Die Prinzipal-Agent-Theorie
Normative und positive Aspekte für die Praxis
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Margarethe Mathissen
- Abgabedatum: April 2008
- Umfang: 73 Seiten
- Dateigröße: 352,9 KB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
- Bibliografie: ca. 80
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2803-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mathissen, Margarethe April 2008: Die Prinzipal-Agent-Theorie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Principal Agent Theorie, Institutionenökonomie, Informationsasymmetrie, Agency Theorie, moral hazard
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Diplomarbeit von Margarethe Mathissen
Einleitung:
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der institutionenökonomischen Principal-Agent-Theorie in ihrer positiven und normativen Ausprägung. Einführend wird die Neue Institutionenökonomik mit ihren grundlegenden Annahmen vorgestellt, um darauf aufbauend einen ihrer wesentlichen Theorieansätze, die Principal-Agent-Theorie, näher zu betrachten. Abschließend wird diese auf ihre Aussagefähigkeit und Anwendbarkeit überprüft.
Problemstellung:
Das in der Volkswirtschaftslehre als Erweiterung der neoklassischen Theorie entwickelte Forschungsgebiet der Neuen Institutionenökonomik erlebt in den letzten Jahrzehnten einen ungeahnten Aufschwung. Im Gegensatz zur neoklassischen Theorie, die Kooperationsformen wirtschaftlicher Aktivitäten auf einem vollkommenen Markt untersucht und von symmetrisch verteilten Informationen aller Wirtschaftsakteure ausgeht, werden hier Motivations- und Koordinationsprobleme bei der Interaktion von Menschen in einer arbeitsteiligen Wirtschaft anerkannt, zu deren Bewältigung Institutionen unumgänglich sind. Die Fiktion der neoklassischen Modelle ist hilfreich, um die Grundgedanken ökonomischer Effizienz in Modellen abzubilden. Die Modellvoraussetzungen sind jedoch zu abstrakt und realitätsfern, um die Komplexität des wirtschaftlichen Lebens zu erfassen. Setzt man sich wissenschaftlich oder praktisch mit zielorientierten, arbeitsteiligen Systemen auseinander, ist die Steuerung des individuellen Handelns zwangsläufig von großer Bedeutung. In einem Unternehmen agiert bspw. eine Vielzahl von Wirtschaftsakteuren, deren Verhalten durch individuelle Ziele und Restriktionen gesteuert wird und deren Informationsstand sehr unterschiedlich ist.
Ein sehr wichtiger Aspekt stellen dabei die Principal-Agent-Beziehungen dar, die sich in fast allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens wiederfinden. Bei vielen ökonomischen Kooperationen handelt oder entscheidet ein Individuum im Auftrag eines anderen. Die Beziehung von Arbeitnehmer und Arbeitgeber oder die Geschäftsführung durch Manager im Auftrag von Eigentümern sind nur zwei Beispiele für eine solche Beziehung. Kennzeichnend hierfür sind häufig asymmetrisch verteilte Informationen zugunsten des Auftragnehmers, externe Effekte sowie Interessenkonflikte, die eine Koordination über den Markt anhand eines Preissystems ausschließen.
Diese Problematik bildet den Untersuchungsgegenstand der Principal-Agent-Theorie, die im Rahmen dieser Arbeit in ihrer positiven und normativen Theorieströmung vorgestellt wird. Es werden die in der Theorie entwickelten Lösungsansätze aufgezeigt mit einem abschließenden Blick auf die Aussagefähigkeit und die Anwendung in der Praxis. Es soll überprüft werden, ob die Theorie wirklich dem ursprünglichen Anspruch genügt, die neoklassischen Modelle in ihrer Prognose- und Aussagefähigkeit zu erweitern und neue Erkenntnisse zu liefern. Die Darstellung der Principal-Agent-Theorie erfolgt nach dem nun folgenden Aufbau.
Gang der Untersuchung:
Die Principal-Agent-Theorie ist, wie oben bereits erwähnt, ein wesentlicher Teilansatz der Neuen Institutionenökonomik. Daher wird im ersten Teil der Arbeit die Neue Institutionenökonomik in ihren Grundzügen vorgestellt. Nachdem auf die begriffliche Definition, Entstehung und Durchsetzung von Institutionen eingegangen wurde, werden die Grundannahmen der Neuen Institutionenökonomik aufgezeigt mit besonderem Blick auf die Gemeinsamkeiten und Abweichungen mit der neoklassischen Theorie. Es wird gezeigt, welche Annahmen im Wesentlichen für die Principal-Agent-Theorie Geltung besitzen. Der erste Teil der Arbeit schließt mit einer historischen Einordnung der Neuen Institutionenökonomik und einer kurzen Vorstellung ihrer Kerntheorieansätze.
