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Probleme der Pornographieforschung

Probleme der Pornographieforschung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Thomas Muhr
  • Abgabedatum: Oktober 2006
  • Umfang: 141 Seiten
  • Dateigröße: 2,6 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • Originaltitel: Probleme der Pornographieforschung
  • Bibliografie: ca. 129
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0781-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Muhr, Thomas Oktober 2006: Probleme der Pornographieforschung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Pornographie, Forschung, Feminismus, Wirkungs Medien, Homosexualität

Diplomarbeit von Thomas Muhr

Einleitung:

Wenn Pornographie Teil einer Sexualität sein könnte, und Sexualität ein wissenschaftliches Untersuchungsobjekt darstellt, dann verwundert es nicht, dass Pornographie auch für die Wissenschaften interessant geworden ist. Schon Freud oder Kinsey haben ihr ihren Beitrag dazu geleistet. Ein Grund dafür könnte ein anhaltender wissenschaftlicher Diskurs sein, dessen Beginn vereinfacht ausgedrückt ab 1900 angesiedelt werden könnte. Hiermit wurde die wissenschaftliche Grundlage geschaffen Sexualität von rein biologischen Erklärungsmodellen zu trennen.

Allgemein kann man sagen - Die Forschung über Pornographie ist zum größten Teil eine Wirkungsforschung. Sie geht der Frage nach welche Auswirkungen Pornographie und dessen Konsum haben kann beziehungsweise haben könnte. Schwerpunktmäßig vor allem in Amerika, wo von der Regierung immer wieder Ausschüsse beauftragt worden sind, um mögliche Auswirkungen von Pornographie zu erforschen.

Getrennt davon ist der feministische Diskurs über Pornographie zu sehen. Einerseits benutzt er hier Ergebnisse und Erkenntnisse der psychologischen Wirkungsforschung, um seine Argumente durch wissenschaftliche Studien zu belegen. Andererseits ist er stark ideologisierend und politisch.

Nicht nur klassische Wirkungsforschung hat ihre Beiträge zu einem wissenschaftlichen Diskurs über Pornographie geleistet. Neben der Wirkungsforschung sind es vor allem die Medienwissenschaften und theoretische Konstrukte, die von der Schule der Wirkungsforschung manchmal abweichen und Pornographie als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen begreifen und analysieren.

In der vorhandenen Form muss der wissenschaftliche Diskurs über Pornographie hinterfragt werden. Wie gezeigt wird ist er einerseits zu stark in einem behavioristischen Ansatz behaftet und andererseits durch ein nicht haltbares Schadensdogma gekennzeichnet. Diese und andere Gründe lassen den Pornodiskurs sehr einseitig erscheinen.

Allgemein erhält das Thema seine Relevanz aus mehreren Gründen: Erstens ist der ökonomische Hintergrund zu sehen. Viele Quellen belegen, dass die Pornoindustrie einen enormen finanziellen Gewinn einfährt. So wird oft das Beispiel gebracht, dass die Pornoindustrie in Amerika mehr als die dortige Film- und Fernsehindustrie zusammen verdient.

Zweitens ist Pornographie ein Thema, das stark in einer bestimmten Richtung des Erkenntnisinteresses anzusiedeln ist. Das Hauptaugenmerk der diesbezüglichen Forschungen richtet sich meist nach dem Zusammenhang zwischen Konsum von Pornographie und möglichen Auswirkungen auf das reale Sexualverhalten.

Drittens gibt es auch eine wissenschaftstheoretische Relevanz des Themas. Und zwar die Tatsache, dass der wissenschaftliche Diskurs sehr ideologisiert geführt wird. Dies gilt nicht nur für den Bereich des Feminismus, sondern auch für den großen Bereich der Wirkungsforschung.

Und genau in diesem dritten Relevanzgebiet setzt die vorliegende Arbeit an.

