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Programmprojekt Big Brother

Programmprojekt Big Brother
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Frank Hackmann
  • Abgabedatum: September 2000
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 443,6 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Osnabrück Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4278-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4278-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4278-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hackmann, Frank September 2000: Programmprojekt Big Brother, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Big Brother, Endemol, Gene des Programmprojektes, Gesellschaft, Kandidaten als Medienstars

Magisterarbeit von Frank Hackmann

Zusammenfassung:

Das Programmprojekt „Big Brother“ zeichnet sich als die Fernsehsendung in der Bundesrepublik Deutschland aus, welche die wohl größte Resonanz seit Bestehen des Fernsehens auslöste. Die geplanten und ungeplanten Reaktionen zu der Sendung mündeten in einer öffentlichen Diskussion mit enormen Ausmaßen. Die Vertreter der Politik, der Medien, der Kirchen und der Wissenschaft machten „Big Brother“ durch ihre Debatte zu einem wichtigen Aspekt der Alltagskommunikation.

Die vorliegende Examensarbeit setzt sich mit dem Programmprojekt „Big Brother“ auseinander und versucht die Entstehung, die Wirkungen, und die Einzigartigkeit des Konzeptes darzustellen. Im Rahmen dieser Arbeit können weder alle Untersuchungsaspekte vollständig hervorgehoben, noch beschrieben werden. Aufgrund der dargestellten Bandbreite der untersuchungsrelevanten Punkte, kann man auf eine Vielzahl weiterer Untersuchungskriterien schließen, die noch erforscht werden müssen. Der Titel Programmprojekt verdeutlicht die gegenwärtige Problematik, dass die Sendung noch keinem bestehenden Genre offiziell zugeordnet wurde. Es bleibt zu klären, ob die vorhandenen Kategorien, dem Projekt nicht gerecht werden und ein neues Genre eingeführt werden muss. Ein wichtiger Punkt bei dieser Entscheidung stellen die Analogien zu medialen Vorläufern dar. Da sich ein Genre immer den kulturellen Bedürfnissen der Rezipienten anpasst, wäre im Hinblick auf die Kategorie zu klären, ob sich die Wünsche der Zuschauer und ihre Anforderungen an das Medium Fernsehen gewandelt haben.

Weiterhin soll die öffentliche Diskussion, die durch das Projekt erzeugt wurde, beschrieben und die kontroversen Standpunkte der Gegner und Befürworter ins Auge gefasst werden. Da die geübte Kritik, der Sendung eine bestimmte Wirkung zuspricht, wäre diese auf ihre Ausmaße und Zielgruppen hin zu analysieren. Abschließend steht die Überlegung, ob die Grenzen des Dargestellten von den Zuschauern oder den Machern bestimmt werden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Das Konzept der Sendung „Big Brother“ 2
3. Das Genre des Programmprojektes 3
3.1 Zur Einordnung in bestehende Genres 3
3.1.1 Reality TV (Reality-Show, Reality-Serie) 4
3.1.2 Spielshow (Game-Show) 9
3.1.3 Doku-Soap 12
4. Vorbilder des Programmprojektes 19
4.1 „The Real World“ – MTV / „Das wahre Leben“ - Premiere 19
4.2 „Die Fahrschule“ - SAT 1 / „Abnehmen in Essen“ - WDR 20
5. Der Wandel der Fernsehunterhaltung und des Nutzungsverhaltens 23
6. Kritik der Öffentlichkeit vor Sendebeginn 26
7. Das Phänomen“Big Brother“ 29
7.1 Die Produzenten 29
7.1.1 Endemol Entertainment NV 29
7.1.2 Der Fernsehsender RTL II 31
7.2 Die Rezipienten 35
7.2.1 Die soziale Struktur 35
7.2.2 Die Wirkung der Sendung auf die Zuschauer 36
7.2.3 Die Zuschauerresonanz 43
7.3 Kritik der Öffentlichkeit, Institutionen während der Ausstrahlung 44
7.3.1 Kritik aus den Reihen der Politik und Landesmedienanstalten 44
7.3.2 Kritik der Medien 47
7.4 „Big Brother“ - das Produkt 49
7.4.1 Die ökonomischen Aspekte für die Produzenten 50
7.4.2 Merchandising 52
7.5 Das Medium Internet 53
7.6 Vom Kandidat zum Medienstar 54
7.6.1 Der Kandidat Zlatko Trpkovski auf dem Weg zumMedienstar 55
7.6.2 Gründe für seine Popularität und Medienwirksamkeit 57
8. Das Verhältnis der Medien zu Privatsphäre und Öffentlichkeit 61
9. Negative Gesellschaftsutopien der Literatur 63
9.1 George Orwells Roman „1984“ 63
9.2 Aldous Huxleys Roman „Schöne neue Welt“ 64
9.3 Michel Foucaults Untersuchung „Überwachen und Strafen“ 65
10. „Big Brother“ -Rückschlüsse auf unsere Gesellschaft 66
10.1 „Big Brother“ im Alltag 67
10.2 Der Spielfilm „Die Truman Show“ 68
10.3 Die Big Brother-Variante: „Bitte, liebt Österreich!“ von Christoph Schlingensief 70
11. Schlussbetrachtung 72
12. Literaturverzeichnis 75
13. Internetadressen 80
14. Sonstige Verzeichnisse 81

