Probleme der Unternehmensbewertung in der Praxis
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Boris Nieland
- Abgabedatum: November 2004
- Umfang: 91 Seiten
- Dateigröße: 1,3 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: FOM - Fachhochschule für Oekonomie und Management Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8536-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8536-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8536-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Nieland, Boris November 2004: Probleme der Unternehmensbewertung in der Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: DCF Verfahren, Realoption, Synergie, Humankapital, Flexibilität
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Diplomarbeit von Boris Nieland
Problemstellung:
Die Bewertung von Unternehmen zählt in der Betriebswirtschaftslehre zu einer der umfangreichsten Aufgabenstellungen, da eine Vielzahl von Werttreibern möglichst genau bestimmt werden muss, um den oder einen Unternehmenswert zu determinieren. In den letzten Jahren hat sich, beeinflusst durch unterschiedliche Ansätze, eine Vielzahl von Unternehmensbewertungsmethoden etabliert. Während in der Vergangenheit primär Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater mit der komplexen Materie vertraut waren, sind Bewertungsverfahren heute auch für Vorstände und Geschäftsführer von Interesse. In Zeiten von wertorientierter Unternehmensführung und den durch Alfred Rappaport propagierten Begriff des Shareholder Value gibt es häufiger - und in anderen Zusammenhängen als in der Vergangenheit - Anlass zur Bewertung von Unternehmen.
Manager überprüfen heute ihr Portfolio im Einzelnen darauf, wo Wert geschaffen oder vernichtet wird. Die Initialzündung hierfür liefern zunehmend anspruchvoller werdende Anteilseigner. Während in der Vergangenheit eher der Substanzwert im Fokus der Unternehmenswertbestimmung stand, so bestimmen heutzutage Besteuerung, adäquate Berücksichtigung des Risikos und Inflation die Wahl des Bewertungsverfahrens. In diesem Zusammenhang haben sich angelsächsische Verfahren etabliert, die unter der Bezeichnung „Discounted Cash Flow Verfahren“ (DCF-Verfahren) subsumiert werden. Bei diesen zukunftsorientierten Verfahren rückt im Gegensatz zu den bis dahin bekannten Ansätzen die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens ins Zentrum des Interesses.
Durch diese Verfahrensweise werden zwar Versäumnisse der Vergangenheit eliminiert, jedoch entstehen damit neue Probleme und Kritikpunkte. Das Personal eines Unternehmens findet beispielsweise keine Berücksichtigung bei der Bestimmung des Unternehmenswertes. Es wird folglich impliziert, dass der Austausch oder die Konsolidierung des Managements oder der Belegschaft in keiner Beziehung zum eigentlichen Wert des Unternehmens steht. Ein weiteres Defizit der zukunftsorientierten Verfahren ist die mangelnde Berücksichtigung und Evaluation von Synergien bei Unternehmensübernahmen und Fusionen. Die aus einer Unternehmenstransaktion resultierenden Größenvorteile haben zwangsläufig Einfluss auf den Wettbewerb.
Ein großes Unternehmen hat sowohl am Beschaffungsmarkt, bei der internen Prozessabwicklung als auch am Absatzmarkt eine andere Stellung als ein vergleichbares kleineres Unternehmen. Diesem Umstand wird im Rahmen der DCF-Verfahren keine Beachtung geschenkt. Eine dritte Schwachstelle der zukunftsorientierten Verfahren ist die Außerachtlassung der inhärenten Flexibilität eines Unternehmenserwerbs oder einer anderen Investition. In dem Moment, in dem der Bewerter die Entwicklung von Preisen oder Marktbedingungen abwarten kann, hat er einen strategischen Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern. Der Wert dieser Flexibilität findet in der klassischen Anwendung der DCF-Verfahren keinen Niederschlag. Im Nachfolgenden werden die genannten Versäumnisse aufgearbeitet und Näherungsmöglichkeiten anhand aktueller Lösungsvorschläge erarbeitet.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Überblick über die aktuell praktizierten Verfahren der Unternehmensbewertung zu bekommen und Defizite anhand geeigneter Kriterien zu beurteilen. Darüber hinaus sollen Unternehmensbewerter für die Themen Humankapital, Synergien und Berücksichtigung von Flexibilität sensibilisiert werden.
Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil der Arbeit wird verstärkt auf die Vorbereitung einer geplanten Übernahme oder Fusion eingegangen. In diesem Zusammenhang werden die einzelnen Sorgfältigkeitsprüfungen (Due Diligence) skizziert und anhand ihrer Merkmale charakterisiert.
Das darauf folgende Kapitel verschafft einen detaillierten Überblick über aktuell praktizierte Bewertungsmethoden und jene, die in der Vergangenheit zur Anwendung kamen. Der Einfluss der angelsächsisch geprägten investitionstheoretischen Verfahren zur Bewertung und Beurteilung von Investitionen hat auch bei der Unternehmensbewertung Einzug gehalten. Heutzutage dominieren Verfahren, die den Wert des Unternehmens unter Berücksichtigung zukünftig erzielbarer Zahlungsüberschüsse bestimmen.
