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Die Problematik der emotionalen Bindung an Worte bei Georges Bataille

Die Problematik der emotionalen Bindung an Worte bei Georges Bataille
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Vivian Gjurin
  • Abgabedatum: Oktober 2006
  • Umfang: 105 Seiten
  • Dateigröße: 368,9 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 72
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2854-9
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Gjurin, Vivian Oktober 2006: Die Problematik der emotionalen Bindung an Worte bei Georges Bataille, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Georges Bataille, Philosophie, Affektive Bindung, Diskurs, Poesie

Diplomarbeit von Vivian Gjurin

Einleitung:

Georges Batailles Werk zum ersten Mal zu begegnen ist eine Explosion, die alles zerstört, was jemals an konstituiertem von der Wissenschaft geprägtem Wissen von dem Geist des Lesers einvernommen wurde. Eine Zerstörung, die alles devastiert, und eine Leere, ein Nichts, ein Unbekanntes gepaart mit einer durchdringenden verzehrenden Wut aus Machtlosigkeit zurücklässt.

Indem Georges Bataille in seinem Werk pionierhafte Präzisionsarbeit bezüglich theoretischem, literarischem wie auch poetischem Schaffen geleistet hat, ist es von Vorteil das von ihm gelieferte Werkzeug, - das als Gegenposition zum traditionellem Wissenschaftsbegriff, als Perspektivenwechsel zur Subjektivität wage umschrieben werden kann-, anzueignen und zu verwenden um im intellektuellen Diskurs scheinbar innovative bisher unausgesprochene Perspektiven aufzuzeigen. Die somit erworbene Arroganz ist die Basis um jeglichen intellektuellen Diskurs erfolgreich zu enttarnen und zu führen.

Was aber, wenn es einen traditionellen wissenschaftlichen Diskurs über Batailles Werk selber zu verfassen gilt? Die Abwechslung von Arroganz und Machtlosigkeit in stetig höheren Frequenzen ebnen die Basis des fast luziden Zustandes, schreiben zu müssen, trotz der absoluten Gewissheit, wie paradox dies sei, da die Methodik dafür fehlt oder nicht ausreicht. Aber dieser Zwang zu schreiben, charakterisiert wohl das schwindelerregende verwirrungsstiftende zerstörerische Grundelement von Batailles Werk: das Verlangen an die Ränder seines Möglichen und darüber hinaus zu gehen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitende Worte 14
2. Selektive Darstellung der Grundideen des theoretischen Werkes von Georges Bataille 15
2.1 Die Perspektive der Verschwendung und der Souveränität 15
2.2 Das Erkennen der Souveränität oder die Innere Erfahrung 19
3. Moderne Souveränität als Poesie 22
4. Problematik der emotionalen Bindung an Worte 24
HAUPTTEIL 28
5. Die Enttarnung der Unzulänglichkeit der emotionalen Bindung an die Worte 28
5.1 Das Unbekannte als das NICHTS 28
5.1.1 Ausgrenzung des Unbekannten durch den Diskurs 28
5.1.2 Das Dramatisieren als konventionalisierter Zugang zum Unbekannten 31
5.2 Die getarnte Abhängigkeit vom Diskurs als Vernunft 32
5.2.1 Die Sprache als der legitimierende Garant der Vernunft 32
5.2.2 Die Macht des Wortes 33
5.2.3 Die Machtlosigkeit des Wortes 34
5.3 Offenlegung der Unzulänglichkeit des Diskurses 37
5.3.1 Das Loch zwischen Sein und Diskurs 37
5.3.2 Das Buch als Überwindung zwischen Sein und Diskurs 39
6. Die Loslösung von der emotionalen Bindung an Worte 41
6.1 Die Überschreitung als neuer Denkmodus 41
6.1.1 Der Akt der Überschreitung 41
6.1.2 Die gegenseitige Abhängigkeit der Überschreitung und dem Verbot 43
6.1.3 Das vergängliche Momentwesen der Überschreitung 48
6.2 Die Theorie der Loslösung von der emotionalen Bindung an Worte 50
6.2.1 Die Differenzierung zwischen dikursiver und emotionaler Erkenntnis 50
6.2.2 Methodik der Loslösung 54
7. Souveräne emotionale Bindung an Worte 56
7.1 Schreiben des Schweigens 56
7.1.1 Das Öffnen der Worte 56
7.1.2 Die Form des Schreibens 60
7.1.3 Schreiben als philosophisches Kunstwerk 64
7.2 Schreiben der Verausgabung 66
7.2.1 Die imaginäre Essenz 66
7.2.2 Schreiben als Dramatisieren 68
7.2.3 Schreiben als Gleiten 71
7.3 Die souveräne Erfahrung des Schreibens 74
7.3.1 Das Unmögliche Sein 74
7.3.2 Die Erfahrung des Gleitens 79
7.4 Poesie 83
7.4.1 Poesie als Verrat 83
7.4.2 Poesie als Opfer 89
7.4.3 Der Poet 93
8. Konklusion oder eine Ode an die Kommunikation 97
9. Résumée en français 101
10. Danksagung und Widmung 102
11. Bibliographie 104
12. Curriculum Vitae 112
13. Anhang: Zusammenfassung der Arbeit 113

