Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Das Problem mangelnder 'Financial Literacy' bei der Altersvorsorge

Das Problem mangelnder 'Financial Literacy' bei der Altersvorsorge
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nicole Stücke
  • Abgabedatum: Juli 2008
  • Umfang: 75 Seiten
  • Dateigröße: 495,6 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Paderborn Deutschland
  • Bibliografie: ca. 55
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2450-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stücke, Nicole Juli 2008: Das Problem mangelnder 'Financial Literacy' bei der Altersvorsorge, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: demografischer Wandel, Altersvorsorge, Financial Literacy, Behavioral Finance, Senioren

Diplomarbeit von Nicole Stücke

Einleitung:

Krisen meistert man am besten, indem man ihnen zuvorkommt (Rostow).

Die Rentenversicherungssysteme der Industrienationen haben in den letzen Jahrzehnten mit existenziellen Problemen zu kämpfen, die ohne Reformen in einem noch gravierenderen Rückgang der individuellen Leistungen resultieren würden. Die demographische Entwicklung gilt als Hauptgrund für diese Probleme, da das in vielen Industrienationen vorherrschende Umlagesystem der gesetzlichen Rentensysteme nur in einer intakten demographischen Struktur funktionieren kann, die genügend Beitragszahler bereitstellt. Eine alternde Gesellschaft kann diese Forderung nicht länger erfüllen und muss zwangsläufig andere Mittel und Wege suchen, um die Absicherung der Renten zu gewährleisten.

Auch Deutschland ist mit dieser Aufgabe konfrontiert. Aufgrund der demographischen Entwicklung ist ein konsequentes Handeln notwendig. Denn lange war das Problem der alternden deutschen Industrienation schon bekannt, doch die Politik hat viele Jahre die Augen vor dem Problem verschlossen und ist nicht mutig und entschlossen, sondern entmutigt und unentschlossen der unpopulären Aufgabe davongelaufen, die im Wahlkampf viele Wählerstimmen, vor allem der zahlreichen Rentner, gekostet hätte. Somit kann obiges Sprichwort: ‘Krisen meistert man am besten, indem man ihnen zuvorkommt’ als eine Art Mahnung angesehen werden, die die Dringlichkeit zum Handeln betont.

Die Rentenreform im Jahr 2001, die neben der gesetzlichen Altersvorsorge auch immer mehr die betriebliche und private Vorsorge in den Vordergrund stellt, ist ein Ansatz in die richtige Richtung, jedoch wurde ihr volles Potential bei weitem noch nicht erreicht und ausgeschöpft. Ein Grund ist, dass die private und betriebliche Vorsorge auf freiwilliger Basis und Eigeninitiative der Bürger zu verwirklichen ist. Daher stellt sich immer das Problem, dass viele Bürger sich aus mangelndem Interesse, fehlendem Wissen, ungenügendem Problembewusstsein, nicht ausreichender finanzieller Ressourcen oder auch fehlendem Vertrauen nicht an den Lösungen beteiligen. Auch kommt es immer wieder zu psychologischen Phänomenen, die sowohl informierte als auch unwissende Personen daran hindern, ihre Altersvorsorge konsequent anzugehen. Diese Arbeit betrachtet diese Probleme näher. Dabei werden sowohl das Thema der mangelnden Financial Literacy diskutiert und die daraus resultierenden Konsequenzen als auch weitere Gründe aus dem Bereich der Verhaltenswissenschaften erörtert, die für eine mangelnde Teilnahme an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen genauso wie das geringe Financial-Literacy-Niveau verantwortlich sind, um im Folgenden mögliche Handlungsvorschläge zu diskutieren. Ziel ist es, die optimalen Bedingungen für eine höhere Teilnahme an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen zu erreichen. Dabei wird der Schwerpunkt auf einer Betrachtung des deutschen und des amerikanischen Altersvorsorgesystems liegen. Wissenschaftler haben bereits praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen, die auch für das deutsche System in Betracht gezogen werden können. Denn selbst wenn sich die Politik in Deutschland mit ihren Reformen nun auf dem richtigen Weg befindet, so müssen insbesondere die Bürger diesen Weg erkennen, einschlagen und konsequent verfolgen. Zudem kann die Regierung mit geschickten Reformansätzen verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, um höhere Teilnahmeraten und Sparquoten zu erreichen. Nur so kann dem Problem der Altersarmut, mit einem Absinken des Lebensstandards im Alter, entgegengewirkt werden.