Ziel dieser Arbeit soll es sein Schwerpunkte und Erkenntnisse einer Pornographieforschung aufzuzeigen und diese zu hinterfragen:

Forschungsfragen: Welche Schwerpunkte hat dieses Forschungsgebiet? Welche Wissenschaftler befassen sich mit der Thematik? Welche Motivation haben die Wissenschaftler sich mit dieser Thematik zu befassen? Gibt es Schwierigkeiten, Probleme oder Kritik bei der Erforschung der Thematik? Wenn ja, welche? In welcher Weise drückt sich das im praktischen Sinne aus? Gibt es eine Auftragsforschung im Rahmen einer Pornoforschung? Wird Pornographie wissenschaftlich nur in einer einseitigen Form untersucht? Wenn ja, wieso nicht anders? Gibt es Ergebnisse, die den Erkenntnissen der Wirkungsforschung widersprechen? Wenn ja, wieso werden diese dann in den meisten Fällen nicht beachtet? Was beinhalten diese Erkenntnisse? Wieso werden auch die durchaus guten Argumente gegen die methodische Vorgehensweise der wissenschaftlichen Pornoforschung fast nicht zur Kenntnis genommen? Welche Theorien bieten hier einen Rahmen, indem man diesen Sachverhalt erklären könnte?

Gang der Untersuchung:

Um diese Fragen zu klären wird zunächst ein Überblick über die Ergebnisse und Erkenntnisse der Forschung gebracht. In weiterer Folge kann damit gezeigt werden, dass der Großteil der Forschung eine Wirkungsforschung ist. Dennoch gibt es Ergebnisse die der allgemeinen Tendenz Pornographie als negativ zu interpretieren, widersprechen.

Der zweite große Teil der Arbeit dient der Aufarbeitung des feministischen Diskurses über Pornographie. Hier soll gezeigt werden, dass es nicht „die eine richtige feministische Position gegenüber Pornographie“ gibt, sondern mehrere. Auch soll auf die Argumente der verschiedenen Positionen genau eingegangen werden um auch den ideologischen und widersprüchlichen Charakter aufzuzeigen.

Sowohl Wirkungsforschung als auch der feministische Diskurs sind zwei große Themengebiete. Daraus soll zu erkennen sein, dass hier quantitativ viel Material vorhanden ist. Andere Disziplinen beschäftigen sich teilweise bis heute nicht in dem Ausmaß mit dem Phänomen der Pornographie, wie die Wirkungsforschung oder der Feminismus, weshalb die weiteren Kapitel auch kleiner sind und auch erst nach den zwei großen Themenbereichen diskutiert werden.

In den darauf folgenden Teilen wird versucht andere wissenschaftliche Disziplinen und Erkenntnisinteressen aufzuzeigen, die die teilweise starke Kritik an der üblichen Vorgehensweise äußern und relevante neue Ergebnisse liefern können. Hiermit sind vor allem die Aufarbeitung der Geschichte der Pornographie und das Thema Frauenpornographie gemeint.

Später wird versucht theoretische Modelle aufzuzeigen, die ein Erklärungspotential bieten, um die oben dargestellten Forschungsfragen durch ein theoretisches Modell stützen zu können. Aber auch ganz allgemein sollen hier bekannte Theorien zum Thema Pornographie vorgestellt werden.

Am Ende der Arbeit steht eine allgemeine Kritik, das Aufzeigen der Widersprüche und Charakteristika einer gängigen Pornographieforschung. Auch wird versucht werden, Erklärungen in einen theoretischeren Rahmen zu fassen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 6
2. Forschungsinteresse, Relevanz und Vorgehensweise 7
3. Wirkungsforschung im Bereich der Pornographie 10
3.1 Die ersten Ergebnisse der Wirkungsforschung und die erste amerikanischen Pornographiekommissionen von 1971 12
3.2 Wirkungsforschung, Gewalt und Aggression 18
3.3 Attorney General´s Commission on Pornography: "Meese Kommission" 1985 23
3.4 Zusammenfassung des aktuellen Forschungsstandes der Wirkungsforschung 28
3.5 Statistiken 31
3.6 Henner Ertel: eine repräsentative Langzeitstudie zur Wirkung von Pornographie 33
3.7 Bilanz der Wirkungsforschung 37
3.8 Ähnlichkeiten zu anderen Forschungsbereichen 38
4. Der feministische Diskurs über Pornographie 42
4.1 Definitionsversuche im ideologischen Spannungsfeld 42
4.2 Ideologie der Spiegelungstheorie 46
4.3 Kritische Beleuchtung radikalfeministischer Argumente 51
4.4 Gesetzesentwürfe und Forderungen 61
4.5 Konsequenzen und Zusammenfassung 67
5. Medienwissenschaftliche Beiträge zur Pornoforschung 80
5.1 Allgemeine Geschichte der Pornographie 82
5.2 Typologien und Geschichte des Pornofilms 83
5.3 Zusammenfassung und Bedeutung medienwissenschaftlicher Beiträge 89
6. Neuere Entwicklungen in der Pornoforschung 91
6.1 Sexuelle Randgruppe "Homosexualität" 91
6.2 Das Medium "Internet" 91
6.3 Kinderpornographie 92
6.4 Frauenpornographie 95
6.5 Beispiel einer qualitativen Studie zum Verhältnis von Frauen zur Pornographie 98
7. Theoretische Modelle 101
7.1 Die Theorie der Exemplifikation 101
7.2 Die soziale Lerntheorie 102
7.3 Die Theorie des sozialen Vergleichs 102
7.4 Die Ventiltheorie 103
7.5 Die Korrelattheorie 104
7.6 Soziologische Theorien 105
7.7 Michel Foucault 105
7.8 Theodor W. Adorno 109
7.9 Anthony Giddens 110
8. Kritik und Reflexion des Forschungsstandes 111
9. Zusammenfassung und Bilanz 119
10. Quellennachweis 126

