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Prospektive Studie zur Identifikation biomechanischer Faktoren für die Prognose von Sprunggelenksverletzungen bei Hallensportlern

Prospektive Studie zur Identifikation biomechanischer Faktoren für die Prognose von Sprunggelenksverletzungen bei Hallensportlern
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Oliver Bloch
  • Abgabedatum: Juli 2005
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 1.001,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9270-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9270-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9270-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bloch, Oliver Juli 2005: Prospektive Studie zur Identifikation biomechanischer Faktoren für die Prognose von Sprunggelenksverletzungen bei Hallensportlern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Biomechanik, Verletzung, Verletzungsparameter, Rehabilitation, Gelenk

Dissertation / Doktorarbeit von Oliver Bloch

Problemstellung:

Die zentrale Rolle des Sports in der heutigen Gesellschaft findet neben sozialen Komponenten vor allem in gesundheitlicher Hinsicht, z.B. Bewegungsarmut durch die weit fortgeschrittene Technisierung oder Überversorgung mit Nährstoffen, eine Begründung. Als eine Folge einer gesteigerten sportlichen Betätigung ist in den letzten Jahren ein Anstieg von Sportunfallverletzungen zu verzeichnen. Dabei handelt es sich zu 60% um Gelenkverletzungen, wovon wiederum das Sprunggelenk zu den am meisten betroffenen Gelenken zählt.

Die Literaturanalyse zeigt, dass die biomechanische Forschung mit Hilfe verschiedenster Untersuchungsansätze versucht, Lösungen für diese Problematik zu entwickeln. Jedoch sind mit den bisherigen Ergebnissen keine zufrieden stellenden Lösungsansätze verbunden, die eine Vorhersage von Sprunggelenksverletzungen ermöglichen.

Weiterhin liegen auch keine gesicherten Erkenntnisse vor, die präventive Maßnahmen beschreiben könnten. Aus der Vielzahl der Studien sind nur wenige Ergebnisse im Sinne der Problemlösung verwertbar. So scheint dahingehend Einigkeit zu bestehen, dass die Beweglichkeit und der Bewegungsumfang des Gelenks ein möglicher Risikofaktor für die Entstehung einer Sprunggelenksverletzung darstellt. Jedoch liegt bei Anwendung dieser Erkenntnis die Schwierigkeit bereits darin, dass keine einheitlichen Erfassungsmethoden und Normgrößen für die Gelenkbeweglichkeit existieren.

Eine weitere Schwierigkeit der Forschung ist, dass bei vielen Untersuchungen nur isolierte Bewegungsformen durchgeführt werden. Dadurch finden die z.T. sehr komplexen Bewegungsformen nur in geringem Umfang Berücksichtigung und können somit nur eingeschränkt zur Aufklärung der Verletzungsmuster verwendet werden. Die in jüngerer Vergangenheit häufig verwendete Untersuchungsmethode der Modellierung könnte die biomechanische Forschung bei der Problemlösung entscheidend weiterbringen. Mit dieser Methode ist die Berechnung nicht direkt messbarer interner Belastungen durch externe Parameter möglich, wodurch dem Zusammenhang zwischen interner Belastung und Verletzung nachgegangen werden kann. Darüber hinaus ermöglicht die Modellierung die Erfassung realer Bewegungssituationen.

Ziel der Arbeit war die Feststellung und Definition von biomechanischen Parametern bei Hallensportlern, die es erlauben eine Prognose von Bandverletzungen am lateralen Bandapparat des Sprunggelenks zu tätigen.

Gang der Untersuchung:

Zu diesem Zweck wurde eine prospektive Studie mit 60 Hallensportlern durchgeführt, bei der in verschiedenen, hallensporttypischen Belastungssituationen der Sprunggelenke kinematische und dynamometrische Daten erhoben wurden. Mit Hilfe eines dreifach segmentierten Modells des Unterschenkels und der Methode der Modellierung wurden kinematische Merkmale und über inverse Dynamik Gelenkmomente ermittelt, mit denen äußere und innere Belastungen eingeschätzt werden konnten.

