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Das Problem des wachsenden chinesischen Ölbedarfs für die Außenwirtschafts- und Geopolitik

Das Problem des wachsenden chinesischen Ölbedarfs für die Außenwirtschafts- und Geopolitik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ferdinand Pöllath
  • Abgabedatum: September 2005
  • Umfang: 115 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9561-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9561-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9561-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Pöllath, Ferdinand September 2005: Das Problem des wachsenden chinesischen Ölbedarfs für die Außenwirtschafts- und Geopolitik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Erdgas, Energie, Iran, Japan, Zentralasien

Diplomarbeit von Ferdinand Pöllath

Einleitung:

Im Sommer 2005 durchbrach der Ölpreis die Marke von 65 USD/Barrel Rohöl; das Fernsehen, Radio und Zeitungen waren geprägt von Berichten, Analysen und Prognosen über die steigenden Ölpreise. Nach wenigen Tagen schien für die Experten die Antwort gefunden: Die Schwellenländer Ost- und Südasiens, insbesondere Indien und China wurden für diesen Preisschub verantwortlich gemacht.

Nachdem man jahrelang nur das wachsende chinesische BIP vor Augen hatte, schien diese Erklärung auch nahe zu liegen, doch übersahen viele Kommentatoren Faktoren wie Spekulationen am Kapitalmarkt, ein Nachlassen der Produktion oder versuchte Preispolitik durch die OPEC.

Tatsächlich betrug der chinesische Ölverbrauch, für 1,4 Mrd. Menschen, 2003 gerade einmal 7,6% des weltweiten Konsums (Indien 3,1%); während Japan mit 110 Millionen Einwohnern 6,8% und die USA mit 260 Millionen 25,1% bestritten.

Das Entscheidende dabei ist jedoch, dass der chinesische Rohölkonsum innerhalb eines Jahres um 11,5% gestiegen war und trotz einer leichten Abkühlung des chinesischen Wirtschaftswachstums, nicht mit einem starken Nachlassen des Erdölbedarfs zu rechnen ist.

Dieser ganze Prozess, mit seinen weltweiten Auswirkungen, ist nur eines – wenn auch ein sehr deutliches Symptom – dass sich die Machtverteilung auf der Erde in einer Umbruchsphase befindet. Mit der Rückkehr des bevölkerungsreichsten Landes in die Weltpolitik und Weltwirtschaft vollzieht sich ein Umbruch, welcher in seiner Tiefe und seiner Entwicklung die Rahmenbedingungen für die nächsten 100 Jahre vorgeben kann.

Da der Wiederaufstieg Chinas ohne eine starke Wirtschaft undenkbar ist und eine moderne Wirtschaft auch heute noch von einem starken Ölkonsum gekennzeichnet ist, wird die Beschaffung und Sicherung dieser Ressource für das Reich der Mitte von entscheidender Bedeutung sein.

Da andererseits die Ölvorkommen unter den Großmächten (und den ihnen nahe stehenden Konzernen) schon aufgeteilt sind, ist China durch seinen Aufstieg dazu gezwungen, die bestehenden Machtverhältnisse in Frage zu stellen und in fremde Interessenssphären vorzustoßen.

Inwieweit das bereits der Fall ist und welche Chancen und Probleme sich daraus ergeben, dieser Analyse dient der Zweck dieser Arbeit.

Allein schon wegen der Bedeutung der Thematik für die betroffenen Länder ist es verständlich, dass die Ansichten zu diesem Thema, je nach der politischen Ansicht, scharf voneinander abweichen.

Um deshalb eine möglichst objektive Analyse zu erstellen, wurde bei der Arbeit Wert darauf gelegt, die verschiedenen Standpunkte der Akteure anhand ihrer eigenen Äußerungen durch Primärquellen zu sichten und herauszuarbeiten.

Gang der Untersuchung:

Der Frage nach den Problemen des wachsenden chinesischen Rohölbedarfs für die Außenwirtschafts- und Sicherheitspolitik stelle ich folgende These voran: „Der steigende chinesische Importbedarf an Öl zwingt die Volksrepublik zunehmend in fremde Einflusssphären vorzudringen.“ Ich werde diese These und die sich aus ihr ergebenden Konsequenzen anhand des neorealistischen Theoriegebäudes untersuchen, welches zur besseren Operationalisierung um den Hegemonie- und Macht-, bzw. Gleichgewichtsansatz ergänzt wird.

