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Probleme und Möglichkeiten von Identitätskonstruktionen in Hanif Kureishis "The Buddha of Suburbia"

Probleme und Möglichkeiten von Identitätskonstruktionen in Hanif Kureishis "The Buddha of Suburbia"
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Katrin König
  • Abgabedatum: Februar 2001
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 675,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4656-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4656-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4656-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: König, Katrin Februar 2001: Probleme und Möglichkeiten von Identitätskonstruktionen in Hanif Kureishis "The Buddha of Suburbia", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Hanif Kureishi, Postkolonialismus, Identität, Postmoderne, Literaturwissenschaft

Magisterarbeit von Katrin König

Einleitung:

Hanif Kureishi, zeitgenössischer „Postcolonial Storyteller”, ist Autor von Theaterstücken, Drehbüchern, Romanen, Kurzgeschichten und Essays. The Buddha of Suburbia, der 1990 erschienene erste Roman des Autors, ist typisch für Kureishis Werk in seiner Darstellung individueller Identitätsprozesse, wie sie sich unter den spezifischen Lebensbedingungen im London postmoderner und postkolonialer Zeit vollziehen. In diesem Sinne setzt sich die vorliegende Arbeit aus einer sowohl postmodernen wie auch postkolonialen Perspektive exemplarisch mit den Problemen und Möglichkeiten von Identitätskonstruktionen in The Buddha of Suburbia auseinander. Der Analyse liegt die Annahme einer prozeßhaften, hybriden, rollenbestimmten Identität zugrunde, die vom Individuum nicht autonom, sondern unter Beeinflussung durch das soziale Umfeld ausgebildet wird. Eine grundlegende Aussage der vorliegenden Arbeit ist, daß Kureishi sich nicht darauf beschränkt, Identitätsprozesse von Immigranten und deren Nachkommen darzustellen, denen im allgemeinen Identitätsprobleme zwischen den Kulturen der alten und der neuen Heimat zugeschrieben werden. Im untersuchten Roman wird aufgezeigt, daß die Ausbildung und Entwicklung von Identität für alle Menschen mit Problemen verbunden sein kann, genauso aber Möglichkeiten eröffnet.