Die Vor- und Nachteile dieser zukunftsorientierten Verfahren werden anschließend kritisch beurteilt. Im dritten Teil dieser Arbeit wird explizit auf drei ausgewählte Probleme eingegangen, die sich im Rahmen der Unternehmensbewertung ergeben. Hierbei spielen die Berücksichtigung von Humankapital, die Wertdeterminierung durch potenzielle Synergien und der strategische Wert von Flexibilität eine Rolle. Mit einem Fazit, das zugleich eine kritische Zusammenfassung der Ergebnisse beinhaltet, schließt diese Arbeit.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| 1. | Problemstellung und Aufbau der Arbeit | 1 |
| 2. | Grundlagen der Unternehmensbewertung | 3 |
| 2.1 | Anlässe für eine Unternehmensbewertung | 3 |
| 2.2 | Due Diligence | 4 |
| 2.2.1 | Financial Due Diligence | 7 |
| 2.2.2 | Tax Due Diligence | 8 |
| 2.2.3 | Market Due Diligence | 9 |
| 2.2.4 | Management bzw. Human Resource Due Diligence | 10 |
| 2.2.5 | Environmental Due Diligence | 11 |
| 2.3 | Bewertungsmethoden | 12 |
| 2.3.1 | Substanzwertverfahren | 12 |
| 2.3.2 | Vergleichswertverfahren | 13 |
| 2.3.3 | DCF-Verfahren | 15 |
| 2.3.3.1 | WACC-Ansatz | 17 |
| 2.3.3.2 | TCF-Ansatz | 22 |
| 2.3.3.3 | APV-Ansatz | 23 |
| 2.3.3.4 | Equity-Ansatz | 25 |
| 2.3.3.5 | Charakteristische Merkmale und kritische Würdigung der DCFVerfahren | 27 |
| 2.3.3.6 | Praxisbeispiel DCF-Ansatz | 31 |
| 3. | Grenzen der Unternehmensbewertung | 36 |
| 3.1 | Berücksichtigung von Humankapital | 36 |
| 3.1.1 | Integrierte Wissensbewertung | 38 |
| 3.1.2 | Summenmodell | 39 |
| 3.1.3 | Ausblick | 41 |
| 3.2 | Berücksichtigung von Synergien | 43 |
| 3.2.1 | Systematisierung von Synergien | 43 |
| 3.2.2 | Bewertung von Synergien | 47 |
| 3.2.3 | Kritische Beurteilung von Synergien | 49 |
| 3.3 | Berücksichtigung von Flexibilität | 51 |
| 3.3.1 | Systematisierung von Flexibilität | 52 |
| 3.3.2 | Analogie von Finanz- und Realoptionen | 56 |
| 3.3.3 | Grenzen der Analogie | 59 |
| 3.3.4 | Bewertungsmöglichkeiten von Flexibilität | 61 |
| 3.3.5 | Kritische Beurteilung des Realoptionsansatzes | 63 |
| 4. | Fazit und Ausblick | 65 |
| Anlagen | 68 | |
| Literaturverzeichnis | 71 |
Bei diesem Modell wird davon ausgegangen, dass die Inputgrößen „Wissensressourcen“, „Externe Beziehungen“, „Prozessergebnisse“ und „Wissensergebnisse“ für die Outputgröße „Extern erzielte Wirkung“ verantwortlich sind. Unter Wissensressourcen wird z. B. die Kompetenz der Mitarbeiter verstanden. Zu den externen Beziehungen zählt auch das Verhältnis zu Kunden und Lieferanten. Prozessergebnisse sind hergestellte Produkte oder angebotene Dienstleistungen. Wissensergebnisse sind Erfahrungen, die im Prozess involvierte Personen gemacht haben. Die extern erzielte Wirkung ist letztlich der generierte Umsatz. Durch die Interdependenzen der einzelnen Faktoren entsteht ein iterativer Prozess. Das einmal gewonnene Wissen kann bei einem in Zukunft ähnlich verlaufenden Geschäftsprozess gewinnbringend eingesetzt werden. Die Bewertung der weichen Faktoren geschieht folgendermaßen: Ausgehend von einem Umsatz von 100 GE (Externe Wirkung), erfolgt im Rahmen eines Workshops eine Gewichtung der Inputvariablen. Wird die Kompetenz der Mitarbeiter beispielsweise mit [...]
