Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung
Eine Methodensammlung
- Art: Projektarbeit
- Autor: Christine Röll
- Abgabedatum: Mai 2010
- Umfang: 73 Seiten
- Dateigröße: 615,6 KB
- Institution / Hochschule: Pädagogische Hochschule Weingarten Deutschland
- Bibliografie: ca. 16
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4518-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Röll, Christine Mai 2010: Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Erwachsenenbildung, Interkulturalität, Methoden, Jürgen Bolten, Kulturschock
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Projektarbeit von Christine Röll
Einleitung:
Mein Interesse an der interkulturellen Thematik lässt sich auf meine eigenen Erfahrungen zurückzuführen: Als ich während meines Studiums ein Auslands-semester in Irland absolvierte, erlebte ich Unterschiede in der Organisation des Alltags und dem Feiern von Festen, z. B. Weihnachten oder Geburtstage. Auch waren die Vorstellungen von Pünktlichkeit, Direktheit, oder Freundschaft anders.
Später arbeitete ich in der Exportabteilung eines Unternehmens, das seine Produkte weltweit verkaufte, und erlebte mit, wie es zwischen den verschiedenen Kulturen manchmal zu Missverständnissen kam. Auch bei meiner darauf folgenden Tätigkeit als Dozentin an einer Hochschule konnte ich bei den internationalen Studierenden öfters Unterschiede in der Kommunikation und Herangehensweise feststellen. Veranlasst durch diese Erfahrungen fing ich an, mich mit interkulturellen Theorien und Methoden zu beschäftigen und habe außerdem zwei Mal an der Interkulturellen Sommerakademie an der FSU Jena teilgenommen, die von Professor Jürgen Bolten organisiert wird, der dort den Fachbereich Interkulturelle Wirtschaftskommunikation leitet. Dadurch bekam ich Anregungen für die Vermittlung dieses komplexen Themas. Die theoretische Grundlage und die Auswahl der Methoden dieser Sammlung stützen sich zum großen Teil auf Boltens Theorien.
Die Zielgruppe dieser Methoden sind erwachsene Lerner, z. B. in VHS-Kursen oder an der Hochschule, Sprachkurse oder Schulungen im Bereich interkulturelle Kommunikation oder Einführungskurse für internationale Studierende, die ein oder zwei Semester in Deutschland verbringen. Die Übungen sind progressiv aufgebaut, das heißt, es handelt sich um eine Trainingseinheit, wobei einige Aktivitäten alternativ eingesetzt werden können. Je nach Bedarf können Teile weggelassen oder ergänzt werden.
Dieses Training hat die folgenden Ziele:
- Die Teilnehmer sollen über sich selbst und ihren kulturellen Hintergrund reflektieren.
- Sie sollen sich ihrer Vorurteile und Stereotype bewusst werden.
- Sie sollen unterschiedliche Kommunikationsmuster und ihre Auswirkung auf die interkulturelle Kommunikation erkennen.
- Sie sollen interkulturelle Kommunikation in Rollenspielen erfahren.