Automatisiert erstellter Textauszug:

35 banales Leben. Doch die Erwartungshaltung der Rezipienten ist, im Gegensatz zu einem Kriminalfilm, bei dem man einen spannenden Fernsehabend erleben möchte, bei „Big Brother“ vollkommen offen. Man kann nicht vorhersehen, wie sich die Folge entwickelt. Es könnte spannend, langweilig, traurig usw. werden. Die Akteure und die Rahmenbedingungen bestimmen das Geschehen, und nicht, wie es in anderen Fernsehsendungen der Fall ist, das Drehbuch. Die Beobachter erkennen, daß „Big Brother“ in etwa so trivial, gewöhnlich und unvorhersehbar ist, wie ihr eigenes Dasein. Dies äußert sich in Aussagen von Befragten: „Es passiert da ja gar nichts.“ oder „Das ist genauso wie bei mir, wenn ich stundenlang auf dem Sofa abhänge: super langweilig!“106. Die zweite Blickrichtung der Zuschauer führt über die erste Desillusionierung des Formates zu einer neuen Orientierung. Der „allmächtige Blick“ und die Steuerung des Geschehens traten nicht ein, sondern es besteht lediglich die Möglichkeit, den Alltag der Wohngemeinschaft im Container zu verfolgen. Ihren gebräuchlichen TV- Maßstab, spannend unterhalten zu werden, geben sie auf und verfolgen interessiert das Alltagsleben der Kandidaten. „Komisch finde ich, daß mich da so ganz Banales interessiert, [...], wie die reden, kochen, duschen.“107, kommentierte ein Zuschauer. Die Entwicklungen, Umstellungen, Konflikte und Lösungen, die mit der Ausführung dieser Banalitäten verbunden sind, erregen die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Ihren eigenen Alltag vergleichen sie mit den Situationen und Ereignissen im Haus. Sie sehen triviale Alltagsszenen aus der Distanz und können ihre eigenen Erfahrungen überprüfen. Weiterhin orientieren sie sich am Verhalten der Bewohner, d.h. sie können es nachvollziehen oder es negieren. Dieser Punkt bildet einen Kontrast zu den affektierten, inszenierten Szenen und Bildern der Serien, Soaps, Werbung u.a. Die Zuschauer, „die sich nach der banalen Kleindramatik des Alltäglichen sehnen“, werden befriedigt.108 Der dritte Blickwinkel der Zuschauer richtet sich neben den oben genannten Punkten auf die Spannungen der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die entstehende Gemeinschaft im Container wird von den Betrachtern verfolgt. Sie gehen gespannt der Genese dieser Einheit im kleinen und den damit verbundenen Konflikten, Konstellationen und Regelungen innerhalb der Gruppe nach. Das Publikum observiert die Kandidaten in bezug auf ihr Gruppenverhalten. Hier stellt sich die Frage, wie tolerant die Gemeinschaft reagiert, wo die Grenzen liegen, welches Verhalten als richtig oder falsch gilt, und wann sie in ihrer Exis- [...]