Zusätzlich werde ich untersuchen, inwieweit die VR China eine „Macht des Wandels“ ist und was dies im Bezug auf ihr Verhältnis zu den bestehenden Großmächten bedeutet. Als wirtschaftstheoretischen Rahmen der gesamten Untersuchung werde ich den „Grenzen des Wachstums Ansatz“ setzen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 1
I. These und theoretische Einordnung 4
a) Der Neorealismus 4
Großmachtsysteme 7
Großkonzerne und Großmächte 8
‚Attraktivität’ von Großmächten 10
b) Hegemonie und Machtgleichgewicht 11
c) Die ‚Mächte des Wandels und des Beharrens’ 13
d) Die Grenzen wirtschaftlichen Wachstums 15
II. Die Entwicklung des chinesischen Energiesektors und aktuelle Herausforderungen 18
a) Historische Entwicklung der Ölproduktion: Vom Exporteur zum Importeur 18
b) Öl als Teil der chinesischen Energieversorgung 22
c) Die wichtigsten Akteure und die Struktur des chinesischen Erdölmarktes 27
d) Die „Peakproblematik“ und die Frage kontinuierlich hoher Ölpreise als geostrategisches und ökonomisches Problem 30
III. Die VR China als geostrategischer Akteur 36
a) Chinas Ziele 36
b) Die Deckung des Ölbedarfs und die Auswirkung auf die geopolitische Situation Chinas (Fallstudien) 49
1. Der Mittlere Osten und Saudi-Arabien als geopolitisches Spannungsfeld zwischen den USA und der VR China 51
2. Zentralasien als bedeutende Produktions- und Transferregion zwischen Moskau, Washington und Peking 57
3. Das offene Spiel um den Sudan 65
c) Die wichtigsten geopolitischen Konkurrenten Chinas 72
Japan- zwischen den Gezeiten treibend 72
Die Vereinigten Staaten von Nordamerika 78
d) Zwischenfazit 83
IV. Ausblick 88
Dominanz von Großmächten und deren strategischer Sicherheitspolitik im internationalen System 88
Die Großmachtssysteme im Bereich der internationalen Energiepolitik 88
Vergleich der Fähigkeiten zur Machtprojektion zwischen den USA und der VR China 91
Die Politik der USA als wichtigster Faktor bei der Entwicklung der chinesisch- amerikanischen Beziehungen 92
Die Handlungsmöglichkeiten Chinas 93
Die Auswirkungen des steigenden chinesischen Rohölbedarfs auf den Weltölmarkt (3 Szenarien: Rezession, Stagnation, Wachstum) 95
Literatur 98
Zeitungen und Zeitschriften 100
Elektronische Texte 101

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bedeutung Chinas in Saudi-Arabien zurückzudrängen. Doch diese Betrachtung würde zu kurz greifen, denn solange genug Öl für beide Großmächte vorhanden ist- hier zu verstehen als preiswertes Öl- besteht zwischen beiden eine gewisse Interessenkongruenz. Beide sind an einem sicheren Zugang, und damit an stabilen politischen Verhältnissen im Land interessiert. Außerdem müssen die USA bisher nicht befürchten, dass China die so eng geschmiedeten Bande zwischen ihr und Saudi-Arabien stören könnte, da diese primär über moderne Technologie und die Verbindungen zwischen den Eliten gehalten werden. Die VR China profitiert sogar von der starken US-Präsenz in der Region, insoweit als die US-Armee, trotz allem, einen stabilisierenden Faktor (für den Zugang fremder Mächte) darstellt, und besonders die US-Marine die langen Seewege bewacht, mit deren Schutz die Volksmarine überfordert wäre. Sollten die Ölpreise jedoch weiter steigen und keine neuen alternativen Felder gefunden werden, so ist es sehr wahrscheinlich, dass ein [...]

langfristige und gute Beziehungen zu dieser Herrscherfamilie herzustellen. Vor der Reformpolitik Deng Xiaopings stellten die chinesischen Waffenlieferungen in die Region einen großen Destabilisierungsfaktor dar, weshalb sich die beiden Länder bis in die 80er Jahre hinein feindselig gegenüberstanden. Doch im Zuge des Strebens nach internationaler Anerkennung reduzierten die Chinesen ihre Waffenlieferungen in Spannungsgebiete 104 und legten großen Wert auf die Normalisierung diplomatischer Beziehungen. Damit erreichte China, dass Saudi-Arabien im Jahr 1990 offizielle Beziehungen mit ihm aufnahm. Seitdem haben sich die politischen Beziehungen zunehmend verbessert, was zum einen der chinesischen Nichteinmischungsdoktrin, zum anderen aber natürlich der steigenden Attraktivität des chinesischen Marktes geschuldet ist, an dem auch die saudische ARAMCO Interesse hat. Dieses Zweigestirn aus Marktmacht und eingestellten Waffenverkäufen beschleunigte die saudisch chinesische [...]

Die Lieferbeziehungen sehen dabei folgendermaßen aus: Die chinesischen Konzerne erwerben Rohöl, aber auch raffiniertes Öl, von der seit 1976 (bzw. 1980) staatlichen Ölfirma „Saudi (!) ARAMCO“ oder Schürfkonzessionen in ausgewiesenen Regionen. Das Öl wird anschließend auf dem Seeweg nach China transportiert. Auch hat China in der Vergangenheit Saudi-Arabien gedrängt Raffinerien in der Volksrepublik zu errichten, um die dortigen Wirtschaftsstandorte zu stärken. Doch trotz gegenseitigen Einvernehmens ist es bisher nicht zu einer Umsetzung gekommen. Dafür engagieren sich zunehmend chinesische Firmen in Saudi-Arabien. So schloss Sinopec im März 2004 einen Vertrag im Wert von 300 Millionen USD mit ARAMCO ab, in welchem es sich verpflichtet, ein Naturgasfeld nahe dem großen Ghawar Ölfeld zu erschließen. Obwohl sich dies vom wirtschaftlichen Standpunkt kaum rechnen dürfte, sind sich die Experten einig, dass es vorrangig ein politischer Vertrag war 103 . Er dient insbesondere dem Zweck, langfristige positive Beziehungen mit der saudischen Regierung herzustellen, so dass man bei zukünftigen Verhandlungen über Rohöl davon profitieren kann. [...]

Arbeit zitieren:
Pöllath, Ferdinand September 2005: Das Problem des wachsenden chinesischen Ölbedarfs für die Außenwirtschafts- und Geopolitik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Erdgas, Energie, Iran, Japan, Zentralasien

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