Der Vergleich von sich im Laufe der Studie am lateralen Bandapparat des Sprunggelenks verletzten und während der Studiendauer unverletzt gebliebenen Probanden sollte die Feststellung risikorelevanter, biomechanischer Parameter ermöglichen. Es konnten verschiedene Parameter bestimmt werden, die eine signifikante Unterscheidung zwischen den beiden Gruppen ermöglichten. Insbesondere konnten diese biomechanischen Parameter bei den durchgeführten Sprungvarianten gefunden werden.

Die aus der Literatur bekannte Annahme, dass die Gelenkbeweglichkeit ein Risikofaktor für die Entstehung einer Sprunggelenksverletzung darstellt, konnte mit den gefunden Ergebnissen bestätigt werden. Es wurden signifikante Unterschiede des Bewegungsumfangs im Rückfuß-Tibia-Gelenk, im Kniegelenk und im Vorfuß-Rückfuß-Gelenk zwischen verletzten und unverletzten Probanden nachgewiesen. Bei den signifikanten, biomechanischen Parametern handelt es sich vor allem um Parameter der Gelenkadduktion und -abduktion.

Insgesamt konnte die Arbeit zeigen, dass sich biomechanische Variablen bestimmen lassen, bei denen sich die verletzten und unverletzten Probanden signifikant voneinander unterscheiden. Dabei wurde ein Zusammenhang zwischen Bewegungsumfang und Verletzungsrisiko derart identifiziert, dass die verletzten gegenüber den unverletzt gebliebenen Probanden einen größeren Bewegungsumfang in den untersuchten Gelenken hatten.

Die Ergebnisse tragen zu einer Verbesserung des Verständnisses zwischen mechanischen Belastungen bei spezifischen Bewegungsformen im Sport und Verletzungsmechanismen biologischer Strukturen bei.

Inhaltsverzeichnis:

1. Problemdarstellung 1
1.1 Einleitung 1
1.2 Vorüberlegungen zur Fußmechanik 3
1.2.1 Fußbewegungen 3
1.2.2 Fußmechanik 4
1.3 Sprunggelenkverletzungen - Stand des Wissens 6
1.3.1 Sprunggelenk 6
1.3.1.1 Gelenkstabilität 6
1.3.1.2 Gelenkbeweglichkeit 7
1.3.2 Supinationsverletzung 7
1.3.2.1 Verletzungsmechanismus 7
1.3.2.2 Biomechanik der Bänder 8
1.3.2.3 Risikofaktoren 11
1.3.3 Verletzungsparameter 14
1.3.4 Effekte von Schuhen als Präventivmaßnahme 17
2. Prospektive Studie zur Identifikation biomechanischer Faktoren für die Prognose von Sprunggelenksverletzungen bei Hallensportlern 19
2.1 Zielstellung 19
2.2 Methodik 19
2.2.1 Untersuchungsdesign 19
2.2.2 Personenstichprobe 19
2.2.3 Merkmalstichprobe 20
2.2.4 Messmethodik 25
2.2.4.1 Kinemetrie 25
2.2.4.2 Exkurs: Markeridentifikation, Markertracking und Fehlerab-schätzung 28
2.2.4.3 Dynamometrie 41
2.2.5 Dreifach segmentiertes Modell 42
2.2.6 Koordinatensysteme 44
2.2.6.1 Laborkoordinatensystem 44
2.2.6.2 Segmentkoordinatensysteme 44
2.2.7 Modellrealisierung mit Alaska 3.0 46
2.2.8 Untersuchungsdurchführung 47
2.2.8.1 Vorbereitung der Probanden 47
2.2.8.2 Durchführung der Messungen 48
2.2.9 Datenaufzeichnung und Datenverarbeitung 53
2.2.10 Statistische Datenverarbeitung 54
2.3 Ergebnisse 56
2.3.1 Vergleich aller unverletzten mit den verletzten Probanden 56
2.3.2 Vergleich der gematchten mit den verletzten Probanden 63
2.4 Diskussion 72
3. Zusammenfassung 81
4. Literaturverzeichnis 83
5. Abbildungsverzeichnis 98
6. Tabellenverzeichnis 100
7. Abkürzungsverzeichnis 103
8. Anhang 104

Automatisiert erstellter Textauszug:

