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Propaganda, Stereotype und Feindbilder in der Krisen- und Kriegsberichterstattung

Ein inhaltsanalytischer Vergleich der Berichterstattung über den Golfkrieg 2003 in den Nachrichtenmagazinen „Spiegel“ und „Profil“

Propaganda, Stereotype und Feindbilder in der Krisen- und Kriegsberichterstattung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Bernadette Kneidinger
  • Abgabedatum: Juni 2004
  • Umfang: 155 Seiten
  • Dateigröße: 599,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8697-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8697-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8697-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kneidinger, Bernadette Juni 2004: Propaganda, Stereotype und Feindbilder in der Krisen- und Kriegsberichterstattung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kriegsjournalismus, Zensur, embedded-journalists, Wirklichkeitskontruktion, Auslandsberichtserstattung

Diplomarbeit von Bernadette Kneidinger

Zusammenfassung:

Krisen und Kriege sind mediale Großereignisse, die in der Auslandsberichterstattung eine dominante Rolle spielen. Wie die daran beteiligten Politiker, Länder und Völker in der Weltöffentlichkeit wahrgenommen werden, hängt in großem Ausmaß von der medialen Darstellung ab, da persönliche Erfahrungen aufgrund der geographischen Distanz zum Geschehen meist nicht möglich sind.

Vor allem in unserer modernen Kommunikationsgesellschaft bekommen daher die Medien als die „vierte Gewalt“ im Staat eine nicht zu unterschätzende Rolle für den Verlauf und die Einschätzung von politischen und militärischen Konflikten.

Dies hat jedoch auch zu Folge, dass Politiker und Militär im Laufe der 150-jährigen Kriegsberichterstattung ihre Zensur- und Propagandamethoden weiterentwickelt und an die veränderten Kommunikationstechnologien angepasst haben. Vorrangiges Ziel dieser Informationskontrolle der Medien war und ist es, negative Darstellungen der eigenen Gruppe bzw. Partei zu verhindern und gleichzeitig die Berichterstattung zur Verwirklichung eigener Interessen zu nutzen. Ein beliebtes Propagandamittel ist dabei die Verbreitung von Stereotypen, Vorurteilen und Feindbildern des Gegners, um ihn somit abzuwerten, seine Bekämpfung zu legitimieren und gleichzeitig die eigene Seite in ein positiveres Licht zu setzen.

Im Rahmen dieser Arbeit werden unter anderem die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie Freund-Feind-Bilder Eingang in die mediale Berichterstattung finden, vorgestellt. Dies kann einerseits durch die ungeprüfte Übernahme von vorgefertigten Propagandamaterialien durch die Journalisten erfolgen, oder andererseits indem Journalisten selbst durch eine einseitige Nachrichten- bzw. Bilderauswahl und/oder die Verwendung bestimmter sprachlicher Mittel, zur „Schwarz-Weiß-Wahrnehmung“ eines Konflikts beitragen.

Der Aufbau der Arbeit erfolgt in zwei Teilen: Zunächst werden im theoretischen Teil einerseits die Kennzeichen und Probleme der Kriegsberichterstattung und andererseits die Bedeutung von Stereotypen und Feindbildern als Propagandamittel erläutert. Diese beiden Bereiche stehen in einem engen Zusammenhang zueinander, da die spezielle Arbeitssituation für Journalisten in Kriegsgebieten sowie die Kennzeichen der Auslandsberichterstattung die Verbreitung von stereotypen Darstellungsweisen fördern.

Das erste Kapitel beschäftigt sich daher mit dem Verhältnis von Medien und Militär in Krisen- und Kriegszeiten und geht dabei auf die Vor- und Nachteile dieser „wirkungsvollen Symbiose“.

Kapitel 2 und Kapitel 3 stehen in einem engen Zusammenhang und behandeln die Nachrichtenfaktoren sowie die Wirklichkeitskonstruktion der Medien. Hier wird speziell auf die Bedeutung der medialen Nachrichtenauswahl und –darstellung für die Wahrnehmung von Krisen und Kriegen eingegangen.

Kapitel 4 und 5 stellen schließlich die unterschiedlichen Erscheinungsformen und Konsequenzen von Zensur und Propaganda in der Kriegsberichterstattung vor. Diese beiden Kapitel sollen einen Überblick über die Entwicklung der unterschiedlichen Methoden der Informationskontrolle und Informationsteuerung geben, wobei dies schon in Hinblick auf die grundlegenden Vorbedingungen für die wirkungsvolle Verbreitung von Feindbildern geschieht.