Textprobe:

Kaptiel 3.2, Wirkungsforschung, Gewalt und Aggression:

Die psychologische Wirkungsforschung ist wie man sieht, schon seit den Anfängen oft eine Forschung unter Laborbedingungen. Ein Hauptaugenmerk gilt hier auch der Aggressionsforschung in Zusammenhang mit Pornographie. Forschungsfragen sind hier oft mit einer Aggressions-Stimulation durch Pornographie verbunden. Oder sie gehen von einer Begünstigung von aggressiven Reaktionen oder Verhaltensweise durch Pornographie aus. Wie gezeigt wurde, werden in diesen Laborexperimenten oft StudentInnen als Versuchspersonen verwendet. Vor allem wird hier auch auf das Thema „Vergewaltigung“ immer wieder genauer eingegangen und ein möglicher Zusammenhang zwischen Pornographiekonsum und realer Vergewaltigung untersucht. Als Indikatoren für eine allgemeine Erregung werden hierfür oft der Blutdruck, die Penis Tumeszenz oder Phosphatase im Urin bei Männern verwendet. Also objektiv messbare Größen, die als Aggressionsindikatoren für diese Zwecke interpretiert werden.

Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die der Frage nachgehen, ob eine sexuelle Stimulation durch pornographisches Material aggressive Reaktionen beeinflussen kann. Die Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen sind hier wiederum widersprüchlich. So werden von Donnerstein und Barrett 1978, Zillmann und Spalovsky 1977 und Spalovsky und Zillmann 1981 Ergebnisse präsentiert, die vermuten lassen, dass gewaltfreie Pornographie, aggressionsfördernde Wirkung haben kann. Im Gegensatz dazu stehen Untersuchungen von Baron 1974, Donnerstein, Donnerstein und Evans 1975 und Baron und Bell 1977. Diese Widersprüchlichkeit könnte jedoch durch die Verwendung unterschiedlicher erotischer Materialien erklärt werden. So geht man nach diesen Untersuchungen aus, dass deutlichere pornographischere Inhalte auch eine höhere aggressionsfördernde Wirkung haben, während eher milderes erotisches Material dies nicht hat.

Donnerstein führte ein Experiment mit 120 männlichen College Studenten durch. Die Studenten wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe sah einen kurzen Film über eine Talk Show, die zweite Gruppe eine „normale“ Sex-Szene und die dritte Gruppe eine brutale Vergewaltigung. Die Filme dauerten fünf Minuten. Danach wurden die Versuchspersonen angewiesen im Rahmen eines Rate-Spiels AssistentInnen bei falschen Antworten Stromstöße in beliebiger Höhe zu geben. Ein Teil der Versuchspersonen wurde dabei noch zusätzlich durch Provokationen oder Beleidigungen in aggressive Stimmung versetzt. Die provozierte Gruppe, die die Vergewaltigungsszene gesehen hatte, gab die höchsten Stromstöße ab. Jedoch gaben auch die „Talk Show Gruppe“ und die „normaler Sex Gruppe“ Stromstöße ab. Dies geschah allerdings nur, wenn die AssistentInnen weiblichen Geschlechts waren. Donnerstein interpretierte die Daten in dem Sinne, dass die Gewaltbereitschaft der Versuchspersonen gegenüber Frauen, mit der im Film gesehenen Gewalt assoziiert wurde. Später verfeinerte Donnerstein diese Versuchsanordnung noch um die Eindeutigkeit der gezeigten Gewalt. So wurden Filme gezeigt, in denen die Frau eindeutige Zeichen von Schmerz und Angst zeigte und solche, in denen sie nach einiger Zeit gefügig wurde. Das Ergebnis des Experiments war, dass die Versuchspersonen der Frau erheblich höhere Stromstöße gaben.

