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Die Produktverantwortung der Hersteller: Ansätze, Auswirkungen und Aussichten

Die Produktverantwortung der Hersteller: Ansätze, Auswirkungen und Aussichten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sophie Wetzel
  • Abgabedatum: Juni 2003
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 591,4 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8317-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8317-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8317-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wetzel, Sophie Juni 2003: Die Produktverantwortung der Hersteller: Ansätze, Auswirkungen und Aussichten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Abfallwirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Altfahrzeuge, Elektrogeräte, WEEE

Diplomarbeit von Sophie Wetzel

Einleitung:

„Moral hat nur eine Chance, wenn sie Gesetz ist oder sich rechnet“.

Unsere Umwelt wurde in den Jahren der Industrialisierung immer mehr ausgebeutet, da das Konsumbedürfnis der Menschen (insbesondere im Freizeitbereich) ständig steigt. Die Reaktionen der Hersteller darauf sind unter anderem immer kürzere Lebenszyklen der Produkte. Das bedeutet eine verstärkte Nutzung der Natur sowie eine sorglose Entnahme von Ressourcen, wie Energie und Rohstoffe. Daraus folgt, dass immer größere Deponien mit Altprodukten entstanden und eine Verknappung der Kapazitäten dieser eintrat. Zudem bestehen auch kaum noch Möglichkeiten für die Entstehung neuer Deponien ‚ohne in einem Berg voll Müll zu versinken'.

Durch den Verbrauch von Ressourcen kommt es zu einer Beeinträchtigung der Lebensgrundlage des Menschen. Somit sollte das Ziel sein, durch eine dauerhaft umweltgerechte Wirtschaftsweise die Ressourcen zu schonen.

In den letzten Jahren bildete sich ein Bewusstsein heraus, dass die Ressourcen und die Umwelt nicht unendlich ausnutzbar sind. Es entstand ein erstes Umdenken hinsichtlich dem, was wir mit unserem Lebensraum tun. Erste Unternehmen (insbesondere Konzerne) verschiedener Branchen reagierten darauf mit einem umweltbewussteren Denken und Handeln, was aber noch lange nicht ausreichte. Das Zwang den Staat, erste rechtliche Grundlagen für die Abfallentsorgung und den Umweltschutz zu schaffen.

Durch die mehr oder weniger kostenlose Nutzung der Umwelt treten externe Effekte auf. Diese liegen immer dann vor, wenn die Gewinn- bzw. Nutzenfunktion eines Akteurs Einflüsse enthält, die nicht vollständig von ihm kontrolliert werden. Die Marktpreise zeigen hier die tatsächlichen Knappheitsrelationen nicht bzw. nur „verzerrt“ wieder. Die Umwelt kann somit als ein „Allmendegut“ gesehen werden, d.h. sie kann ohne ein den Knappheitsverhältnissen entsprechendes Entgelt genutzt werden. Damit besteht Rivalität in der Nutzung dieses Gutes. Es ist dann Aufgabe des Staates, mit Maßnahmen wie Verordnungen, Gesetzen und Kontrollen einzugreifen. Das Handeln sollte dabei unter den drei politischen Grundprinzipien (Verursacher-, Vorsorge- und Kooperationsprinzip) erfolgen. Diese Thematik wird in Kapitel 2 näher erläutert.

So entstanden bereits Anfang der 1970er Jahre erste Schritte zum Abfallrecht in Zusammenarbeit mit der Industrie (Verbot des illegalen Abkippens von Abfällen, erste Abfallwirtschaftsprogramme auf freiwilliger Basis). In den 1980er Jahren wurden die gesetzlichen Regelungen verschärft, und es entstand die Abfallverordnung. Diese wurde 1996 von dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) abgelöst; seit dem unterliegt die Abfallwirtschaft einer Prioritätenfolge: Vermeidung, Verwertung, Behandlung und umweltgerechte Beseitigung. Danach bezieht sich die Verantwortung für ein Produktionsunternehmen auf den gesamten Lebenszyklus eines Produktes. Die verschiedenen gesetzlichen Grundlagen setzen aber insbesondere am Lebensende der Produkte, also der Entsorgungsphase, an. Zu den einzelnen Produktarten entstanden und entstehen einzelne Gesetze bzw. Verordnungen, die in Zusammenhang mit dem KrW-/AbfG stehen. Einige Branchen handeln dabei noch auf der Basis von freiwilligen Selbstverpflichtungen, wobei auch hier Gesetze zu erwarten sind. In Kapitel 3 wird auf einige dieser Gesetze eingegangen, wobei dies besonders jene betrifft, deren Branchen im darauf folgenden Kapitel besprochen werden. Die Gesetze und Regelungen und deren Umsetzung betreffen nicht nur die Hersteller, sondern auch die Importeure, welche weniger angesprochen werden, aber oftmals mit inbegriffen sind.