Textprobe:

Kapitel 7.1.1, Das Öffnen der Worte:

Die Phänomene der Verausgabung sind punktuelle Gegebenheiten. Der Tod, wie der Exzess sind unfassbar, aber jedoch Tatsachen. Sie sind die Grenzen der Sprache, die Grenzpunkte, die nur mehr Schweigen zulassen. Wie soll aber Schweigen etwas benennen? Wo doch Schweigen an sich nicht der Sprache angehört.

Es gilt also die Sprache zu verwenden, um das Schweigen begrifflich zu machen. Bataille beschreibt dasVorhaben seines Werkes: Pour ma part- il me semble- en parlant- avoir rendu une sorte d’hommage- assez lourd- au silence.

Es gilt Sprache zu verwenden, genau erfahrend und wissend, was die Inhalte sind und die vorgegebenen Grenzen der Sprache missachtend. Es ist eine action der Öffnung der Worte, des Treibens der Worte bis zu ihrem Ende, die Erschaffung der Verbindungen von Worten unter neuer Perspektiven, die um die gegebenen Sprachgrenzen gleiten können: J’en veux trouver qui réintroduisent- en un point- le souverain silénce qu’intorrompt le langage articulé.

Es ist ein Vorhaben das Ausgeschlossene aus der Sprache, das Schweigen, die Leere, in die Sprache einzuführen.

Die Worte für den Exzess zu öffnen, scheitert aber an den Worten an sich, wie Artaud beschreibt: On me parle de mots, mais il ne s’agit pas de mots, il s’agit de la durée de l’ésprit. , wie an dem Satz an sich: Mes phrases me semblent loin de moi: il y monque la perte de souffle. Denn in wie weit auch die Worte geöffnet werden, sie bleiben noch immer Worte und als solche leblose Hüllen einer Abwesenheit vom Sein, einer Abwesenheit vom belebenden Hauch, was einen bitteren Nachgeschmack beim ganzen louable souci ein Buch zu schreiben hinterlässt. Diesen elementaren Widerspruch der action des Vorhabens formuliert und reflektiert Bataille immer wieder in seinen Werken, wie am Anfang von La Part Maudite:

Écrivant le livre où je disais que l’énergie ne peut être finalement que gaspillée, j’employais moi-même mon énerge, mon temps, au travail: ma recherche répondait d’une maniere fondamontale au désir d’accroître la somme de biens acquis à l’humanité. Dirai- je que dans ces conditions je ne pouvais parfois que répondre à la verité de mon livre et ne pouvais continuer de l’écrire?

Ein Buch zu schreiben ist ein Projekt, eine Arbeit mit Ziel, auf der sprachlichen eingrenzenden Ebene. Das Ziel ist es die Verausgabung in eine diskursive Form fließen zu lassen, Worte mit Worten zu verausgaben, dass aber durch ihre Abgegrenzheit wie ausgeführt ein Widerspruch in sich ist. Die Überwindung dieses Widerspruchs, das Kommunizieren des Hinübergleitens über die sprachliche Grenze kann wenn, dann höchstens durch den Abbruch der Phrasen bewerkstelligt werden. Ces réflexions interrompues ont peu de sens ... Ou peut-être est-ce d’avoir éte interrompues qui leur en donne.

