Projekte im Musikunterricht
Vergleichbare Untersuchung wesentlicher Charakteristika
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Ulrike Ossenkop
- Abgabedatum: März 1998
- Umfang: 128 Seiten
- Dateigröße: 697,3 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Hildesheim Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4088-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4088-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4088-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ossenkop, Ulrike März 1998: Projekte im Musikunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Musikdidaktik, Musikpädagogik, Projektlernen, Projektunterricht, Musikprojekte
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Staatsexamensarbeit von Ulrike Ossenkop
Zusammenfassung:
„Learning by doing“ heißt die Formel, auf die Deweys Idee des Projektlernens in der Literatur oft verkürzt wird. „Flötenspielen lernt man beim Flötenspielen“ wusste auch schon Aristoteles in der Antike zu sagen. Diese Lernauffassung hat sich also bis heute nicht stark geändert: Projektunterricht ist „en vogue“, seine zentrale Aufgabe im Unterricht liegt in der Humanisierung und Demokratisierung des Umgangs der Menschen miteinander. Leider aber werden im Zuge seiner Verbreitung die ursprüngliche Idee und das eigentliche Konzept immer stärker verwässert.
Im Vergleich zur Fülle der vorhandenen Literatur zum Projektunterricht (vgl. Handbücher zum Projektunterricht, Unterrichtsbeispiele für Projekte etc.) existiert merkwürdigerweise nur relativ wenig beziehungsweise gar keine Fachliteratur innerhalb der Projektdiskussion, die sich auf den Musikunterricht bezieht – abgesehen von wenigen Aufsätzen in den musikpädagogischen Zeitschriften und einigen wenigen sonstigen musikwissenschaftlichen Veröffentlichungen.
Das ist einer der Gründe für die Erstellung diese Arbeit mit musikpädagogischem Ansatz: Sie diskutiert die Projektidee und wendet die Ergebnisse auf den Musikunterricht an: „Musik kann in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen und auf verschiedenen Wegen im Musikunterricht behandelt werden“, denn die Verbindlichkeiten für dieses Fach sind heutzutage „erheblich gelockert wenn nicht sogar aufgehoben“ (Weber 1997). Demnach bietet sich der Musikunterricht als Arbeitsfeld für Projekte geradezu an. Darüber hinaus hat er die Möglichkeit, sein Augenmerk stärker auf die individuelle Entfaltung der Kinder zu richten, als nur darauf zu achten, ein gewisses Stoffpensum zu erfüllen.
(1) Die Arbeit gliedert sich in drei große Kapitel, von denen sich das erste mit der Projektidee und deren Begriffswandel auseinandersetzt und versucht, die aktuelle Diskussion sowie die mit ihr zusammenhängenden Schwierigkeiten aufzuzeigen: Was aber ist Projektunterricht, welche semantischen und terminologischen Probleme beinhaltet er? Handelt es sich bei ihm um eine Methode, ein Verfahren oder ein didaktisches Prinzip? Welche Positionen nehmen die Didaktiker und (Musik-)Pädagogen innerhalb der Projektdiskussion ein? Es werden die Aussagen bekannter Autoren wie Dewey, Hänsel, Gudjons und anderer diskutiert. Aber auch Pädagogen wie Kerschensteiner oder Kilpatrick werden nicht außer Acht gelassen.
Als Ergebnis dieser Diskussion werden drei Aspekte der Projektidee aufgegriffen, die zum einen sehr wichtig für den Musikunterricht scheinen und, die zum anderen im Zusammenhang mit der Projektliteratur immer wieder genannt, aber oft den Anschein erwecken, dass sie in der Praxis recht unreflektiert verwendet werden: (1) Der Prozess des kreativen Denkens bei Poincaré, (2) motivationale Aspekte des Projektlernens und (3) die Komplementarität im Hinblick auf die Schüler- und Lehrer-Rolle innerhalb des Projektunterrichts.
(2) Im zweiten großen Kapitel wird ein Querschnitt existierender Erfahrungsberichte von Musikprojekten dargestellt. Diese Erfahrungsberichte sind primär den musikpädagogischen Zeitschriften „Musik & Bildung“ sowie „Musik und Unterricht“ entnommen: Alle Ausgaben von 1960 bis 1998 wurden nach erarbeiteten Kriterien sorgfältig auf Musikprojekte hin untersucht: Fünf ausgewählte Projekte werden anschließend als Unterrichtsbeispiele analysiert, wobei sowohl auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede eingegangen wird, als auch die Problematik des Vergleichs, die diese Projekte beziehungsweise Erfahrungsberichte aufweisen.