- Sie sollen das Phänomen Kulturschock und Strategien zu seiner Überwindung kennen lernen.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einführung | 3 |
| 1.1 | Motivation, Ziele und Zielgruppe | 3 |
| 1.2 | Beweggründe für die Vermittlung interkultureller Kompetenz | 4 |
| 1.3 | Definition von Kultur | 5 |
| 1.4 | Eingrenzung des Begriffes „Kultur“ | 5 |
| 1.5 | Definition von „interkulturell“ | 6 |
| 2. | Interkulturelle Methoden – Theoretischer Hintergrund | 6 |
| 2.1 | Methoden im interkulturellen Unterricht und ihre Vor- und Nachteile | 6 |
| 2.2 | Grenzen und Risiken des interkulturellen Unterrichts | 9 |
| 2.3 | Didaktische Einordnung der Methoden dieser Sammlung | 10 |
| 2.3.1 | Eisbrecher | 10 |
| 2.3.2 | Was ist Kultur? | 10 |
| 2.3.3 | Meine Kultur – Deine Kultur | 11 |
| 2.3.4 | Wer bin ich? | 12 |
| 2.3.5 | Stereotype und Vorurteile | 13 |
| 2.3.6 | Umgang mit der Zeit | 15 |
| 2.3.7 | Kommunikationsfaktoren und ihre Wirkung | 16 |
| 2.3.7.1 | „Linguistic awareness of culture” | 16 |
| 2.3.7.2 | Analyse von Kommunikationsfaktoren | 16 |
| 2.3.7.3 | Interkulturelle Kommunikation als dynamischer Prozess | 17 |
| 2.3.8 | Das Internet als Informationsquelle und Kommunikationsmittel | 18 |
| 2.3.9 | Kulturschock | 19 |
| 2.3.10 | Feedback und Evaluation, Seminarschlussübungen | 20 |
| 3. | Übersicht über die Methoden und deren Beschreibung | 20 |
| 4. | Bibliographie | 80 |
Textprobe:
Kapitel 2.3.7, Kommunikationsfaktoren und ihre Wirkung:
„Linguistic awareness of cultures”:
Kritische Kommunikationssituation mit (Kultur-)Fremden führen regelmäßig dazu, die Mehrzahl auftretender Verstehensprobleme nicht der Anwendung verschiedener Kommunikationsregeln zuzuschreiben, sondern unterstellten kulturtypischen fremden Wertorienterungen bzw. individuellen Vorlieben oder Eigenheiten der Kommunikationspartner. Müller plädiert daher, die ‚Linguistic awareness of cultures‘ zu trainieren, die er wie folgt definiert:
Linguistic awareness of cultures means the following:
All cultural differences are „hidden“ in linguistic manifestations. These expressions of cultural difference are found in all languages and they can be classified in different grammatical and lexical categories or even expressed non verbally. They are presented in culture specific explicit or implicit forms by both speakers and listeners. This further means, that there is a source of mutual misunderstanding, if these linguistic indicators or manifestations are not perceived by the interactors.
Analyse von Kommunikationsfaktoren:
Die folgenden Aspekte sind zur Analyse von Kommunikationsabläufen relevant:
- Unterschiedliche Interpretation von Begriffen, z. B. Freiheit – Liberté – Liberty.
- Sprecherhandlungen (ähnlich den verschiedenen Interpretationen einer Botschaft von Schulz von Thun)- - Gesprächsorganisation, Konventionen des Diskursablaufs, z. B. Sprecherwechsel.
- Themen, z. B. zur Kontaktaufnahme.
- Direktheit/Indirektheit.
- Register (formelle/informelle Sprache).
- Paraverbale Faktoren (Sprechrhythmus, Lautstärke, Wort-/Satzakzent, Sprechtempo, Satzmelodie).
- Häufigkeit und Länge der Sprechpausen.
- Nonverbale Faktoren (Mimik, Gestik, Körperdistanz, Blickkontakte).
Mit der Übung Wie wirken unterschiedliche Kommunikationsfaktoren? (3.7.2) wird das Bewusstsein für Aspekte, die die Kommunikation beeinflussen, geschärft. Außerdem kann man sie als Basis für Metakommunikation, z. B. bei der Auswertung von „Critical Incidents“ und Rollenspielen, einsetzen.
Aus den Kritischen Begegnungen (3.7.4), die Missverständnisse in interkulturellen Situationen beschreiben, dürfen nicht präskriptive Regeln für bestimmte Handelsweisen abgeleitet werden. Es muss den Teilnehmern klar gemacht werden, dass es sich um eine einmalige Begegnung handelt, die nicht auf diese Art stattfinden muss. Außerdem halte ich es für wichtig, dass nicht unbedingt eine Erklärung als die einzig richtige gegeben wird, sondern dass mehrere Möglichkeiten nebeneinander stehen können.