Kapitel 6 geht schließlich genauer auf Stereotype, Vorurteile und Feindbilder ein. Hier erfolgt zunächst ein kurzer Exkurs über die Grundlagen der menschlichen Wahrnehmung und der damit verbundenen Bedeutung von Einstellungen, da dies für das Verständnis der Funktionsweise stereotyper Systeme unablässig ist. Anschließend werden die Charakteristika und Funktionsweisen stereotyper Systeme näher erläutert.

In Kapitel 7 wird untersucht, auf welche Weise Feindbilder Eingang in die mediale Berichterstattung finden. Ein Überblick über sprachliche Mittel, die zur Konstruktion von Feindbildern beitragen können, soll weiter Erklärungsansätze liefern.

Der zweite große Teil der Arbeit besteht in Form einer empirischen Analyse. Im Rahmen einer quantitativen Inhaltsanalyse wird überprüft, in welchem Ausmaß die politischen Nachrichtenmagazine „Spiegel“ und „Profil“ in der Berichterstattung über den Golfkonflikt 2002/2003 Stereotype bzw. Feindbilder vermittelt haben.

Kurzfassung der Ergebnisse:

Obwohl in beiden Magazinen in der Berichterstattung über den Golfkonflikt 2002/2003 kein eindeutiges Freund-Feind-Schema nachgewiesen werden konnte, war dennoch in beiden Magazinen ein gewisses Potenzial für Stereotype, Vorurteile und Feindbilder erkennbar.

Zudem wurde durch die geringe Zahl an Hintergrundberichten über die Absichten der Kriegskontrahenten, die Konzentration auf einen Haupthandlungsträger auf irakischer Seite und die sehr eingeschränkte Bewertungsbandbreite der Kriegsgegner nur ein eingeschränktes Bild der Kriegssituation vermittelt.

Inhaltsverzeichnis:

I. EINLEITUNG 8
II. THEORETISCHER TEIL 11
1. Das Verhältnis Medien und Militär in Krisen- und Kriegszeiten 11
1.1 Definition von Krisen und die Funktion von Krisenkommunikation 11
1.2 Die Geschichte der Kriegsberichterstattung 12
1.3 Die Symbiose zwischen Medien und Militär in Kriegszeiten 14
1.3.1 Profit der Medien in Kriegszeiten 15
1.3.2 Profit des Militärs in Kriegszeiten 17
2. Die Rolle der Nachrichtenfaktoren in der Krisen- und Kriegsberichterstattung 20
2.1 Nachrichtenfaktoren in der Auslandsberichterstattung 24
2.1.1 Aufgaben und Probleme der Auslandsberichterstattung 24
2.1.2 Auslandsberichterstattung als Kommunikation über Krisen 25
2.1.3 Kritik an der Nachrichtenauswahl in der Krisen- und Kriegsberichterstattung 27
3. Wirklichkeitskonstruktion durch die Medien 29
3.1 Was erwarten Rezipienten von der Krisen- und Kriegsberichterstattung 30
3.2 Verzerrte Wirklichkeitswahrnehmung durch Nachrichtenauswahl 32
3.3 Einfluss durch die medialen Präsentationstechniken 34
3.4 Theorien zu den Folgen der medialen Wirklichkeitskonstruktion in der Kriegsberichterstattung 35
4. Journalismus und Zensur in Kriegszeiten 38
4.1 Die Entwicklung der Zensurmaßnahmen 38
4.2 Ziele von Zensurmaßnahmen 39
4.3 Formen von Zensur 40
4.4 Methoden um die Zensur zu umgehen 41
4.5 Moderne Konzepte der Medienkontrolle in Kriegssituationen 42
4.5.1 „Journalisten-Pools“ 42
4.5.2 „Embedded Journalists“ 42
4.6 Exkurs: Die Risiken der Journalisten im Kriegsgebiet 44
4.7 Problem der Selbstzensur in den Medien 45
4.7.1 Der Einfluss der Rüstungsindustrie in die amerikanische Medienlandschaft 46
4.8 Zensur als Entschuldigung für schlechte Kriegsberichterstattung? 46
5. Propaganda 48
5.1 Entwicklung der Propaganda-Methoden 50
5.2 Propaganda als Gefahr für eine objektive Kriegsberichterstattung 51
5.3 Medien als „Kriegsanheizer“? 51
6. Bedeutung und Funktionsweise stereotyper Systeme 53
6.1 Die Bedeutung der menschlichen Wahrnehmungsmechanismen für stereotype Systeme 53
6.1.1 Wahrnehmung 53
6.1.2 Wissen 54
6.1.3 Einstellungen 54
6.2 Stereotype Systeme 57
6.2.1 Image 59
6.2.2 Stereotype 59
6.2.3 Vorurteile 61
6.2.4 Feindbilder 63
6.3 Stereotype und Feindbilder als Propagandamittel 65
7. Stereotype, Vorurteile und Feindbilder in der Krisen- und Kriegsberichterstattung 68
7.1 Stereotype in der Berichterstattung 69
7.2 Feindbildkonstruktion durch die Medien 70
7.3 Das Feindbild Saddam Hussein 71
7.4 Die Funktion der Sprache bei der Feindbildkonstruktion 74
7.4.1 Sprache und Wahrnehmung 74
7.4.2 Sprachliche Mittel zur Konstruktion von Feindbildern 76
7.4.3 Untersuchungen zur Feindbildkonstruktion im Golfkrieg 1991 79
III. EMPIRISCHER TEIL 82
1. Zentrale Forschungsfrage und Hypothesen 82
2. Untersuchungsdesign 90
2.1 Auswahl der Untersuchungsmethode 90
2.2 Auswahl des Untersuchungsmaterials 90
2.3 Untersuchungszeitraum 91
2.3.1 Chronologie des Golfkonflikts 2002/2003 92
2.4 Zähleinheit: 95
3. Datenauswertung 96
3.1 Datenbasis 96
3.2 Überprüfung Hypothese 1 98
3.3 Überprüfung Hypothese 2 108
3.4 Überprüfung Hypothese 3 + 4 113
3.5 Überprüfung der Hypothese 5 119
3.6 Überprüfung von Hypothese 6 122
3.7 Überprüfung der Hypothese 7 131
IV. SCHLUSSBETRACHTUNG 138
V. LITERATUR 141
VI. ANHANG 146