(3) Im dritten großen Kapitel geht es um die Rolle des Musikprojekts und deren Möglichkeiten, die seiner Verwirklichung innerhalb des Schulalltags zur Verfügung stehen und wie der musikunterrichtliche Erfolg zu bewerten ist: Kann dieser in Form des Projekts optimaler als im ‚traditionellen’ Unterricht erreicht werden? Und wie sieht die gesellschaftliche Bedeutung des Musikprojekts („gesellschaftlichen Praxisrelevanz“) aus?
Es wird aber auch auf Schwierigkeiten und Grenzen dieser Unterrichtsform eingegangen wie das Problem der Leistungsbeurteilung oder sogenannte „Durststrecken“ innerhalb des Projekts.
Das Literaturverzeichnis ist umfangreich mit deutlich musikpädagogischer Orientierung: Es enthält neben der Basis-Literatur zum Projektunterricht, die man kennen sollte, speziell die sich auf Projektunterricht beziehende musikpädagogische und -didaktische Literatur, die bis 1998 in dieser Form so nicht zusammengestellt war.
Hartmut von Hentig hat einmal gesagt, man müsse das Leben wieder am Leben lernen. Was erfüllt das mehr als ein guter Musikunterricht, getragen von fachunterrichtlicher Systematik und inszeniert nach den Aspekten eines lebendigen Projektunterrichts?
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung: Schulische Projektarbeit und Musikunterricht | 5 | |
| I. | Historische Voruntersuchung und Begriffsbestimmung des Projektunterrichts | 5 |
| 1. | Theorie und Entwicklung | 8 |
| 1.1 | Stichwort „Projekt“: ein Definitions-Vergleich (1962-95) | 8 |
| 1.2 | Rezeption und aktuelle Diskussion: Begriff und Zielsetzungen im Wandel? | 12 |
| 1.3 | Was ist Projektunterricht? - Versuch einer Ortsbestimmung | 21 |
| 2. | Einzelaspekte des Projektunterrichts | 28 |
| 2.1 | Der Prozess des kreativen Denkens bei Poincaré | 28 |
| 2.2 | Motivationale Aspekte des Projektlernens | 34 |
| 2.3 | Komplementarität: Schüler- und Lehrer-Rolle | 41 |
| II. | Projekte im Musikunterricht | 47 |
| 1. | Schwierigkeiten der Projektauswahl | 47 |
| 2. | Begründung und Darstellung der ausgewählten Projekte | 55 |
| 2.1 | Klangkörper – Klangräume - Raumerfahrungen (3./4. Klasse) | 53 |
| 2.2 | Schattentheater (Klassen 1-6) | 56 |
| 2.3 | „Die Moldau“ von Friedrich Smetana (6. Klasse) | 61 |
| 2.4 | „West Side Story“ von Leonard Bernstein (4. Klasse) | 65 |
| 2.5 | „Frau Holle“ – Ein musikalisches Märchen (3. Klasse) | 72 |
| 3. | Parallelen und Unterschiede - ein synoptischer Vergleich und seine Problematik | 75 |
| III. | Die Rolle des Musikprojekts | 80 |
| 1. | Aufgabenstellung und Projektinhalt | 80 |
| 1.1 | Fächerübergreifende Aspekte | 80 |
| 1.2 | „Durststrecken“ | 85 |
| 1.3 | Die Leistungsbeurteilung | 88 |
| 2. | Die gesellschaftliche Relevanz | 92 |
| Der musikunterrichtliche Erfolg | 97 | |
| 3.1 | Kreativität, Improvisation und Komposition – oder: Das Entdecken musikalischer Fähigkeiten | 97 |
| 3.2 | Lernerfolge und Lernleistungen der Schüler | 101 |
| 3.3 | Grenzen des Projektunterrichts im Fach Musik | 104 |
| IV. | Resümee: Wesentliche Charakteristika der vorgestellten Projekte Fazit | 107 |
| V. | Literaturverzeichnis | 112 |
| 1. | Allgemeine Literatur | 112 |
| 2. | Erfahrungsberichte über schulische Musik-Projekte | 122 |
schenbesprechungen und Ergebnisvergleiche unterbrochen, um eventuelle Schwierigkeiten bei der Ausführung im Klassenverband zu lösen. Erste Klangversuche mit den gebrannten, fertig gestellten Rasseln in einem Kreisgespräch ließen die Kinder ihre Ergebnisse überprüfen und Rückschlüsse auf die noch in Arbeit stehenden Instrumente ziehen, an denen im Anschluss an diese Zwischenbilanz weitergearbeitet wurde. Nach der Bewältigung des Instrumentenbaus, bei dem auch einige Kinder Misserfolge erleiden mussten (z. B. Fehlkonstruktionen bei den Wasserflöten)34, konnten die selbstgebauten Klangkörper in eine Klangimprovisation eingebettet werden. Dabei hatten die Kinder hierbei