Die zentrale Frage, die es bei dem Thema ‘das Problem mangelnder Financial Literacy bei der Altersvorsorge’ zu beantworten gilt, ist, wie die Teilnahme an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen verbessert werden kann. Dabei wird die Hypothese aufgestellt, dass die alleinige Stärkung des Financial-Literacy-Niveaus durch eine einzelne Maßnahme wie zum Beispiel eine verstärkte Finanzbildung nicht ausreichen wird, um optimale Teilnehmerzahlen an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen zu erreichen, sondern dass noch mehr Variablen bei dieser komplexen Fragestellung betrachtet werden müssen, die dann parallel zum Einsatz kommen.

Um die zentrale Fragestellung beantworten zu können, wie die Teilnahme an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen gestärkt werden kann, wird nach der Einleitung in Kapitel 2 zunächst die demographische Entwicklung Deutschlands näher erläutert, bevor die daraus resultierenden Konsequenzen für die gesetzlichen Rentensysteme betrachtet werden. Die Einordnung der deutschen Situation in den internationalen Vergleich wird deutlich machen, dass die Entwicklung in allen Industrienationen ähnlich ist, nur dass einige Nationen die notwendigen Reformen eher und konsequenter umgesetzt haben als andere. Der momentane Stand der Reformen in der Altersvorsorge in Deutschland soll die aktuelle Situation in Deutschland wiedergeben und wird somit hauptsächlich auf die Entwicklung in der gesetzlichen Rentenversicherung und der Entwicklung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge abstellen. Im Bereich der privaten Vorsorge erfolgt exemplarisch eine Vorstellung der Riesterrente. Dass beispielsweise mit der Rüruprente weitere Ausgestaltungsmöglichkeiten einer freiwilligen, förderfähigen privaten Altersvorsorge möglich sind, sollte jedoch klar sein. Im Zwischenfazit wird nochmals verdeutlicht, dass die demographische Entwicklung der Industrienationen zu Problemen führt, die die vorherrschenden umlagenfinanzierten Systeme nicht länger alleine bewältigen können. Eine Ergänzung des Systems ist somit erforderlich, die auch neue Herausforderungen an die Individuen stellt. Da sie in der Pflicht stehen, vermehrt freiwillig und eigenständig vorzusorgen, müssen sie Kenntnis von der Materie der Altersvorsorge besitzen.

Dieser Punkt leitet auf Kapitel 3 über, in dem zunächst das theoretische Modell des Lebenszyklus beschrieben wird, das als Referenzmodell für das Kapitel dienen soll. Es wird herausgestellt werden, dass die Empirie das Modell nicht kritiklos anerkennt. Im nächsten Teilkapitel wird der Punkt der Financial Literacy diskutiert, der bereits bestätigt, dass das theoretische Referenzmodell von der zu restriktiven Annahme des vollkommenen Marktes ausgeht mit u. a. vollkommen informierten Personen. Es wird herausgestellt, dass weite Teile der Bevölkerung ein nur unzureichendes Finanzwissen besitzen und auch über ihre Altersvorsorge wenig wissen. Diese Unwissenheit resultiert in zu geringen Teilnehmerquoten und Sparraten im Bereich der freiwilligen privaten und betrieblichen Altersvorsorge. Zusätzlich zum Financial-Literacy-Niveau gibt es jedoch noch verhaltenswissenschaftliche Variablen, die sich bei Nichtbeachtung zusätzlich in niedrigen Teilnehmerraten niederschlagen und die den Annahmen des objektiv rationalen Individuums des Referenzmodells entgegenstehen. Einige Variablen werden hier diskutiert, bevor mögliche Lösungsansätze erörtert werden, die mögliche Wege aus der Financial Illiteracy und der mangelnden Teilnahme an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen aufzeigen können.