Automatisiert erstellter Textauszug:

2002: 29. Januar: Bush bezeichnet den Irak zusammen mit Iran und Nordkorea als die „Achse des Bösen“ 11. Oktober: Der US-Kongress ermächtigt Präsident George W. Bush mit großer Mehrheit, einen Militärschlag gegen den Irak auszuführen. 8. November: Der UN-Sicherheitsrat beschließt Resolution 1441, in der dem Irak "ernste Konsequenzen" angedroht werden, falls er seine Waffenprogramme nicht vollständig offen legt und seine Bestände vernichtet. 13. November – 27. November: Irak erklärt sich mit den Bestimmungen der Resolution 1441 einverstanden und verspricht, mit den UNO-Inspekteuren zusammenzuarbeiten, die unter der Leitung von Hans Blix offiziell mit der Suche nach biologischen, chemischen und ballistischen Waffen des Iraks beginnen. 7. Dezember: Die irakische Regierung übergibt der UNO fristgerecht eine umfassende Erklärung, in der die irakischen Bestände an chemischen, biologischen und nuklearen Waffen aufgeführt sind. 2003: 27. Januar: Die Waffeninspektoren legen dem UNO-Sicherheitsrat ihren ersten vollständigen Bericht vor. Sie werfen dem Irak schwere Versäumnisse vor. Gleichzeitig fordern sie mehr Zeit für weitere Inspektionen. 31. Januar: US-Präsident George W. Bush sagt bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair, dass für eine diplomatische Lösung nur noch eine Frist von Wochen, nicht Monaten bliebe. [...]