die Möglichkeit, die gewonnene Erkenntnis, dass räumliche Beziehungen mit Klang zu tun haben (z. B. bei dem Erstellen der Klangstäbe), in einer Gesamtimprovisation aufzuzeigen und wieder zu finden. Mit einem relativ geringen Bühnenbildaufwand (schwarzer und lilafarbener Stoff als Bühnenauskleidung), drei Erzählern einer Mikrophonanlage sowie zwei Protagonisten (Tom und Becky) konnten die improvisierten Klänge der (für die Zuschauer unsichtbaren) Instrumente unauffällig in den Vordergrund gerückt werden und so die Handlung des Abenteuers tragen, die die Kinder für ihre Zwecke modifiziert hatten (Weber 1996, S. 15). Die Besonderheit dieses Projekts liegt an der Unterteilung in die - eingangs erwähnten zwei Abschnitte: Zunächst geht es um das im Klassengespräch vorbereitete individuelle Produkt, welches in Einzelarbeit - mit regelmäßigen Zwischengesprächen und eventueller Hilfestellung der Lehrenden - hergestellt wird. Um die hierbei gemachten Klangerfahrungen zu verarbeiten und zu fixieren, wird in einer zweiten Phase, die gleichzeitig als Abschluss der ersten fungiert, in Gruppenarbeit und Klassenunterricht eine Gesamtverwendung aller Einzelprodukte angestrebt, die sich in verschiedenen Klangkombinationen dem Gesamtklang der hergestellten Instrumente auswirkt, indem durch gemeinsames Musizieren und Improvisation der Schüler eine musikalische Gesamt-Raumerfahrung inszeniert wird. [...]
Die Motivation der Kinder war so gesehen eine doppelte: zunächst die Herstellung der Instrumente und anschließend die Einübung und Aufführung einer mit Hilfe der Instrumente ausgestalteten Geschichte für eine Präsentation vor dem Eltern-, Kollegium- und Schulklassenpublikum. Ziel dieses Projekts war es, "Raumerfahrungen anzubahnen durch das Erstellen von Klangkörpern, die ihrerseits Klangräume bilden" (ebd.). Gleichzeitig sollten Sinnesschärfe und geistige Aktivierung der Kinder geschult werden, wozu neben der Werk- arbeit mit Ton auch das Kennenlernen der Stille eine Rolle spielte (Hein 1996, S. 11). Mit den hier soeben aufgeführten Aspekten sind in diesem Projekt alle "methodenbezogenen Aufgaben", die Hänsel für den "Unterricht als 'pädagogisches Experiment'" fordert, erfüllt (s. o. / Hänsel 1995, S. 39). Das Werkvorhaben wurde geleitet von dem Vertrautmachen mit der Bedingung von Klängen und deren Steuerung. Um die Eigenschaften der herzustellenden Klangkörper Rassel, Glocke, Tonpfeife, Röhrenglocke, Klangstab und Trommel kennen zu lernen, wurde der Unterricht zu einem Experimentierfeld umfunktioniert. Die Entwicklung der Aufgaben vollzog sich kleinen Schritten, so dass ihr experimenteller Charakter bewahrt blieb und auftretende technische Probleme in Ruhe gelöst werden konnten. Das Tonmaterial bot hierbei eine große Herausforderung sowohl an die Vorstellungskräfte als auch an die "Hände als formengebendes Werkzeug" (Hein 1996, S. 12), so dass der "ästhetische Anspruch, visuell zu gefallen, hinter dem Zweck, die Gegenstände zum Klingen zu bringen" zurückfiel (ebd.). Die verschiedenen Instrumente wurden auch auf unterschiedliche Art und Weise erarbeitet. Um den Klangcharakter von Rasseln kennen zu lernen, ordneten die Kinder (in Partnerarbeit?) z. B. mit Nägeln u. a. gefüllte Filmdosen in Paaren einander zu. So wurden sie durch das Erraten des Inhalts zum Nachdenken über akustische Probleme angeregt. Durch die Füllung dieser Filmdosen mit noch nassen Tonkugeln wurde das Arbeitsmaterial eingeführt sowie das Nachdenken über seine Verarbeitung, seine Eigenschaften bei Nässe und Trockenheit usw. in den Vordergrund gerückt. Diese Hinführung mündete schließlich in der Aufgabenstellung, eine Rassel selbst unter all diesen Aspekten anzufertigen. Die anschließend durchzuführende Einzelarbeit wurde (im Frontalunterricht?) in Arbeitsschritten an der Tafel festgehalten und in unterschiedlichen Zeitabständen durch Zwi57 [...]