Daran anschließend wird im Hauptteil der Arbeit die Principal-Agent-Theorie in ihrer positiven und normativen Theorieströmung vorgestellt. Im Rahmen der positiven Principal-Agent-Theorie werden die wesentlichen Merkmale der Beziehung zwischen Principal und Agent mit dem Blick auf asymmetrisch verteilte Informationen und die daraus resultierenden Probleme herausgearbeitet, wobei eine Typisierung der auftretenden Probleme vorgenommen wird. Weiterhin werden verschiedene mögliche Lösungsansätze zur Behebung der Probleme aufgezeigt, wobei die Agency-Kosten abschließend als Bewertungskriterium für die alternativen Lösungsansätze vorgestellt werden.
Die Bildung von optimalen Anreizverträgen als Problemlösung anhand mathematischer Modelle bildet den Kern der normativen Principal-Agent-Theorie, die in ihren Grundmodellen, aber auch in einem vereinfachten Modell vorgestellt wird. Abschließend wird eine kritische Würdigung beider Theorieströmungen im Hinblick auf ihre Aussagefähigkeit und Anwendbarkeit in der Praxis vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | II | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Symbolverzeichnis | V | |
| Abbildungsverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Aufbau der Arbeit | 2 |
| 2. | Die Neue Institutionenökonomik | 3 |
| 2.1 | Institutionen | 4 |
| 2.1.1 | Begriff Institution und deren Funktion | 4 |
| 2.1.2 | Entstehung von Institutionen | 6 |
| 2.1.3 | Durchsetzung von Institutionen | 8 |
| 2.2 | Grundannahmen der Neuen Institutionenökonomik | 9 |
| 2.2.1 | Die neoklassische Modellwelt und institutionenökonomischeAnknüpfungspunkte | 9 |
| 2.2.2 | Die Bedeutung von Transaktionskosten | 11 |
| 2.2.3 | Methodologischer Individualismus | 12 |
| 2.2.4 | Individuelle Rationalität | 13 |
| 2.2.5 | Opportunismus | 15 |
| 2.3 | Alte und Neue Institutionenökonomik | 15 |
| 2.4 | Teilansätze der Neuen Institutionenökonomik | 16 |
| 3. | Die Agency-Theorie | 18 |
| 3.1 | Die Beziehung zwischen Principal und Agent | 20 |
| 3.2 | Das Problem der Agency-Beziehung | 21 |
| 3.2.1 | Hidden action | 23 |
| 3.2.2 | Hidden characteristics | 27 |
| 3.2.3 | Hidden information | 29 |
| 3.2.4 | Hidden intention | 31 |
| 3.3 | Varianten des Agency-Problems | 31 |
| 3.3.1 | Moral hazard | 32 |
| 3.3.2 | Adverse selection | 32 |
| 3.3.3 | Hold up | 33 |
| 3.4 | Einfache und komplexe Agency-Probleme | 34 |
| 3.4.1 | Einfache Probleme | 34 |
| 3.4.2 | Komplexe Probleme | 35 |
| 3.5 | Lösungsansätze | 36 |
| 3.5.1 | Reduktion der Informationsasymmetrie | 37 |
| 3.5.2 | Auflösung der Zielkonflikte | 39 |
| 3.5.3 | Bildung von Vertrauen | 41 |
| 3.6 | Agency-Kosten als Bewertungskriterium für alternative Lösungsansätze | 42 |
| 3.7 | Die normative Principal-Agent-Theorie | 43 |
| 3.7.1 | Entwicklung der normativen Theorieströmung | 44 |
| 3.7.2 | Vereinfachtes Modell der normativen Principal-Agent-Theorie bei moral hazard mit hidden action | 44 |
| 3.8 | Kritische Würdigung | 52 |
| 4. | Fazit | 56 |
| Anhang | VII | |
| Literaturverzeichnis | XII |
Textprobe:
Kapitel 3.3, Varianten des Agency-Problems:
In der Realität gibt es eine Vielzahl von Principal-Agent-Beziehungen, die sich nicht nur hinsichtlich der beteiligten Personen unterscheiden, sondern auch im zugrunde liegenden Anreizproblem.