Das Schreiben verhält sich zum Extrem, zum Sein, so wie das Leben zum Tod. Mon cri se perd de la même facon que la vie dans la mort. Das Leben nähert sich seine ganze Zeit über mit Schritten einem Punkt an, es umfließt einen Punkt, der unbekannt ist, einen Punkt, der nicht erfassbar ist. Der Tod als der Höhepunkt des Unbekannten, der vom Leben umflossen wird, und nie erfasst wird, entspricht dem absoluten Sein im Moment, von der Sprache umflossen, aber nie erfasst wird.

En verité, le langage qui je tiens ne pourrait s’achéver que par ma mort. (...) La mort est une disparition, c’est une suppression si parfaite qu’au sommet le plein silence en est la vérité, tant qu’il est impossoble d’en parler. Ici, le silence que j’appelle, évidemment, n’est approché que du dehors, de loin.

Der sprachreflexive Diskurs L’Abée C. zeigt, wie das Schweigen vom Text aus markiert werden muss und kann. Der Text schließt alle die Erfahrungen ein, so weit sie sich überhaupt machen lassen, die zu verhindern er beschuldigt wird. Das letzte Extreme erreicht er freilich nicht. Es bleibt das Unmögliche, dem Bataille sich unter diesem Titel in aphoristischen Folgen, in kurzen Aphorismen, in Zuckungen, zu nähern sucht.

Foucault beschreibt das Erfassen des im Schweigen Gefangenen in Batailles Schreibvorhaben, in Batailles abgebrochener, verausgabender Sprache, als ein Hingreifen, Annähern der Wörter, die aber Zurückgeworfen werden:

Le langage de Bataille en revanche s’effondre sans cesse au coeur de son propre espace, laissant à nu, dans l’inertie de l’extase, le sujet insistant et visible qui a tenté de le tenir á bout de bras, et se trouve comme rejeté par lui, exténué sur le sable de ce qui’il ne peut plus dire.

Der Abbruch ist der höchste Punkt, zu dem die Sprache getrieben werden kann. Es ist die Grenze, um die die Worte fließen können. Denn das Schweigen ist dann die Extase bzw. das unmittelbare Sein. Cette silénce de foudre qu’introduit l’extase.

Bataille hat wie in seinem Werk, so auch während seiner Vorträge das Spiel der Macht und der Grenze des Schweigens verwendet, wie Manuel Rainord berichtet:

Carré dans son fauteuil, les avant-bras posés à plat sur la table, l’homme agit par sa masse, procéde avec avec mesure, semble-t-il (dérobade en forme d’assaut), laisse opérer sur l’auditoire des silences de vingt-sept secondes. (...) Vous aviez devant vous, par-delà l’écran du mince tapis vert, un homme éprouvant dans l’instant ce qu’il disait, du moins en proie visiblement à un certain débat, pour qui les mots, à coup sûr, là, étaient pauvre monnaie, qui tentait devantage.

Das Schweigen, der Abbruch der Wörter ist die Form der Kommunikation vom Unfassbaren. Die Kommunikation dessen ist das Ziel von Batailles geschriebenem Werk, wie das Ziel seiner Vorträge. Das Vorhaben ist eine Kommunikation des Unsagbaren für den Leser: Littérature est communication. Im Interview mit Madelaine Chapsal, kurz vor seinem Tod, beharrt er noch immer auf dem Ausdruck seiner unabgeschlossener, unterbrochener Sätze, die durch ihre Unterbrechung am ehesten das zum Ausdruck bringen können, was er zum Ausdruck bringen will.

Arbeit zitieren:
Gjurin, Vivian Oktober 2006: Die Problematik der emotionalen Bindung an Worte bei Georges Bataille, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Georges Bataille, Philosophie, Affektive Bindung, Diskurs, Poesie

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