34 Container mitzuwirken. Das beobachtete Kollektiv bietet dem Zuschauer die Gelegenheit, den banalen Alltag der Gemeinschaft zu betrachten und eigene Alltagsmuster abzugleichen. Vor allem das dargestellte Zusammenleben wird von den Rezipienten herangezogen, um eigene Beziehungsmuster, das eigene Rollenverhalten und Konfliktstrategien zu überprüfen. Außerdem bieten die unterschiedlichen Probanden im Container wie z.B. der Hausbesetzer John, Jürgen, der immer Fairneß propagiert, oder die „postfeministische“ Andrea vielseitige Anschlußmöglichkeiten für die Betrachter.102 Dem Zuschauer wird die Möglichkeit geboten, sich auf der einen Seite mit einem der Kandidaten zu identifizieren oder sich als Gegenpol zu distanzieren. Die Betrachtungsweise der „Big Brother“-Rezipienten läßt sich in vier Perspektiven gliedern:103 Der erste Blickwinkel, aus dem der Zuschauer das Projekt „Big Brother“ beobachtet, ist durch die ungeheure Publicity und den damit verbundenen Erwartungen geprägt. Der Rezipient will selbst zum „Big Brother“ werden, der alles und jeden im Container observiert. Er glaubt dem Motto „Du bist nicht allein!“104 und stellt sich die Location der Sendung wie ein „Puppenhaus“ ohne Dach vor. Die öffentliche Diskussion um dieses Format steigert diese Vermutung nochmals. Das Publikum rechnet mit einer Art „Extrem-TV“. Seine Hoffnungen gehen über das interessierte „Anschauen“ hinaus, und es wird davon geträumt, das Schicksal der Probanden, d.h. wer im Haus verweilt und wer nicht, zu lenken. Diese Macht- und Einflußphantasien der Schaulustigen stehen in einem kontroversen Verhältnis zu ihrer eigenen gesellschaftlichen Lebenswirklichkeit. Hier sehen sie sich in einer Position, nicht aktiv Einfluß nehmen zu können oder integriert zu sein. Sie verspüren die eigene Ohnmächtigkeit gegenüber der Gesellschaft, in der alles formalisiert und standardisiert ist. Die Fernsehsendung „Big Brother“ vermittelt dem Publikum die Möglichkeit, unmittelbar auf die Existenz der Kandidaten einzuwirken. Darin sehen sie den Unterschied zur Politik. „Die Politiker, die uns enttäuschen, können wir nicht abstrafen, doch hier ist ein Volksentscheid möglich, und die Leute fliegen raus.“105 Bereits in der ersten Woche erkannte das Publikum, daß diese großen Erwartungen an das Projekt nicht erfüllt wurden. Die Kandidaten im Container entwickelten ihr eigenes und [...]

Das Projekt „Big Brother“ soll in erster Linie den Rezipienten unterhalten. Das Konzept ist auf den menschlichen Trieb der Neugierde hin angelegt. Doch die Sendung hat für die Zuschauer eine weitreichendere Bedeutung als die einer einfachen Serie, die nur unterhält. Dies kann über die hohen Einschaltquoten hinaus, an der alltäglichen Kommunikation, deren Bestandteil die Sendung „Big Brother“ ist, belegt werden. Weiterhin mobilisiert die Sendung fast alle Medien und bildet deren Inhalt. Dies bestätigt die hohe Popularität der Sendung. Das Interesse der Rezipienten an der Sendung kann nicht nur auf dem allgemeinen Voyeurismus basieren, da die gezeigten Szenen viel zu langweilig und alltäglich sind. Wenn diese Intension vom Zuschauer verfolgt würde, dann hätte „Big Brother“ eine geringere Zuschauerquote als jede Talk-Show am Nachmittag. Die Erwartung der Rezipienten durch ihren Blick in die Intimsphäre der Probanden, Abnormitäten zu beobachten, wird durch die Sendung nicht befriedigt. Dafür werden den Zuschauern die Banalitäten des Alltags geboten. Die Beobachteten durchwandeln alltägliche Probleme des Zusammenlebens. Der Zuschauer kann seine eigenen Verhaltensmuster in den gleichen Situationen reflektieren und sich am Verhalten der Kandidaten orientieren. Er kann ihr Verhalten aus der Distanz kritisch betrachten und es ablehnen oder verstehen. Diese Darstellung des normalen Alltags ist in unserer Mediengesellschaft eher selten, und noch nie konnten Zuschauern andere Menschen so lange in ihrem Alltag betrachten. Die Alltäglichkeit, die sich im Freizeitbereich abspielt, wird den Zuschauern u.a. in „Big Brother“ und in Seifenopern präsentiert. Bei dem Rezipienten wird sein existierendes Alltags- und Ordnungswissen bestätigt, d.h. daß trotz der auftretenden Probleme und Schwierigkeiten im Alltag sich die gesellschaftlichen Werte und Normen behaupten. Die dargestellten Störungen und Konflikte, die auf der privaten Ebene ablaufen, werden in dem fiktionalen Geschehen dargestellt und gelöst. Ob sich diese medialen Problemlösungen in den Alltag der Rezipienten transferieren lassen, bleibt fragwürdig. Somit bildet diese Art der Unterhaltung ein Gegengewicht zu der bestehenden Gesellschaft, in der die Werte und Normen nicht mehr klar definiert sind. Für den Rezipienten nimmt die Darstellung des Alltäglichen einerseits und die Existenz und der Bestand von Werten und Normen in den Sendungen andererseits eine harmonisierende Funktion ( Harmonisierungseffekt) ein. Die Sendung „Big Brother“ gewinnt somit den Charakter eines medialen „Gesellschaftsspiels“, in das die Zuschauer „eingreifen“ können, indem sie sich an der TED-Abstimmung beteiligen. Sie haben die Möglichkeit, aktiv an der Zusammensetzung der Gemeinschaft im [...]

Arbeit zitieren:
Hackmann, Frank September 2000: Programmprojekt Big Brother, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Big Brother, Endemol, Gene des Programmprojektes, Gesellschaft, Kandidaten als Medienstars

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