2.2.8.1 Vorbereitung der Probanden Zunächst werden die Probanden über die Untersuchung, ihre Ziele und Methoden informiert. Danach wurden die anthropometrischen Parameter erhoben. Im Anschluss wurden die zehn für das Modell benötigten Punkte an Fuß und Unterschenkel palpiert und mit einem Filzschreiber auf der Haut markiert. Für den ersten Teil der Untersuchung, der von den Probanden barfuss durchgeführt wurde, wurden die Marker mit doppelseitigem, extrem gut haftendem, hautfreundlichem Toupetklebeband direkt auf die markierten Stellen geklebt. Der zweite Teil der Messung wurde in den mitgebrachten eigenen Hallenschuhen durchgeführt. Die Verwendung der eigenen Hallenschuhe wurde gewählt, weil der Proband an den Schuh gewöhnt war. Somit konnten Anpassungseinflüsse an ungewohnte Schuhe ausgeschlossen werden. In den Schuhen wurden Socken getragen, damit die Messsituation „mit Schuh“ der realen Trainings- bzw. Spielsituation entsprach. Von der Haut wurden die Marker am Fuß (1, 2, 3, 4, 7, 8, 9) entfernt. An einem Fußmodell wurden den Probanden die anatomischen Markerpositionen der entfernten Marker gezeigt, damit diese mit Hilfe der Probanden auf dem Schuh lokalisiert werden konnten. Die Stellen wurden markiert und die Marker befestigt. Dann wurde die Socken an den Malleoli durchlöchert, um die Marker an den richtigen Stellen auf der Haut zu befestigen. [...]

Die Positionierung von sechs Markern entspricht exakt definierten anatomischen Strukturen (Tabelle 21 Marker 1-6). Diese sechs Marker werden zur Bestimmung der Gelenkkoordinatensysteme verwendet. Die vier weiteren Marker (Tabelle 21 Marker 7-10), die für die Bewegungen des Modells benötigt werden, sind nicht auf eindeutig lokalisierten anatomischen Strukturen befestigt, sondern in Bereichen der anatomischen Struktur, in denen es nur zu moderaten Hautbewegungen aufgrund geringen Unterhautfettgewebes und/oder Sehnenbewegung kommt. Zur Überprüfung der Modellstabilität führten Arampatzis et al. (2003) eine Sensitivitätsanalyse durch. Hierfür wurden die gemessenen Koordinaten der Marker systematisch um ±5% in jeder Richtung verändert und die Berechnung erneut durchgeführt. Als Ergebnis wurde eine maximale Abweichung des Modells zwischen 1,87 und 2,01° ermittelt. [...]

Zur Untersuchung der Bodenreaktionskräfte wurden zwei nach piezoelektrischem Messprinzip arbeitende, fest eingebaute 90x60 cm große Mehrkomponenten - Kraftmessplattformen (Kistler Typ 9287) verwendet. Die Kraftmessplattformen ha tten Stahldeckplatten, auf denen der gleiche Kunststoffbodenbelag aufgebracht war, wie auf der übrigen Lauffläche. Der in piezoelektrischen Gebern verwendete Quarz gibt proportional zur einwirkenden Belastung elektrische Ladungen ab, die in Ladungsverstärkern spannungsproportional gewandelt und verstärkt wird. Folgende Messgrößen wurden mit einer Messfrequenz von 1080 Hz ermittelt: − 8 Kraftkomponenten (4 vertikale Komponenten in z-Richtung, jeweils 2 Komponenten in x- und y-Richtung) − aus den 8 Kraftkomponenten werden die Summenkräfte ΣFX, ΣFY, ΣFZ, die beiden Kraftangriffspunkte aX und aY sowie das freie Moment MZ errechnet Die abgegebenen elektrischen Ladungen der Kraftmessplattformen wurden durch zwei Kistler Ladungsverstärker vom Typ 9865 in analoge Spannungen zur Weiterverarbeitung/Speicherung umgewandelt. Durch die eingesetzte Datenstation vom Typ 624 wurden die optischen Daten der 12 Kameras, sowie über die eingebaute analoge 64 Kanal 16 Bit Messkarte (Typ Mezzanine) die dynamischen Daten der beiden Kraftmessplattformen, simultan aufgezeichnet. Eine Synchronisation war folglich nicht nötig. [...]

Arbeit zitieren:
Bloch, Oliver Juli 2005: Prospektive Studie zur Identifikation biomechanischer Faktoren für die Prognose von Sprunggelenksverletzungen bei Hallensportlern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Biomechanik, Verletzung, Verletzungsparameter, Rehabilitation, Gelenk

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