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Projektlogistische Aspekte des Bonn-Berlin-Umzuges

Die Studie erhielt den Förderpreis 1998 der Bundesvereinigung Logistik.
Projektlogistische Aspekte des Bonn-Berlin-Umzuges
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christoph Pascal König
  • Abgabedatum: Dezember 1997
  • Umfang: 170 Seiten
  • Dateigröße: 11,6 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1534-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1534-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1534-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Studie erhielt den Förderpreis 1998 der Bundesvereinigung Logistik.
  • Arbeit zitieren: König, Christoph Pascal Dezember 1997: Projektlogistische Aspekte des Bonn-Berlin-Umzuges, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Bonn-Berlin-Umzug, Umzug, Projektlogistik, Projektmanagement, Logistik

Diplomarbeit von Christoph Pascal König

Einleitung:

Am Ende der langen historischen Sitzung des Bundestages (BT) vom 20.6.1991 war es soweit. Mit 338 zu 320 Stimmen wurde der "Antrag zur Vollendung der Einheit Deutschlands" angenommen. Damit war die Verlagerung des Sitzes des Deutschen Bundestages in die neue Hauptstadt Berlin beschlossen. In der Folge entschlossen sich alle Verfassungsorgane, ihren Sitz mehr oder weniger vollständig nach Berlin zu verlagern. Aber auch Botschaften, Presse, Verbände, Organisationen und Interessensgruppen schlossen sich dieser Entscheidung an.

Das Umzugspotential an Menschen und Material ist dabei gewaltig. Allein der BT, der die Lawine von geplanten Umzugsaktivitäten mit seiner historischen Entscheidung auslöste, ist ein in Bonn auf 70 Liegenschaften verstreuter Apparat. 4500 Arbeitsplätze, 3900 Büro- und 1000 Sonderräume, eine Hauptnutzungsfläche von rd. 136000 m2 lassen sich bilanzieren. Auch der auf viele Liegenschaften verteilte Apparat der Bundesregierung (BR) weist 21500 Arbeitnehmer aus, die auf rd. 600000 m2 ihrer Arbeit nachgehen. Da aber seitens der Bundesregierung zum einen nur die Hauptsitze von neun Ministerien und des Kanzleramtes verlagert werden und zum anderen jedes Ressort einen zweiten Dienstsitz in der jeweils anderen Stadt behalten wird, sind von der anfänglichen Grundgesamtheit nur etwas über 7000 Arbeitsplätze vom Umzug betroffen. Aber nicht nur das Potential in Richtung Berlin ist gewaltig. Durch das Bonn-Berlin-Gesetz von 1994, das die Umsetzung des Beschlusses zur Vollendung der Einheit Deutschlands sichern soll, wurde der Sitz etlicher Einrichtungen des Bundes nach Bonn verlagert oder schon in Bonn bestehenden Einrichtungen Erweiterungen zugesagt, um der Region Bonn einen angemessenen Ausgleich für die Verluste an Arbeitsplätzen und Kaufkraft zu schaffen.

Aggregiert betrachtet wird die Gesamtzahl der letztlich zu verlagernden Arbeitsplätze offiziell auf 18500 geschätzt. Bedingt durch organisatorische Änderungen und absehbare Stelleneinsparungen im Rahmen der Schaffung leaner Verfassungsorgane ist eine Reduktion dieser Zahl aber wahrscheinlich. Im Umzugsgewerbe wird im Schnitt mit 1,5 bis zwei Möbelwagenmeter (MWM) pro Arbeitsplatz, was in etwa 7 bis 10m3 entspricht, kalkuliert. Als ersten Orientierungwert für das Umzugsgutaufkommen der Verfassungsorgane ließen sich folglich 180000m3 hochrechnen. Theoretisch könnte man damit 3600 7,15-Wechselbrücken (WB) füllen, geht man von der utopische Annahme aus, daß diese ohne Stauverluste geladen werden könnten.