Die Umsetzungen der einzelnen Regelungen werden in Kapitel 4 näher erläutert. Die Hersteller werden verpflichtet, über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Produkte recyclinggerecht zu entwickeln, sie abfall- und schadstoffarm herzustellen sowie mehr zu recyceln und möglichst Sekundärmaterialien einzusetzen. Es wurden spezielle Regelungen für die einzelnen Branchen eingeführt. Solche Vorgaben sind beispielsweise Recyclingquoten (z.B. in der Fahrzeugindustrie) sowie Ge- und Verbote bezüglich schädlicher Inhaltsstoffe (bspw. Verbot des Einsatzes von Schwermetallen bei Batterien, Elektro- und Elektronikgeräte). Es wird dabei die Bedeutung der Produktverantwortung der Hersteller für die Abfallarten Elektro- und Elektronikschrott, Altfahrzeuge, Altbatterien, Altöl sowie zu Altreifen besprochen. Darüber hinaus ist es notwendig, die bei der Herstellung entstehenden Abfälle zum Teil durch ein Kreislaufsystem wieder in die Produktion einfließen zu lassen.

In Kapitel 5 werden mögliche Aussichten der Anwendung der Produktverantwortung diskutiert. Dabei wird auf die einzelnen Branchen eingegangen, wo an Prototypen für verschiedene Verwertungstechnologien geforscht und entwickelt wird. Einige Beispie werden dazu beschrieben.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
Wichtige Abkürzungen V
1. Einleitung 1
2. Einführung der Produktverantwortung als Folge industrieller Umweltbelastung 3
2.1 Abfallwirtschaftspolitik in Deutschland 3
2.2 Ökonomische und ökologische Aspekte 4
2.3 Internalisierung externer Effekte 7
2.4 Das Instrument Produktverantwortung und dessen Auswirkungen 8
3. Gesetzliche Grundlagen 13
3.1 Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) 15
3.2 Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE, RoHS) 17
3.2.1 Richtlinie für Elektro- und Elektronikaltgeräte (WEEE) 17
3.2.2 Richtlinie für die Beschränkung der Verwendung gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikaltgeräten (RoHS) 19
3.3 Altautoverordnung (AltautoV) und Altfahrzeuggesetz (Altfahrzeug-G) 20
3.3.1 Altautoverordnung und Freiwillige Selbstverpflichtung 20
3.3.2 Altfahrzeuggesetz 22
3.4 Altbatterien (BattV) 22
3.5 Altöle (AltölV) 24
3.6 Altreifen 25
4. Umsetzung der Produktverantwortung 26
4.1 Elektro- und Elektronikschrott 27
4.1.1 Ursprüngliche Umwelt- und Ressourcenproblematik 27
4.1.2 Umsetzung 29
4.1.3 Ausgang 32
4.1.4 Praxisbeispiele 34
4.2 Altfahrzeuge 40
4.2.1 Ursprüngliche Umwelt- und Ressourcenproblematik 40
4.2.2 Umsetzung 41
4.2.3 Ausgang 43
4.2.4 Praxisbeispiele 44
4.3 Altbatterien 49
4.3.1 Ursprüngliche Umwelt- und Ressourcenproblematik 49
4.3.2 Umsetzung 50
4.3.3 Ausgang 53
4.4 Altöle 54
4.4.1 Ursprüngliche Umwelt- und Ressourcenproblematik 54
4.4.2 Umsetzung 55
4.4.3 Ausgang 60
4.5 Altreifen 61
4.5.1 Ursprüngliche Umwelt- und Ressourcenproblematik 61
4.5.2 Umsetzung 61
4.5.3 Vor- und Nachteile der verschiedenen Verwertungsarten von Altreifen 64
5. Ausblicke und Vorschläge für mögliche Änderungen 67
5.1 Elektro- und Elektronikaltgeräte 70
5.2 Altfahrzeuge 72
5.3 Altbatterien 73
5.4 Altölverwertung 74
5.5 Altreifen 74
6. Zusammenfassung 76
Literaturverzeichnis 78