2.3. Untersuchungszeitraum Für die Konstruktion von Feindbildern ist nicht nur der Zeitraum der eigentlichen Kampfhandlungen ausschlaggebend, sondern bereits die Zeit vor Kriegsausbruch, denn vor allem in dieser Phase setzen die Konfliktparteien häufig Feindbilder ihres Gegners als Propagandamittel ein. Daher soll im Rahmen meiner Untersuchung auch die Berichterstattung vor dem offiziellen Kriegsausbruch mitberücksichtigt werden. Mein gesamter Untersuchungszeitraum umfasst somit alle Ausgaben von „Spiegel“ und „Profil“ des ersten Halbjahres 2003 (Ausgaben 1-26), d.h. konkret gesagt den Zeitraum von 20. Dezember 2002 bis 16. Juni 2003. Um bei der nachfolgenden Überprüfung meiner Hypothesen auch Entwicklungen der Berichterstattung im Verlauf der Krise besser feststellen zu können, habe ich diese Zeitspanne in fünf Einheiten unterteilt: Zeit 1: 20.12.02 – 27.1.03 Zeit 2: 28.1.03 – 3.3.03 Zeit 3: 4.3.03 - 7.4.03 Zeit 4: 8.4.03 - 12.5.03 Zeit 5: 13.5.03 - 16.6.03 Diese Festlegung meines Untersuchungszeitraums erfolgte einerseits unter Berücksichtigung der unten dargestellten Chronologie des Golfkonflikts, andererseits auch in Hinblick auf den Umfang der medialen Berichterstattung. Sowohl in „Spiegel“ als auch in „Profil“ wurde besonders im Vorfeld des Krieges sehr ausführlich über die UNOWaffeninspektionen, die Streitigkeiten zwischen USA und UN-Sicherheitsrat bzw. die Unstimmigkeiten innerhalb der EU berichtet. (Zeit 1 + Zeit 2) Mit Kriegsausbruch am 20. März 2003 fand auch die Berichterstattung einen Höhepunkt, der sich vier Wochen lang hielt. (Zeit 3) Ab Ende April nahmen der Umfang und die Häufigkeit der Berichte kontinuierlich ab. (Zeit 4 + Zeit 5) Der „Spiegel“ brachte zwar in den Sommermonaten noch einmal eine Sonderserie, in welcher der genaue Verlauf der Kriegsereignisse am Golf als Rückblick [...]

Da ich gemäß meiner zentralen Forschungsfrage in erster Linie untersuchen möchte, wie Journalisten durch ihre medialen Darstellungsweisen zur Konstruktion von Feindbildern beitragen können, und nicht näher auf die tatsächliche Wirkungen beim Rezipienten eingehen möchte, bietet sich zur Überprüfung meiner Hypothesen eine quantitative Inhaltsanalyse an. Die Inhaltsanalyse ist nach einer Definition von Werner Früh „eine empirische Methode zur systematischen, intersubjektiv nachvollziehbaren Beschreibung inhaltlicher und formaler Merkmale von Mitteilungen“ (Früh 1991: 24). 2.2. Auswahl des Untersuchungsmaterials Da ich bei meiner Untersuchung überprüfen wollte, in welchem Ausmaß in Ländern, die nicht unmittelbar am Krieg beteiligt sind, durch die Medien Feindbilder vermittelt werden, habe ich mich bei der Auswahl meines Untersuchungsmaterials auf ein deutsches und ein österreichisches Medium festgelegt. Zusätzlich interessierte mich, ob die medialen Bewertungen der US-Kriegsaktionen in Deutschland auf Grund der eindeutigen AntiKriegsposition der Regierung negativer ausfielen, als in österreichischen Medien. Um die erhobenen Daten möglichst sinnvoll miteinander vergleichen zu können, sollten die untersuchten Printmedien in ihrem jeweiligen Erscheinungsland ähnliche Lesergruppen ansprechen. Da die Berichterstattung über den Golfkonflikt 2002/2003 vor allem in den politischen Nachrichtenmagazinen sehr detailliert ausfiel, hab ich schließlich die Magazine „Spiegel“ und „Profil“ ausgewählt, die sich in ihrer Themenstruktur (außer in der innenpolitischen Berichterstattung) nicht allzu stark unterscheiden. Da sich mein Vergleich im Rahmen dieser Diplomarbeit nur auf zwei Magazine beschränken kann und meine Untersuchung daher nur exemplarischen Charakter hat, sind Verallgemeinerungen der Ergebnisse dieser Gegenüberstellung für den Rest der deutschen bzw. österreichischen Medien klarerweise nicht zulässig. [...]

Arbeit zitieren:
Kneidinger, Bernadette Juni 2004: Propaganda, Stereotype und Feindbilder in der Krisen- und Kriegsberichterstattung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kriegsjournalismus, Zensur, embedded-journalists, Wirklichkeitskontruktion, Auslandsberichtserstattung

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