Dies leitet auf Kapitel 4 über, in dem Politikimplikationen für Deutschland aus den zuvor diskutierten Aspekten abgeleitet werden. Da viele der vorherigen Aspekte aus amerikanischen Studien stammen, muss zunächst geprüft werden, ob diese auf Deutschland übertragbar sind. Es wird herausgestellt, dass eine Eins-zu-eins-Übertragung nicht möglich ist, da sich die Länder in vielen Aspekten voneinander abgrenzen. Jedoch können die amerikanischen Erkenntnisse als Ideenpool für deutsche Reformen genutzt werden. Um die Teilnehmerzahlen bei der freiwilligen Altersvorsorge in Deutschland zu erhöhen, wird herausgestellt, dass nicht allein ein Ansatz genügt, sondern dass mehrere Ansätze parallel gefahren werden müssen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis ii
Abbildungsverzeichnis iii
Tabellenverzeichnis iv
1. Einleitung 1
2. Demographische Entwicklung 4
2.1 Alternde Industrienationen 4
2.2 Konsequenzen für die gesetzlichen Rentensysteme 7
2.3 Die deutschen Reformen im Vergleich zu ausgewählten Ländern 10
2.4 Aktueller Stand der Reformen in Deutschland 14
2.5 Zwischenfazit 18
3. Gründe und Lösungsansätze mangelnder Teilnahme an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen 20
3.1 Das Lebenszyklusmodell als theoretisches Referenzmodell 20
3.2 Financial Literacy 23
3.2.1 Versuch einer Definition 23
3.2.2 Probleme und Konsequenzen der mangelnden Financial Literacy 23
3.2.3 Einordnung: Wie informiert sind die Individuen? 24
3.2.3.1 Allgemeine Aspekte der Financial Literacy in OECD-Ländern 24
3.2.3.2 Wie wissend ist die amerikanische und die deutsche Bevölkerung? 27
3.3 Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Financial Literacy: Erkenntnisse der ,Behavioral Finance' 32
3.3.1 Das Aktivierungsproblem: Die Trägheit und das Zögern 33
3.3.2 Das Vertrauensproblem 38
3.3.3 Das Problem zu vieler Entscheidungsmöglichkeiten 42
3.4 Lösungsansätze: Mögliche Wege aus der Financial Literacy und der mangelnden Teilnahme an freiwilligen Altersvorsorgeprogrammen 43
3.4.1 Finanzbildung 44
3.4.1.1 Allgemeine Aspekte und Ziele von Finanzbildung 44
3.4.1.2 Finanzbildung in Amerika 45
3.4.1.3 Hauptbereitsteller von Finanzbildung 46
3.4.2 Budgetplan 49
3.4.3 Default Optionen 51
3.4.4 SMarT-Pläne 53
3.4.5 Transparenz und Vergleichbarkeit von Finanzprodukten 55
3.5 Zwischenfazit 56
4. Politikimplikationen für Deutschland: Kann Amerika als Vorbild dienen? 58
4.1 Allgemeine Aspekte zum amerikanischen und deutschen System 58
4.2 Politikimplikationen für Deutschland 59
5. Zusammenfassung 65
6. Literaturverzeichnis 68

Textprobe:

Kapitel 4.2, Politikimplikationen für Deutschland:

Wie bereits in Kapitel 2 dargestellt wurde, scheint eine ausgewogene Mischung von Umlagefinanzierung und Kapitaldeckung in alternden Nationen den besten Schutz vor einer drohenden Altersarmut zu bieten. Die Kapitaldeckung, die in Deutschland über die zweite und dritte Säule der Altersvorsorge verwirklicht werden kann, findet – wie bereits herausgestellt wurde – auf freiwilliger Basis statt und fordert einen informierten und aktiven Bürger.

Falls ein ausreichendes Financial-Literacy-Niveau nicht vorhanden ist, müssen Mittel und Wege gefunden werden, die das Financial-Literacy-Niveau erhöhen oder die trotz eines geringen Financial-Literacy-Niveaus die Teilnahmeraten an freiwilliger Altersvorsorge erhöhen. Es wurde herausgestellt, dass Individuen bestimmte Verhaltensmuster zeigen, die sich auf die Teilnahme an den Altersvorsorgeprogrammen auswirken. Im Folgenden sollen nun die bisher erarbeiteten Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln einbezogen werden, um somit mögliche Politikimplikationen für Deutschland zu erarbeiten. Optimal scheint dabei zu sein, mehrere Ansätze parallel anzuwenden, nämlich die Stärkung des Financial-Literacy-Niveaus auf der einen Seite, um das Wissen ökonomischer Konzepte und somit das Vertrauen in das Altersvorsorgesystem zu verbessern, und die geschickte Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse der ‘Behavioral Finance’ auf der anderen Seite, um optimale Teilnehmerraten im Hinblick auf Altersvorsorgeprogramme zu erreichen. Zeitgleich müssen die Transparenz und die Vergleichbarkeit der Rentenvorsorgeprodukte sowie die Informationen über zu erwartende Rentenleistungen verbessert und vereinfacht werden, um die Individuen zusätzlich zu einem optimalen Verhalten anzuregen.