In den interkulturellen Dialogen (3.7.5), die Stortis „Cross-Cultural Dialogues“ nachempfunden sind, geht es ebenfalls um die Wirkung kulturell unterschiedlicher Kommunikationsweisen und Erwartungen. Die Dialoge sind eine aufschlussreiche Methode, Missverständnisse zu untersuchen, da das Kommunikationsproblem nicht immer offensichtlich ist, was auch in wirklichen Begegnungen oft der Fall ist. Stortis Analyse der Dialoge ist jedoch stereotyp und bietet keine Alternativen. So erklärt er zum Beispiel die Reaktion eines Deutschen in den USA, der nicht begeistert darüber ist, dass zu einer Party ein anderer Deutscher kommen wird, damit, dass die Deutschen sehr standesbewusst seien und sich nicht mit Personen einer anderen Schicht abgeben wollten. Eine realistischere Begründung ist, dass der Deutsche voll in die andere Kultur und Sprache eintauchen und daher keinen Kontakt zu seinen Landsleuten haben wollte. Dies könnte als kulturspezifisch deutsche Handlung interpretiert werden: Deutsche wollen bei einem (zeitlich begrenzten) Auslandsaufenthalt häufig nicht viel mit anderen Deutschen zu tun haben.
Interkulturelle Kommunikation als dynamischer Prozess:
Interkulturelle Kommunikation ist laut Bolten als ein dynamischer Prozess zu sehen, der nicht vorhersehbar ist, da nicht zwei Kulturkonzepte aufeinandertreffen, sondern aktiv sinnkonstruierende Individuen, die eine Interkultur, also dritte Situation entstehen lassen, in der eigene und neue Regeln gefunden werden.
Diese Sichtweise vertritt auch Müller: Forschungen zur interkulturellen Kommunikation müssen also immer als Wirkungsforschung verstanden werden. Damit wird das Verhalten von Personen in interkulturellen Situationen nicht nur aufgrund ihrer eigenkulturellen Sozialisation (kontrastiv) erklärt, sondern auch als Produkt eines wechselseitigen Interpretations- und Anpassungsprozesses, das im Extremfall stark von den in den jeweiligen Einzelkulturen praktizierten Verhaltensnormen abweichen kann (...) und situative Neuschöpfungen zeigt.
Rollenspiele bieten die Gelegenheit, diese Interkultur zu erfahren:
Idealerweise nehmen an den Rollenspielen Personen der jeweiligen Kulturen teil, die sich authentischer verhalten als wenn ein Teilnehmer das Kommunikations-verhalten einer anderen Kultur annehmen muss.
Rollenspiele sollen den Erfahrungen und der Lebenssituation der Teilnehmer angepasst sein. Beispiele: Verhandlungen im Privatleben (z. B. für Studierende Situationen in einer Wohngemeinschaft), Verhandlungen im Berufsleben (Geschäftsleute), Gesprächssituationen in Behörden (Immigranten), Vorstellungsgespräche (Stellensuchende).
Die Situation muss ausreichend vorbereitet und erklärt werden.
Um ein hilfreiches Feedback zu erhalten, z. B. über das adäquate Maß des Selbstmarketings bei Vorstellungsgesprächen, ist es empfehlenswert, dass der Trainer aus der entsprechenden Kultur stammt.
Feedback des Trainers, eventuell mit Videokamera und mit Beobachtungsbogen für die Teilnehmer (basierend auf Kommunikationsfaktoren und ihre Wirkung).
Da das Rollenspiel auf die Lebenserfahrung der Teilnehmer zugeschnitten sein sollte, um ihnen eine Identifikation zu ermöglichen, wurde in diese Sammlung nur ein Beispiel aufgenommen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836645188
Arbeit zitieren:
Röll, Christine Mai 2010: Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Erwachsenenbildung, Interkulturalität, Methoden, Jürgen Bolten, Kulturschock