Grenzen.167 Der berechnete Wert wird auch umso verfälschter, je höher die Personalkosten im Vergleich zu den Kapitalkosten sind.168 In diesem Abschnitt werden nun stellvertretend für die Vielzahl von Möglichkeiten zwei bereits praktizierte Verfahrensweisen zur Bewertung von Humankapital erläutert. Auf Initiative von skandinavischen Unternehmen wird seit einiger Zeit an einem Verfahren gearbeitet Humankapital bewertbar zu machen.169 Protagonist auf diesem Gebiet ist der schwedische Finanzdienstleister Skandia AFS (Assurance and Financial Service).170 Dem Unternehmen wurde Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts deutlich, dass die immer größer werdende „Erfahrungslücke“ zwischen Markt- und Buchwert des Unternehmens eine veränderte Betrachtungsweise des Finanzdienstleisters benötigt. Es musste ein Weg gefunden werden, der die immateriellen Vermögensgegenstände in irgendeiner Form greifbar macht.171 Traditionelle Informationssysteme des Rechnungswesens erscheinen zu starr um diese wissensintensive Unternehmen adäquat abzubilden. Verbale Ausführungen über das intellektuelle Kapital als eine weitere mögliche Variante ermöglichten zwar hintergründige Beschreibungen, wurden von Skandia jedoch schnell verworfen, da man sich hierdurch nicht der eigentlichen Problemlösung näherte, immaterielle Vermögensgegenstände fassbar zu machen. Aus diesem Grund fügt das Unternehmen bereits seit 1995 seinem bis dahin finanzwirtschaftlich orientierten Geschäftsbericht eine Zusammenstellung der Entwicklung des Humanvermögens bei. Dieser „Human Capital in Transformation“-Bericht differenziert den Wert des Unternehmens explizit in Financial Capital und Intellectual Capital (IC).172 Nach Darstellung in diesem Artikel besteht der Wert des IC in der Differenz von Markt- und Buchwert. IC ist damit essentiell notwendig, um vorhandenes materielles Strukturkapital in dauerhaften Wert zu transformieren.173 Dieser Ansatz gehört zu den monetären Gesamtbewertungsverfahren und hat bereits heute bei der Bewertung von Wissenskapital Einzug in die Literatur gehalten.174 Ist der Quotient aus Markt- und [...]
Fall beträgt die Summe der Beteiligungen 1.406 TPLN (polnische Währungseinheit) bzw. 351,5 T€. Der Enterprise Value inklusive Beteiligungen beträgt demzufolge 10.102,4 T€. Von diesem Wert werden nun die net debts, also die Nettoverbindlichkeiten des Unternehmens subtrahiert. Die Nettoschulden ergeben sich aus der Differenz der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten (20.000 TPLN) und dem Bestand an liquiden Mitteln (209 TPLN) bewertet zum 31.12.2003 also 17.791 TPLN bzw. 4.947,8 T€. Wird dieser Betrag vom Enterprise Value inklusive Beteiligungen abgezogen, ergibt sich der Equity Value in Höhe von 5.154,7 T€. Die Energie AG strebt in diesem Fall einen Anteil am erworbenen Unternehmen von 51 % an. Somit liegt der anteilige Equity Value (EqV) bei 2.628,9 T€. Dieser ermittelte Wert stellt gleichzeitig die Kaufpreisuntergrenze dar. Jeder über diesem berechneten Wert liegende Kaufpreis ist strategischer Natur. Durch die Übernahme des ehemals staatlichen Unternehmens besitzt die Energie AG nun einen strategischen Vorteil gegenüber Konkurrenten, denen der Markteintritt bisher verwehrt geblieben ist. Bei dem oben aufgezeigtem Praxisbeispiel wird der WACC Ansatz angewandt, der bereits in Kapitel 2.3.3.1 detailliert beschrieben wurde. Die Berechnung des Diskontierungssatzes erfolgt allerdings nicht analog zu der klassischen Vorgehensweise. In der einschlägigen Literatur setzt sich der WACC, wie der Name schon sagt, aus dem gewichteten Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital zusammen. So einfach erfolgt die Berechnung im vorliegenden Fall nicht. Der Abzinsungsfaktor muss stattdessen zum einen den Renditeanforderungen im Sinne der Investitionsrichtlinie genügen und zum andern das Risiko des Landes, in dem die Bewertung stattfindet, angemessen berücksichtigen. Die Schwierigkeit hierbei besteht, dass länderspezifische Risiken eher ordinal denn kardinal zu messen sind. Das Land, in dem das zu bewertende Unternehmen seinen Sitz hat, ist vielleicht als risikoreicher zu klassifizieren als ein anderes Land, aber dies in absoluten Zahlen zu quantifizieren unterliegt einer subjektiven Einschätzung. Darüber hinaus wurde dem Umstand, dass man in einen wachsenden Markt eintritt und sich daraus Chancen für die Zukunft ergeben, bei der Bewertung keine Rechnung getragen. Auch die aus der Übernahme resultierenden Synergien wurden bei der Bewertung nicht beachtet. Diese Auffassung entspricht generell der Philosophie der Energie AG bei [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832485368
Arbeit zitieren:
Nieland, Boris November 2004: Probleme der Unternehmensbewertung in der Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
DCF Verfahren, Realoption, Synergie, Humankapital, Flexibilität