Der erste Teil dieser Arbeit dient der Erläuterung einiger theoretischer Hintergründe zum Identitätsbegriff. Die hier skizzierten Konzepte entstammen insbesondere dem Bereich der Sozialwissenschaften und fungieren als Instrumente zur literaturwissenschaftlichen Analyse des Romans. Es folgt ein kurzer Abriß über The Buddha of Suburbia. In einem zweiten Teil wird der Roman unter dem Gesichtspunkt der Identität als autobiographischer Bildungsroman postkolonialer und postmoderner Prägung charakterisiert. Ein dritter Teil schließlich beschäftigt sich mit Faktoren und Strategien der Identitätsbildung in Kureishis Roman. Hier wird die Funktion intertextueller Bezüge im Hinblick auf die Identitätsprozesse der Figuren untersucht, um anschließend besonderes Augenmerk auf die Parallelisierung von fiktionalem und sozialem Rollenspiel zu richten. In diesem Zusammenhang wird der Kreisprozeß von Authentizitätsglauben, Stereotypiserung, Erwartungshaltung und Rollenspiel dargestellt, der die Figuren im Prozeß ihrer Identitätsbildung wesentlich beeinflußt. Hier wird einerseits herausgearbeitet, wie Kureishis Figuren aufgrund bestimmter Merkmale in Rollen gedrängt werden und wie sie andererseits diese Merkmale als Elemente des Rollenspiels nutzen können, um das Klischeedenken der Umwelt zum eigenen Vorteil auszunutzen. Die Arbeit schließt mit der Erläuterung der These, daß Kureishis Roman das Ideal einer „authentischen” Identität zugunsten einer rollenbestimmten, hybriden und veränderbaren Identitätsform als unzulänglich entlarvt.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1 Der theoretische Rahmen 3
1.1 Entwurf eines Identitätsbegriffs 4
1.1.1 Drei Kontexte des Identitätsbegriffs 4
1.1.2 Identitätsprozeß und Identitätsdynamik 5
1.1.3 Identität als dialektischer Kreisprozeß 8
1.1.4 Selbstkonzept 9
1.2 Identitätsfindung und –stiftung in der Gesellschaft 10
1.2.1 Der vormoderne Gesellschaftstypus 11
1.2.2 Der (post)moderne Gesellschaftstypus 13
1.3 Das Individuum in der pluralistischen Gesellschaft 15
1.3.1 Pluralistische Lebenswelt(en) 15
1.3.2 Soziale Rollen und Stereotypisierung 17
1.3.3 Individualität, Authentizität, Hybridität 19
1.4. Hanif Kureishi und The Buddha of Suburbia 22
2 The Buddha of Suburbia: Autobiographischer Bildungsroman postkolonialer bzw. postmoderner Prägung 26
2.1 The Buddha of Suburbia als autobiographischer Bildungsroman 26
2.1.1 The Buddha of Suburbia als fiktionale Autobiographie 26
2.1.2 The Buddha of Suburbia als Bildungsroman 39
2.1.3 Identität im autobiographischen Bildungsroman The Buddha of Suburbia 30
2.2 Identität im postkolonialen Bildungsroman The Buddha of Suburbia 34
2.2.1 Akkulturation, Assimilation, Hybridität 35
2.2.2 Orientalismus und Other 38
2.2.3 Stereotypisierung 42
2.2.4 Schauspiel und Mimicry 44
3 Faktoren, Elemente und Strategien der Identitätsbildung in The Buddha of Suburbia 48
3.1 Intertextualität und Identität in The Buddha of Suburbia 48
3.1.1 Eklektizismus und Hybridtität 48
3.1.2 Selbst- und Fremdbilder 51
3.1.3 Gruppenzugehörigkeit und Individualität 54
3.1.4 Textuelle Schablonen und rollenbestimmte Identität 57
3.1.5 Versuche der Sinnstiftung durch Referenzen 59
3.2 Theater, Rollen und Identität 64
3.2.1 Bühnenrolle vs. soziale Rolle 65
3.2.2 Der Einfluß von Zuschauer und Publikum 67
3.3 Rollenerwartungen durch Interaktion mit dem Other 72
3.3.1 Faszination 72
3.3.2 Xenophobie 76
3.3.3 Assimilierung 77
3.4 Rolle vs. Authentizität: Elemente des Rollenspiels und Strategien der Identitätsbildung in The Buddha of Suburbia 79
3.4.1 Maske/Hautfarbe 80
3.4.2 (Bühnen)Sprache 83
3.4.3 Kostüm/Kleidung 87
3.4.4 Dekonstruktion des Authentizitätsideals 91
Abschließende Bemerkungen 97
Bibliographie 100
Erklärung 105

Automatisiert erstellter Textauszug:

Diskriminierung totschweigen: „’Talk about it? God, no.’ Clearly [Allie] was on to a subject he liked.“247 Allies betont weiße Lektüre besteht aus „fashion magazines like Vogue, Harper’s and Queen, and anything European he could lay his hands on.“248 Durch sie deklariert er seine Zugehörigkeit zur Kultur der weißen Engländer. Kulturelle Zeichen/Texte die Selbstkonzepte von Personen und ihre Sichtweise anderer Menschen verändern, indem sie die individuelle Wahrnehmung filtern − sie können also Identitäten beeinflussen. Karim führt dies am Beeispiel von Changez vor, dessen Englandbild durch ausgiebige Lektüre von Klassikern der englischen Populärliteratur vorbelastet ist: „P.G. Wodehouse and Conan Doyle for me!“249 Diese Autoren schrieben noch zu Zeiten des glorreichen Empire. Ihre Werke vertreten in Buddha jene Mythen, die als kulturelle Texte die unrealistischen Fremdbilder in den Köpfen der kolonisierten Völker mitverantworteten. Umgekehrt erfüllte Rudyard Kiplings The Jungle Book diese Funktion für die Engländer. Um mit Haroon zu sprechen: „That bloody Fucker Mr Kipling pretending to whity he knew something about India!“250 Wodehouses „typisch englisches“ Lord-und-Butler-Gespann Jeeves and Wooster und Doyles pfeifenrauchender Detektiv prägen als stereotype Elemente der britischen Kultur Changez’ Englandbild dermaßen, daß die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit verwischt, wenn er Karim in kindlicher Begeisterung bittet: „Can you take me to Sherlock Holmes’s house in Baker Street?“251 Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als Karim Changez Harold Robbins Romane zuspielt, unter deren Einfluß Changez Libido sich ihren bis dato vernachlässigten Stellenwert in seinem Selbstkonzept erkämpft: [...]

