Produktrückrufe als Marketingproblem
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Alexander Schlüter
- Abgabedatum: Mai 1998
- Umfang: 58 Seiten
- Dateigröße: 2,0 MB
- Note: 2,4
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-1135-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-1135-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-1135-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schlüter, Alexander Mai 1998: Produktrückrufe als Marketingproblem, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Vermeidung, Unternehmensreputation, Auswirkungen, Planung, Durchführung
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Diplomarbeit von Alexander Schlüter
Einleitung:
Die Betrachtung von Produktrückrufen (im folgenden kurz: PRR) und ihrer Implikationen für Marketingmaßnahmen gewinnt für Unternehmen zunehmend an Bedeutung, da die Anzahl der angefallenen Rückrufe in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist und in Zukunft wahrscheinlich weiter zunehmen wird.
Die Gründe hierfür sind ebenso vielfältig wie die Konsumgüterbereiche, die von Rückrufen betroffen sind. So liegt ein Grund für die Zunahme der Rückrufe in der gestiegenen Komplexität der Produkte, die bewirkt, daß Produktfehler leichter auftreten. Ein anderer Grund liegt in der zunehmenden Wettbewerbsintensität. Diese wird durch die Globalisierung des Wettbewerbs hervorgerufen und hat zur Folge, daß Unternehmen sich gezwungen sehen, ihre Produkte so schnell wie möglich auf dem Markt zu plazieren, ohne diese zuvor eingehend auf ihre technische Marktreife zu überprüfen.
Ein weiterer Grund für die steigende Anzahl von PRR liegt darin, daß sich die Einstellung der Konsumenten gegenüber den Produzenten im Laufe der Zeit geändert hat. Die Konsumenten sind heute eher dazu bereit, defekte Produkte zu reklamieren, als in der Vergangenheit. Diese Einstellungsänderung kann sich durch die Erkenntnis der Konsumenten ergeben haben, daß Ansprüche gegen Unternehmen heutzutage leichter durchzusetzen sind.
Dies liegt vor allem in dem verstärkten Schutz der Konsumenten, der ihnen durch den Gesetzgeber zuteil wird. So sind insbesondere mit der Einführung des Produkthaftungsgesetzes (ProdHaftG) 1990 und des Produktsicherungsgesetzes (ProdSG) 1997 Möglichkeiten für Konsumenten und Behörden geschaffen worden, gegen fehlerhafte Produkte von Unternehmen verstärkt vorzugehen.
PRR durchzuführen, ist für die Hersteller mit erheblichen Problemen verbunden, mit denen sich die folgenden Fragestellungen befassen:
- Welche Gründe gibt es, PRR durchzuführen und welche Auswirkungen haben diese?
- Wie lassen sich PRR durch den Einsatz marketingpolitischer Instrumente vermeiden?
- Welche Implikationen ergeben sich bei der Planung und Durchführung von PRR?
- Wie lassen sich bereits eingetretene PRR durch die Gestaltung der Marketinginstrumente begleiten?
- Wie sind die einzelnen Marketinginstrumente zur optimalen Vermeidung und Durchführung von Rückrufen im Rahmen des Marketing-Mix zu kombinieren?
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 2 |
| 1.3 | Begriffssystematisierung und -abgrenzung | 2 |
| 2. | Gründe und Folgen von Produktrückrufen | 3 |
| 2.1 | Kausalgründe und gesetzliche Gegebenheiten | 3 |
| 2.2 | Auswirkungen von Produktrückrufen auf Konsumgüterhersteller | 4 |
| 2.2.1 | Klassifizierung der Auswirkungen | 4 |
| 2.2.2 | Nebenwirkungen von Produktrückrufen | 5 |
| 2.2.2.1 | Makroanalyse | 5 |
| 2.2.2.2 | Mikroanalyse | 6 |
| 2.3 | Ergebniszusammenfassung | 9 |
| 2.3.1 | Ergebnisse der Makroanalysen | 9 |
| 2.3.2 | Ergebnisse der Mikroanalysen | 10 |
| 3. | Vermeidung von Produktrückrufen | 11 |
| 3.1 | Grundlagen | 11 |
| 3.2 | Einsatz der Marketinginstrumente zur Rückrufvermeidung | 12 |
| 3.2.1 | Maßnahmen der sicherheitsorientierten Produktpolitik | 12 |
| 3.2.2 | Ziele der Sicherheitskommunikation | 13 |
| 3.2.3 | Maßnahmen der Sicherheitskommunikation | 14 |
| 3.2.3.1 | Sicherheitswerbung | 14 |
| 3.2.3.2 | Produktaufkleber | 15 |