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bei der Entwicklung der Produkte wird auch die Nutzungsphase ernstgenommen, da hier eine Senkung des Stromverbrauchs beispielsweise durch einen verbesserten Standbyemodus erfolgt. Weiterhin kann die Schadstoffbelastung durch bleifreies Löten während der Produktion stark reduziert werden, und auch der Stromverbrauch in dieser Phase wurde gesenkt. Weitere wichtige Umwelteigenschaften von Sony-Produkten sind der höhere Anteil an Sekundärrohstoffen und umweltfreundliche Verpackungen. Spezielle Maßnahmen, die Sony für umweltfreundlichere Produkte durchgeführt hat sind unter anderem die sogenannte „One-Piece-Box“ von Videorecordern (seit 1999), die kein geschäumtes Polystyrol mehr beinhaltet. Weiterhin sind die Leiterplatten von DVDPlayern frei von halogenisierten Flammschutzmitteln. Im April 1998 gründete Sony in Deutschland zusammen mit weiteren Herstellern die Stiftung „Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien“, zu dem im Kapitel 4.3 nähere Ausführungen zu finden sind. Bereits 1997 stellte Sony die Anlieferung aus den Produktionsstätten von Einweg- auf Mehrwegpaletten um, womit eine Menge Holz- und Folienabfälle eingespart werden konnten. Weiterhin wurde ein Konzept zur Reparatur von Fernsehplatinen eingeführt, womit eine schnelle und preiswerte Reparatur möglich gemacht und damit der anfallende Elektroschrott (Platinen) reduziert wird. Bereits seit 1993 enthalten weltweit alle von Sony verwendeten Reinigungsmittel kein FCKW mehr. [...]

Fujitsu Siemens73 (Computerherstellung) Der Vertrieb von Fujitsu Siemens leitet bereits für die Entwicklungsphase die ökologischen Anforderungen an die neuen Produkte weiter. In dieser Phase werden die meisten der umweltrelevanten Merkmale endgültig bestimmt. Dies bedeutet zum einen die Festlegung der Funktion der Produkte und zum anderen das zukünftige Recycling. Bereits bei der Produktion achtet Fujitsu Siemens darauf, Energie zu sparen und Abfallmengen zu reduzieren. Beispiele dafür sind, dass durch kontinuierliche Qualitätsverbesserungen die Testlaufzeiten und damit der Energieverbrauch reduziert werden konnte. Weiterhin werden hauptsächlich für großvolumige Zulieferteile Mehrwegverpackungen genutzt. Statt einer Produktion im Fernost, wird Wert auf „Made in Europe“ gelegt, so dass damit der Ressourcen- und Energieverbrauch für den Transport über große Entfernungen entfällt. Auch hat das Unternehmen erkannt, dass die Nutzungsphase eine große Rolle spielt, da der Stromverbrauch ein wichtiger umweltrelevanter Aspekt ist. So wurde in die Produkte ein spezielles Powermanagement eingebaut, um Energie zu sparen. Auch wird vermieden, dass gefährliche Inhaltsstoffe in die eigenen Produkte gelangen. Dies erfolgt durch eine Vorgabe von Verboten und Vermeidungen, die an die Vorlieferanten ausgegeben werden und einzuhalten sind. Ist das Produkt am Ende seines Lebens, so legt Fujitsu Siemens Wert darauf, seine Geräte möglichst vollständig wiederzusehen. In einem eigenen Wiedervermarktungs- und Recyclingcenter für Altgeräte werden die Produkte verwertet. Die Erfahrungen, die man während der Demontage sammelt, werden an die Konstrukteure weitergeleitet, so dass zukünftige Produktgenerationen noch umweltfreundlicher gestaltet werden können. Der Recyclingdienst wird derzeit ausschließlich in Deutschland angeboten. Eine europäische Lösung dafür ist bereits in Planung. Durch das Recycling schließt sich der Kreislauf. Zum einen der Stoffkreislauf, da ein Großteil der Produkte in die Produktion neuer Geräte wieder mit einfließt und zum anderen der Informationskreislauf durch die Weitergabe des neuen Wissens von den Recyclingspezialisten zu den Entwicklern und Konstrukteuren. Sony74 (Unterhaltungselektronik) Für diesen weltweit operierenden Konzern werden in allen Ländern Lösungen zur Produkt- und Verpackungsoptimierung sowie mittel- und langfristige Konzepte zur Abfallvermeidung erarbeitet. Dies geschieht in allen Unternehmensbereichen, vor allem aber bei Forschung und Entwicklung, Produktion, Verpackungsdesign, Recycling und Service. [...]