Als Exkurs bietet sich eine ähnliche Rechnung auch auf Seite der Privatumzüge der Arbeitnehmer an. Die Anzahl der Mitarbeiter, die letztlich nach Berlin ziehen werden, wird mit Hilfe von Maßnahmen der vom BT verabschiedeten "Personalwirtschaftlichen Gesamtkonzeption" deutlich geringer ausfallen als die Zahl der zu verlagernden 18500 Arbeitsplätze. Dies liegt insbesondere an Arbeitsplatztauschaktionen im niederen bis mittleren Dienst. Die Anzahl der umziehenden Arbeitnehmern kann nur geschätzt werden, da sich bei Nachfrage die verantwortlichen Politiker in eisernem Schweigen üben. Legt man aber die Zahl der in Berlin für die Umziehenden zu errichtenden Wohneinheiten zugrunde, kann wohl mit mindestens 10000 Arbeitnehmern gerechnet werden. Geht man dann erstens von einem durchschnittlichen Haushalt von zwei Erwachsenen und zwei Kindern aus und zweitens von durchschnittlich 60m3 Umzugsgut pro Haushalt, so ergibt sich im Privatumzugssektor ein Umzugsgutpotential von 600000m3.

Über allen Prozessen und Elementen des Umzugs schwebt die bedingungslose, uneingeschränkte Forderung nach allzeitiger Funktionstüchtigkeit der Verfassungsorgane, auch während der Phasen unmittelbarer Umzugsaktivitäten (schließlich muß das Land zu jeder Zeit regierungsfähig sein). Diese zu gewährleisten ist oberstes Ziel und alle Umzugsprozesse müssen darauf ausgerichtet werden. Es muß deshalb stets der richtige Gegenstand (z.B. Akte), am richtigen Ort und zur richtigen Zeit verfügbar sein. Dafür wird wichtig sein, die zwischen den einzelnen Umzugsprozessen bestehenden vielfältigen Interdependenzen zu beachten. Im Hinblick auf die Forderung nach allzeitiger Funktionsfähigkeit wird auch die Bedeutung einer großen Flexibilität in Bezug auf Projektplanung und -durchführung deutlich, da Umzugsprozesse immer wieder von schwer zu beeinflussenden äußeren Umweltbedingungen einerseits und von Störvariablen seitens der "Umziehenden" andererseits beeinflußt werden. Gefragt werden deshalb feine und dynamische Umzugskonzepte sein. Letztendlich wird in diesem Projekt aber auch als zusätzliche zentrale Forderung die Kostensparsamkeit gestellt werden müssen. Im Zuge leerer Staatskassen, hoher Arbeitslosigkeit und eher bescheidener prinzipieller Akzeptanz der Umzugsentscheidung unter den Bundesbürgern wird es wichtig sein, die Kosten des Umzugs zu minimieren bei gleichzeitiger reibungsloser Abwicklung des Projektes.

Diesen komplexen Aufgaben und Anforderungen gerecht zu werden, muß Aufgabe der Logistik sein. Nur abgestimmtes, ganzheitliches, stets den Gesamterfolg des Umzugsprojektes im Blickwinkel behaltenes, alle Interdependenzen beachtendes Denken, Planen und Handeln wird allen Anforderungen gerecht werden. Es ist klar, daß die bis heute nur vage bekannten zeitlichen und mengenmäßigen Rahmenbedingungen des größten deutschen Umzugsprojekts nachteilige Wirkungen auf die Beteiligten des Logistiksektors besitzen. Überlegungen bezüglich logistischer Konzeptionen müssen momentan mit sehr unscharfen zeitlichen und mengenmäßigen Annahmen gebildet werden, was zu einer äußerst geringen Planungssicherheit führt. Gerade eine fundierte Projektplanung ist für das Gelingen des Projekts aber existentiell. Deshalb wäre eine schnellstmögliche Klärung der logistischen Grundvariablen seitens der Politik nötig und sehr zu begrüßen.