| 3.2.3.3 | Gebrauchsanweisungen | 17 |
| 3.2.4 | Maßnahmen der Distributionspolitik | 18 |
| 3.2.5 | Maßnahmen der Preispolitik | 19 |
| 4. | Planung von Produktrückrufen und Entscheidungsfindung | 19 |
| 4.1 | Planung und Gestaltung einer Risikoanalyse | 19 |
| 4.2 | Durchführung einer Risikoanalyse | 20 |
| 4.2.1 | Fehleranalyse und Gefahreneingrenzung | 20 |
| 4.2.2 | Gefahrenklassifizierung | 21 |
| 4.2.3 | Produktlokalisierung | 22 |
| 4.3 | Kostenvergleich als Weg der Entscheidungsfindung | 24 |
| 4.3.1 | Grundlagen der Entscheidungsfindung | 24 |
| 4.3.2 | Kostenprognosen | 24 |
| 4.3.2.1 | Kostenprognose bei der Realisierung eines Rückrufs | 24 |
| 4.3.2.2 | Kostenprognose bei der Unterlassung eines Rückrufs | 26 |
| 4.3.3 | Ergebnisbeurteilung anhand des "Pinto-Falls" | 26 |
| 5. | Durchführung eines Produktrückrufs | 27 |
| 5.1 | Organisatorische Aspekte | 27 |
| 5.2 | Ziele eines Produktrückrufs | 29 |
| 5.3 | Begleitung eines Produktrückrufs durch Einsatz der Marketinginstrumente | 29 |
| 5.3.1 | Ziele der produkt- und preispolitischen Rückrufbegleitung | 29 |
| 5.3.2 | Maßnahmen der Rückrufkommunikation | 30 |
| 5.3.2.1 | Ziele der Rückrufkommunikation | 30 |
| 5.3.2.2 | Rückgabeaufforderung | 31 |
| 5.3.3.2.1 | Inhalt der Rückgabeaufforderung | 31 |
| 5.3.2.2.2 | Auswahl des Kommunikationskanals | 33 |
| 5.3.2.3 | Erhaltung der Unternehmensreputation | 35 |
| 5.3.3 | Ziele der distributionspolitischen Rückrufbegleitung | 36 |
| 5.4 | Einsatz der Marketinginstrumente im Marketing-Mix | 38 |
| 5.4.1 | Grundzüge der Beziehungsstrukturen zwischen Marketinginstrumenten | 38 |
| 5.4.2 | Optimierung des Marketing-Mix im Rahmen der Rückrufvermeidung | 40 |
| 5.4.3 | Optimierung des Marketing-Mix während der Rückrufdurchführung | 42 |
| 5.5 | Rückrufkontrolle | 43 |
| 6. | Schlußbetrachtung | 44 |
| Anhang | 46 | |
| Literaturverzeichnis | 47 | |
| Eidesstattliche Versicherung | 50 |
24 ist. Dies liegt zum einen daran, daß Endverbraucher das Zurücksenden von Garantiekarten für ein Verfahren halten, mit dem Unternehmen Marktforschung betreiben, um so leicht und kostengünstig an Informationen zu gelangen.87 Um dem Nichtzurücksenden von Garantiekarten entgegenzusteuern und eine möglichst hohe Rückführung zu erreichen, sollten die Garantiekarten so attraktiv wie möglich gestaltet88 und ihre Bedeutung für den Rückruffall betont werden.89 Eine Erfassung der Zweit- und Drittbesitzer ist deshalb schwierig, weil die Garantie während des Weiterverkaufs häufig schon erloschen ist und deshalb eine Rücksendung der Garantiekarte aus der Sicht des Käufers nicht notwendig erscheint.90 Bei kurzlebigen Verbrauchsgütern ist die Produktauffindung erheblich schwieriger. Hier ist das rückrufende Unternehmen in den meisten Fällen nicht in der Lage, die Konsumenten direkt zu benachrichtigen, da aus wirtschaftlichen Gründen keine Vertriebsdokumentation erfolgt. Im Rahmen der Produktidentifikation muß der Hersteller vor allem darauf achten, ein Merkmalsystem einzurichten, welches den Verbraucher selbst in die Lage versetzt, fehlerhafte Produkte, die sich in seinem Gebrauch befinden, zweifelsfrei als solche zu identifizieren. Dies kann z.B. dadurch erreicht werden, daß an höherwertigen Gebrauchsgütern Typenschilder angebracht werden, auf denen technische Daten, Produktund Seriennummer des Herstellers vermerkt sind. Bei kurzlebigen Verbrauchsgütern lassen sich wichtige Daten über den Hersteller, Chargencodes, Herstell- und Verfalldaten etc. auf dem Produkt (Verpackung, Etikett) selbst abbilden. Eine dritte Möglichkeit der Identifizierung durch den Konsumenten ergibt sich, wenn der Hersteller fehlerhafte Produkte anhand von Form, Farbe, Funktion und Materialien beschreibt.91 Ist der Verbraucher zweifelsfrei in der Lage, zwischen fehlerfreien und fehlerhaften Produkten zu unterscheiden, kann eine Eingrenzung stattfinden. Ist dies nicht möglich, muß der Hersteller alle Produkte in seinen Rückruf einbeziehen.92 [...]