Hinsichtlich der Energieversorgung konnten im Bereich der fossil befeuerten Kraftwerke die Wirkungsgrade (großteils Wirkungsgrade > 58 %) erhöht werden; somit werden die begrenzten Primärenergieträger (Kohle, Öl, Erdgas) geschont und die Umwelt wird hinsichtlich CO2-Emissionen entlastet. Weiterhin werden verstärkt regenerative Medien (Wasser, Biomasse, Wind, Sonnenlicht und Erdwärme) eingesetzt. Um aber auch den Energieverbrauch der Elektro- und Elektronikgeräte zu verringern wurde insbesondere bei großen Haushaltsgeräten (Geschirrspüler, Waschmaschinen, Kühlschränke usw.) durch den Einsatz neuer Technologien die Energieeffizienz erhöht, womit eine Reduzierung des Verbrauchs von etwa 60 bis 80 Prozent erreicht werden konnte. Im Bereich Verkehr hat Siemens Innovationen für den Schienenverkehr getätigt. Beim ICE 3 konnten Energieeffizienz beim Fahrbetrieb sowie Recyclingfreundlichkeit und Lärmschutz bei der Konstruktion erreicht werden. Weiterhin werden Luft und Wasser statt Chemie für die Klima- und Sanitärtechnik eingesetzt. Auch bei den Kraftfahrzeugen konnte der Umweltschutz verbessert werden. So wurden für benzinbetriebene Fahrzeuge neue Wege der Motor- und Getriebesteuerung entwickelt, womit bereits Kraftstoffeinsparungen im zweistelligen Prozentbereich erreicht werden konnten. Bei Fahrzeugen mit Dieselbetrieb konnten Geräusch- und Schadstoffemissionen vermindert werden. Für den Konzern ist auch das Thema Ressourcenschonung sehr wichtig. So wird bereits bei der Herstellung von Geräten, Anlagen und Systemen auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen geachtet. Daraus resultiert zudem eine Kostensenkung für die Beschaffung der Rohmaterialien, deren Lagerhalterung und für die Fertigung sowie eine Verminderung des Verwertungs- und Entsorgungsaufwandes. So werden die Produkte in ihrem Volumen immer kleiner während die Leistungsfähigkeit ansteigt. Seit 1998 werden von Siemens die genutzten Geräte wieder zurückgenommen, (sofern möglich) vollständig überholt und günstig weiterverkauft, womit wiederum ein Beitrag zur Schonung der Ressourcen und eine Verminderung des Elektroschrotts erreicht wird (siehe auch Fujitsu Siemens). Die restlichen Abfälle werden Verfahren zur Wiederverwertung zugeführt. Somit können auch hierbei Ressourcen geschont und die Kosten für die Beseitigung gesenkt werden. Um Altgeräte wieder zu verwerten bzw. zu verwenden, ist ein Rücknahmenetz erforderlich. Für die Haushaltsgeräte besteht dies bereits durch die Kommunen und eigene Rücknahmesysteme. Im Bereich der Investitionsgüter (ca. 70 % der Produktpalette) dagegen wird die Rücknahme meist vertraglich mit den Kunden geregelt. Hinsichtlich der geplanten Verbote zu schädlichen Inhaltsstoffen werden konkrete Pläne für den Umstieg erarbeitet. Bei einer Pilotserie für schnurlose Telefone wurden bereits bleifreies Lot und halogenfreie Leiterplatten verwendet. [...]

Arbeit zitieren:
Wetzel, Sophie Juni 2003: Die Produktverantwortung der Hersteller: Ansätze, Auswirkungen und Aussichten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Abfallwirtschaft, Kreislaufwirtschaft, Altfahrzeuge, Elektrogeräte, WEEE

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