Es stellt sich die Frage, wie eine Logistikkonzeption des Bonn-Berlin-Umzugs nun aussehen könnte. Es ist danach zu fragen, welche Elemente sie besitzt, welche logistischen Optionen ihr offenstehen und welche Restriktionen zu beachten sind. Mit diesen Fragen beschäftigt sich diese Diplomarbeit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Der Bonn-Berlin-Umzug als logistische Herausforderung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Untersuchung 4
2. Zentrale methodische und organisationale Aspekte externer Logistikprojekte 7
2.1 Die Logistik in Projekten 7
2.2 Das Projektmanagement 11
2.2.1 Definition und Ziele des Projektmanagements 11
2.2.2 Projektlebensphasen und -betrachtungsobjekte 13
2.2.3 Methoden des Projektmangements 17
2.2.3.1 Die Projektdefinition 17
2.2.3.2 Die Projektplanung 18
2.2.3.2.1 Grundlagen der Planung 18
2.2.3.2.2 Die Leistungsplanung 19
2.2.3.2.3 Die Terminplanung 20
2.2.3.2.4 Die Ressourcenplanung 27
2.2.3.2.5 Die Kostenplanung 29
2.2.3.3 Das Projektcontrolling 31
2.2.3.4 Die Projektauswertung 32
2.3 Interorganisationalität in Projekten 33
2.3.1 Bedeutung der Interdisziplinität und Interorganisationalität in Projekten 33
2.3.2 Ziele der zwischenbetrieblichen Kooperation 36
2.3.3 Formen des zwischenbetrieblichen Projektmanagements 43
2.3.3.1 Klassische Formen 43
2.3.3.2 Das virtuelle Unternehmen 45
2.3.4 Information und Kommunikation im Rahmen zwischenbetrieblichen Projektmanagements 48
3. Rahmenbedingungen und konzeptionelle Aspekte des Bonn-Berlin-Umzugs 51
3.1 Aktueller Stand primärer Rahmenbedingungen einer Umzugslogistikkonzeption 51
3.2 Sekundäre Rahmenbedingungen des Bonn-Berlin-Umzugs 57
3.2.1 Das öffentliche Auftragswesen 57
3.2.2 Die Konkurrenzsituation im europäischen Transportgewerbe 61
3.2.3 Die geplante Transportrechtsreform 63
3.2.4 Die Sicherheit 65
3.2.5 Beurteilung der derzeitigen Infrastruktur und dessen Entwicklung bis zu den Umzugsjahren 66
3.3 Die Akteure des Umzugsgewerbes 70
3.3.1 Transportunternehmen im Umzugsverkehr 70
3.3.2 Der Umzugsconsulter 73
3.4 Darstellung einer Umzugskonzeption 74
4. Logistische Gestaltungsoptionen des Bonn-Berlin-Umzugs 78
4.1 Technikeinsatz in einem Umzugsprojekt 78
4.1.1 Technikeinsatz innerhalb der Ab- und Aufbauphase 78
4.1.2 Technikeinsatz innerhalb der Transportphase 80
4.1.2.1 Verpackung 80
4.1.2.2 Ladehilfsmittel und -einheiten 81
4.2 Die Wahl des Verkehrsträgers 91
4.2.1 Grundlagen der Verkehrsträgerwahl 91
4.2.2 Der Direktverkehr über die Straße 93
4.2.3 Der kombinierte Verkehr 99
4.2.3.1 Grundlagen des kombinierten Verkehrs 99
4.2.3.2 Der kombinierte Verkehr mit der Bahn 100
4.2.3.2.1 Akteure, Formen und Infrastruktur der Schienenbeförderung 100
4.2.3.2.2 Umzugsablauf unter Verwendung eines Schienenhauptlaufs 102
4.2.3.2.3 Bewertung eines kombinierten Straße /Schienen-Umzugs 107
4.2.3.3 Der kombinierte Verkehr mit dem Binnenschiff 109
4.2.3.3.1 Akteure und Infrastruktur der Schiffsbeförderung 109
4.2.3.3.2 Umzugsablauf unter Verwendung eines Binnenschiffhauptlaufs 112
4.2.3.3.3 Bewertung eines kombinierten Straße/Binnenschiff-Umzugs 115
4.3 Zwischenbetriebliche Zusammenarbeit im Rahmen des Bonn-Berlin-Umzugs 116
4.3.1 Zwischenbetriebliche Zusammenarbeit bei Abwicklung einer isolierten Umzugseinheit 117
4.3.2 Strategische zwischenbetriebliche Zusammenarbeit im Rahmen des Bonn-Berlin-Umzugs 121
4.3.3 Die informatorische Verknüpfung der beteiligten Akteure 123
5. Beurteilung einer Logistikkonzeption im Rahmen des Bonn-Berlin-Umzugs 125
6. Literaturverzeichnis 129
7. Anhang 136

Arbeit zitieren:
König, Christoph Pascal Dezember 1997: Projektlogistische Aspekte des Bonn-Berlin-Umzuges, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Bonn-Berlin-Umzug, Umzug, Projektlogistik, Projektmanagement, Logistik

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