Ein weiterer Versuch von Malamuth, in Zusammenarbeit mit Feshbach, beinhaltete ebenfalls eine Vergewaltigungsgeschichte als Stimulusmaterial. Einer Gruppe von 35 Studenten und 38 Studentinnen wurde eine Vergewaltigungsgeschichte zu lesen gegeben. Später wurden die Versuchspersonen gefragt, ob sie sich persönlich unter Umständen so verhalten würden, wie in der Geschichte dargestellt. 51% der Studenten bejahten dies, unter dem Einwand sicher gehen zu können, nicht gefasst zu werden. Die weiblichen Versuchspersonen identifizierten sich weitgehend mit der vergewaltigten Frau. Widersprüchlich war das Ergebnis in Bezug auf Frauen jedoch, da sie einerseits angaben Angst vor Vergewaltigungen zu haben. Andererseits gaben 25% der Frauen an, ein gewisses Vergnügen dabei zu empfinden, vergewaltigt zu werden. Malamuth interpretierte das Ergebnis so, dass eine Vergewaltigung nur eine einer „normalen“ männlichen Verhaltensweisen ist und eine Tat, die nur von Männern begangen wird, die von sexuellen Normen abweichen. Man könnte aber auch meinen, dass hier der „Vergewaltigungs- Mythos“ eine Rolle spielt, der besagt, dass Frauen im Grunde in ihrer Phantasie gerne eine Vergewaltigung durchspielen, aber nicht in der Realität. Dieser Mythos wurde auch später von Henner Ertel aufgenommen und unter anderem in seiner repräsentativen Untersuchung genauer betrachtet. Der „Vergewaltigungs- Mythos“ könnte demnach einen wahren Inhalt haben, indem Pornographie seinen Reiz für viele Frauen und Männer hat, indem sexuelle Verhaltensweise ausgelebt werden können, die in der Realität von den KonsumentInnen nicht ausgelebt werden wollen.

Dolf Zillman und Jennings Bryant untersuchten die Auswirkungen von Pornographiekonsum auf die Einstellung zur Vergewaltigung. Dazu wurden über sechs Wochen männlichen und weiblichen Probanden täglich „gewaltfreie Pornos“ vorgespielt. Eine Gruppe sah wöchentlich fünf Stunden lang, eine zweite Gruppe zwei bis drei Stunden und die dritte Gruppe keine. Nach den sechs Wochen wurden den Versuchspersonen Zeitungsartikel über Vergewaltigungen vorgelegt mit der Vorgabe, eine Freiheitsstrafe für den Täter vorzuschlagen. Die Versuchspersonen, die am meisten Pornos vorgesetzt bekamen, gaben durchschnittlich 63 Monate Gefängnis, die zweite Gruppe 90 Monate und die dritte Gruppe 120 Monate. Die Strafvorschläge der weiblichen Probandinnen waren durchschnittlich höher, als die der männlichen Versuchspersonen. Zillmann und Bryant meinen, dass ein massiver Konsum zu einer „Trivialisierung von Vergewaltigung“ führt.

