straße und somit auch die Sparda-Bank mithineinfällt. Zur Zeit haben wir Beschwerden von einigen Ämter im Bereich des Prinzregentenplatzes. Aber den Kernbereich der Straßenprostitution in der Innenstadt wollen wir eigentlich nicht angreifen, da hier zum einen recht wenig Wohnbebauung zu finden ist, also relativ wenig Leute dort wohnen, die Straßen abends relativ leer sind, andererseits relativ gut beleuchtet sind und so auch eine gewisse Sicherheit für die Prostituierten herstellen und so weiter. Hier hat man jetzt also die Polizei gebeten, mit den Damen zu sprechen, daß die ihre Sachen wieder mitnehmen und nicht in irgendwelchen Kellerschächten hinterlassen und das funktioniert eigentlich relativ gut. Und da haben wir hier natürlich die Prostitution in einer Größe, die recht gut überschaubar ist, ernsthafte Probleme hatten wir vor 15 Jahren, als damals der Herr Gauweiler die Einschränkung der Prostitution in München sehr restriktiv betrieben hat, da hatten wir dann in der Friedrichstraße und in der Hegelstraße in Lechhausen erheblichen Zulauf gehabt, weil die Freier halt dann von München über die Autobahnanbindung gekommen sind, aber das hat sich nach 2 -3 Jahren wieder verlaufen. N.L.: Sonst würden Sie also sagen, daß die Zusammenarbeit sich höflich und auf keiner der beiden Seiten feindlich gestaltet? Hr. S.: Ja. Also wie gesagt, mit der Straßenprostitution haben wir nur zu tun, wenn die Leute aufmüpfen und es dann zu Ordnungswidrigkeitsverfahren kommt, wobei es bei der Straßenprostitution so ist, daß ein großer Teil der Mädchen rauschgiftabhängig ist und die kein Geld haben. Deswegen müssen wir die Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Straßenprostitution meistens wegen Mittellosigkeit wieder einstellen und die Clubbetreiber wissen im Prinzip, daß sie , keine Chance haben, wenn hier zu Widersprüchen kommt, muß man halt öfter kontrollieren und wenn dann alle 2 bis 3 Wochen ein Kontrolle kommt, kann der Clubbetreiber seinen Club eigentlich zumachen und das weiß er auch, der ist also auf die Zusammenarbeit mit den Behörden angewiesen. N. L.: Deswegen achtet er also darauf, daß sich die Zusammenarbeit gut gestaltet? [...]

Arbeit zitieren:
Rebel, Nadine April 1999: Prostitution in Augsburg, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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