2.1. Klangkörper - Klangräume - Raumerfahrungen (Klasse 3/4) (Gisela Hein / Rudolf Weber) Dieses ausgewählte Projekt besteht eigentlich aus zwei Teilen: In einer ersten Phase werden Instrumente aus Ton hergestellt, mit denen im zweiten Abschnitt eine Geschichte untermalt wird. Auf den ersten Blick handelt es sich hierbei im Anfangsteil um reine Produktorientierung: Es entsteht ein fertiges Produkt, das Konstanz aufweist, weil es zeitlich nicht vorübergeht bzw. verklingt wie eine Inszenierung oder Darstellung der Musik in den anderen Projekten. Diese Produktorientierung wird aber dennoch dominiert von dem Entstehungsprozess, weil die Klangkörper mit dem Ziel geschaffen werden, zu klingen. Deshalb ist ihre Anfertigung eher Mittel zum Zweck. Der Zweck liegt in der Auseinandersetzung mit Klängen (anders als bei dem zuvor kritisch beurteilten Instrumentenbau nach Anleitung!). Die Kinder stellen Überlegungen vor und während der Arbeit an, wie sie diesen oder jenen Klang erzeugen können. Damit stehen sie vor einem "echten Problem", wie es zu Beispiel Hänsel umschreibt (s. o. / Hänsel 1995, S. 39). Bildlich veranschaulichen können sich die Projektteilnehmer ihre Gedanken anhand des Tonmaterials, welches sie mit den Händen formen. So wird eine Verbindung geschaffen zwischen theoretischem Denken und praktischem Ausführen ("handlungsbezogene Auseinandersetzung"), wobei die Neugierde auf die Lösung des Problems konstant anhält, weil der eigentliche Klang erst nach dem Brennen des Tons zu hören ist. Das heißt, zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Möglichkeit mehr, das Instrument wieder umzuändern, um den eigentlich beabsichtigten Klang zu erlangen. Aus diesem Grund sind vorausschauende Umsicht und Überlegung, also kognitive Antizipation - motiviert durch Neugier und Vermutungen - bei der Herstellung eines solchen Klangkörpers äußerst wichtig und unentbehrlich. Zur Durchführung: Die Durchführung des Projekts fand im dritten Schuljahr einer Integrationsklasse mit 19 (davon drei behinderten) Kindern statt und wurde von zwei Lehrerinnen betreut. Die Kinder waren bei einer Gesamtdauer des Projekts von ungefähr sechs Monaten (drei Stunden jeden Monat und eine Projektwoche) "hochmotiviert" (Weber 1996, S. 10) durch das Thema und die offene Gestaltung des Unterrichts, welche ihnen viel Zeit und Freiraum zum Arbeiten ließ, wovon besonders die lernschwächeren Kinder profitierten. 56 [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832440886
Arbeit zitieren:
Ossenkop, Ulrike März 1998: Projekte im Musikunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
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Musikdidaktik, Musikpädagogik, Projektlernen, Projektunterricht, Musikprojekte