Eine Untersuchung, die zuvor schon kurz erwähnt wurde, wurde mit einer größeren Anzahl von Versuchspersonen durchgeführt. 1975 untersuchten Ernst, Gestefeld, Schulte-Westenberg, Seidensticker, Schmidt und Schorsch aggressive Reaktionen auf sexuell aggressives Stimulusmaterial. 200 männliche und 200 weibliche StudentInnen wurden in vier Gruppen aufgeteilt. Vor der eigentlichen Untersuchung wurden Variablen wie sexuelle Erfahrung, verbale sexuelle Aggressivität, sexuelle Wünsche, Verhaltensweisen und Phantasien erhoben. Den vier Gruppen wurde jeweils ein Film vorgeführt. Die Filme unterschieden sich in ihrem sexuell aggressiven Kontext. Im ersten Film war ein Paar in unterschiedlichen sexuellen Praktiken zu sehen, dass allmählich ihre sexuelle Intensität steigerte. Der zweite Film beinhaltete Sadomasochismus, indem ein Mann von einer masochistischen Frau, bei der Fesselung und Schläge zur Masturbation führen, für seine sadistische Rolle bezahlt wird. Der dritte Film enthielt eine lesbische Szene mit sadistischer und masochistischer Rolle. Der vierte Film zeigte eine Vergewaltigung einer Kellnerin durch vier Männer. Nach der Filmvorführung wurden drei Tage lang wiederum die gleichen Daten und Variablen erhoben, die vor der Untersuchung auch erfragt worden waren. Ergebnis war, dass alle vier Filme sexuelle Erregung auslösten und zwar bei beiden Geschlechtern. Beim zweiten Film jedoch am wenigsten. Frauen reagierten etwas negativer, insgesamt konnten aber keine Geschlechtsunterschiede beobachtet werden.

Zur Rolle der Phantasie wurde bis in die 80er Jahre relativ wenig untersucht. Die Gründe dafür sind einfach oft methodischer Natur. Sie sind Experimenten als Störvariablen nur beschränkt kontrollierbar. Einige Befunde gehen jedoch aus der Erforschung im Zusammenhang mit Aggression oder Vergewaltigung hervor. Ernst, Gestefeld, Schulte-Westenberg, Seidensticker, Schmidt und Schorsch konnten mit ihrem Experiment von 1975 belegen, dass viele Frauen und Männer Teile von aggressiven Sequenzen der Filme in ihre sexuellen Phantasien bei Masturbation einbauen. Vor allem waren dies Szenen einer Vergewaltigung. Malamuth arbeitete in seiner Studie von 1981 mit 29 männlichen Studenten. Bevor sie an der eigentlichen Untersuchung teilnahmen, wurde ihre Neigung zu sexueller Gewalt gemessen. Danach wurde ihnen eine „Ton-Bildschau“ vorgeführt, die entweder als Vergewaltigung oder als Liebesszene dargeboten wurde. Danach wurde jeder Versuchsperson eine Audiodarstellung einer Vergewaltigungsgeschichte vorgeführt. Anschließend wurden die Versuchspersonen gebeten sich mit Hilfe ihrer Phantasie sexuell zu erregen. Den gewaltorientierten Personen gelang dies am besten, wenn sie die erste Szene als Vergewaltigung dargeboten bekommen hatten. Den anderen Versuchspersonen gelang dies, wenn sie die erste Szene eher als Liebeszene vorgeführt bekommen hatten. Diejenigen, die die Vergewaltigung gesehen hatten, bauten dies auch eher in ihre Phantasie ein.

Ein anderes Experiment war eines, in dem freiwilligen männlichen Testpersonen eine sadomasochistische Geschichte aus „Penthouse“ präsentiert wurde. Einer weiteren Gruppe wurde die gleiche Geschichte ohne Gewaltszenen dargeboten. Danach bekamen beide Gruppen eine Beschreibung einer Vergewaltigung zu lesen. Das Ergebnis war, dass diejenigen Versuchspersonen, die zuvor die sadomasochistische Geschichte präsentiert bekommen haben, durch die Vergewaltigungsschilderung stark sexuell erregt wurden. Je schlimmer sie den Schmerz des Opfers einschätzten, desto erregter waren sie. Die Versuchspersonen der Kontrollgruppe zeigte geringe sexuelle Erregung, die durch die Wahrnehmung der Schmerzen des Opfers gedämpft wurde.

Wie diese vielen Beispiele zeigen, ist auch die Erforschung des Zusammenhanges von Gewalt und Pornographie stark an einem laborexperimentellen Forschungsdesign orientiert.

Arbeit zitieren:
Muhr, Thomas Oktober 2006: Probleme der Pornographieforschung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Pornographie, Forschung, Feminismus, Wirkungs Medien, Homosexualität

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