23 festgestellt, so muß die Produktauffindung den Verbleib der fehlerhaften Produkte im Distributionskanal und bei den Endverbrauchern ermitteln. Die Schwierigkeiten einer Lokalisierung der fehlerhaften Produkte hängen ab von der Form des Distributionskanals und der Rückrufebene, in der sich die fehlerhaften Produkte befinden. Grundsätzlich kann der Hersteller seine Produkte über einen direkten oder indirekten Distributionsweg veräußern. So werden z.B. Industrieprodukte in der Regel direkt oder über einen kurzen Absatzweg an Endabnehmer verkauft, Verbrauchsgüter hingegen über einen langen Distributionsweg vertrieben. Bei langen Distributionswegen ist es jedoch schwierig, alle Vertriebsdaten vom Hersteller bis zum Endverbraucher zu verfolgen, da es durch die Vielzahl der zwischengeschalteten Absatzmittler zu Informationsverlusten kommt. Eine Produktlokalisierung ist in dem Fall einfach, wenn sich die fehlerhaften Produkte noch in dem Einflußbereich des Unternehmens befinden (Rückrufebene I). Dies könnten z.B. Produkte sein, die sich in herstellereigenen Lagerhallen befinden. Zeitintensiver und schwieriger wird eine Produktlokalisierung, wenn sich die Produkte in dem Verfügungsbereich der Absatzmittler (Rückrufebene II) befinden, so z.B. bei Groß- und Einzelhandel. Am schwierigsten wird eine Produktauffindung jedoch, wenn sich die schadhaften Produkte schon in dem Besitz der Konsumenten befinden. Auf der letzten Ebene kann die Produktauffindung vereinfacht werden, wenn eine dauerhafte Kundenerfassung durchgeführt wurde. Dies ist bei haltbaren Gebrauchsgütern eher der Fall als bei kurzlebigen Verbrauchsgütern, bei denen sich ein Archivierungsaufwand im Vergleich zum Kaufpreis nicht rechtfertigen würde. Die namentliche Identifikation der Besitzer von Gebrauchsgütern ist vor allem dann erfolgreich, wenn folgende Voraussetzungen vom Hersteller erfüllt worden sind:86 1. Namentliche Erfassung der Erstkäufer durch Hersteller oder Händler. 2. Erfassung von Zweit- und Drittbesitzern. 3. Vollständigkeit und Aktualität der Erfassungen. Die Erfassung der Erstkäufer von langlebigen Gebrauchsgütern kann durch ausgefüllte Garantiekarten erfolgen, die dem Unternehmen direkt vom Konsumenten zugeschickt werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß die Rücksendequote nur selten höher als 90% [...]
22 gen entscheidend davon ab, wie groß das Gefahrenpotential der fehlerhaften Produkte ist. Grundsätzlich lassen sich Produktfehler in drei Gefahrenklassen einteilen.84 Klasse 1: Fehlerhafte Produkte können ernste oder tödliche Verletzungen zur Folge haben. Deshalb ist der PRR so schnell und umfassend wie möglich durchzuführen. Es sollten ausnahmslos alle fehlerhaften Produkte aufgespürt und zurückgerufen werden. Klasse 2: Die fehlerhaften Produkte sind zwar nicht unmittelbar tödlich, stellen jedoch eine latente Bedrohung für Leben und Gesundheit dar. In diesem Fall sollte ein PRR ebenfalls so schnell wie möglich erfolgen, jedoch ist er nicht ganz so dringend und kann überlegter angegangen werden, so ist im Einzelfall zu entscheiden, ob ein „verdeckter“ oder „offener“ PRR durchgeführt werden soll. Klasse 3: Produkte, die Abweichungen vom Standard aufweisen und dadurch minderwertig sind, stellen Produktfehler der dritten Gefahrenklasse dar. Je nach Branche können auch geringe Lebens- oder Gesundheitsrisiken vorliegen. In diesem Fall ist das Produkt ebenfalls zurückzurufen. In Branchen mit keinem Gefahrenpotential besteht die Möglichkeit, das Produkt auslaufen zu lassen oder in der nächsten Produktionscharge den Fehler zu beheben. Es bleiben jene Fälle ohne Klassifizierung, bei denen lediglich ein Verdacht auf Qualitätsstandardunterschreitungen vorliegt und die kein Sicherheitsrisiko für Leben und Gesundheit darstellen. Hier liegt es in der Entscheidung des Herstellers, ob ein Rückruf durchgeführt wird oder nicht.85 Nachdem eine Klassifizierung des Produktfehlers erfolgreich durchgeführt worden ist, kann der Hersteller abschätzen, wie dringend und in welchem Umfang ein Rückruf durchgeführt werden muß. Bevor jedoch dieser realisiert werden kann, muß der Hersteller den Verbleib der fehlerhaften Produkte klären. 4.2.3 Produktlokalisierung Wurde im Rahmen der Fehleranalyse und Gefahrenklassifizierung ein notwendiger PRR [...]
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Schlüter, Alexander Mai 1998: Produktrückrufe als Marketingproblem, Hamburg: Diplomica Verlag
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Vermeidung, Unternehmensreputation, Auswirkungen, Planung, Durchführung