mystischem Abend fällt Karim deren Literatursammlung ins Auge, „a row of fat books handtooled in plastic – abridged versions (with illustrations) of Vanity Fair and The Woman in White.“246 Sich mit literarischer Bildung brüsten, Klassiker der Weltliteratur allerdings nur in leicht genießbarer Form konsumieren zu wollen, entspricht in seiner Oberflächlichkeit der gesamten Geisteshaltung des Pärchens und seiner Gäste: Analog zur Lektüre gekürzter Romane praktizieren sie eine Art von östlichem Mystizismus light und fühlen sich dabei sehr gebildet und weltoffen. Ein von Oberflächlichkeit geprägter Lebensstil was die Einstellung zur eigenen wie auch zu anderen Kulturen betrifft, wird anhand des sinnentleerten Umgangs der Charaktere mit kulturellen Texten und Codes entlarvt. Hier kehrt sich ironischerweise das Fremdbild, welches beim sozialen Gegenüber erzeugt werden sollte, ins Gegenteil um: Anstatt bei Karim (und in zweiter Instanz den Lesern) einen Eindruck von Intellektualität und Weltoffenheit zu erwecken, wird vielmehr die Oberflächlichkeit der behaupteten kulturellen Bildung vorgeführt. Wirft man das Augenmerk auf die Herkunft der Texte, auf die der Erzähler Karim sich selbst bezieht, so fällt auf, daß diese fast ausschließlich dem westlichen Kulturkreis entstammen. Trotz Karims bikultureller Abstammung tauchen Referenzen auf asiatische Kulturen praktisch nur im Zusammenhang mit anderen Figuren auf – wie Haroons Yogaübungen, Evas chinesische Meditation oder Anwars islamistischer Fundamentalismus. Der jugendliche Karim fühlt sich demnach primär der westlichen Kultur europäischamerikanischer Prägung zugehörig; am Kulturkreis seines Vaters hegt er zum Zeitpunkt der Handlung kein Interesse. Dieses Verhalten läßt sich als Reaktion auf die Verortung deuten, die Karim von seiten seine Umwelt widerfährt. Karims ethnischer Hintergrund prägt als herausragendes Merkmal [...]

Intertextualität erfüllt in Buddha mehrere Funktionen. Auf einer ersten Ebene gelingt es dem Roman, mit Hilfe ausgiebiger Verweise die Stimmung und den Zeitgeist im London der 70er Jahre einzufangen. Das vielfarbige Spektrum von Pop und Punk, Londons umtriebige Theater- und Kunstszene, aber auch die rassistische Politik eines Enoch Powell243 werden durch das intertextuelle Instrumentarium zum Leben erweckt. Auf einer zweiten Ebene beziehen sich Kureishis Figuren im Prozeß der Identitätssuche und -Konstruktion auf verschiedenste identitätsstiftende kulturelle Zeichen und Texte. Auf diese Weise konstituieren die Charaktere ihre Identität u.a. durch aktive Bezugnahme auf externe Faktoren: Somit unterliegt die persönliche Identität der konstruktiven Einflußnahme des Individuums. Gleichzeitig wird die Idee eines von äußeren Faktoren abgeschotteten Identitätsprozesses widerlegt, denn wenn der einzelne sich auch bestimmte Zeichen und Texte, an denen er seine Identität ausrichtet, selbst wählen kann, so unterliegen seine Selbstkonzepte damit externen Einflüssen. 3.1.2 Selbst- und Fremdbilder Die Figuren in Buddha werden zu vielen Gelegenheiten mit kulturellen Zeichen wie bestimmten Büchern, Schallplatten etc. in Verbindung gebracht. Diese fungieren als Indikator für den Charakter der betreffenden Figur; aus der Außenperspektive schließt Karim vom kulturellen Konsumverhalten seiner Mitmenschen auf deren Identität. Die somit entwickelten Fremdbilder vermittelt er in seiner bissig-ironischen Art an die Leser weiter: Uncle Ted und Auntie Jean erachten in ihrer Kleinbürgerlichkeit Tommy Steele als „culture, entertainment, show business.“244 Karims Mutter Margaret flüchtet sich aus ihrem tristen, von Eheproblemen gezeichneten Alltag in die Romantik von „Catherine Cookson novels.“245 Beim Besuch von Carl und Mariannes [...]

Arbeit zitieren:
König, Katrin Februar 2001: Probleme und Möglichkeiten von Identitätskonstruktionen in Hanif Kureishis "The Buddha of Suburbia", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Hanif Kureishi, Postkolonialismus, Identität, Postmoderne, Literaturwissenschaft

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