Es ist zwingend notwendig, den Blick der Bürger für die Vorsorgenotwendigkeit zu schärfen und zu verbessern. Ein Resultat einer erhöhten Financial Literacy muss die Erkenntnis der Bürger sein, dass eine Notwendigkeit zur Vorsorge besteht. Denn nur wenn der Arbeitnehmer eine realistische Einschätzung seiner Rentenbezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung und seine Versorgungslücke im Alter kennt, kann ihm eindringlich vor Augen geführt werden, wie sich sein Lebensstandard im Rentenalter bei nicht ausreichender Absicherung zum Negativen ändern würde. Daraus muss sich für ihn die dringliche Notwendigkeit ergeben, für das Alter freiwillig vorzusorgen. Wie in Kapitel 3.2.2. herausgestellt wurde, herrscht in Deutschland eine Vorsorgeillusion, bei der immer noch zu viele ihre zukünftige Rentensituation zu optimistisch einschätzen und somit keine Notwendigkeit einer betrieblichen oder privaten Vorsorge sehen. Auch wenn seit dem Jahr 2004 jedem Rentenversicherten jährlich eine gesetzliche Renteninformation zugeht, so ist diese Renteninformation irreführend, da sie zu optimistische Annahmen über die Rentenhöhe vermittelt und zum Beispiel mögliche Kaufkraftverluste nicht mit einbezieht.

Anbieter von Lebensversicherungen, Investmentsparplänen oder Banksparplänen sind generell nicht verpflichtet, den Kunden über zukünftige Kaufkraftverluste zu informieren. Aus diesem Grund sollte gesetzlich geregelt werden, dass realistische Informationen bereitgestellt werden. So sollten sachliche Informationen über die zu erwartende Dynamisierung, Verzinsung und mögliche Kaufkraftverluste vorgeschrieben werden. Für die drei Bereiche der Altersvorsorge – die gesetzliche, private und betriebliche Säule – sollten ebenfalls gesetzlich festgelegte Informationen, wie die Darstellung verschiedener Szenarien mit unterschiedlichen Dynamisierungsraten und Kaufkraftverlusten, abrufbar sein. Zudem sollte explizit darauf hingewiesen werden, dass eine genaue Vorhersage kaum zu leisten ist und dass die Individuen auf keinen Fall von den optimistischen Werten ausgehen sollten, da auch ungünstige Entwicklungen im Verlauf einer ca. vierzigjährigen Ansparphase wahrscheinlich sind.

Damit die Individuen die Vorsorgenotwendigkeit erkennen und die ihnen bereitgestellten Informationen verarbeiten und verstehen können, müssen sie ein gewisses Financial-Literacy-Niveau haben oder erwerben. In Kapitel 3.4.1 wurde bereits herausgestellt, dass Seminare in den USA über die Altersvorsorge einen positiven Effekt auf den Wohlstand bei den am wenigsten Gebildeten und denjenigen mit dem geringsten Vermögen haben. Die Seminare vermitteln diesen Personen ein Grundwissen über ihre Finanzen. Zudem wurde herausgestellt, dass es effektiv zu sein scheint, Finanzbildungsangebote zielgruppenabhängig anzubieten, da hier bessere Ergebnisse erzielt werden. Eine andere Studie fand heraus, dass Seminare zwar in die richtige Richtung leiten können, die Effekte jedoch häufig verschwindend gering sind. So werden zwar bessere Teilnahmeraten bezüglich Altersvorsorgeprogrammen erreicht, jedoch werden zu geringe Sparraten realisiert, um befriedigende Resultate bei der späteren Rente zu erhalten. Andere Teilnehmer haben im Rahmen des Seminars das Bedürfnis entwickelt, mehr zu sparen, haben dies jedoch aufgrund ihrer Trägheit und fehlender finanzieller Ressourcen nicht umgesetzt. Somit deutet sich auch hier erneut an, dass es optimal zu sein scheint, sowohl die Finanzbildung zu stärken als auch verhaltenswissenschaftliche Aspekte bei der Realisation der Altersvorsorge mit einzubeziehen.