Moral hazard:
Die Unterscheidung der oben dargestellten Probleme infolge von ‘hidden action’ und ‘hidden information’ ist auf ARROW zurückzuführen. In der Literatur ist ersteres Problem auch mit dem Begriff des ‘moral hazard’, des moralischen Risikos, belegt. ARROW beschreibt ‘moral hazard’ ‘als die Schwierigkeit zwischen echten Risiken und menschlichem Versagen zu unterscheiden.’ In Verbindung mit der Delegation von Aufgaben ist moral hazard ein ernsthaftes Problem, weil der Auftraggeber zwar das Endergebnis messen kann, das von exogenen Faktoren und der Leistung des Agenten abhängig ist, jedoch nicht ermitteln kann, welcher Anteil vom Ergebnis auf die Leistung des Agenten zurückzuführen ist.
Den Begriff kann man jedoch im Grunde auf jedes Agency-Problem ausdehnen, da in fast allen Fällen die moralische Einstellung des Agenten eine wichtige Rolle spielt. Wenn der Agent seinen durch den Informationsvorsprung entstandenen Vorteil dem Principal gegenüber nicht ausspielt, entstehen auch nicht die typischen Agency-Probleme. Zur Problemlösung liegt eine Anhebung der Moral nahe, diese Überlegung spielt jedoch bisher in der Theorie nur eine geringere Rolle.
Adverse selection:
Mit ‘hidden characteristics’ ist die Problematik der ‘adverse selection’ verbunden. Von ‘adverse selection’, oder auch Negativauslese, spricht man, wenn der Principal vor Vertragsabschluss weniger über den Agenten weiß als dieser selbst. Für den Agenten besteht ein Anreiz, sich ex ante opportunistisch zu verhalten und seine wahren Verhaltensmerkmale nicht zu offenbaren.
Der Prozess der ‘adverse selection’ wurde von Akerlof am Beispiel des Gebrauchtwagenmarktes dargestellt. Auf einem Gebrauchtwagenmarkt werden Autos guter und schlechter Qualität angeboten. Die Informationen sind dahingehend asymmetrisch verteilt, dass der Verkäufer besser über die Qualität der Autos informiert ist. Da der Käufer auf der Grundlage seines Wissens nicht zwischen den guten und schlechten Automobilen unterscheiden kann, bildet er einen Erwartungswert für die Qualität. Er ist nur bereit einen Preis zu zahlen, der sich zwischen dem für gute und dem für schlechte Qualität befindet. Der Reservationspreis sinkt. Damit ist der Käufer nicht mehr bereit, den erforderlichen Preis für einen Wagen guter Qualität zu zahlen. Die Verkäufer guter Automobile, deren Qualität und Preise über dem Mittelwert liegen, haben durch ihren Verlust nun keinen Anreiz mehr zu verkaufen und ziehen sich aus dem Markt zurück. Anders verhält es sich bei den Verkäufern qualitativ schlechter Autos. Für sie ist der Verkauf attraktiv, da der Preis hier unterhalb des Mittelwertes liegt. So werden auf einem Gebrauchtwagenmarkt systematisch Autos guter Qualität verdrängt und es kommt zu einer Negativauslese und schließlich zum Marktversagen.
Hold up:
‘Hold up’ bedeutet übersetzt Überfall und bezeichnet eine Situation, in der das gewollte Verhalten eines Individuums deutlich zu Tage tritt und einem Schaden zufügt. Hier liegt zwischen Principal und Agent ein Vertragsproblem dergestalt vor, dass der Agent noch einen Freiraum für die tatsächliche Ausgestaltung der vertraglichen vereinbarten Leistung hat. Dieser Freiraum ist auf ex ante unpräzise Modalitäten des Vertrages zurückzuführen. Der Agent kann seine Leistung willentlich gestalten. Es ist daher von Bedeutung, ob sich der Agent kooperativ im Sinne des Principals verhält oder die Vertragslücken ex post zum Nachteil des Principals nutzt, wobei das willentliche Verhalten des Agenten offen zu Tage tritt und nicht im Verborgenen bleibt. Der Agent nutzt beim ‘hold up’ auch die Abhängigkeit des Principals, die sich aus seiner Faktorspezialität bzw. seinen speziellen Kompetenzen ergeben kann. Wenn der Principal nicht auf andere Vertragspartner ausweichen kann, kann dieser ihn auch ohne asymmetrisch verteilte Informationen ausbeuten. Dieses Problem spielt eine große Rolle im Transaktionskostenansatz. In der Principal-Agent-Theorie hat es keine große Bedeutung erlangt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836628037
Arbeit zitieren:
Mathissen, Margarethe April 2008: Die Prinzipal-Agent-Theorie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Principal Agent Theorie, Institutionenökonomie, Informationsasymmetrie, Agency Theorie, moral hazard



