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Profifußballvereine als Marke

Profifußballvereine als Marke
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Till Eckel
  • Abgabedatum: Mai 2004
  • Umfang: 123 Seiten
  • Dateigröße: 2,3 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9215-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9215-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9215-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Eckel, Till Mai 2004: Profifußballvereine als Marke, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Markenstrategie, Sport, Fußball, Marketing, Sport-Marketing

Magisterarbeit von Till Eckel

Einleitung:

Am 28.11.1900 wurde in Leipzig der Deutsche Fußball Bund e.V. (DFB) gegründet. Erste Professionalisierungs-Tendenzen wurden jedoch durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten und den folgenden zweiten Weltkrieg zunichte gemacht. Am 28. Juli 1962, zwölf Jahre nach der erneuten Gründung, beschloss der DFB die Einführung einer Bundesliga auf Lizenzspielerbasis. Die sechzehn teilnehmenden Clubs, die am 24. August 1963 ihren ersten Spieltag austrugen, waren alle gemeinnützige Vereine, deren Spieler als Bedingung für den Lizenzspielerstatus einen Arbeitsvertrag mit dem Verein nachweisen mussten.

Heute ist Fußball die in Deutschland am weitesten professionalisierte Sportart. Für die Entwicklung dorthin lassen sich so viele Meilensteine nennen, dass dieses Kapitel ungerechtfertigt viel Platz einnehmen würde. Stichwortartig seien nur einige, für diese Arbeit wichtige Punkte genannt: 1966 engagierte der FC Bayern München mit Robert Schwan als erster Club einen hauptamtlichen Manager; Jägermeister läutet 1973 mit dem Firmenlogo auf der Brust von Eintracht Braunschweig ein neues Sponsoring-Zeitalter ein; in den achtziger Jahren eröffneten erste Merchandising-Shops; das Bosman-Urteil veränderte 1995 die Finanzsituation von Spielern und Vereinen grundlegend; der Einstieg des privaten Fernsehens in die Fußballberichterstattung ab der Saison 1988/1989 verzigfachte den Preis der TV-Rechte; die Gründung des 'Liga Fußballverband e.V.' und der DFL GmbH am 30. Oktober 2000 ging für Vereine mit der Erlaubnis einher, Lizenzspielerabteilungen als Kapitalgesellschaft auszugliedern; Borussia Dortmund ging 2001 als erster deutscher Club an die Börse; die Umsätze aller Bundesligaclubs zusammen haben die Eine-Milliarde-Euro-Grenze gesprengt; und heute sind Vereine eine Marke wie Adidas, Boss, CocaCola oder Jil Sander.

Problemstellung:

„Die Marke ist das Megathema schlechthin – zu Recht!“, behauptet Prof. Dr. Hans-Rudolf Esch. Sogar Fußballtrainer nehmen sich bereits dieses Themas an und bezeichnen ihren Club als Marke – ebenfalls zu Recht?

Profifußballvereine haben es, fast ausschließlich ohne bewusste Markenstrategien und ohne riesige Marketingabteilungen, geschafft, eine hohe Markenbekanntheit, ein bestimmtes Image und eine immense Anzahl sehr treuer Kunden zu erreichen. Ist es also angebracht, Fußballvereine als Marke zu betrachten und daraus Handlungsoptionen abzuleiten? Oder gilt auch hier, was für viele Bestandteile des Fußballspiels gilt: Am besten, man ändert gar nichts?

Aus einer traditionellen Perspektive passen Begriffe wie Fußballverein und Markenwert kaum zusammen. Dem steht die von Joseph S. Blatter, Präsident des Internationalen Fußballverbandes, beschriebene Veränderung des Fußballs „zu einem universalen Konsumgut“ gegenüber. Viele Vereinsnamen sind mittlerweile bekannter als Adidas oder Sony. An einem Bundesligaspieltag stehen sich statt eingetragener Vereine die börsennotierte Dortmunder Borussia und die KGaA Hertha BSC Berlin gegenüber. Auch die Umsätze sprengen mittlerweile jede „Vereins-Dimension“ – gemeinsam haben alle achtzehn Bundesligisten in der Saison 2002/2003 1,35 Milliarden Euro umgesetzt.

Auf der anderen Seite haben die Auswirkungen der Kirch-Krise dazu geführt, dass die gesamte Bundesliga „in der größten Finanzkrise seit ihrer Gründung“ steckt. Unter derartigen Rahmenbedingungen müssen neue Wege in den Mittelpunkt gerückt werden, wie Vereine ihre Zukunft sichern und ihr Potenzial ausschöpfen können.

Gang der Untersuchung:

Auf der Grundlage moderner Markenliteratur, Experteninterviews und einer E-Mail Befragung wurde im Rahmen dieser Arbeit zunächst untersucht, in wie weit Profifußballvereine in Deutschland Erkenntnisse aus der Markentheorie nutzen können, um selbst, eine starke Marke zu werden. Dafür wurde zunächst grundlegend festgestellt, ob Fußballvereine als Marke betrachtet werden können und (wissenschaftlich gesehen) dürfen.

Das Kapitel 'Grundlagen der Markentheorie' beschäftigt sich mit moderner Markentheorie und erarbeitet grundlegende Begriffe wie „Markenstrategie,“ „Markennutzen,“ „Markenidentität“ und vor allem „Markenwert.“ Im folgenden Kapitel wird der Profifußball in Deutschland dargestellt. Hier wird auf Bezugsgruppen und bspw. Einnahmequellen von Profifußballvereinen in Deutschland eingegangen.

In zwei extra Teilabschnitten wird zum einem „Der besondere Konsument: der Fan“ und „Die Rolle der Medien“ analysiert.

In Kaptitel Nummer vier werden Vereine zunächst in die Markendefinition eingeordnet. Nach der Erläuterung der verschiedenen Markenstrategien, wird der „Markenwert als Zielgröße bei Vereinsmarken“ dargestellt. Vor der Zusammenfassung und dem Fazit folgt als Abschluss von Kapitel vier eine Analyse der Bedeutung der einzelnen Spieler.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis iv
Abkürzungsverzeichnis v
I. EINLEITUNG 1
I.1 Fragestellung und Ziel der Arbeit 1
I.2 Aufbau der Arbeit 4
I.3 Methodisches Vorgehen 5
II. GRUNDLAGEN DER MARKENTHEORIE 6
II.1 Begriff und Wesen der Marke 6
II.2 Besonderheiten von Dienstleistungsmarken 10
II.3 Markenstrategien 12
II.3.1 Ausdehnung und Reichweite von Marken 12
II.3.2 Einzelmarkenstrategie 12
II.3.3 Dachmarkenstrategie 13
II.3.4 Markentransferstrategie (Licensing) 14
II.3.5 Co-Branding 15
II.3.6 Geographische Optionen der Markenstrategie 16
II.4 Nutzen und Funktionen von Marken 18
II.4.1 Nachfrager-Perspektive 18
II.4.2 Anbieter-Perspektive 19
II.5 Markenwert als Zielgröße 20
II.5.1 Der Markenwert 20
II.5.2 Markenimage und Markenidentität 22
III. PROFIFUSSBALL IN DEUTSCHLAND 26
III.1 Entwicklung bis heute 26
III.2 Begriffsbestimmung „professioneller Fußball“ 28
III.3 Organisation des Profifußballs in Deutschland 29
III.4 Deutscher Fußball Bund e. V. 31
III.5 Liga- Fußballverband e. V. 33
III.6 Deutsche Fußball Liga GmbH 34
III.7 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga 35
III.7.1 Gegenwärtige Situation 35
III.7.2 Ziele eines Bundesligavereins 37
III.7.3 Vereinsumsätze und ihre Abhängigkeit von der Markenstärke 38
III.7.3.1 Die vier Haupteinnahmesäulen der Bundesligaclubs 38
III.7.3.2 Einnahmen durch Fernsehvermarktung 39
III.7.3.3 Zuschauer- und stadionbezogene Einnahmen 42
III.7.3.4 Einnahmen durch Sponsoring 43
III.7.3.5 Einnahmen durch Merchandising (Licensing) 45
III.7.3.6 Weitere Einnahmequellen 48
III.8 Besondere Konsumenten: die Fans 50
III.9 Die Rolle der Medien 55
III.9.1 Fußball in den Medien 55
III.9.2 TV-Rechte und Vereins-TV 55
III.9.3 Das Phänomen „Siamesische Zwillinge“ 57
III.9.4 Durchdringung der Medien bis in sportfremde Bereiche 59
III.10 Sportvermarktungsagenturen 60
III.11 Ausgewählte Besonderheiten des Marktes 61
III.11.1 Gemeinschaftsproduktion 61
III.11.2 Die Marktstruktur der Liga 62
IV. DIE MARKE FUSSBALLVEREIN 64
IV.1 Einordnung in die Markendefinition 64
IV.2 Sinn des Markengedankens bei Fußballvereinen 66
IV.3 Dienstleistungsmarke Fußballverein 68
IV.4 Markenstrategien von Vereinsmarken 71
IV.4.1 Kompetenzbreite: Dach- und Einzelmarken 71
IV.4.2 Markentransfer bei Vereinsmarken 73
IV.4.3 Vereinsmarken plus X: Co-Branding 75
IV.4.4 Geographische Ausrichtung der Vereinsmarkenstrategie 77
IV.5 Markenwert als Zielgröße bei Vereinsmarken 80
IV.5.1 Bedeutung des Markenwertes für Vereinsmarken 80
IV.5.2 Markenidentität bei Vereinsmarken: Selbstbild 82
IV.5.2.1 Perspektiven und Merkmale 82
IV.5.2.2 Darstellung des Vereinsmarkenkerns 83
IV.5.2.3 Vereinsmarken als Produkt 84
IV.5.2.4 Vereinsmarken als Person 85
IV.5.2.5 Vereinsmarken als Symbol 87
IV.5.2.6 Vereinsmarken als Organisation 90
IV.5.3 Markenidentität bei Vereinsmarken: Fremdbild (Image) 91
IV.5.4 Bedeutung der Markenbekanntheit bei Vereinsmarken 93
IV.6 Elf Einzelmarken müsst ihr sein – Bedeutung der Spieler 96
V. FAZIT UND AUSBLICK 98
VI. LITERATURVERZEICHNIS 101
Anhang 117

Automatisiert erstellter Textauszug:

Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren227 zu Grunde. Insgesamt interessieren sich 74 % der Deutschen ab vierzehn Jahren für Fußball. Davon sind 10,93 % Fanatiker (Fußball als Lebensinhalt, aktiv in Fanclubs o. Ä.), 11,67 % Fans (wie Fanatiker, jedoch passiver), 11,53 % Begeisterungsfähige (vor allem an Highlights interessiert), 11,04 % Kritiker (interessiert, aber kritisch distanziert) und 11,1 % Muffel (eher geringes Interesse).228 Die Hauptgründe für das Interesse am Fußball liegen im emotionalen Miterleben, der Identifikation mit einem bestimmten Verein und dem Gemeinschaftserlebnis, was für Stadionbesucher und TV-Zuschauer, die sich zum Gucken wichtiger Spiele verabreden, gleichermaßen gilt. Motive wie die Flucht aus dem Alltag oder das Bedürfnis, mitreden zu können, spielen auch eine, wenn auch nur untergeordnete, Rolle.229 Die größte Kundengruppe befriedigt ihr Fußballinteresse passiv durch den Konsum von Massenmedien und dabei vor allem durch das Leitmedium Fernsehen. Allerdings bleiben für die Vereine die engagierten Fans im Stadion die Hauptzielgruppe, da sie den Rahmen des Spiels bilden.230 Aufbauend auf die beschriebene Doppelrolle stellt Mor row in diesem Zusammenhang fest, „football needs supporters not only as customers.“231 Durch die von ihnen ausgehende Stimmung wird der Besuch des Stadions zum Erlebnis und die Vermarktung vereinfacht. Außerdem tragen die „sichtbaren“ Fans zum Image eines Vereins bei, was positive, aber auch negative (bspw. durch Hooligans) Auswirkungen haben kann.232 Auch die mediale Inszeni erung kann auf die Fans vor Ort als „Multiplikatoren für die Wirkung auf TV-Zuschauer“233 nicht verzichten. [...]

Der Fan ist der zentrale Parameter jeglichen wirtschaftlichen Interesses am Fußball, ganz gleich ob aus Vereins-, Medien- oder Sponsorensicht. Aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell und sozial ist der Profifußball auf seine Fans angewiesen. Sei es durch die Stimmung im Stadion oder den Transfer des Fußballs in andere Lebensbereiche. Wirtschaftlich gesehen ist nur aufgrund der Fans die Vermarktung überhaupt möglich.222 Alle vier Einnahmesäulen der Vereine sind direkt oder indirekt von den Fans abhängig. Zu beachten ist, dass der Fan darüber hinaus eine Doppelrolle spielt, die Mor row darin sieht, dass Fans „creating the product they are asked to buy i.e. the atmosphere.“223 In der Literatur gibt es zahlreiche Unterscheidungen der verschiedenen Kunden224 von Profivereinen. Par lasca unterscheidet zwischen „direkten Zuschauern“ (vor Ort) und „indirekten Zuschauern“ (via Medien). Dör nemann differenziert die „direkten Zuschauer“ in Dienstleistungskunden und Fans/Zuschauer. Dienstleistungskunden, größtenteils Firmenkunden, findet man vor allem auf Business Seats oder in Logen. Für sie sind der sportnahe Service sowie geschäftliche Kontakte und gesellschaftlicher Status wichtig. Die Gruppe der Fans/Zuschauer besteht hingegen aus Privatpersonen, die regelmäßig ins Stadion kommen, um sich unterhalten zu lassen, möglichst einen Sieg der eigenen Mannschaft zu sehen und die soziale Verbundenheit innerhalb der Gemeinschaft zu erleben. Unter ihnen befindet sich ein immer größer werdender Teil, der sich weniger für den Sport interessiert als für die mit dem Umfeld verbundenen Elemente (bspw. Erlebnis, Spaß).225 Die neuen komfortablen Arenen kommen dieser Gruppe entgegen.226 Eine Studie der UFA Sport s GmbH differenziert die Gruppe der Fußballkunden in fünf Teilgruppen, beschränkt sich aber nicht auf Stadionbesucher, sondern legt die [...]

III.7.3.6 Weitere Einnahmequellen Andere Möglichkeiten, die Clubs in der Vermarktung ausschöpfen, lassen sich in zwei Kategorien unterscheiden: solche, die primär als Einnahmequellen zu verstehen sind, und solche, die primär zum Markenaufbau beitragen. Dabei fällt auf, dass Vereine immer mehr in den so genannten „Non-Soccer“-Bereich übergehen, da hier die Chance besteht, vom sportlichen Erfolg losgelöste Einnahmen zu erzielen. Unter Ersteres fällt der Börsengang eines Fußballvereins. Im Gegensatz zu vielen ausländischen Ligen wird in Deutschland mit der Borussia Dortmund GmbH & CO. KGaA erst ein Verein auf dem Parkett gehandelt.212 Das Going-Public brachte den Dortmundern einen Emissionserlös von 130 Millionen Euro.213 Auch das Image kann neben der Markenbekanntheit über einen Börsengang durch so genannte „Spill-OverEffekte“ verbessert werden.214 Da der Kurs der BVB-Aktie aber rapide gefallen ist und sich zunehmend negative Berichte mit der finanziellen Situation des Clubs beschäftigen, darf eine positive Wirkung für den BVB bezweifelt werden.215 Hohe Einnahmen plus einen Beitrag zur Markenstärkung können der „Asien-Tour“ von Real Madrid während der Vorbereitung auf die Saison 2003/2004 zugeschrieben werden. Für jeweils ein Freundschaftsspiel in Peking, Seoul und Tokio erhielten die „Königlichen“ insgesamt 18 Millionen Euro.216 Der Trip trug außerdem dazu bei, Markenbekanntheit und Markenimage auf dem Zukunftsmarkt Asien zu fördern. Hingegen sind Auftritte von Vereinen im Rahmen von Veranstaltungen anderer Vereine o. Ä. ausschließlich als Beitrag zum Markenaufbau zu bewerten, da die Einnahmen hier keine relevante Rolle spielen. Vereinsmitgliedschaften sind speziell durch die Gründung von Kapitalgesellschaften zu der Art von Vermarktungsstrategie bzw. Einnahmequellen zu rechnen, die finanziell uninteressant, aber für die Marke äußerst wertvoll sind.217 Mitglieder sind besonders treue und emotional eng mit der Marke verbundene Kunden, die die verschiedenen [...]

Arbeit zitieren:
Eckel, Till Mai 2004: Profifußballvereine als Marke, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Markenstrategie, Sport, Fußball, Marketing, Sport-Marketing

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