Für Deutschland konkret wäre eine mögliche Umsetzung die folgende: Um das Financial-Literacy-Niveau zu stärken, sollte mit der Finanzbildung so früh wie möglich begonnen werden. Schon im Kindergarten könnten Kinder spielerisch an ökonomische Konzepte herangeführt werden, um dann während der schulischen Ausbildung explizit eine ökonomische Bildung zu durchlaufen. Wie herausgestellt wurde, sollte mit dem Sparen so früh wie möglich begonnen werden, da der Zinseszinseffekt vielfach unterschätzt wird und viele die Position vertreten, dass man immer noch genug Zeit zum Sparen habe. Wenn die Individuen jedoch bereits von Kindesbeinen an lernen, mit ökonomischen Konzepten umzugehen, so scheint die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie bewusster ihre Lebenssituation bedenken, planen und auch ihre Altersvorsorge aktiv angehen.

Auch nach der Schulbildung muss die Finanzbildung fortgesetzt werden. Es wurde herausgestellt, dass eine Finanzbildung zielgruppenabhängig den größten Effekt zu haben scheint. Somit bietet sich eine Finanzbildung am Arbeitsplatz an. Wie eine konkrete Ausgestaltung aussehen würde, kann hier nicht diskutiert werden, da die arbeitsrechtlichen Möglichkeiten mit einbezogen werden müssen. Denkbar wäre es allerdings, regelmäßige Seminare für die unterschiedlichen Firmenbereiche oder Abteilungen anzubieten, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen. Auch dies könnte in Form einer automatischen Anmeldung geschehen, von der die Mitarbeiter explizit wieder zurücktreten müssten, um eine Nichtteilnahme zu erreichen. Zusätzliche Anreize, wie einen Tag Sonderurlaub für Teilnehmer oder ein gemütliches Ausklingen der Seminartage, könnten die Attraktivität der Teilnahme zusätzlich erhöhen. Auch Gewerkschaften könnten in der Freizeit der Mitglieder Seminare zur Altersvorsorge anbieten. Da die Mitgliederzahlen zwar rückläufig, aber immer noch hoch sind, kann auch hier eine Vielzahl von Arbeitnehmern erreicht werden. Für den interessierten Bürger ist aktuell auf die Kampagne des Bundesfinanzministeriums hinzuweisen, das an 500 Volkshochschulen das Projekt ‘Altersvorsorge macht Schule’ anbietet. Neutrale Rentenberater beraten dabei die Kursteilnehmer in Bezug auf die Altersvorsorge.

Durch die konkrete und kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema würde der Schrecken, den finanzielle Angelegenheiten und das Altersvorsorgesparen bei vielen hervorrufen, abgebaut werden. Somit wären Individuen auch in der Lage, ihre individuelle Sparrate zu errechnen und umzusetzen, um im Alter ausreichend versorgt zu sein. Zudem würden sie auch wissen, dass es vielfach notwendig ist, einen höheren Anteil in Fonds des Aktienmarktes zu investieren, um ihre Renditen zu erhöhen. Jedoch wären sie sich durchaus bewusst, dass Aktien immer ein Risiko beinhalten. Sie würden daher nur einen gewissen Anteil ihres Vermögens am Aktienmarkt investieren und außerdem ihr Risiko streuen, indem sie nicht allein in eine Aktienart investieren. Auch müssten sie in der Lage sein, einen persönlichen Budgetplan aufzustellen. Dieser hilft bei der konkreten Verwirklichung der individuellen freiwilligen Altersvorsorge.

So vielversprechend der Ansatz der Finanzbildung auch zu sein scheint, so wenig scheint er dazu geeignet, um kurzfristig Erfolge zu erzielen, da die meisten Lehrpersonen keine ökonomische Ausbildung durchlaufen haben und somit kaum in der Lage sein werden, die Finanzbildung sinnvoll umzusetzen. Denkbar wäre allerdings eine flächendeckende Nachschulung und Weiterbildung der vorhandenen Lehrpersonen, um den Ansatz schnellstmöglich in die Realität umzusetzen. Dem entgegen steht jedoch das föderale Schulsystem.

Arbeit zitieren:
Stücke, Nicole Juli 2008: Das Problem mangelnder 'Financial Literacy' bei der Altersvorsorge, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
demografischer Wandel, Altersvorsorge, Financial Literacy, Behavioral Finance, Senioren

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren