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Produktsicherheit in globalen Produktionsnetzwerken

Die chinesische Spielzeugindustrie im Fokus

Produktsicherheit in globalen Produktionsnetzwerken
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Christian Breternitz
  • Abgabedatum: August 2010
  • Umfang: 55 Seiten
  • Dateigröße: 647,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Freie Universität Berlin Deutschland
  • Bibliografie: ca. 35
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0471-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Breternitz, Christian August 2010: Produktsicherheit in globalen Produktionsnetzwerken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Produktqualität, Chinesisches Spielzeug, Supply Chain Kontrolle, Codes of Conduct, Produktrückruf

Bachelorarbeit von Christian Breternitz

Einleitung:

Die Qualität chinesischer Produkte ist seit den Rückrufen des Jahres 2007 ein Thema von öffentlichem Interesse geworden. Diese Rückrufe umfassten verseuchte Tiernahrung, fehlerhafte Autoreifen und Spielzeuge mit bleihaltigen Farben - China exportierte 2007 Spielzeug im Wert von 7,5 Mrd. U.S. Dollar - und haben das Vertrauen der Endkunden in die Marke ‘Made in China’ stark beschädigt.

Trotzdem ist die chinesische Wirtschaft seitdem weiter unaufhaltsam gewachsen. In 2009 ist China zur größten Exportnation der Welt aufgestiegen, mit einer Warenausfuhr im Wert von 1.201 Mrd. U.S. Dollar. Deutschland exportierte im gleichen Jahr Güter im Wert von 1.121 Mrd. U.S. Dollar bzw. umgerechnet 803 Mrd. Euro. Gerade wegen dieses enormen wirtschaftlichen Exporterfolges sind Fragen zur Produktsicherheit und Produktqualität chinesischer Waren so aktuell wie nie zuvor.

Ausgehend von der Rückrufaktion Mattels im Jahr 2007 wird die vorliegende Arbeit die Produktsicherheit in der chinesischen Spielzeugindustrie analysieren und in Kapitel 2 die Gründe für Produktionsfehler und mangelhaftes Qualitätsmanagement nennen. Dabei wird auch die aktuelle Entwicklung in China seit 2007 antizipiert und anhand der europäischen Daten für Spielzeugrückrufe überprüft, ob es Fortschritte bei der Produktsicherheit gegeben hat.

In Kapitel 3 wird die Relevanz der Rückrufaktionen von Mattel für globale Supply Chains (SC) und Produktionsnetzwerke der Spielzeugindustrie aufgezeigt. Vor allem das Qualitätsmanagement (QM) und kulturelle Einflüsse sollen hier eine Berücksichtigung finden. Dabei werden wissenschaftliche Arbeiten thematisiert, die Qualitätsprobleme nicht nur auf mangelhafte Produktqualität chinesischer Produzenten zurückführen, sondern die Verantwortung für sichere Spielzeuge primär in der Produktentwicklung sehen.

In Kapitel 4 werden staatliche Regulierungsfehler in Chinas Politik thematisiert, sowie kulturelle Besonderheiten in Chinas Geschäftswelt und die Schwierigkeiten der Einhaltung von Verhaltenskodizes in lokalen Produktionsbetrieben. Das letzte Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammen und versucht, Lösungsansätze zu geben, wie die Sicherung der Produktqualität durch unternehmenseigene Anstrengungen und sorgfältigen Aufbau der SC in einem globalen Produktionsnetzwerk gelingen kann.

Im folgenden Text wird mit dem Begriff ‘Produzent’ stets ein chinesischer Lieferant oder Subunternehmer bezeichnet, der im Auftrag des ‘Herstellers’ – einem Markenhersteller (Original Equipment Manufacturer = OEM) oder multinationalen Konzern wie z.B. Mattel – Spielzeuge produziert. Dieser Begriff soll verdeutlichen, dass diese Produzenten zum Großteil bereits fertige Spielzeuge produzieren und der OEM als Handelsmittler auftritt, der die Produkte unter seiner Marke vertreibt.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Gründe der mangelhaften Qualität chinesischer Produkte 2
2.1 Firmenspezifische Gründe 2
2.2 Branchenspezifische Gründe 3
2.3 Regulierungsspezifische Gründe 5
3. Produktqualität in Supply Chains und globalen Produktionsnetzwerken - ein erfolgskritischer Faktor 6
3.1 Betriebswirtschaftliche Bedeutung von Produktrückrufen 6
3.2 Qualitätsmanagement vor dem kulturellen Hintergrund Chinas 7
3.3 Entwicklung der Spielzeugrückrufe seit 2007 9
3.3.1 Studie von Paul Beamish und Hari Bapuji 9
3.3.2 Analyse der europäischen Rapex-Zahlen 10
4. Besondere Faktoren bei der Anpassung der Produktqualität an globale Standards 16
4.1 Geistige Eigentumsrechte (intellectual property rights) 16
4.2 Guanxi, das chinesische Netzwerk persönlicher Beziehungen 18
4.3 Einhaltung von Verhaltenskodizes 19
5. Möglichkeiten globaler Produktionsnetzwerke zur Verbesserung der Produktqualität 21
5.1 Supply Chain Kontrolle durch integriertes Qualitätsmanagement, Nachvollziehbarkeit und Evaluation 21
5.2 Berücksichtigung kultureller Faktoren in der Supply Chain 22
5.3 Kooperationen der OEMs bei Qualität und CoC 23
5.3.1 Das Vorbild des Toyota Netzwerkes 23
5.3.2 Anpassung der Codes of Conduct 25
6. Ausblick 26
Literaturverzeichnis 27
Endnoten 30
Anhang 32

Textprobe:

Kapitel 3, Produktqualität in Supply Chains und globalen Produktionsnetzwerken - ein erfolgskritischer Faktor:

Betriebswirtschaftliche Bedeutung von Produktrückrufen:

Die massiven Rückrufe des Jahres 2007 haben nicht nur das Image des Produktionsstandortes China stark beschädigt. Zwangsläufig ist jedes Unternehmen gefährdet, das in globalen Produktionsnetzwerken organisiert ist und in China produziert. Die Spielzeughersteller sind davon am stärksten betroffen, denn aus China stammen mehr als 70% der Spielzeuge weltweit.

Eine Umfrage von Reuters/Zogby Ende September 2007 - nachdem der Spielzeughersteller Mattel für Produktrückrufe, Rechts-, Werbungs- und Testkosten ungefähr 110 Millionen US Dollar ausgegeben hatte - zeigte, dass 78% der Amerikaner um die Produktsicherheit chinesischer Güter besorgt waren. Insgesamt waren 35% sehr besorgt und 23% gaben sogar an, zukünftig kein Spielzeug ‘Made in China’ zu kaufen.

Die Sicherheit chinesischer Produkte hängt aber nicht allein von der Überprüfung der Produktqualität durch staatliche Institutionen ab. Auch die Hersteller selbst können mit einem funktionsfähigen Total Quality Management früher eingreifen. Westliche Hersteller wie Mattel, die schon seit 20 Jahren in China produzieren, haben zwar Qualitätsmaßnahmen in die Produktionskette implementiert, diese konnten jedoch nachweislich im Jahr 2007 massiv unterlaufen werden. Somit ist die Qualitätssicherung in China trotz entsprechender Maßnahmen sehr fragwürdig.

Qualitätsmanagement vor dem kulturellen Hintergrund Chinas:

Die Schwierigkeiten der Umsetzung von Qualitätsmanagement sind vielfältig. In diesem Teil der Arbeit wird der Fokus auf kulturelle Eigenschaften gelegt, um zu verstehen, aus welchen Perspektiven QM in China betrachtet werden muss.

Kull und Wacker haben in ihrer ‘Quality management effectiveness’ - Studie gezeigt, dass spezifische kulturelle Dimensionen statistisch signifikant mit der Effektivität von QM zusammenhängen. Dabei haben sich zwei Variablen als sehr einflussreich erwiesen: Unsicherheitsvermeidung (uncertainty avoidance) und individuelle Selbstbehauptung (assertiveness). Letztere hatte in der Studie die höchste statistische Signifikanz.

Unsicherheitsvermeidung hat einen positiven Einfluss auf die Effektivität von QM. Dies impliziert, dass Mitarbeiter in einer Kultur die Verlässlichkeit und Gesetzmäßigkeit bevorzugt, eher motiviert sein werden, QM-Praktiken regelmäßig anzuwenden. In Organisationen, die eine hohe Unsicherheitsvermeidung umsetzen, werden die Mitarbeiter deshalb die Standards besser erfüllen als die Mitarbeiter in Firmen, die dies noch nicht erreicht haben. China, Südkorea und Taiwan erzielten weitaus höhere - und damit bessere - Werte in der Kategorie Unsicherheitsvermeidung im Vergleich zu den übrigen in dieser Studie untersuchten Kulturen.

Anders als in Südkorea und Taiwan hat in China die Variable ‘Selbstbehauptung’ (assertiveness) den entscheidenden negativen Einfluss auf die Effektivität von QM. Unternehmen, in denen eine hohe Selbstbehauptungs-Kultur vorherrscht, tendieren dazu, Probleme nicht systemisch bedingt zu sehen. Einzelne Individuen stehen bei dieser Sichtweise im Fokus. Sie sollen die externen Kräfte kontrollieren und beherrschen. Deshalb sind Mitarbeiter in einer Kultur mit hoher Selbstbehauptung davon überzeugt, dass Fehler nicht mangelhaften Systemen geschuldet sind, sondern individueller Ignoranz und Inkompetenz.

Manager in einer Kultur mit ausgeprägter individueller Selbstbehauptung erfahren, wie schwer es ist, die richtige Anwendung von QM-Praktiken zu vermitteln, da die Strukturen der Mitarbeiter-beziehungen stark durch opportunistisches Verhalten geprägt sind. Chinesische Manager tendieren außerdem dazu, eine langfristige Managementorientierung zu vernachlässigen und kurzfristig zu wirtschaften.

Zusammenfassend zeigt diese Studie, dass Länder, die für regelbasiertes Management (hohe Unsicherheitsvermeidung) und System-Denken (geringe Selbstbehauptung Einzelner) empfänglich sind, in hohem Maße effektive QM-Systeme haben werden. China besitzt insgesamt - im Vergleich zu anderen Kulturen - das ineffektivste QM und weist für die Variable ‘Selbstbehauptung’ unter allen untersuchten Ländern die höchste Quote bzw. Wertschätzung auf. Im direkten Gegensatz dazu ist die QM-Effektivität in Taiwan weit höher, da dort der Faktor Selbstbehauptung bewusst abgewertet wird. Eine starke Wertschätzung dieser Variable führt zu einer Überbewertung von Wettbewerb und Vorherrschaft, was einem funktionierenden QM, das systemische Verantwortung und kollektive Belohnung favorisiert, entgegenwirkt.

Das QM und damit verbunden die Produktqualität kann schnell zur entscheidenden Schwachstelle in einer SC werden, die den gesamten Unternehmenserfolg gefährdet. Eine Wertschöpfungskette ist nur so stark wie ihre schwächste Komponente und sollte deshalb vor allem in diesen erfolgskritischen Faktoren ständig optimiert werden.

Arbeit zitieren:
Breternitz, Christian August 2010: Produktsicherheit in globalen Produktionsnetzwerken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Produktqualität, Chinesisches Spielzeug, Supply Chain Kontrolle, Codes of Conduct, Produktrückruf

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